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Hast du Gott je gesehen?
Dieser deutsche Text ist eine maschinelle Übersetzung des türkischen Originals und kann Fehler enthalten.
Vorwort
Die Menschheit findet die sichtbaren Dinge weitaus überzeugender als die unsichtbaren. Wenn es um geistige Werte geht, wird es fast als Stolz und als weise Antwort empfunden, wenn manche Menschen die Sache mit einem einzigen Satz abtun: „Ich glaube nicht an Dinge, die ich nicht sehe.“
Ausgehend von der Erfahrung, die ich mit der Zeit gesammelt habe, hielt ich es für notwendig, ein Buch mit einem solchen Titel zu schreiben. Ich weiß natürlich, dass es zu diesem Thema weitaus gelungenere und überzeugendere Bücher gibt. Die Menschheit hat seit Jahrtausenden den Kampf zwischen den sichtbaren und den unsichtbaren Dingen ausgefochten. Für jene sichtbaren oder unsichtbaren Dinge haben Menschen ihr Leben geringgeachtet oder anderen das Leben bitter und unerträglich gemacht. Ob es sich nun um sichtbare oder um unsichtbare Dinge handelt: Ich habe versucht, mit diesem Buch ein wenig hervorzuheben, wie unterschiedlich und wie unangebracht unsere Sichtweisen darauf sein können.
Die Gründe oder Ausreden, die wir gewöhnlich vorbringen, spiegeln nicht unbedingt unseren Glauben wider, sondern vielmehr den Weg, den wir tatsächlich gehen. Und es ist völlig natürlich, dass jeder Mensch den Weg, den er geht, auf seine Weise auch verteidigt. Wenn ich mit den Gedanken, die ich niedergeschrieben habe, denen ein Licht sein kann, die dies aufrichtig tun, so bin ich glücklich.
Einer der größten und triftigsten Gründe der Menschen, die an nichts glauben wollen, ist, dass die unsichtbaren Dinge niemandem irgendeinen Nutzen brächten. Es gibt natürlich auch nicht wenige philosophische Gedanken wie: «Sie sind nichts als Aberglaube und leere Vorstellungen, das Opium der Gesellschaften.» Und oft haben sie mit einer solchen Denkweise sogar recht.
In diesen Schriften habe ich versucht, ohne allzu sehr in die Tiefe zu gehen, nur die allgemeinen Gedanken zum Ausdruck zu bringen, wie man sie an einer Türschwelle oder bei einer Tasse Tee im Gespräch äußert. Ich habe Beispiele aus unserer Zeit verwendet, die jeder verstehen kann. Die erstaunlichen Möglichkeiten, die wir besitzen, sind heute nahezu in jedem Haushalt vorhanden. Diese Hilfen und Informationen auf den Computern, die man Internet nennt, sind geradezu mehr als genug. Seit es die Menschheit gibt, war es niemals so leicht wie heute, sich Wissen anzueignen oder zu forschen. Und dennoch ist die Menschheit, die das Wissen hasst, ebenso in der Mehrheit.
Da der größte Wert, den wir als unsichtbar kennen, Gott ist, möge dieses Buch denen, die Schwierigkeiten haben, an unsichtbare Dinge zu glauben, hoffentlich eine kleine Hilfe sein.
Oft unterliegen wir Gedanken, auf die wir keine Antwort wissen. Wir schämen uns, über sie zu sprechen, weil unser Wissen auf jenem Gebiet unzureichend bleibt. Und wenn das, woran wir glauben, nicht auf Wissen beruht, dann erscheint es uns leichter, demjenigen, der unseren Glauben kritisiert, mit roher Gewalt oder mit Bomben entgegenzutreten. Leider scheint es für die Menschheit schlimmer zu sein, sich Wissen anzueignen, als zu sterben.
Denken ist eine Begabung. Auf der Erde ist die Menschheit das Lebewesen, das in dieser Begabung am weitesten fortgeschritten ist. Statt diese Begabung zu unterdrücken und zunichtezumachen, sollten wir sie auf eine Weise gebrauchen, die uns Glück und Sicherheit empfinden lässt.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Sehen
Das, was wir am meisten schätzen
Sichtweisen
Der Mensch sieht — sollte Gott da nicht sehen?
Die Sättigung der Seele
Sehen
Dienstag, 31. Mai 2005
Kann ein Blinder einem Sehenden gleich sein? Wer könnte leugnen, dass das Sehen nützlich ist? Und wer wiederum bestreitet, dass das Sehen notwendig, lebenswichtig und vor allem genussvoll, zugleich aber auch seelisch schmerzhaft ist? Manche Menschen sagen sogar, das erste der fünf wertvollsten Sinnesorgane sei das „Auge“.
Eigentlich sind wir uns vieler Dinge, die wir besitzen, entweder gar nicht bewusst, oder wir müssen sie erst verlieren, um ihren Wert richtig zu erkennen. Es gibt Sprüche, die rätselhaft klingen und längst zu Sprichwörtern geworden sind. Zum Beispiel: „Den Wert zweier Dinge erkennt man erst, wenn sie einem entgleiten: «das eine ist die Gesundheit, das andere die Jugend».“ Auch unser Sehvermögen gehört zur Gesundheit. Aber sind es wirklich nur zwei Dinge, deren Wert man erst erkennt, wenn sie einem entgleiten? Tatsächlich gibt es so vieles, das wir aufzählen könnten. Leider erkennen wir wie bei so vielen Dingen auch ihren Wert erst, wenn wir sie verloren haben. Daneben sehen die Menschen, ob sie jene Sache nun besitzen oder nicht, in ihren Augen und Herzen das Geld als das einzige an, dessen Wert niemals verloren geht. Das Interessante daran ist, dass fast alles, was man mit Geld erlangen kann, das Auge anspricht. Während ich diese Zeilen schreibe, habe ich einmal darüber nachgedacht, was man denn mit Geld erlangen könnte, das man nicht sieht. Wenn wir uns nicht auf Wortspiele einlassen, fällt mir, glauben Sie mir, wirklich nichts ein. Manchmal sehen wir zwar die Sache selbst nicht, aber ihre Wirkung sehen wir gewiss. Es gibt gewiss vieles, was mit bloßem Auge nicht zu sehen ist, und dennoch hat die Menschheit sehr viel Materielles darin investiert. Damit meine ich nicht nur Dinge wie Strom und Erdgas. Auch das Gas sehen wir nicht, aber seine Wirkung sehen wir, wenn es als Flamme brennt. So ist es auch mit dem Strom. Aber genau das meine ich nicht allein. In der Natur, auf unserer Erde gibt es so vieles, das mit dem Auge nicht zu sehen ist. Am Ende aber hat die Menschheit sich auf die eine oder andere Weise darum bemüht, es doch sichtbar zu machen. Wenn versucht wird, etwas zu verkaufen, wer bemüht sich dann am meisten, es zu zeigen, und zwar so begehrenswert wie möglich zu zeigen? Werbeleute, Verkäufer, Menschen, die daraus Gewinn ziehen oder zufrieden damit sind. Zeigen muss man es, damit man das Interesse des Gegenübers wecken kann.
So wie es im Traum jedes Menschen liegt, der reich werden möchte, stellen Sie sich einmal Ihren eigenen Reichtumstraum vor. Was würden Sie mit diesem Reichtum tun wollen? Was kaufen, wohin gehen, mit wem zusammen sein? Wenn Sie all das sorgfältig durchdenken, werden Sie feststellen, dass das meiste davon, ja sogar alles, das Auge anspricht. Spielen daneben unsere Nase, unsere Haut, unsere Zunge, unsere Ohren etwa gar keine Rolle? Natürlich spielen sie eine Rolle. Sonst müssten wir ja sagen, dass sehbehinderte Menschen, die nichts sehen, „nichts brauchen und auch nichts wünschen“, was völlig unsinnig wäre. Ich betone nur, wie wertvoll das Sehen ist, und behaupte nicht, dass unsere übrigen Sinnesorgane überflüssig seien. Ist es nicht der Wunsch von uns allen, dass sie alle im Einklang miteinander arbeiten?
Um den Wert, den man dem Sehen beimisst, noch einmal zu verdeutlichen, wollen wir ein Beispiel geben. Sagen wir zum Beispiel: „Essen ist ein körperliches Bedürfnis des Menschen.“ Das sagen wir zwar, aber in Wirklichkeit ist Essen zugleich auch ein gewaltiger Genuss. Sogar der Apostel Paulus lenkt in der Bibel die Aufmerksamkeit auf diese Gefühle der Menschen und spricht davon, dass manche die Bedeutung, die sie ihrem Bauch und ihren geschlechtlichen Gefühlen beimessen, geradezu vergöttern. Dort steht wörtlich geschrieben:
…ihr Gott ist ihr Bauch. Ihre Herrlichkeit besteht in ihrer Schande. Philipper 3:19
Auch aus der Wahrheit dieses Verses erkennen wir und nehmen es an, dass Essen mehr als nur ein Bedürfnis, nämlich ein gewaltiger Genuss ist. Millionen von Menschen, und besonders Frauen, so sehr sie sich auch wünschen, schön zu sein, können ihren Gaumen nicht beherrschen und werden die Pfunde, die sie loswerden wollen, einfach nicht los. Warum? Weil es für sie oft unmöglich ist, dem Genuss des Essens «Nein!» zu sagen. Eigentlich sollten wir, ohne dabei ins Übermaß zu geraten, für diese Genüsse Dankbarkeit und Zufriedenheit empfinden. Es gibt zum Beispiel auf der Welt so luxuriöse Restaurants, die dem, was sie tun, einen übermäßigen Wert beimessen. Wenn ich sage, dass sie dem Aussehen des Essens beinahe mehr Wert beimessen als seinem Geschmack, dann liege ich damit wohl nicht ganz falsch. Die Innenausstattung solcher Restaurants ist ohnehin vom Boden bis zur Decke, von der Decke bis zu den Wänden mit größter Sorgfalt gestaltet. Die besondere Kleidung und das Verhalten der Kellner entspringen einer über viele Jahre erworbenen Erfahrung und Ausbildung. Diese Tische und die darauf zum Essen bereitgestellten, blitzenden Kristallgläser in allerlei Formen, groß und klein, augenblendend. Teller, glänzend wie poliert, von makelloser Weiße. Manchmal ist jeder Teller so groß wie ein Tablett und gehört ganz allein Ihnen. So schön, dass Sie es kaum übers Herz bringen, daraus zu essen. Ein Teil des Bestecks ist mit Gold verziert, doch trägt es keinerlei Fingerabdrücke oder Wasserflecken und glänzt. Manche Kellner tragen schneeweiße Handschuhe an den Händen. Sie ordnen die Gläser, Gabeln und Löffel auf Ihrem Tisch, damit sie mit ihren Händen keine Spuren darauf hinterlassen. Wenn Sie sich über den Teller beugen, können Sie Ihr Gesicht darin sehen, wie es ist. Und wenn Sie einen Seitenblick auf Ihr Besteck werfen, erscheint es Ihnen entweder, als wären Sie ganz weit weg, oder Sie können, wie in den Zerrspiegeln im Zirkus, Ihre Nase und Ihre Augen in der Gabel sehen. Wenn sie sorgfältig ausgewählt sind, sehen Sie Ihr Gesicht in diesem silbernen Teil wie in einem echten Spiegel, während diese goldenen Muster, die nach unten verlaufen, Sie so schmücken, als wären sie ein Gewand, das Sie tragen. Je nach Art der servierten Speisen werden die Teller wie auch die Gabeln vor Ihnen immer wieder gewechselt. Auch das tun diese pinguinhaft gekleideten Kellner mit den weißen Handschuhen. In dieser Atmosphäre denkt niemand daran, dass ein schlechtes Essen kommen könnte. Die auf den Tellern angerichteten Speisen werden Ihnen so sorgfältig vorgesetzt, dass es geradezu ein Bild ist, wie man so sagt: „Iss und leg dich gleich daneben.“ Wenn Sie an solche Umgebungen gewöhnt sind, dann arbeitet auch Ihr Vermögen, den Geschmack der Speise zu unterscheiden, besser. Wenn Sie zum ersten Mal solche Orte betreten, kommt Ihnen womöglich alles wie ein Theater vor; natürlich sitzen Sie dabei vor so vielen Zuschauern auf der Bühne. Bei alldem haben Sie das Essen manchmal noch gar nicht gegessen, ja nicht einmal gesehen. Doch das, was Sie mit Ihren Augen gesehen haben, hat Ihnen das Gefühl gegeben, dort zu essen sei ein großes Privileg. Ohnehin verfolgen all die gewaltigen Ausgaben, die für das Restaurant getätigt werden, das Ziel, dem Gast dieses Gefühl zu vermitteln. Manchmal beginnt an solchen Orten das billigste Essen für zwei Personen bei 300 Dollar, und Sie können diese Zahl je nach Ihrer Vorstellungskraft auf 50.000 Dollar, ja sogar noch höher steigern. Erwarten Sie aber nicht, dass Sie nach so viel bezahltem Geld unbedingt satt werden. Manchmal wird für eine Flasche Wein, von der es weltweit nur eine bestimmte Anzahl gibt, der Preis eines neuen Autos bezahlt, und für eine Fischart, die die Japaner zur Zierde in großen Aquarien und Becken züchten, werden bisweilen ebenfalls weit mehr als 50.000 Dollar hingelegt. Halten Sie die Menschen, die so etwas essen und trinken, für unsinnig? Und was sagen Sie dazu, Goldstaub auf ein Getränk zu streuen, das man trinkt? Der Preis des Getränks mit Goldstaub ist natürlich entsprechend. Während all dies die Aufmerksamkeit der Menschen erregt, indem es nicht nur den Geldbeutel, sondern auch das Auge anspricht, ist das, was ich kurz sagen möchte, allein das Sehen und das Genießen des Gesehenen. Sogar in der Werbung für Katzenfutter, wo gezeigt wird, wie die geöffnete Dose auf den Teller kommt, legt man Petersilie daneben. Dabei mag und frisst die Katze überhaupt keine Petersilie. Das Ziel ist, es dem Käufer schön zu zeigen. Und der Käufer ist keine Katze, sondern ein Mensch. Ihn also gilt es zu beeindrucken.
Allerdings mag nicht jedem jedes Bild gefallen. Zum Beispiel sind die Anblicke in dem Restaurant, das ich eben erwähnt habe, oder in einem ähnlichen, so luxuriös hergerichteten Restaurant eines anderen Landes ganz anders. In China zum Beispiel findet das Kind einer Mutter, das als Fötus abgetrieben wurde, in solchen Restaurants für 300 Dollar sofort einen Käufer. Dieses Kind wird den Menschen mit seinem voll entwickelten Kopf, seinen Füßen, ja sogar mit seinem ganzen körperlichen Zustand, an dem bis hin zum Geschlecht alles zu erkennen ist, in porzellanenen tiefen Schalen in Form einer Gemüsesuppe serviert. Wie satt der wird, der es isst, weiß ich nicht, aber wenn wir bedenken, welches Geld dafür bezahlt wird, dann erstaunt es uns manchmal sehr, zu sehen, was die Menschen essen und welchen Dingen sie Wert beimessen. Auch der Ankaufspreis von 300 Dollar, für den das abgetriebene Baby in diese Restaurants gelangt – zu welchem Vielfachen sie es dem Gast anbieten, das bleibt ebenfalls unbekannt.
Besonders in den Gegenden Thailands wird dem Gast neben dem lebenden Affen, von dem nur der Kopf aus der Mitte des Tisches herausschaut, noch ein Hammer gebracht. Mit dem Hammer zerschlagen sie den Kopf des Tieres und essen sein Gehirn. Das Gehirn schmecke lebend oder ganz frisch verzehrt köstlicher!
Diese Dinge, die ich hier schreibe, werden mittlerweile überall, in Filmen, im Internet, in Zeitungen ganz offen gezeigt und sind kein Geheimnis. Während solche Anblicke bei manchen entsetzlich den Appetit anregen, dreht sich anderen der Magen um. Nicht alles also, was wir sehen, bereitet uns unbedingt Genuss. Ja, manchmal gab es sogar Zeiten, in denen wir uns wegen der Dinge, die wir sahen und sehen mussten, sehr wünschten, blind zu sein, nicht zu sehen.
Wir können unseren Wunsch zu sehen nicht allein unter dem Gesichtspunkt des Genusses betrachten. Das heißt, die Menschen blicken nicht immer nur auf genussvolle Dinge und verschließen ihre Augen vor dem Langweiligen und Hässlichen. Als wir Kinder waren, schlossen wir bei der Kussszene im Kino die Augen. Dass wir unsere Augen schlossen, lag nicht daran, dass die Kussszene hässlich gewesen wäre, wir taten es aus Scham. Wir schämten uns hinzuschauen, wir schämten uns sowohl für den Schauspieler als auch für uns selbst, dass dieser Schauspieler vor aller Augen küsste. In den Jahren, die etwas vor meiner Zeit lagen, war das auch in Amerika und Europa so gewesen. Das heißt, wenn wir die Zeit außer Acht lassen, sehen wir, dass die Menschen dieselben Gefühle haben. Kinder in manchen religiösen Gruppen zeigen bei solchen Szenen noch heute dasselbe Verhalten. Während man als Kind vor manchen Dingen die Augen verschließt, treten mit der Zeit, wenn der Mensch sich zu entwickeln und heranzuwachsen beginnt, genau die entgegengesetzten Gefühle und Reaktionen zutage. Als mein deutscher Freund mir zum Beispiel, als ich erst zwölf Jahre alt war, in seiner Garage pornografische Zeitschriften zeigte, konnte ich mich sehr lange nicht wieder fassen. Gefühlsmäßig und seelisch konnte ich mich nicht wieder fassen. Ohnmächtig wurde ich zwar nicht, aber mir war sehr übel geworden. Ich war von da an voller Zorn gegen meine Mutter und meinen Vater. Dieser Zorn dauerte nicht lange an, denn ich musste einsehen, dass ich manche Dinge akzeptieren musste. Auch ich hatte in jenem Alter geschlechtliche Gefühle und Vorstellungen. Ich hatte zwar keine Vorstellungen wie in jenen Pornoheften, aber ich begriff, dass ich mich auf einem Weg in diese Richtung befand. Bevor ich es gesehen hatte, war ich mir dessen nicht so bewusst. Deshalb kämpfte ich mit diesen Gefühlen, weil ich dachte, meine Mutter und meinen Vater zu hassen käme dem gleich, mich selbst zu hassen. Während der Mensch sich seine Eltern auf ganz andere Weise vorstellt, muss ich in meiner Innenwelt wohl gedacht haben: «Was ist denn nun das bei denen?» In jenem Augenblick ist das, woran ich mich am meisten erinnere, die lange anhaltende Übelkeit meines Magens. Ich erinnere mich an noch weit ekelhaftere Dinge, aber ich schäme mich, sie sogar in meinem jetzigen Alter niederzuschreiben. So wie ich als kleines Kind meine Augen verschlossen habe, werde ich jetzt meinen Mund verschließen und nicht davon sprechen. Denn in jenen Heften gab es weniger normale Beziehungen, sondern Menschen, die mit perversen und unvorstellbaren Personen in Beziehung standen. So wie beim Essen niemand daran denkt, den Kopf eines lebenden Affen mit dem Hammer zu zerschlagen und sein Gehirn zu essen, so waren auch beim Geschlechtsverkehr die Dinge, die in jenen Heften vorkamen, undenkbar. In unserer Zeit betrachtet Europa diejenigen, die in diesen Fragen so reden und denken wie ich, als Menschen, die sich der Gesellschaft nicht angepasst haben. Diejenigen, die von der türkischen zur deutschen Staatsbürgerschaft übergehen wollen, unterziehen sie jetzt einer Prüfung und stellen ihnen solche Fragen. Sie verlangen, dass man seine Ansichten zu diesen Themen niederschreibt. Wer so denkt wie ich, wird nur schwer Staatsbürger.
Später las ich sogar einen komischen Witz, der mit dieser meiner Übelkeit über das Gesehene zu tun hatte. Ein Professor sollte einen Vortrag halten, und sein Thema war Sex. Zu seiner Frau aber sagte er beim Verlassen des Hauses: „Ich werde einen Vortrag über Segelboote halten.“ Ein paar Tage später begegneten der Frau des Professors auf einer Party einige Damen, die sie bedeutungsvoll anlächelten und grüßten. Während die Frau sich darauf keinen Reim machen konnte, hakte sich eine enge Freundin bei ihr ein und sagte: „Aus dem Vortrag, den dein Mann neulich gehalten hat, ging klar hervor, dass er sich in dieser Sache bestens auskennt.“ Darauf sagte die Frau verwundert: „Merkwürdig! Eigentlich verstand er nie etwas davon. Und in seinem ganzen Leben hat er es zweimal versucht. Beim ersten Mal wurde ihm übel, beim zweiten Mal flog ihm der Hut davon.“ Ich für meinen Teil habe daraus immer meine Lehre gezogen und darüber gelacht.
Mein Wunsch zu sehen war in jenem Alter reine Neugier. Während das Gefühl der Neugier dem Menschen vieles beibringt, kann es ihm manchmal auch schaden. Zum Beispiel habe ich mich noch immer gefragt, warum ich diese anzüglichen, pornografischen Werbeanzeigen, die sich mir im Internet plötzlich auftun, noch immer so anschaue. Ich klicke sogar darauf, damit sich noch weitere Seiten öffnen! Der größte Grund ist die Neugier. Bei mir ist das natürlich so. Die Gefühle und Blickwinkel eines jeden sind verschieden. Die religiösen Kreise betrachten diese Sache als Sünde. Sie fürchten die Gefahr, während sie jene Szenen betrachten, in ihrem Herzen Ehebruch zu begehen. Auch wenn keiner von ihnen ein Befürworter dieser Dinge zu sein scheint, schauen meiner Meinung nach am meisten gerade sie hin, sobald sich die Gelegenheit bietet. Am meisten schauen sie hin, weil ihnen diese Sache verboten ist. Je begehrenswerter die verbotenen Dinge sind, desto mehr begehren sie diese Sache. Und außerdem sind die gezeigten Dinge keine Tiere, Pflanzen oder Äpfel und Birnen. Ein Mensch, der so ist wie er selbst, schaut auf ihn. Wer wäre darauf nicht neugierig? Von Natur aus ist jeder Mensch neugierig und schaut hin. Daneben aber weiß der Mensch, wenn er einen gesunden Verstand besitzt, sich von diesen Dingen fernzuhalten und sich zu disziplinieren. Denn ein Mensch mit gesundem Verstand und gesunder Seele kennt eine Wahrheit. Ein gewaltiger Teil der Dinge, die in unseren Verstand gelangen, wird über die Bilder gespeichert, die die Augen aufnehmen. Ob wir es wollen oder nicht, unser Verstand macht von den interessanten Dingen, die wir mit unseren Augen sehen, automatisch ein Foto. Und danach treten diese Bilder, ob wir es wollen oder nicht, immer wieder vor unsere Augen. Und dann bemühe dich nur ab! Manche Menschen nennen diese Bilder Müll. Sie meinen, gute Ermahnungen zu geben, indem sie fragen, ob ein Mensch denn seinen Verstand mit Müll füllen dürfe. Ja, das ist manchmal richtig, aber ohne die Neugier, die der Mensch besitzt, hätte er vielleicht seit seiner Erschaffung nichts lernen können. Deshalb können wir all diese Gefühle nicht mit schlechtem Blick betrachten. Wenn wir aber bei Dingen, die den Augen des Menschen dargeboten werden und die sogar die seelische Gesundheit des Menschen zerstören und ihn in Depressionen stürzen, darauf beharren: „Ich schaue trotzdem hin“, dann ist das etwas, das jeder selbst zu verantworten hat. Wie bei jedem unserer Gefühle muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden, wie maßvoll er sein will. Und das muss er tun, indem er die seelischen Nöte, die aus dem Gesehenen entstehen und die es später mit sich bringen wird, in die eigene Tasche steckt.
Ich möchte mein Thema weniger in moralische Gefilde führen, als es vielmehr über das Sehen und die Wirkungen des Sehens weiterentwickeln. Wir sprachen von „Genuss“, wir sprachen von „Grausamkeit“, wir sprachen von „Neugier“; in Wirklichkeit gibt es noch viele weitere Gefühle, die mit dem Sehen verbunden sind und die man aufzählen könnte.
Aquarien sollen die Menschen entspannen. Betrachten Sie sie stundenlang, und Sie werden Ruhe und Frieden empfinden. Natürlich ist es gewiss ein großer Genuss, in einem sauberen, klaren Wasser bunte Fische zu betrachten, die inmitten sorgfältig angeordneter Wasserpflanzen schwimmen. Dies ist nur eine Art von Tieren, die allein das Auge ansprechen. Ich sage, dass sie allein das Auge ansprechen, denn Aquarienfische kann man nicht wie eine Katze oder einen Hund in den Arm nehmen und liebkosen. Auch die Gefühle, die ein weiches Kaninchen mit seinem watteartigen, federartigen, die Haut ansprechenden Fell in unseren streichelnden Händen weckt, kann ein Fisch dem Menschen nicht geben. Die Fische im Aquarium jedoch werden mit unseren Augen geliebt. Das, was wir da sehen, entspannt uns im Allgemeinen.
Die Japaner sollen im Züchten dieser Fischarten sehr geschickt sein. Einmal hatte ich es im Fernsehen gesehen: Bei manchen Sorten dieser Fische, die sie in besonderen Becken züchten, beginnt das billigste Stück bei 3.000 Dollar und geht bis zu einer halben Million. Vielleicht gibt es sogar welche, die noch teurer sind. Liebhaber sollen aus allen Ecken der Welt kommen, um diese Fische zu kaufen. Manchmal entspricht der Wert eines einzigen Fisches dem Preis, ein Haus wie einen Palast zu bauen. Da die Menschen so viel Geld dafür ausgeben, heißt das, dass sie Genuss daran finden. Lassen wir die Seite der Zurschaustellung einmal beiseite, dann bleibt nur der Genuss des Sehens. Stellen Sie sich vor, Sie haben ein buntes, riesiges, blitzblankes Aquarium. In der Mitte eines großen Zimmers, das Licht ausgeschaltet, betrachten Sie sie, als wäre es ein Film. Viele Menschen finden Genuss daran. Erst recht, wenn Sie dieses Aquarium selbst gebaut und hergerichtet haben. Neben diesem Anblick, der das Innere des Menschen ganz und gar entspannt, verdirbt es die Sache völlig, wenn plötzlich jemand hungrige Piranhas ins Aquarium setzt. Dann ist es ein Leichtes, dass Sie mit ansehen, wie diese geliebten Fische vor Ihren Augen zerrissen werden. Werden Sie um die Fische trauern oder, falls Sie eine Neugier von der Art haben, die ich eben erwähnt habe, um das Geld, die Hunderttausende von Dollar, die Sie bezahlt haben? Es ist auch überhaupt nicht schwer, dass schöne Anblicke sich in eine entsetzliche Grausamkeit verwandeln. Während in dem einen Anblick Frieden, Stille und Behaglichkeit liegen, stellt der andere Anblick die Welt des Menschen geradezu auf den Kopf. Auch diese Dinge, von denen ich spreche, sind keine lebenden Menschen; bisher habe ich nur von Fischen, vom Essen, vom Affen, vom Fötuskind gesprochen. Die Bilder der Kriege, die die Menschen gegeneinander führen, zeigt man aus irgendeinem Grund nicht so, wie sie sind. Am meisten zeigen sie immer nur Tote und Verletzte. Und selbst davon werden viele Bilder verborgen. Denn solche Bilder sollen die Menschen beunruhigen. Genau wie jenes Pornoheft, das ich mit zwölf Jahren sah, sollen sie bei den Menschen die Wirkung von Übelkeit hervorrufen. Wer aber ständig hinschaut, gewöhnt sich mit der Zeit daran und empfindet gar nichts mehr.
Während ich schrieb, dass das Sehen eine sehr wertvolle Eigenschaft von uns ist, hatte ich zugleich geschrieben, dass es Schmerz bereitet. Wenn wir einmal darüber nachdenken, versetzen uns die Dinge, die wir mit unseren Augen sehen, in eine Fülle von so vielen verschiedenen Gefühlen, dass wir sie nicht aufzählen können, und holen uns wieder daraus heraus. Der Name dieses unseres Sinnesorgans, das genussvolle, betrübliche, hässliche, langweilige, sinnlose, schöne, entspannende, erzürnende, erschreckende, ängstigende, rachsüchtig machende, hasserfüllte, unbeschreibliche, Ehrfurcht erweckende, erniedrigende, verblüffende, begierig machende, neidisch machende und noch so viele weitere Gefühle weckt, die wir nicht aufzählen können, ist wiederum: Auge.
Im türkischen Wörterbuch wird sehen erklärt als: «das Vorhandensein einer Sache mit dem Auge wahrnehmen».
Daneben gibt es auch das Blicken. Viele Menschen meinen, beides sei dasselbe, doch das ist es nicht. Im Wörterbuch wird blicken beschrieben als: «die Augen auf etwas richten, um es zu sehen». Der Mensch sieht viele Dinge vor seinen Augen, aber aus diesen vielen Dingen blickt er auf das, worauf er will. Wenn Sie zum Beispiel jemand fragte, „wo genau" die Nummer Ihres Hauses steht, durch dessen Tür Sie jeden Tag hineingehen, wüssten Sie es vielleicht nicht. Oder wenn man Sie fragte, ob Sie den Reißverschluss der Hose, die Sie tragen, mit der rechten oder mit der linken Hand öffnen, wäre es schwer, ohne hinzusehen zu antworten. Auf diese Weise sollen Männerhosen und Frauenhosen unterschieden werden. Bei der des Mannes wird er mit der rechten Hand geöffnet, das heißt, die Öffnung des Reißverschlusses liegt rechts, bei der Frau hingegen links. Sogar die Knöpfe an Hemden und anderen Kleidungsstücken sollen nach dieser Regel gefertigt werden. Diese Regel soll ihren Ursprung darin haben, dass der Mann früher das Schwert führte. Man hatte bedacht, dass sich das Schwert, wenn er es mit der rechten Hand von links zog, nicht in seiner Kleidung verfangen sollte. Auch wenn solche Unterscheidungen in unserer Zeit nicht mehr gemacht werden, sind der Körper des Mannes und der Körper der Frau doch ziemlich verschieden. Damen, die schön aussehen möchten, achten beim Einkaufen darauf. Wie dem auch sei, unser Thema ist, den Unterschied zwischen Blicken und Sehen zu verdeutlichen. Wenn man Sie zum Beispiel bäte, die Dinge, die Sie einfach so durch das Fenster nach draußen gesehen haben, danach eines nach dem anderen zu schildern, dann käme so vieles zum Vorschein, das Ihnen entgangen ist. Über die Dinge aber, auf die Sie geblickt haben, könnten Sie bis ins Detail berichten. Kurz gesagt, wie wir auch aus der Wörterbuchbedeutung erkennen: Selbst wenn wir mit unseren Augen viele Dinge wahrnehmen, müssen wir, um zu blicken, unsere Augen auf jene Sache richten und aufmerksam sein.
Auch das, was jeder Mensch sieht und aus dem Gesehenen wahrnimmt, ist verschieden. Das habe ich eben am Beispiel des Restaurants bis hin zur Grausamkeit in der Art und Weise, wie die Menschen essen, geschildert. Wenn wir von den Gefühlen ausgehen, die ein Anblick vermittelt, dann werden auch die Empfindungen gegenüber jener Sache gewiss von Mensch zu Mensch verschieden sein, je nach Kultur, Erziehung und Gewissen des Einzelnen. Und die Empfindungen, die wir gegenüber den Dingen haben, auf die wir blicken, sind zudem ein Zustand, der sehr eng mit unserer augenblicklichen Gemütsverfassung zusammenhängt. Zu diesem Thema fiel mir wiederum ein Witz ein.
In alter Zeit ging ein Mann in die Stadt, um die Erzeugnisse seines Feldes zu verkaufen. Nachdem er seine Geschäfte erledigt hatte, ging er in ein Kino. In einer Liebesszene des Films umarmte der Mann die Frau und fragte: „Was siehst du in meinen Augen?“ Und die Frau antwortete: „Unsere Liebe.“ Diese Szene des Films gefiel dem Dörfler wohl auch unter der Wirkung, dass er eine Weile von zu Hause fort war, sehr gut. Als er in sein Dorf, in sein Haus zurückkehrte, während seine Frau mit dem Rücken zu ihm im Bett schlafend lag, fiel unserem Mann mitten in der Nacht jene Szene aus dem Film ein, und er fragte seine Frau. Als er sagte: „Frau Hatça! Was siehst du in meinen Augen?“, sagte seine Frau, ohne überhaupt hinzusehen: „Nichts.“ Das befriedigte unseren Mann nicht, und er fragte noch einmal. „Frau Hatça! Schau mir mal in die Augen und sag, was du siehst“, sagte er. Diesmal drehte sich die Frau ächzend und stöhnend um, schaute im Dunkeln kurz hin und sagte wieder: „Nichts.“ Der Mann sah wiederum, dass es nichts wurde, aber er beharrte hartnäckig und sagte erneut: „Frau Hatça, lass das doch bitte, schau mal ganz genau hin, was siehst du in meinen Augen?“ Die Frau stand auf, zündete die Petroleumlampe an, hielt sie an die Augen des Mannes und schaute aufmerksam hin. Als der Mann wieder sagte: „Was siehst du, sag es“, war die Antwort seiner Frau: „Einen riesigen Schmutzfleck“ – gewiss eine Antwort, die jener Mann nicht hören wollte.
Auch wenn dieser Witz uns zum Lachen bringt, ist die Wahrheit, die dahinterliegt, doch manchmal bitter. So sehr jener Mann sich in romantischer Hinsicht wünschte, dass auch seine Frau in jenem Augenblick so sähe, wie er es wollte – was nicht schädlich ist –, so sehr bemühen sich die Menschen andererseits mit Druck darum, dass das Gegenüber das Sichtbare nicht so sieht, wie es ist, sondern in dem Sinne, den sie wollen. Es ist sogar eine andere Wahrheit, dass man mit der Technik der Hollywoodfilme sogar die Nachrichtensendungen manipuliert und so den Menschen die Nachrichten übermittelt. Die sichtbaren Dinge, die wir als Nachrichten betrachten und mit dem Auge sehen, sind in Wirklichkeit nicht echt, sondern nur ein Film. Bilder, Töne, alles ist eigens in Studios hergestellt. Den Menschen aber wird es zwischendurch als echte Nachricht untergejubelt.
Eine große Mehrheit der Amerikaner zum Beispiel glaubt nicht, dass man zum Mond geflogen ist. Genauer gesagt glauben sie nicht, dass ein menschlicher Fuß den Mond betreten hat. Es gibt viele Beweise, die belegen, dass es sich so verhält. Nun, was waren dann jene Bilder, die wir gesehen haben? Wie gesagt, es wird behauptet, dass es ein Film sei. Und zwar bewiesenermaßen. Manche Fachleute haben dies zufällig an den Bildern bemerkt. Es fiel auf, dass in den Schatten der Bilder, die angeblich auf dem Mond aufgenommen wurden, unterschiedliche Lichtquellen vorhanden sind. Während das Licht von der Sonne aus einer einzigen Richtung kommen und einen Schatten zu einer einzigen Seite werfen müsste, gibt es auf den Bildern manchmal sogar Schatten nach vier Seiten. Es soll noch viele weitere derartige und wissenschaftlichere Beweise geben. Zu jener Zeit, als alle Augen der Welt auf Amerika gerichtet waren, hätten die Amerikaner nicht sagen können: „Wir konnten keinen Menschen auf dem Mond landen.“ Man musste unbedingt auf dem Mond landen. Und wenn nötig, dann eben mit Schwindel, egal, aber man musste landen. Die ganze Menschheit wollte das sehen. Außerdem lieferte man sich in jener Zeit mit den Russen einen Wettstreit. Sie zeigten es und beruhigten das Innere der Menschheit, der steuerzahlenden amerikanischen Bürger! Und das gleich mehrmals!
Nachdem man all dies gehört und gesehen hat, weiß der Mensch nicht mehr, woran er glauben soll. Sogar das Sichtbare kann eine Fälschung sein. Wie die Tricks, die Zauberkünstler vorführen. Solche Vorführungen nennt man «dem Auge etwas vormalen» (Augenwischerei). Der Zauberer bemalt dem Zuschauer nicht die Augen mit Farbe, sondern zeigt ihm jene Sache vor seinen Augen auf andere Weise. Zum Beispiel wirft der Zauberer im Zirkus, der auf eine schöne, im Badeanzug an eine runde Holzscheibe gebundene Frau Messer wirft, in Wirklichkeit gar keine Messer. Aus jener kunstvoll präparierten runden Holzscheibe schnellen die Messer von selbst heraus. Das heißt, die Messer stecken in ihren Halterungen hinter dem Brett. Der Artist tut so, als würde er das Messer werfen, lässt es aber in seinem Ärmel verschwinden, und mit der Wurfbewegung seiner Hand schnellt zugleich das durch eine gelöste Feder freigegebene Messer mit einem Geräusch aus dem Brett hervor. Diese von mir geschilderten Vorführungen wurden im Internet und im Fernsehen oft gezeigt. Das ist nur eine Technik. Es gibt viele solcher Vorführungen. Menschen mit der Säge zu zersägen, eine Menge Vögel aus etwas Fingerhutgroßem hervorzuzaubern, im Wasser zu verschwinden, über das Wasser zu gehen und so weiter. Es gibt sogar Zauberer, die im Bahnhof einen riesigen stehenden Zug verschwinden lassen. All dies wird immer nur durch Technik und kunstvoll präparierte Szenen möglich. Aber die Szenen, die dort unseren Augen gezeigt werden, haben nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Genauer gesagt haben sie nichts mit der Wirklichkeit zu tun, die man uns glauben machen will. Das heißt, nicht alles, was wir sehen, wahrnehmen und aufmerksam betrachten, muss echt sein. Auch dies stellt für die Menschen eine sehr große Gefahr dar. Dass die Dinge, die vor unseren Augen ausgebreitet werden, um die Wahrheiten zu verdrehen und Vorteile zu erlangen, eine Lüge sind und dass wir dies erst Jahre später erfahren, bedeutet, dass jegliches Vertrauensgefühl erschüttert wird. Wir können nicht einmal mehr an das glauben, was wir sehen. Selbst wenn es wahr ist, fällt es sehr schwer, daran zu glauben. Denn wir sagen: „Wer weiß, wie oft man uns betrogen hat, warum sollte das nicht auch so sein“, und wir glauben nicht. Als Menschheit haben wir damit nicht einmal unrecht.
Als es zum ersten Mal Fernseher gab, waren sie farblos. Als Kind war mir das nicht einmal bewusst. Auch türkische Filme waren farblos, und wenn sie in Farbe waren, wurde in den Kinos in den Plakaten immer mit «In Farbe» geworben. Damals war ich etwa 6-7 Jahre alt. Meine Schwester hatte mir diesen Unterschied erklärt, und danach begann ich, darauf zu achten. „Während im farblosen Film die Farbe der Autos entweder schwarz oder weiß erscheint, sind im Farbfilm Rot, Blau und Grün zu erkennen“, hatte sie gesagt. Und tatsächlich achtete ich beim ersten Mal weniger auf den Inhalt des Films als nur auf die Farben. Manchmal, weniger auf den Film als nur auf diese Farben zu achten, dauerte bei mir eine lange Zeit an. Nach und nach gewöhnten wir uns daran, und ohnehin gab es bald keine farblosen Filme mehr. Was das Fernsehen betrifft, so kamen diese Farben im Vergleich zum Kino etwas später. Abgesehen davon, dass die Filme selbst farblos waren, waren sie, auch wenn sie in Farbe waren, auf dem farblosen Fernseher wieder schwarz-weiß. Zu jener Zeit war ich etwa 10 Jahre alt. In Deutschland hatte der Sohn unseres Vermieters ihm einen Farbfernseher zum Geschenk gemacht, und zu Silvester hatten sie ihn uns gezeigt. Da ich aus der Türkei meine Erfahrung aus dem Kino hatte, begriff ich, was sie meinten, auch wenn ich das meiste von dem, was sie auf Deutsch erzählten, nicht verstand. Auch wenn es für mich nichts Neues war, ärgerte ich mich doch darüber, warum unser eigener Fernseher nicht in Farbe zeigte. Damals war der Preis für Farbfernseher vier- bis fünfmal so hoch wie für farblose Fernseher. Viel später hatten wir einen alten Farbfernseher von einem amerikanischen Soldaten gekauft, der in seine Heimat zurückkehren sollte. 98 % der Menschen, die wir kannten, hatten immer farblose Fernseher. Mein Stiefvater freute sich sehr darüber, dass wir zu jenen 2 % gehörten. Diese Ereignisse, die ich schildere, waren in Deutschland so; in der Türkei dauerte es etwa 10 Jahre länger, bis die Farbfernseher in die Häuser Einzug hielten. Die Menschen maßen diesem Thema sehr großen Wert bei. Ich habe viele Menschen gekannt, die Schulden aufnahmen, nur um unbedingt einen Farbfernseher in ihr Haus zu bekommen. Mich eingeschlossen. All dies entsprang immer dem Genuss des Sehens. Jene genannten Farben waren immer ein Genuss, den das Sehen und das Vermögen zu unterscheiden gaben. Die Zurschaustellung aber, die daraus erwächst, anders zu sein als die anderen, spielt so oder so gewiss eine Rolle.
Manche Menschen haben auch eine Farbenblindheit. Sie sollen manche Farben nicht unterscheiden können. Zum Beispiel achten sie im Verkehr, wenn sie ein Auto fahren, nicht wie wir darauf, dass die Ampel rot ist, sondern darauf, an welcher Stelle dieser drei Lichter der Ampel es leuchtet. Denn da er die Farbe Rot ohnehin nicht unterscheiden kann, richtet er beim Blick auf die Ampeln seine Aufmerksamkeit auf die Stelle, an der es leuchtet. Wenn von diesen drei Kreisen der oberste leuchtet, wird er halten, denn das ist Rot. Wenn der unterste leuchtet, kann er fahren, das ist also Grün. Selbst aus größter Entfernung soll die zuerst erkennbare Farbe Rot sein. Deshalb ist die Halte-Farbe der Ampeln Rot. Ein Farbenblinder aber wird, selbst wenn nachts die Ampel aus der Ferne grün leuchtet, sich so verhalten, als müsste er unbedingt halten, und erst wenn er unmittelbar vor die Ampel kommt, aufs Gas treten – viele verstehen das nicht und fluchen. Dabei ist für jenen Menschen weniger die Farbe des leuchtenden Lichts wichtig als vielmehr zu sehen, an welcher Stelle es leuchtet. Die Farbe kann er ohnehin nicht unterscheiden. In der Türkei gab man Farbenblinden keinen Führerschein. Jetzt kann er wohl, um sich der EU anzupassen, erteilt werden. Wenn Sie nur wüssten, wie viele Fähigkeiten dieses unser Auge doch hat. Von Natur aus, glaube ich, sind es sehr wenige Menschen, die alle Fähigkeiten dieses Organs kennen, das wir benutzen. Wir benutzen das, was wir besitzen, aber wir wissen nur sehr wenig davon, was es tut, wie es das tut und was es noch alles tun könnte. Wir sagen einfach „Es ist ja bloß ein Auge“ und gehen darüber hinweg.
Über das Auge sind viele Redewendungen gesagt worden und werden gesagt. Mit Redewendungen wie «ein Mann von Welt» oder «ein weltgewandter Mensch» oder «ungehobelt» erhöhen oder erniedrigen wir jene Menschen. Mit diesen Ausdrücken «welterfahren – unerfahren» werden zwar die Eigenschaften betont, die der Mensch durch das buchstäbliche Sehen mit seinen Augen erworben hat, doch will man dabei auch Erziehung, Charakterartiges und seelische Wahrheiten einbeziehen. Wenn zum Beispiel jemand nicht weiß, wie man sich an einem bestimmten Ort verhalten muss, oder Handlungen begeht, die alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, dann nennt man jene Person «ungehobelt». Das bedeutet nicht unbedingt, dass diese Person zum ersten Mal an solche Orte geht. Sie ist unzählige Male an solche Orte gegangen und hat sich dort aufgehalten. In Wirklichkeit ist es der Charakter und die niederen Eigenschaften jener Person, die ihr diesen Beinamen «ungehobelt» einbringen. Genau umgekehrt sind diejenigen, die Worte wie «weltgewandt, welterfahren» verdienen, Personen, die überlegene Charaktereigenschaften widerspiegeln. Während der Menschentypus, der in die Kategorie «ungehobelt» fällt, mit den Eigenschaften, die er an den Orten zeigt, die er betritt, und mit den Reaktionen, die er erntet, gemessen wird, wird der «weltgewandte, welterfahrene» Mensch vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben an solchen Orten sein, oder er hat solche Umgebungen nicht oft betreten. Dank seiner Verhaltensweise, seines Vermögens, die Umgebung, in der er sich befindet, einzuschätzen, und der Wertschätzung, die er den Menschen aufmerksam und in Demut entgegenbringt, verschaffen ihm die Worte, die über ihn wie über «einen Weltgewandten» gesprochen werden, positive Punkte. Eine der wichtigsten Eigenschaften in diesem Zusammenhang ist auch das Gefühl der Begierde, das der Mensch besitzt. Das Thema Begierde ist in einem der zehn Gebote enthalten, die Gott dem Mose gab und die als die berühmtesten in der Heiligen Schrift bekannt sind. Dort steht wörtlich geschrieben:
Du sollst dein Auge nicht richten (nicht begehren) auf das Haus deines Nächsten, seine Frau, seinen Knecht und seine Magd, seinen Ochsen, seinen Esel, auf nichts, was ihm gehört. 2. Mose 20:17
Das Wort „du sollst dein Auge nicht richten", das in der oben zitierten neuen Übersetzung so übersetzt wurde, ist in den alten Übersetzungen mit „du sollst nicht begehren" übersetzt worden. Während «das Auge auf etwas richten» je nach Satzbau manchmal eine andere Bedeutung annimmt, ist «begehren» sofort verständlich. Zum Beispiel kann «das Auge auf etwas richten» auch für aufmerksam auf etwas blicken, achtgeben stehen. So gebietet zum Beispiel der Satz „richte dein Auge fest auf diese Dinge und lass sie dir von niemandem entreißen" der Person, jene Dinge aufmerksam zu bewahren. Aber mit einem ähnlichen Satz, indem man sagt „begehre diese Dinge und lass sie dir von niemandem entreißen", würde niemand sein Gut von einem anderen bewahren lassen. Dass Wörter viele Bedeutungen annehmen können, entspringt auch der Armut jener Sprache. Wenn wir das Begehren kurz beschreiben wollen:
Begierde: Gier, das Auge auf etwas richten: dem Verlangen erliegen, sich etwas anzueignen, das einem anderen gehört, begehren 1) gierig sein 2) etwas sehr gerne mögen und erlangen wollen. Begierig: 1) gierig, 2) knauserig, geizig, knickerig.
Auch die Redewendungen «weltgewandt, ungehobelt», die ich eben erwähnt habe, hängen sehr eng damit zusammen, ob ein Mensch begierig ist. Gewiss kann sich ein Mensch an manchen Orten unbeholfen und falsch verhalten, aber das macht ihn nicht «ungehobelt». Ohnehin wird mit den Worten «Ungehobeltheit, Weltgewandtheit» weniger Unbeholfenheit oder Reife betont als vielmehr, ob das Auge jener Person nach diesen Dingen hungrig oder satt ist.
Es gibt so viele Redewendungen über das Auge, die im übertragenen Sinn verwendet werden. Ich werde einige der berühmtesten aufschreiben:
Der erste Augenschmerz (die erste Liebe), jemandem zur Genesung gratulieren gehen, in Verruf geraten (durch bösen Blick), einschüchtern, in Ungnade fallen, ins Auge fallen, sich beliebt machen, Auge um Auge, Zahn um Zahn, gierig, genügsam, mit Sorge zurückbleiben, jemandem bekannt vorkommen, in Rage geraten, sich etwas zutrauen, ängstlich, beherzt, memmenhaft, nach Höherem strebend, unter die Nase reiben, sich vor nichts scheuen, blindwütig werden ...
Es gibt noch so viele, es sind fast unzählig viele Vergleiche und Sprichwörter, die über unser Auge gesagt worden sind, mehr, als man aufschreiben könnte.
Fast alles gelangt vermittels unseres Auges in unseren Verstand und in unser Herz. Durch die Wirkung der Dinge, die wir mit unseren Augen sehen, bestimmen wir das, was wir wieder und wieder tun oder tun werden. Dass unsere Augen uns beeinflussen, spielt eine so große Rolle, dass es ein Leichtes ist, auf diesem Wege sogar unser Leben aus der Bahn zu werfen. Manchmal ist, abgesehen davon, dass wir selbst beeinflusst werden, sogar wichtig, wohin wir damit blicken. Wir haben oft von Menschen gehört, die sich wegen eines falschen Blicks gegenseitig getötet haben. Nur dieser eine Blick. Und wiederum haben wir uns wegen nur eines einzigen Blicks wie von Sinnen in Leidenschaften verstrickt. Der Anfang dessen, was eine so große Wirkung hat, dass es Ferhat dazu brachte, Berge zu durchbohren, entsprang wiederum diesem einen Blick. Die Summe der Schmuck- und Schminkmaterialien, die Frauen allein für ihre Augen ausgeben, lässt sich mit astronomischen Zahlen berechnen. Und so viele Bücher auch in medizinischer Hinsicht über das Auge geschrieben worden sein mögen, ist es doch gewiss, dass es noch viele Seiten und Funktionen hat, über die wir mit Sicherheit nicht wissen, wie sie beschrieben werden und was sie sind. Was für ein interessantes Organ wir doch haben, und wir wissen nichts davon. Oder wir sind uns dessen nicht bewusst. Wie gesagt, vielleicht kennen wir seinen Wert nicht und benutzen es nicht so, wie es sein müsste.
Manche Menschen fürchten sich sehr vor der Wirkung des Auges. Das sogenannte Nazar-Amulett soll sogar getragen werden, um sich vor einem bösen Blick, vor dem „bösen Blick“ zu schützen. Manche Menschen wiederum sollen die Fähigkeit besitzen, durch Blicken ihr Gegenüber zu verzaubern. Es soll sogar Menschen geben, die selbst Tiere mit ihren Augen verzaubern. Es ist gewiss, dass es auch Menschen gibt, die jene hochgiftige Kobraschlange mit ihren Augen verzaubern, beeinflussen und sie harmlos machen. Manche gehen sogar noch weiter und glauben an die Existenz von Menschen, die mit ihrem Blick so wirkungsvolle Blicke besitzen, dass sie damit sogar ein Flugzeug zum Absturz bringen können. Über dieses Thema sind viele Filme gedreht worden. Der Mann oder die Frau tut und veranlasst durch das Blicken mit den Augen so allerlei. All dies entspringt wiederum der Wirkung des Auges, die mit unserem Thema zu tun hat.
Wir sagten, dass einer der größten Gründe, die uns zwingen, auf etwas zu blicken, unsere Neugier ist. Wahrhaftig ist dies ein entsetzliches Gefühl. Vergessen wir jedoch nicht, dass wir auch eine Fülle von Sinnesorganen haben, die die Dinge, die unser Auge sieht, wollen und begehren. Sie üben einen so großen Druck auf unser Auge aus, dass Wünsche wie das Blicken und Genießen, das Befriedigtwerden, das Stillen der Neugier in Wirklichkeit gar nicht vom Auge ausgehen. Das Auge hat von sich aus keine solchen Wünsche. Auch wenn es Dinge gibt, die dem Auge nützen, ist das Auge bei den Gefühlen, unbedingt irgendwohin zu blicken und daran Genuss zu finden, nur ein Werkzeug. Unser Auge sendet die Bilder an unser Gehirn, und von dort aus sorgt es dafür, dass sich das Gefühl, das seinen Anteil erhält, entspannt oder aber, ganz im Gegenteil, aus der Ruhe gebracht wird. Zum Beispiel die Speisen, die ein hungriger und mittelloser Mensch sieht. Das nützt dem Auge in Wirklichkeit gar nichts. Durch jene Speisen, die das Auge sieht, wird das Hungergefühl, das der Körper hat, sogar noch mehr angefacht. Und das nützt jenem Körper zu nichts als zu noch mehr Schmerz. Oder wenn man jemanden des anderen Geschlechts anblickt, erst recht, wenn diese Person ein Aussehen hat, das wir begehren würden. Wiederum ist es weniger unser Auge als vielmehr unser Körper, unsere Gefühle, die wir nur schwer im Zaum halten können – eben sie sind es, die Schmerz leiden oder Genuss finden. Gefühle wie Essen, geschlechtliche Triebe, Zorn, Eifersucht, Faulheit, Begierde sind allesamt Erzeugnisse unserer körperlichen Wünsche. Auch das Auge ist ein Organ unseres Körpers, aber mit dem meisten, was es sieht, reizt es andere Zweige des Körpers und der Seele. Da dies wahre Gefühle sind, die wir besitzen, und da sie gezügelt werden müssen, haben die religiösen Institutionen in diesem Zusammenhang ihre sprichwortartigen Sprüche. Zum Beispiel lehrt einer der Orden seine Mitglieder: „Über drei Dinge musst du unbedingt herrschen.“ Und das sind: «deine Hand, deine Zunge, deine Lenden.» Mit den hier gemeinten Dingen wird betont, dass wir zu unseren körperlichen Wünschen, unseren Gelüsten, unseren Genüssen Nein sagen müssen. Auch dass Mönche und Nonnen im Christentum sich jahrhundertelang hinter dicken Steinmauern verbargen, geschah aus diesen Gründen. Sie haben wohl deshalb, weil es ihnen schwerfiel, die Warnungen Jesu umzusetzen, einen solchen Weg gewählt. Denn die Propheten Gottes hatten das Thema der Herrschaft über „deine Hand, deine Lenden, deine Zunge“, das wie ein Spruch daherkommt, ohnehin schon aufgegriffen und die Menschen gewarnt. Aber weder durch das Verbergen hinter diesen Steinmauern, noch durch das nächtelange und tagelange Rufen von „Huuu“ in den Orden, noch durch das Verharren in wer weiß wie vielen Rekat-Niederwerfungen, noch durch das stundenlange Predigen von Tür zu Tür, noch durch tagelanges Hungern und Fasten konnten diese Gefühle gezügelt werden.
Jesus Christus sagte zum Beispiel einmal:
«Du sollst nicht ehebrechen» (außereheliche geschlechtliche Beziehungen), so habt ihr gehört, dass gesagt wurde. Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau ansieht, um sie zu begehren, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. Wenn nun dein rechtes Auge dir zum Straucheln (zum Sündigen) Anlass gibt, so reiß es aus und wirf es von dir; denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder (ein Glied deines Körpers) verlorengeht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn deine rechte Hand dir zum Straucheln Anlass gibt, so hau sie ab und wirf sie von dir; denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verlorengeht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Bibel-Matthäus 5:27-30
Mit diesen Worten haben weder Jesus noch andere Propheten die Menschen dazu angehalten, sich zu verstümmeln. Denn Gott hat Gebote, die solche Dinge strengstens verbieten. Zum Beispiel sagt Gott im Buch Levitikus der Thora, im Vers 21:5, über seine Diener ausdrücklich: «sie sollen an ihrem Leib keine Wunden ritzen». Die Propheten haben mit den obigen Worten den Menschen vernünftige Vergleiche gegeben, dass sie über ihre Begierden herrschen und diese Gefühle unter Kontrolle halten sollen. Denn niemand wünscht, dass ihm das Auge ausgerissen wird. Wenn der Mensch den Ernst des Ausreißens seines Auges begreift, dann blickt er auf jene Sache ohnehin gar nicht mehr. Oder er blickt hin und trägt seine Strafe, doch wem gefiele das? Weder das Ausreißen des Auges noch das Geworfenwerden in die Hölle ist der Wunsch irgendeines normalen Menschen. Dies sind Worte, die uns dazu anhalten, bei den Dingen achtsam zu sein, die uns in Sünde fallen lassen. Zum Beispiel trifft der ehrwürdige Hiob, der sich der Gefahr bewusst war, wegen der Dinge, die er mit seinen Augen sah, in Sünde zu fallen, für sich selbst folgende Vorkehrung:
„Mit meinen Augen habe ich einen Bund geschlossen; wie sollte ich da ein Mädchen anblicken?“ Thora-Hiob 31:1. In einer anderen türkischen Übersetzung steht wörtlich so geschrieben:
„Einen Bund schloss ich mit meinen Augen, um nicht mit Begehren ein Mädchen anzublicken.“ Die neue Übersetzung hat diesen Sachverhalt auf eine leichter verständliche Weise ausgedrückt.
Das heißt, diese Menschen haben erkannt, dass das Begehren sehr eng mit den Augen zusammenhängt. Sie waren sich auch dessen bewusst, dass das, was wir Sünde nennen, die Dinge, die in Gottes Augen nicht getan werden dürfen, im Allgemeinen zuerst in unserem Verstand heranreift. Dieses Thema des Fallens in Sünde hängt auch nicht unbedingt mit denselben Dingen zusammen, die alle sehen. Während für den einen jene Sache, die er sieht, völlig natürlich ist, wird sie für einen anderen zum Straucheln, das heißt zum Ausgleiten seines Fußes, zum Fallen in Sünde. Dass es sich so verhalten kann, bringt der Apostel Paulus in der Bibel folgendermaßen zum Ausdruck:
… „nicht in allen Menschen ist dieses Wissen; sondern manche essen bis jetzt aus Gewohnheit an den Götzen etwas als einem Götzen Geopfertes, und ihr Gewissen, weil es schwach ist, wird befleckt. Aber die Speise macht uns Gott nicht wohlgefällig; wenn wir nicht essen, haben wir keinen Mangel, und wenn wir essen, haben wir keinen Überfluss. Achtet aber darauf, dass diese eure Vollmacht nicht irgendwie den Schwachen zum Anstoß werde. Denn wenn jemand dich, der du Wissen besitzt, im Götzenhaus zu Tische sitzen sieht, wird da nicht sein Gewissen, wenn er selbst schwach ist, ermutigt, das den Götzen Geopferte zu essen? Denn durch dein Wissen geht der schwache Mensch zugrunde, der Bruder, für den Christus gestorben ist… Wenn deshalb eine Speise meinem Bruder zum Straucheln Anlass gibt, so will ich in Ewigkeit kein Fleisch essen, damit ich meinen Bruder nicht straucheln lasse.“ 1. Korinther 8:7-13
Dies ist in Wirklichkeit nicht nur eine Warnung in Bezug auf die Speise, sondern eine Warnung, die verlangt, dass die Menschen in allen das Gewissen betreffenden Fragen zueinander achtsam sind. Es gibt noch weitere Themen, bei denen jene Sache für den einen Menschen bedeutet, in Sünde zu fallen, während sie für einen anderen überhaupt nicht von Bedeutung ist. Dass es sich so verhält, nicht nur aus seiner Sicht, sondern auch aus Gottes Sicht, lesen wir aus den Büchern, die wir heilig nennen. Das heißt, ein Mensch blickt auf etwas, aber bei dem, worauf er blickt, sündigt er nicht einmal in seinem Verstand. Daneben gibt es Menschen, die bei dem, worauf sie blicken, nicht nur mit ihrem Verstand, sondern zugleich mit ihrem Herzen und ihren Taten um der gesehenen Dinge willen große Verbrechen begehen. Das heißt, wir können keine feste Regel aufstellen, dass die Wirkung der gesehenen Dinge bei jedem Menschen gleich sein wird. Aber diese Regeln werden aufgestellt, indem man von dem ausgeht, was allgemein gilt. Wichtiger als die Dinge, die wir sehen, ist, was in unseren Herzen, in unserer Begierde liegt und wonach wir verlangen. Die Dinge, gegen die wir ankämpfen müssen, sind nicht nur die gesehenen Dinge, sondern die Gefühle, die uns straucheln (zum Anstoß werden) lassen. Wenn ich durch das, was ich sehe, ein Verbrechen begehen und mich verlieren kann, dann ist meine Herrschaft über mich selbst ein Nichts. Das bedeutet, dass nicht mehr ich mich lenke, sondern die Dinge, die ich sehe. Es gibt so viele Dinge, die die Menschen in Begierde fallen lassen, dass man sie nicht aufzählen kann. Nehmen Sie jene bunten Zeitschriften, und sie sind fast von der ersten bis zur letzten Seite voll von Bildern, die bei den Menschen Verlangen wecken. Ein Urlaubsbild an einem Ort mit herrlicher Aussicht, eine schneeweiße Jacht, die auf glasklarem, grünlichem Wasser liegt, und darauf das Bild eines Mannes oder einer Frau, die glücklich aussehen. Ein Auto vom neuesten Modell und voller wer weiß was für Eigenschaften, palastartige Häuser, jene köstlich aussehenden Speisen – all das sind die vorrangigsten Themen dieser Zeitschriften. Von jenen Bildern beeinflusst, versinkt nun jeder je nach der Kraft seiner Vorstellung und seines Geldbeutels irgendwo. Wohin er in seiner Vorstellung geht und wieder zurückkehrt, weiß man nicht. Das Wichtige ist doch, den Menschen in jene Vorstellungen zu versetzen, nicht wahr? Unsere Erde ist darin sehr erfolgreich. Denken Sie ja nicht, dass ich weder das Bild jenes Autos vom neuesten Modell, das nur sehr wenige auf der Welt besitzen, noch andere Bilder mit schlechtem Blick betrachte und etwa, wie manche, sage: „macht euch daran, sie zu verbieten“ oder dergleichen. Aber was ich sagen möchte, ist einzig und allein, dass man sich bemüht, uns der Menschheit eine Richtung in diese Bahn zu geben. Die sogenannten seelischen Werte, die mit bloßem Auge nicht zu sehen sind, gibt es entweder gar nicht, oder falls es sie gibt, dann in schändlicher Form, die zu nichts anderem taugt, als die Menschen nur seelisch zu vergiften. Vielleicht erscheine ich mit diesen Worten sehr streng und so, als machte ich keine einzige Ausnahme, doch die Menschheit unserer Zeit ist im Vergleich zu den Möglichkeiten, die sie besitzt, in dieser Hinsicht wahrhaftig sehr arm. Immer auf begehrenswerte Dinge zu blicken, sie zu sehen und sie sich in ihrem Leben zum Ziel zu machen, und dabei, wenn nötig, auf die grausamste, erbarmungsloseste Weise, um sie um jeden Preis zu erlangen, keine Regel anerkennen zu wollen. Immer mit unseren Vorstellungen, die wir durch die Dinge formen, die unsere Augen sehen, leben wir um dieser willen, arbeiten wir um dieser willen, und um dieser willen sterben und töten wir. In Wirklichkeit sind wir, wie der Apostel Paulus sagt, in einem bemitleidenswerten Zustand.
Warum sind wir in einem bemitleidenswerten Zustand? Wie gesagt, ich hatte gesagt, dass, so viele fünf Sinnesorgane wir auch haben, das Auge die größte Rolle spielt. Nun, ist das Auge das einzige unserer Organe, das uns nach den Worten des Apostels Paulus in der Bibel in diesen bemitleidenswerten Zustand stürzt? Lasst uns zuerst dieses Thema aus dem Brief lesen, den Paulus, vom Geist Gottes inspiriert, an die Römer schrieb.
…wir wissen, dass das Gesetz (die religiösen Gesetze und Regeln) geistig ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. Denn was ich vollbringe, verstehe ich nicht; denn nicht das, was ich will, tue ich, sondern das, was ich hasse, das tue ich. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so stimme ich dem Gesetz zu, dass es gut ist. Nun aber vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde. Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das vollbringe ich. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde. So finde ich nun dieses Gesetz: Während ich das Gute tun will, ist das Böse bei mir vorhanden. Denn ich habe Lust an dem Gesetz Gottes nach dem inneren (geistigen) Menschen; ich sehe aber in meinen Gliedern (in meinem Leib) ein anderes Gesetz, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet (Krieg führt) und mich gefangen nimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinem Leib ist. Ich elender Mensch! Wer wird mich erretten von diesem Leib des Todes? Römer 7:15-25
So wie dieser Apostel die Verfehlungen und Sünden, die manche Menschen unbedingt nicht eingestehen können, offen eingesteht, so schildert er auch ihre Ursachen. Und zwar tut er dies mit dem Geist, den er von Gott empfangen hat. Er sagt sowohl, dass er sündigt, als auch, dass sein Leib ständig geneigt, das heißt gewillt ist, zu sündigen. Aber er bringt diese Zustände auf interessante Weise zum Ausdruck. Wenn er sagt: „Denn was ich vollbringe, verstehe ich nicht; nicht das, was ich will, tue ich, sondern das, was ich hasse, das tue ich“, dann sehen gewiss auch Sie, wie nahe Sie selbst diesen Gefühlen sind. Ja, tun wir nicht selbst die Dinge, die wir nicht wollen, denen wir widerstreben, die manchmal so hässlich sind, dass sie uns anekeln? Was heißt es überhaupt, nicht zu verstehen, was man vollbringt oder tut? Geschehen diese Zustände etwa im betrunkenen Zustand? Nein, das hat damit gar nichts zu tun. Wenn der Apostel, nachdem er die Dinge getan hat, die als Sünde bezeichnet werden, darüber nachdenkt, erkennt er, dass die zugrunde liegende Absicht weder mit der Vernunft noch mit dem Verstand irgendetwas zu tun hat.
Es gibt Menschen, die spielen. Auch ich hatte schon als Kind angefangen zu spielen. Und zwar schon mit 6-7 Jahren. Als ich zehn Jahre alt war, spielte ich mit 40-45 Jahre alten Männern um Geld offenes Poker. Ich gewann, aber ich verlor auch. Weniger das Gewinnen und Verlieren, sondern das Ende wie auch der Anfang dieser Sache war nicht schön. Während ich das Geld in meiner Hand, wenn ich gewann, als vom Himmel gefallen verprasste, weiß ich, dass ich in späteren Jahren manchmal sogar bis zur Miete meiner Wohnung im Spiel verspielt und verloren habe. So sehr ich diese Sache auch hasste, spielte ich dennoch. Und das in Umgebungen, die ich überhaupt nicht wollte und die mir nicht gefielen. Es war, als wäre nicht ich es, sondern eine Kraft, die mich das tun ließ. Diese Worte machen jene Person natürlich nicht unschuldig oder dergleichen. Was ich sagen möchte, ist, dass wahrhaftig die Menschen, die sich in diese Sache verstrickt haben, selbst wissen, dass auch sie diese Sache von Zeit zu Zeit mit Hass tun. Ich habe sogar Menschen gekannt, die ihre Frauen im Spiel verloren. Sie sollen ihre Frauen mit eigenen Händen dem Mann übergeben haben, an den sie sie verloren hatten. Auch das habe ich nur gehört, aber nicht gesehen. Solche verstörenden Dinge werden ohnehin nicht offen getan. Ob dieser Zustand jenen Frauen aus einem anderen Blickwinkel etwa gefiel und sie Erregung empfanden, weiß ich nicht. Und zwar mit einem ruhigen Gewissen, weil sie meinten, ihren Mann zu retten. Schuld sind immer jene Ehemänner! Auch das ist eine andere Seite der Sache. Wie dem auch sei, ohne allzu sehr zu wühlen, kommen wir dazu, warum die Menschen jene Dinge tun, obwohl sie sie nicht wollen. Ja, als Beispiel nannte ich das Glücksspiel, das ist nur ein Beispiel. Es gibt noch so vieles. Ob es diejenigen sind, die mit Hass, gegen ihren Willen Haschisch rauchen, die Heroin schnupfen, die im Bordell arbeiten, die Krieg führen, die Menschen abschlachten, die stehlen, die lügen, die vor Eifersucht auf ihre Umgebung jeden Tag rasend werden, die sich um eines Nichts willen streiten, die sich betrinken und sich dann in ihrem Erbrochenen wälzen – es gibt sie und immer mehr. Auch wenn diese Menschen all diese Dinge hassen, tun sie dennoch wieder und wieder dieselben Dinge. Nun gut, sagen wir, das, was ich aufgezählt habe, waren extreme Dinge. Sie heiraten die schönste Frau oder den schönsten Mann, und dennoch können Sie nicht an einer interessanten Person des anderen Geschlechts, die Ihnen begegnet, an Ihnen vorbeigeht, vorübergehen, ohne einen Blick auf sie zu werfen. Und sei es nur ein Blick aus dem Augenwinkel. Und dann denken Sie: Ist meine Frau oder mein Mann schöner? Oder Sie tun das, ohne irgendetwas zu denken. Dabei würden Sie, wenn Sie eine Frau sind, es keinesfalls wollen, dass Ihr Mann so etwas tut, und wenn Sie ein Mann sind, würden Sie es hassen, wenn Ihre Frau es täte. Obwohl wir alle gleich sind, tun wir doch auch alle die gleichen oder ähnliche Dinge, die wir nicht wollen und die man nicht will.
Ich weiß nicht, ob ich mit auch nur so wenigen Beispielen erklären konnte, was der Apostel meint. Der Grund, warum ich dieses Thema der Sünde berühre, die wir besitzen und die wir ständig begehen, hat wiederum mit dem Sehen zu tun. Denn wie auch in der Wörterbuchbedeutung geschrieben steht, ist Sehen zugleich ein Akt des Wahrnehmens. Und ich hatte gesagt, dass das Wahrnehmen bei vielen Menschen auf unterschiedliche Weise zutage tritt. Wir sehen etwas, aber das, was wir aus dem Gesehenen wahrnehmen, zeigt bei jedem Menschen kleinere und größere Unterschiede. Wie in den Beispielen, die ich auch am Anfang des Buches gegeben habe, nimmt der eine Mensch aus dem, was er sieht, Appetit und Genuss wahr, während es für einen anderen eine Grausamkeit ist, sich ihm der Magen umdreht und er tagelang würgt. Die Dinge, die wir sehen, nehmen wir immer mit unseren Gefühlen, mit der Erziehung, die wir erhalten haben, und mit unserem Gewissen wahr. Deshalb bemüht man sich bei den Fragen, die man vor Gericht den Augenzeugen stellt, darum, jene Menschen von der Wirkung der Dinge, die sie gesehen haben, so weit wie möglich zu befreien und sie eine unparteiische Aussage machen zu lassen. Das heißt, von der Person wird nur verlangt, dass sie das Gesehene, und zwar ohne jeglichen Zusatz, schildert. Das ist vielleicht etwas, das keiner von uns tut. Was auch immer wir von dem, was wir gesehen haben, schildern, wir bemühen uns sehr, es mit unseren Gefühlen, so wie wir es wahrgenommen haben, zu schildern. Deshalb wird, bevor ein Mensch verurteilt wird, nicht auf das Wort einer einzigen Person, sondern auf die Zeugenaussage von mehr als einem Zeugen zurückgegriffen. Je mehr Augenzeugen es gibt, desto leichter ist es, eine Entscheidung zu treffen. Freilich kann sich selbst dies je nach Lage und Umständen auf entsetzliche Weise ändern. Wegen der Haltung, die man gegenüber Schwarzen einnimmt, sagen wir zum Beispiel, es sei „völlig normal“, wenn im Gericht alle Weißen eine Zeugenaussage machen, die jenen Schwarzen schuldig erscheinen lässt. Und denken Sie ja nicht, dass jene Menschen unbedingt lügen oder dergleichen. Wegen der Gefühle, deren Gefangener sie sind, nehmen sie das Ereignis, das sie gesehen haben, nur so wahr und schildern es nur so. Meistens ist er sich dessen nicht einmal selbst bewusst. Ich weiß nicht, ob Sie je solche Filme gesehen haben. Sie sind sehr interessant. Erst recht, wenn die Rolle in der Gestalt eines guten Anwalts gespielt wird. Es ist ein wahrer Genuss, seine Fragen und sein Bemühen, die Wahrheit ans Licht zu bringen, zu betrachten. Wir bewundern seinen Verstand, seine Vernunft, seine Unparteilichkeit und dergleichen. Natürlich wiederum, wenn wir nicht parteiisch sind. Sonst ist es ein Leichtes, dass wir aus jenem Film, den wir gesehen haben, mit einem ganz anderen, von Zorn erfüllten Gefühl herausgehen.
Zum Beispiel haben wir in der Geschichte des Völkermords, der im Hitlerdeutschland an den Juden verübt wurde, miterlebt, wie sehr sich die Gefühle des deutschen Volkes, jene Menschen, mit denen es jahrhundertelang zusammengelebt hatte, zu sehen und wahrzunehmen, plötzlich veränderten. Es geschahen solche Ereignisse, dass Kinder ihre Mütter, die sie jahrelang gesehen hatten, von dem Augenblick an, in dem sie hörten, dass diese vor wer weiß wie vielen Jahrhunderten jüdischer Abstammung waren, nicht mehr als Mutter, sondern als niederträchtiges Geschöpf, als Feind ansahen und wahrnahmen. Auch heute noch, erfüllt von genau diesen Gefühlen, haben sich die Gefühle und Verhaltensweisen des deutschen Volkes, diesmal gegenüber einer anderen Nation, besonders gegenüber den Türken, kaum verändert. Nur finden sie nicht die nötige Umgebung, das ist vielleicht der einzige Unterschied. Dass eine ganze Nation nach der Melodie, die ein diktatorischer Herrscher spielt, dieselbe Geschichte wiederholt, ist keineswegs etwas Unmögliches. Auch wenn so etwas vielleicht nie geschehen wird, sind die Gefühle, die die Menschen besitzen, leider immer in diese Richtung gerichtet. Während er sich nett mit dir unterhält, verändert sich in einem unerwarteten Augenblick, wenn er erfährt, dass du ein Türke bist, sogar die Gesichtsform jenes Deutschen. Solche Ereignisse habe ich oft erlebt. Dabei ist überhaupt nichts geschehen, in jenem Augenblick hat allein die Tatsache, dass er hört, dass du ein Türke bist, ausgereicht, um seine Gefühle schlagartig zu verändern. Da ihre ständigen Reden und Gespräche immer darauf gerichtet sind, diesen Hass zu säen, machen sie es auch sehr deutlich.
Auch wenn man noch viele andere Beispiele geben könnte, möchte ich abschließend noch ein Beispiel aus religiösen Kreisen geben. Wenn jener Mensch, mit dem sie jahrelang zusammengelebt und den sie als Bruder angeredet und mit dem sie die Hoffnung geteilt haben, gemeinsam das Paradies zu teilen, sagt: „Gott sieht alles, so wie er die Vergangenheit sieht, so sieht er auch die Zukunft“, dann verstößt ihn die Organisation jener Religion mit den Worten „das ist eine unserer Lehre widersprechende Lehre“ aus ihrer Mitte. Wo sie ihn auch sehen, grüßen sie jene Person nicht mehr und essen auch nicht mehr mit ihr zusammen. Jedes Mal, wenn sie ihn sehen, ist das Gefühl, das sie gegenüber jener Person wahrnehmen, nun schlagartig ganz anders geworden.
Die Dinge, die dazu führen, dass sich die Wahrnehmung der Menschen gegenüber den Dingen, die sie sehen, sofort verändert oder immer gleich bleibt, sind entweder jene Gesellschaft, seine Erziehung, sein Gewissen, sein Vorteil, die Furcht, Schaden zu erleiden, oder die Gier, Nutzen zu ziehen, seine Liebe, sein Hass, seine Schönheit, seine Hässlichkeit und dergleichen. Wir können so viele Einflüsse aufzählen. Kurz gesagt, die gesehenen Dinge so zu sehen, wie sie sind, ist eine Fähigkeit, die entwickelt werden muss und die uns manchmal unmöglich erscheint. Was auch immer jene Sache ist, sie so zu sehen, wie sie ist. Das ist keine leichte Sache. Zumal es meistens gar nicht einmal möglich ist, an dem, von dem wir meinen, es zu sehen, auch alles daran zu sehen. Wenn wir auf ein Ereignis blicken, sehen wir es nur aus unserem eigenen Blickwinkel. Hinzu kommen noch die Unterschiede im Sehen von hinten, von der Seite, von oben, von unten. Und außerdem gibt es Seiten jener Dinge, die wir mit den Augen nicht wahrnehmen können, die aber dennoch sichtbar sind. Ja, auch wenn ein Mensch sie mit bloßem Auge nicht sehen kann, sind sie doch vorhanden. Es gibt Möglichkeiten, sie zu sehen, entweder unter Mikroskopen, Elektronenmikroskopen, oder mit Strahlen, Röntgenbildern, Tomografien oder mit vielen weiteren Geräten – es gibt sie, und immer mehr. Und dann noch abgesehen von jenen Seiten, die bis hin zu den Teilchen jener Sache, die kleiner als ihre Atome sind, wahrgenommen werden können, die wir aber mit unseren Augen nicht sehen. Dies sind die Dinge, die wir als physisch bezeichnen. Und wenn wir uns nun daranmachen, auch die geistigen, seelischen, gefühlsmäßigen Dinge mit einzubeziehen, was tun wir dann? Die Absicht unseres Gegenübers, was er denkt, was er fühlt, seine Einbildungen, seine Liebe, seinen Hass, seine Herzenshaltung und dergleichen wahrzunehmen, ist noch einmal etwas ganz anderes. Nachdem wir all dies auch noch mit einbezogen haben – und es gibt noch eine Fülle weiterer Dinge, die mit bloßem Auge nicht zu sehen sind und die ich, ohne sie aufzuzählen, übergangen habe –, versuchen Sie da einmal, über eine Sache zu sagen: „Ich habe alles gesehen.“ In Wirklichkeit bringen wir mit diesem Wort «alles», ohne es zu merken, zum Ausdruck, dass wir die Grenzen unseres eigenen Wissens nicht überschreiten können.
Wenn wir mit Menschen sprechen, sagen sie: „Ich glaube nicht an etwas, das ich nicht sehe“, und setzen sich wohlig auf ihren Platz zurück, als hätten sie etwas sehr Vernünftiges, eine große Weisheit gesagt. Für sie ist das größte Maß das Sehen. Als wäre der ganze Leib dieses armen Tropfes nur Auge. Als hätte er weder Gehirn noch Denkvermögen, Seele, Verstand, Vernunft und dergleichen, überhaupt und rein gar nicht. Als wäre er ein Mensch, dessen ganzer Körper einzig aus dem Auge geschaffen ist! Dabei haben wir so viele Sinnesorgane und so viele Dinge, die ohne Sehen wahrgenommen werden und die wahrzunehmen sind. Als einfachstes zwei Beispiele: Sagen wir eine schöne Speise oder ein schlechter Parfümduft. Diese nehmen wir, ohne sie überhaupt zu sehen, sofort mit unserer Nase wahr. Oder irgendeine Musik, die wir hören. Selbst wenn wir am Telefon sprechen, erkennen wir sofort, ob die Person, die am anderen Ende spricht, ein sympathischer oder ein unsympathischer Mensch ist, und unterscheiden es wiederum, ohne zu sehen. Dies ist Sache des Ohrs. Und was soll man erst zu den Unterschieden zwischen Wärme und Kälte sagen? Wer sieht, ob es kalt oder warm ist? Woher kommt bloß dieses Gefühl, das uns dazu bringt, im Schlaf die Decke noch eine Lage fester um uns zu ziehen! Haben Sie an einem heißen Sommertag jemals die Augen geschlossen, um den Wind zu spüren, der vom Meer kommt? Auch wenn Sie es nie getan haben sollten, ganz vorne auf einem fahrenden Schiff die Arme seitlich auszubreiten und die Augen zu schließen, so verstehen Sie doch zumindest, wenn Sie jemanden sehen, der das tut, mehr oder weniger, was er dabei fühlt. Dabei ist es nicht das, was jene Person mit ihren Augen sieht, das ihr diesen Genuss bereitet. Was soll man erst zu unseren Empfindungen sagen, zu diesen unseren Empfindungen, die uns lenken, gefangen nehmen, uns manchmal auch dahinsiechen lassen, uns zugrunde richten oder uns erfreuen, uns vor Freude überschäumen lassen? Wir sagen: „Ich liebe!“ Wir wissen nicht mehr, was wir tun sollen, und sagen: „Ich bin ganz hin und weg.“ Was sind diese Gefühle? Wer oder was auch immer es ist, das wir gesehen haben, in unserem Verstand ist nun immer nur noch das. Wer sieht diese unsere auf- und absteigenden Gefühle? Sind da nicht Vulkane, die in unserem Inneren ausbrechen, und sind sie sichtbar? Wir haben ein Wahrnehmungsvermögen bis in den kleinsten Punkt unseres Nervensystems, das unseren ganzen Körper umgibt. Wie kann man, obwohl man sowohl einen physischen als auch einen seelischen Leib besitzt, sagen: „Ich glaube nicht an etwas, das ich nicht sehe“? Nun, was würden wir tun, wenn unser ganzer Leib für sich allein nur Auge wäre! Wer wünschte sich so etwas. Diese Beispiele gebe ich, um sie denen, die sagen „ich glaube an nichts anderes als an das, was ich sehe“, vielleicht in etwas übertriebener Form vor Augen zu führen. Und dass sogar Ereignisse, die wir so sehen, wie sie sind, die sich vor uns abspielen, ein ganz anderes Bild haben und dass das Gesehene uns täuscht, ist wiederum ein anderes Thema. Die einfachsten Beispiele hatten wir oben von Artisten und Zauberern gegeben.
Als Kind, mit etwa 13 Jahren, sah ich, während ich auf der Galata-Brücke in Istanbul entlangging, wie ein Mann seine Zigarette mit einer Wassermelone anzündete. Er hatte um sich herum eine Menge neugieriger, arbeitsloser, armer Leute wie mich versammelt und verkaufte sowohl jene Sache, als er auch zeigte, wie man mit einer Wassermelone eine Zigarette anzündet. Denken Sie ja nicht, dass das etwa Betrug, Augenwischerei oder dergleichen war. Wahrhaftig hatte er seine Zigarette, ob mit Wassermelone oder Honigmelone, oder mit was auch immer Saftigem, ja sogar durch Bespucken angezündet. Es hatte mir sehr gefallen, und während ich jenem Mann zuschaute, hatte ich gar nicht bemerkt, wie viel Zeit vergangen war. Auch ich kaufte etwas von dem, was er verkaufte. In Wirklichkeit ist die Sache eine chemische Tatsache. Bestimmte Mischungen zeigen, wenn sie mit Wasser in Verbindung kommen, eine entzündende Wirkung, das ist alles. Es war sogar heiß, und als meine Hände zu schwitzen begannen, hatte sich das Zeug so erwärmt, dass es mir fast die Hand verbrannte. Es war etwas Cremefarbenes wie Paste. Man bricht ein ganz kleines Stück ab und legt es auf die Spitze der Zigarette oder dessen, was man anzünden will. Dann, kurz nachdem man etwas Feuchtes daran hält, entzündet sich die Stelle sofort. Das kleine weiße Ding, das vorher in die Zigarette eingebracht wurde, ist im Tabak fast gar nicht zu sehen. Was das für eine chemische Mischung ist, weiß ich im Detail selbst jetzt nicht. Obwohl ich den Chemieunterricht mochte, hatte ich damit gar keinen Draht. Denn das, was wir lernten, blieb im Allgemeinen immer nur Theorie. Nun, die entzündende Wirkung dieser Mischung bei Kontakt mit Wasser war eine sichtbare, wahre Sache. Aber wie viele verstehen das und können es erklären? Versuchen Sie einmal, jemandem diese Wahrheit zu sagen, aber geschickt. Sagen Sie: „Ich zünde meine Zigarette mit einer Wassermelone an.“ Man wird Sie für verrückt halten. Oder man lächelt und meint, Sie machten einen Scherz. Sie sind weder verrückt, noch ist das, was Sie schildern, ein Scherz. Sobald ein Chemiker diese Worte hört, versteht er sofort und spricht mit Ihnen ernsthaft über dieses Thema. Während die einen „verrückt“ sagen und ein anderer meint, Sie machten einen Scherz, ist der Unterschied der Person, die ernsthaft mit Ihnen über dieses Thema spricht, gegenüber den anderen ihr «Wissen». Über jene wissende Person sagen wir: „Er hat diese Wahrheit gesehen, hat seine Ausbildung erhalten und weiß deshalb Bescheid.“ Dass die Person, die kein Wissen hat und so etwas nicht gesehen hat, das, was die wissende Person schildert, oder das, was ich hier jetzt schreibe, liest und so annimmt, wie es geschrieben steht, nennen wir Glauben. In religiösen Kreisen sagt man «Iman». Es ist der Glaube an etwas, das man nicht sieht. Ja, selbst wenn man es sieht, kann man nicht ganz erklären, was es ist, so wie ich. Wie gesagt, ich kenne die Mischung dieser Paste noch immer nicht genau, ja überhaupt nicht. Aber für mich ist das eine Tatsache. Ob ich jene Sache nun wissenschaftlich erklären kann oder mein Wissen darüber gleich null ist. Oder selbst wenn ich jene Sache nie gesehen haben sollte. Indem ich den Worten der Menschen glaube, die ich gehört und gelesen habe, nehme ich diese Wahrheit an. Während der Glaube auf eine für jeden verständliche Weise so erklärt wird, wird der Glaube auch in der Heiligen Schrift folgendermaßen beschrieben:
Der Glaube ist ein Vertrauen auf das, was man erhofft, eine feste Überzeugung vom Vorhandensein der Dinge, die man nicht sieht. Bibel-Hebräer 11:1
Gegenüber den sichtbaren Dingen brauchen wir ohnehin keinen Glauben. An eine sichtbare Sache glaubt man nicht, denn sie ist ja schon sichtbar. Der Glaube gilt für die unsichtbaren Dinge. Für den Glauben, das heißt, damit man glaubt, wird, wenn jene Sache dem Menschen in der Hand liegt, vor seinen Augen ist, nun keine Frage mehr gestellt: „Glaubst du an das Vorhandensein dieser Sache?“ Er sieht sie ja, und es ist nun nicht mehr nötig, dass er an das, was er sieht, glaubt. Der Apostel bringt in Bezug auf das Sehen und das Verstehen noch eine ganz offenkundige Wahrheit zum Ausdruck:
Zwar reden wir unter den Reifen weise Worte; aber diese Weisheit ist weder die des jetzigen Zeitalters noch die der vergänglichen Herrscher dieses Zeitalters. Wir reden von der verborgenen, geheim gehaltenen Weisheit Gottes, die Gott vor dem Anbeginn der Zeit zu unserer Herrlichkeit bestimmt hat. Keiner der Herrscher dieses Zeitalters hat diese Weisheit erkannt. Hätten sie sie erkannt, so hätten sie den herrlichen Herrn Jesus Christus nicht gekreuzigt. Wie geschrieben steht:
„Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, das hat Gott denen bereitet, die ihn lieben.“
Uns aber hat Gott dies durch den Geist offenbart. Der Geist erforscht alles, sogar die tiefen Gedanken Gottes. Denn wer von den Menschen kennt die Gedanken des Menschen als nur der Geist des Menschen, der in ihm ist? Ebenso kennt auch niemand die Gedanken Gottes als nur der Geist Gottes.
Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, damit wir wissen, was uns von Gott geschenkt ist.
Wenn wir denen, die dem Geist folgen, die geistigen Wahrheiten erklären, so verkünden wir das von Gott Geschenkte nicht mit Worten, die menschliche Weisheit lehrt, sondern mit Worten, die der Geist lehrt. Der natürliche Mensch nimmt die Wahrheiten, die den Geist Gottes betreffen, nicht an. Denn sie kommen ihm töricht vor. Und er kann sie nicht verstehen, weil sie geistig beurteilt werden.
Der Mensch, der dem Geist folgt, kann über alles urteilen, aber es gibt niemanden, der über ihn urteilen könnte. „Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt, dass er ihn belehren könnte?“… Bibel-1. Korintherbrief 2:6-16
Wenn Sie darauf geachtet haben, spricht der Apostel mit diesen Versen immer von unsichtbaren Werten, von unsichtbaren Wahrheiten. Und er lenkt die Aufmerksamkeit darauf, dass man, um diese Dinge, ohne sie zu sehen, verstehen zu können, unbedingt den Geist Gottes besitzen muss. So ist es doch: Wenn ich einen Plan entwerfe und ihn in meinem Verstand aufbaue, dann kenne ich ihn nun wiederum selbst bis in die kleinsten Details. Denn ich habe ihn entworfen, und in meinem Verstand, in meiner Seele wurden diese Dinge zuvor geplant. Die Gedanken, die im Verstand und in der Seele des Menschen sind, kann besser als er selbst nur Gott kennen. Dasselbe gilt auch für Gott. Alle Pläne, die die Erschaffung der Erde betreffen, hat Gott zuerst selbst durchdacht und vorbereitet. Wir sagten, dass die ganze Wahrheit über die Gedanken des Menschen nur Gott und diejenigen kennen, die er will. Nun, kann es außer Gott selbst noch einen geben, der die Gedanken Gottes kennt? Haben wir nicht eben gelesen: „Die Gedanken Gottes kennt niemand als nur der Geist Gottes“? Das heißt, lasst uns fest daran glauben, dass wir, um die Gaben Gottes (seine Gnade), das heißt alles, was er uns der Menschheit gegeben hat, die Erde und den ganzen damit verbundenen Plan zu kennen, den Geist brauchen, der nicht aus dieser Welt, sondern aus Gott kommen muss. So wie unser Geist unsere Gedanken kennt, ist es auch bei Gott nicht anders. Der Unterschied ist: So viele Dinge es auch gibt, die uns überlegen sind, gibt es doch nichts, das über Gott ist.
Psychologen versuchen, durch das Stellen von Fragen, durch Hypnose, durch das Zum-Reden-Bringen in die Innenwelt der Menschen einzudringen. Denn dies wird von Zeit zu Zeit angewandt, damit jener Mensch irgendeine seelische Störung, die er selbst gar nicht kennt, oder bestimmte Wahrheiten entdeckt. Nun, wer außer ihm selbst kann die Innenwelt, die Gedanken, die Absicht Gottes kennen? Ohnehin sagt Gott selbst zu diesem Thema Folgendes:
„Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege“, spricht der Herr. „Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch sind meine Wege über euren Wegen und meine Gedanken über euren Gedanken.“ (Jesaja 55:8-10) Drei, fünf Seiten weiter vorne im selben Buch stehen diese Worte geschrieben:
Wer hat dem Geist des Herrn ein Maß gesetzt und ist als sein Ratgeber ihn unterwiesen? Der Mann, den er zurate zog, der ihm Einsicht gab und ihn auf dem Pfad des Rechts unterwies, der ihn Erkenntnis lehrte und ihm den Weg der Einsicht kundtat, wer ist das? (Jesaja 39:13-14) Wir beantworten diese Fragen natürlich mit «niemand».
Neben all diesen Wahrheiten besitzt Gott keine despotische Persönlichkeit wie wir Menschen, das heißt, keine Persönlichkeit, die nur Befehle erteilt und auf niemanden hört. Er hat seine Gedanken, seine Absicht seinen Geschöpfen stets kundgetan. Er hat ihre Sorgen angehört und ihren Gedanken Wert beigemessen. Die Heilige Schrift und der Koran, die wir in Händen halten, sprechen von einem künftigen Ereignis der Auferstehung der Menschheit und danach von einer Zeitspanne von vollen tausend Jahren. Die «Kıyamet» (Auferstehung), die dem Volk als Weltuntergang in den Verstand eingepflanzt wurde, bedeutet in Wirklichkeit nicht das Ende der Welt, sondern kommt vom arabischen «kıyam etmek», das heißt aufstehen. Im Koran wird dies im Sinne des Tages behandelt, an dem die Toten auferstehen und sich erheben. Die Erde aber wurde von Gott erschaffen und geformt, damit sie in Ewigkeit bestehe. Der Koran spricht vom Buch Zebur:
Meine guten Diener werden die Erde erben (Sure al-Anbiya, Sure 21, Vers 105) – mit dem im Koran erwähnten Buch Zebur ist das Buch der Psalmen in der Heiligen Schrift gemeint. Und tatsächlich steht an jener gemeinten Stelle wörtlich geschrieben:
Die Gerechten werden das Land erben und in Ewigkeit darin wohnen. Psalmen 37:29.
Wie gesagt, während unser Schöpfer uns über seine Absicht betreffend die Zukunft Auskunft gibt, hat er zu keiner Zeit eine despotische Persönlichkeit besessen.
Bei einem Ereignis lässt sich der ehrwürdige Abraham beinahe auf ein Feilschen mit Gott ein. Bevor er Städte vernichtet, die in Bezug auf Moral und jede Form von Menschlichkeit verkommen sind, tut Gott dem Abraham diese seine Absicht kund. Freilich ist unsere heutige Welt voll von weit heftigeren als jenen damaligen Nationen. Wie dem auch sei, was ich sagen möchte, betrifft die Persönlichkeit Gottes und den Wert, den er uns beimisst. Es geht darum, wie sehr er sich, so überlegen er auch ist, um uns kümmert und wie er unseren Gedanken Wert beimisst. Ja, Abraham packt bezüglich jener Städte, die vernichtet werden sollen, eine Einbildung, und er sagt zu Gott Folgendes:
Willst du den Gerechten mit dem Bösen zusammen vernichten? Vielleicht sind fünfzig Gerechte (rechtschaffene Menschen) in der Stadt; willst du dann die Stätte nicht verschonen um der fünfzig Gerechten willen, die darin sind, und sie vernichten? Es sei fern von dir, so zu handeln, den Gerechten mit dem Bösen zusammen zu töten, sodass es dem Gerechten ergeht wie dem Bösen; das sei fern von dir; sollte der Richter der ganzen Welt nicht Recht üben? (Genesis-Schöpfung 18:23-25)
Diese Worte sagt Abraham zu Gott. Wie, meinen Sie, reagiert Gott auf diese Worte? Wie stehen wir Menschen, je mehr unsere Befugnisse, unsere Macht zunehmen, zu der Reaktion derer, die unter uns stehen? Erst recht, wenn sie sich anmaßen, uns Ratschläge zu erteilen! Und noch dazu einen solchen Rat, dass Abraham in Fragen, die Gottes Gerechtigkeit betreffen, sein eigenes Gerechtigkeitsverständnis geradezu über das Gottes stellt und so redet. „Es sei fern von dir, so zu handeln, den Gerechten mit dem Bösen zusammen zu töten, sodass es dem Gerechten ergeht wie dem Bösen; das sei fern von dir; sollte der Richter der ganzen Welt nicht Recht üben?“ Kann ein Mensch diese Worte einem bestechlichen, ungerechten Richter im einfachsten Provinzstädtchen gegenüber sagen? Und wenn er es sagte, was würde jener Richter tun? Schauen Sie sich unsere Welt an, was tun sie? Er würde ihn in ein solches Loch stecken, aus dem er nur schwer wieder herauskommt. Würde er nicht sein Möglichstes tun, damit er es tausendmal bereut, geboren zu sein? Diese Dinge werden auf unserer Welt jeden Tag getan. Schon in den Schulen fürchteten wir uns, den Mut aufzubringen, unseren Lehrern Fragen zu stellen. Sie schüchterten uns ein, und deshalb fürchteten wir uns. Sie taten ihr Möglichstes, damit wir uns fürchteten, und deshalb hatten wir uns gefürchtet. Das war die Szene in der Schule; und dann gibt es noch das Militär, die Polizei, die Gendarmerie, den Landrat, den Gouverneur, den Abgeordneten, den Minister, den Ministerpräsidenten des Staates. Wenn du dich traust, geh doch hin und rede mit ihnen so, wie Abraham mit Gott gesprochen hat! Zweifle, gleichsam Ratschläge erteilend, an ihrer Gerechtigkeit. Und die sollen dir dann Antworten geben, wie sie deinem Herzen gefallen! Ist so etwas denkbar? Schauen Sie, wie aber Gott auf diese zweifelnde, ja geradezu provozierende Frage Abrahams antwortet:
Und der Herr sprach: „Wenn ich in Sodom, in der Stadt, fünfzig Gerechte finde, so will ich um ihretwillen den ganzen Ort verschonen.“
Abraham gibt sich auch mit dieser Antwort nicht zufrieden, sondern greift dasselbe Thema wieder und wieder auf, verringert die Zahlen von fünfzig um jeweils fünf und geht bis auf zehn hinunter. Jedes Mal aber sagt Gott, dass er „die Stadt um so vieler Menschen willen verschonen wird.“ Nach diesem Feilschen, das sich bis auf zehn Menschen hinunterzieht, sagt Abraham nun kein Wort mehr. Dieses Thema kommt im 18. Kapitel des Buches Genesis, das heißt, in der neuen Übersetzung des Buches Schöpfung, der Heiligen Schrift vor.
Allein dieser Dialog zwischen Abraham und Gott gibt uns erschütternde Auskunft über Gott. Manche Menschen behaupten mit dem Wissen, das sie aus ihrer eigenen Persönlichkeit und aus dem Lauf unserer Welt gewinnen, dass dieses Ereignis in der Heiligen Schrift eine völlig unsinnige Lüge sei. Ich bin solchen Menschen oft begegnet. Ihrer Meinung nach sagen sie: „Gott lässt sich mit keinem Menschen auf einen so unsinnigen Dialog ein und hat sich auch nicht darauf eingelassen.“ Sollte Gott sich denn so sehr erniedrigen! Sie meinen, mit diesen Worten zugleich auch Gott zu verteidigen. Die Antwort ist ihrer Meinung nach wiederum sehr einfach. Die Heilige Schrift ist ohnehin verändert worden, und deshalb gibt es in ihr solche Ungereimtheiten! Die Dinge aber, die der Ungereimtheit zugrunde liegen, sind in Wirklichkeit noch interessanter. Es bedeutet, dass sie sich mit Gott vergleichen und in Wirklichkeit sagen: „Warum sollte Gott das tun, was ich nicht tue und niemals tun würde?“ Dies sagen nicht unbedingt böse, ungerechte, despotische, diktatorische Menschen; auch Abraham, den Gott mit den Worten „mein Freund“ bezeichnet, dachte an einer Stelle so. Vielleicht dachte und sagte er es, im Gegensatz zu unserer heutigen Welt, aus einem Blickwinkel des Guten, das heißt, indem Abraham die Sache von der guten Seite betrachtete, mit einer reinen, lauteren Absicht. Aber selbst dann entsteht der Eindruck, als besäße Abraham dem Kern des Gedankens nach überlegenere Eigenschaften als Gott. Deshalb sagen die einen zum Guten, die anderen zum Bösen: „Gott sollte so etwas nicht tun und tut es nicht.“ Dabei, wer ist Gott, und wer sind wir?!
Nun gut, sagen wir, weil sich diese Ereignisse vor etwa viertausend Jahren zugetragen haben, war das Wissen der Menschheit über Gott sehr gering. Auch der erste Mensch, Adam, wird vor etwa sechstausend Jahren erschaffen. Es ist möglich, diese Jahre aus den heiligen Schriften zu belegen. Nicht bis aufs Jahr genau, aber auch nicht wie das Märchen, das man uns beigebracht hat, dass sich vor wer weiß wie vielen Milliarden Jahren, vor wer weiß wie vielen Billionen Jahren die Kopfform der Menschheit um so und so viele Zentimeter vom Affen zu unterscheiden begann. Wie dem auch sei, damals war das Wissen der Menschheit über Gott sehr gering. Zudem ist Gott ohnehin einer, der seit Ewigkeit existiert, und ihn zu erkennen ist eine unendliche Sache. Ohnehin wird zu keiner Zeit irgendjemand sagen können: „Ich kenne Gott ganz genau, ich erkenne ihn.“ Damit wir das sagen können, müssten wir über ihm stehen, was niemals der Fall sein wird. Zum Glück ist das so. Zur Zeit Abrahams gab es über Gott noch keine so zahlreichen, mit so vielen Erfahrungen gefüllten Bücher, die wir heilig nennen, so wie es sie jetzt gibt. Sie hatten über Gott nur ein vom Hörensagen erworbenes Wissen. Dass es sich so verhält, lesen wir auch aus dem Dialog, der zwischen Gott und Hiob stattfindet. Dort sagt Hiob: „Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört…“ (Hiob 42:5)
Wie handelt Gott gegenüber der Unwissenheit der Menschheit über Gott? Und wie würden wir Menschen an seiner Stelle handeln? Gut, selbst wenn es sich um eine Frage handelte, von der wir glaubten, unser Gegenüber stelle sie wie Abraham in guter Absicht und mit aufrichtigem Herzen, wie würden wir handeln? Würden wir jener Person nicht wenigstens den Garaus machen, damit es auch anderen eine große Lehre sei? So ist es doch: damit die anderen, die das sehen und hören, uns nicht bei einem anderen Ereignis, zu einer anderen Zeit, noch einmal eine so unverständige Respektlosigkeit erweisen. Sie sollen lernen, wer wir sind! Mit welchem Recht können sie so unverständig herumtönen! Wer sind die, und wer sind wir! Nun blas dich auf und blas dich auf. Um dieser willen haben sich die Menschen aufgeblasen, bis sie platzten. Sie sind geplatzt, aber dennoch haben sie nicht aufgehört, sich aufzublasen. Nun, warum wählt Gott einen solchen Weg und gibt so besonnene und von unseren Gedanken so verschiedene Antworten?
Wie wird ein Unwissender erzogen? Wie reagiert man am besten auf seine Fragen? Ja, was tut man, selbst wenn er aus seiner Unwissenheit heraus so redet, als klage er einen an? „Am einfachsten ist es zu schelten. Wenn nötig, wird sogar geschlagen! Wenn er noch weiter geht, wird er gefoltert und in Gefängnissen zum Verrotten gebracht. Zumindest aber wird er hingerichtet“, sagen Sie? Ja, wenn wir die Menschheit diese Wege wählen, dann ist unser eigentliches Ziel nicht das Erziehen, das Belehren. Auf diesen Wegen denken wir entweder an unsere eigene Bequemlichkeit, oder wir bemühen uns, eine Blöße zu decken, unseren Schmutz zu verhüllen, oder wir können solche Fragen und Ratschläge unserem Stolz und unserer Überheblichkeit nicht verzeihen. Kann man mit dieser von mir aufgezählten Methode einen Menschen erziehen und ihm etwas beibringen? Ja, in Wirklichkeit ist auch das eine Methode, und auf diese Weise ist es möglich, sowohl Erziehung als auch Bildung zu vermitteln. Sonst müssten wir jetzt sagen: „Wir wurden auf keinerlei Weise erzogen, und man hat uns nichts beigebracht.“ Auch das wäre eine Lüge. Wir wurden erzogen, wir erhielten Bildung, aber diejenigen, die uns mit diesen von mir aufgezählten Methoden begegneten, konnten wir überhaupt nicht liebgewinnen. Mit Hass gingen wir zur Schule, mit Hass lernten wir, wir hatten viele Erzieher, denen wir Hass entgegenbrachten. Wie ein Albtraum war der Gang zur Schule und der Tag, an dem die Ferien endeten. Wenn wir Erzieher hatten, die uns dazu brachten, mit Freude, mit Genuss, mit Begeisterung zu lernen – und vielleicht können wir jene Erzieher, jene Lehrer, deren so wenige es waren, dass man sie fast an den Fingern abzählen konnte, nicht aufzählen –, so gewannen wir sie lieb, und zwar von Herzen. Ihre Erziehungs- und Lehrmethoden waren anders. Ob auch sie diese Methode von Gott gelernt hatten, weiß ich nicht. Wie bei so vielen Dingen hat Gott den Menschen in Wirklichkeit gut erschaffen. Aus jenem Guten heraus wählen nun wir, was wir tun werden. Diejenigen aber, die das Gute wählen, gibt es, auch wenn es sehr wenige sind. Wir sagten «Liebe», nun, wer misst dem Wert bei? Dass Gott dem Wert beimisst, ist gewiss. Dem Kern all dessen, was ewig sein soll, liegt die Liebe zugrunde. Gott aber kümmert sich um uns, nicht indem er auf jene augenblicklichen Dinge blickt, sondern indem er auf die Ewigkeit blickt, er liebt uns, denn wir sind das Werk seiner Hand. Deshalb betrachtet er die neugierige und unbeholfene Frage Abrahams nicht mit schlechtem Blick. Nun, hat Abraham aus all dem etwas über Gott gelernt und ihn liebgewonnen? Und wie sehr. Er liebte ihn so sehr, dass er, nur weil Gott es wollte, in Städte auswanderte, die er gar nicht kannte, die er nicht gesehen hatte, die Tausende von Kilometern entfernt lagen. Abraham, der sich auf ein Feilschen mit Gott einließ, weil er sich um den Tod rechtschaffener Menschen sorgte, die er gar nicht kannte, stellte, als der Tag kam, an dem Gott sagte: „Opfere mir dein Kind“, weder irgendeine Frage, noch betrachtete er dieses Verlangen mit Zweifel. Er nahm sein Kind, und gerade als er es opfern wollte, hinderte Gott ihn daran. Die Fragen, die Abraham stellte, waren in Wirklichkeit sehr angebracht. Um zu verstehen, dass Abraham kein Typ war, der gleich alles glaubt, sondern sich bemühte, sein Gegenüber zu erforschen und zu erkennen, sollten uns die Beispiele in diesen beiden Ereignissen genügen. Wie gesagt, für Leser, die nicht tief nachdenken und nicht aufmerksam sind, kann Abraham an einer Stelle ein Besserwisser, ein Unverständiger sein, während er an anderer Stelle geradezu in die Lage eines blind Gehorchenden, eines Dummkopfs geraten kann. In Wirklichkeit ist Abraham keiner dieser beiden Typen. Er ist eine Persönlichkeit, die eine gesunde Neugier, einen guten Charakter besitzt, die ihre eigene Meinung furchtlos aussprechen und verteidigen kann; und vor allem ein von Liebe erfüllter Mensch.
Wenn Gott in diesem Beispiel mit Abraham ihn dort auf der Stelle gescholten, seinen Zorn über ihn ausgeschüttet, in Wut geraten wäre, und wir dies Jahre, Jahrhunderte später lesen würden, was für eine Herzenshaltung hätten wir dann gegenüber Gott? Und außerdem, was wären die Gefühle Abrahams gegenüber einem solchen Gott? Würde er Gott dennoch so sehr lieben? Haben uns denn nicht diejenigen, die behaupten, die Vertreter Gottes auf Erden zu sein, ihn wie ein Schreckgespenst dargestellt? Entweder haben sie ihn als Schreckgespenst dargestellt oder von einer sinnentleerten Liebe gesprochen. Sie kamen mit so sinnentleerten, hohlen Liebeserklärungen und denselben Wiederholungen, dass wir uns diesmal vor dem, was man Liebe nennt, geradezu übergaben. Wenn wir die auf Vorteil, Furcht, Nutzen und Bindung beruhenden Beziehungen der Menschen in den Religionen untereinander beiseite lassen, wie viele Menschen gehen dann wohl allein deshalb in jene Einrichtungen, weil sie Gott lieben? Ein solches Gefühl gibt es bei den dortigen Lehrern gar nicht, sodass sie es ihren Mitgliedern vermitteln könnten! Auch der, den sie darstellen, ist einer, dem sie sich anzugleichen bemühen, aber es ist nicht der wahre Gott selbst.
Daneben, hat Gott denn nie Gewalt gezeigt? Ist er nie in Zorn geraten? Hat er nicht seinen Grimm ganz und gar über jene riesigen Nationen ausgeschüttet? Ja, zum Glück hat er es so getan. Auch das geschah wiederum aus seiner Gerechtigkeit und seiner Liebe. Was, wenn er ganz und gar geschwiegen hätte – und eines der größten Probleme der Menschen, die nicht an Gott glauben, ist genau das. Ihrer Meinung nach: Warum lässt Gott, wenn es ihn gibt, all die Ungerechtigkeiten, Hungersnöte, Kriege, den Schmutz, Krankheiten, plötzliche Tode und Schmerzen, Morde, Hass und dergleichen auf der ganzen Welt zu? Wegen der Antwort, die sie auf diese Frage nicht finden, gibt es Milliarden von Menschen, die ihren Glauben an Gott verloren haben. Dabei lässt Gott so vieles zu. Wenn Gott von Zeit zu Zeit eingriff, wie in den Beispielen Abrahams, Moses, Hiobs und noch so vieler Propheten, wenn er jene Nationen mitsamt der Wurzel ausriss und vernichtete, dann stärkte Gott mit solchen Beispielen, die er im kleinen Rahmen gab, unseren Glauben. Er zeigte, dass er all diese Dinge hasst. Und wiederum lebten auf der Erde, wenn auch in geringer Zahl, gute Menschen. Er zeigte auch, dass er an den guten Taten, die sie vollbrachten, Gefallen fand. Diese Bücher, die er durch seine Propheten niederschreiben ließ, haben uns geholfen, Gott selbst zu erkennen. Wenn auch nur mit einem sehr geringen, aber für uns mehr als ausreichenden Wissen hat Gott sich der Menschheit zu erkennen gegeben. Und diese Sache des Erkennens und Sich-zu-erkennen-Gebens ist, wie gesagt, unendlich. Wenn Gott uns erlaubt, unsere Existenz bis in Ewigkeit fortzusetzen, dann brauchen wir keinen Zweifel zu haben, dass wir viele seiner alten und neuen Seiten kennenlernen werden.
In Bezug auf dieses Thema habe ich bisher gar nicht vom Sehen gesprochen. Auch wenn ich in den geschilderten Ereignissen die Existenz unserer anderen Sinnesorgane berührt habe, habe ich da vom Sehen gesprochen?
Abrahams Gespräch mit Gott. Freilich spricht Abraham in diesem Beispiel, das ich gegeben habe, mit einem Engel in Menschengestalt. Dass in jenen Versen von Gott oder dem Herrn die Rede ist, liegt daran, dass jener Engel der Vertreter Gottes war. So wie der Staat seinen Soldaten, seinen Polizisten, seinen Minister, oder ein Geschäftsinhaber von ihm ausgewählte Personen als Vertreter entsendet, so hat auch Gott seine Engel beauftragt, und zwar sehr oft. Deshalb konnte Abraham, während er mit jenem Engel sprach, den er vor sich sah, wegen der Behaglichkeit und Freiheit, die dieser ihm gab, seine Meinung offen aussprechen. Das ist eine Wahrheit, die denen, die es zum ersten Mal lesen, sogleich entgeht. Wenn man aufmerksam liest, ist dort von drei Personen die Rede. (Genesis-Schöpfung 18:1-2) Zwei von ihnen gehen in die Städte Sodom und Gomorra. Die Person, von der in Bezug auf Abraham gesagt wird „er stand vor dem Herrn“, ist jene dritte Person, ein mit dem Auge sichtbarer Engel in Menschengestalt. (Genesis-Schöpfung 18:22 und 19:1) Welcher Engel es war, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Ob es Michael war, Gabriel oder ein anderer Engel, wissen wir nicht. Wenn etwas gewiss ist, dann, dass es ein beauftragter Engel war, der Gott vertritt. Denn die Person, die Abraham sah, war nicht der wahre Gott. Ein ganz ähnliches Beispiel kommt im Ereignis Hiobs vor. In dem oben von mir erwähnten Thema Hiobs sagt Hiob in Wirklichkeit zu Gott:
„Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört; jetzt aber hat mein Auge dich gesehen.“ (Hiob 42:5)
Dass mit diesem Ausdruck nicht die buchstäblichen Augen gemeint sind, ist gewiss. Denn Gott spricht mit Hiob aus dem Wirbelsturm heraus. Nicht indem er eine Gestalt oder Form zeigt. (Hiob 38:1) Dass Hiob am Ende dieses Gesprächs sagt „meine Augen haben dich gesehen“, ist sehr angebracht. Über das Sichtbarwerden und die Gestalt des wahren Gottes werde ich in späteren Themen so weit wie möglich Raum geben. Denn Gott hat auch auf diese Neugier im Inneren der Menschheit Antworten gegeben. Aber in diesen von mir geschilderten Ereignissen nehmen jene Menschen in ihrer Beziehung zu Gott Gott wahr, indem sie auch ihre Ohren, eines der fünf Sinnesorgane, benutzen. Freilich, selbst wenn sie taub gewesen wären, hätte Gott diesmal zu ihrem Verstand gesprochen.
Eine Sache wird nicht nur mit dem Auge wahrgenommen, sondern auch mit dem Ohr. Man sagt, dass die Menschen fünf solcher Wahrnehmungsorgane besitzen. Auge, Ohr, Zunge, Nase, Haut. Unter diesen Aufgezählten fehlt aus irgendeinem Grund das, was man Seele nennt. Dabei sprechen wir gerade dadurch, dass wir all diese unsere Sinnesorgane benutzen, unsere Seele an. Ob im guten oder im schlechten Sinne, durch diese wird unsere Seele beeinflusst. Die Biologie berührt dieses Thema überhaupt nicht, denn die ‚Seele' ist kein Organ von uns. Sie haben die Lebewesen in zwei Gruppen eingeteilt: Pflanzen und Tiere! Das Thema Mensch wird unter der Kategorie Tier behandelt! Das heißt, wir Menschen sind nach der Wissenschaft der Biologie eine Tierart. Schauen Sie, während in der Gabe, die die Wissenschaft der Biologie den Tieren zuschreibt, ein sechster Sinn vorhanden ist, wurde er dem Menschen nicht einmal zugeschrieben. Die eigentlichen Wahrheiten aber sind, dass die Seele des Menschen das Wertvollste ist, abgesehen von diesen fünf Sinnesorganen, die wir besitzen. Unsere Betrübnis, unsere Freude, unser Genuss, die Gefühle der Behaglichkeit oder Unbehaglichkeit in unserem Inneren hängen nicht unbedingt von dem ab, was wir sehen, hören, schmecken oder was wir berühren und riechen. Während unsere Seele durch diese beeinflusst wird, wird unsere Seele manchmal auch beeinflusst, ohne dass diese irgendeine Wirkung haben. Dabei kann ich, obwohl die Welt der Seelenkunde Bedeutung beimisst, wirklich nicht verstehen, wie man sagen kann, der Mensch habe nur fünf Sinnesorgane. An den Worten gibt es nichts auszusetzen, tatsächlich ist von fünf Organen die Rede, aber sie ziehen überhaupt nicht in Betracht, dass die Seele ein wichtigstes Wahrnehmungsorgan ist. Meiner Meinung nach liegt das wiederum an der Unverständigkeit der Menschen und daran, dass das Volk in dieser Hinsicht sehr zurückgeblieben ist. Die Herrschenden legen auch großen Wert darauf, dass sie in diesen Fragen so zurückbleiben.
Alle Arten von Experimenten an Menschen wurden in ihren grenzenlosen Formen im Allgemeinen immer während Kriegen durchgeführt. Was wir jetzt als das Einfachste kennen, das Abnehmen und Geben von Blut, das Leben bedeutet, und das Wissen darüber verwirklichen sich am meisten im Ersten Weltkrieg. Selbst zu jener Zeit kennt man das Vorhandensein der Blutgruppen nicht. Erst mit der Entdeckung der menschlichen Blutgruppen durch den österreichischen Wissenschaftler Karl Landsteiner um 1920 wird auf diesem Gebiet ein großer Fortschritt verzeichnet. Bis dahin wird zwar Blut gegeben, aber zufällig. Wenn der Mann stirbt, dann ruhe seine Seele in Frieden, wenn er lebt, dann freuen sich die Ärzte, „wir haben ihn gerettet“, und rühmen sich am meisten damit. Mit der Erkenntnis des ersten Blutfaktors (Rh) beginnt man erst um 1940. Dass selbst zu jener Zeit noch vieles über das Blut unbekannt war und deshalb viele Fehler gemacht wurden, haben wir in späteren Jahren gehört, gesehen, erlebt.
Im Hitlerdeutschland kamen durch die Experimente, die man auf dem Gebiet der Medizin an Juden und an denen, die sich ihnen widersetzten, durchführte, viele neue, bis dahin unbekannte Erkenntnisse ans Licht. Auch wenn sie diese Erkenntnisse hauptsächlich erforschten, um im Krieg Erfolg zu erzielen, bewiesen sie dabei, dass viele der Ärzte wegen der Freiheit, die ihnen in die Hände fiel, Experimente wie Frankenstein durchführten. Freilich, auch wenn dieses Experimentieren etwas ist, das die Ärzte jederzeit, immer anwenden, wurde in jenen Kriegen der Mensch als Versuchskaninchen benutzt und mit unmöglichen Dingen ausprobiert. Diejenigen, an denen ausprobiert wurde, waren nach Ansicht der Deutschen immer die Menschen der damals unbeliebten Nationen, Rassen, Gruppen. Deshalb möchte ich noch immer keinesfalls in die Hände deutscher Ärzte fallen. Ich mag und will sie nicht, nicht weil sie Deutsche sind, sondern weil in vielen von ihnen noch immer derselbe Kopf steckt. Selbst wenn er kein Experiment an dir durchführt, gibt er den unerfahrensten, dümmsten Arzt zur Operation. Denn als Türken sind wir jetzt in ihren Augen die Wertlosesten. Da zudem Rentner, Arbeitslose, Alte und Ausländer ihnen als eine entsetzliche Last dargestellt werden, tun sie in ihren Krankenhäusern ihr Möglichstes, um sie zu töten. Ärzte und Pfarrer sind die Menschen, denen das Volk am meisten vertraut. Der Staat benutzt diese Menschen und lässt durch sie seine schmutzigsten Arbeiten verrichten. Auch hierin sind die Deutschen, die ich kenne, an erster Stelle. Ohnehin wird jeder, der Hitlers Buch „Mein Kampf“ gelesen hat, jene Menschen an ihren Früchten erkennen. Als ganzes Land wurden Menschen mit jenem Kopf zu Herrschenden gemacht. Ich weiß es nicht von jedem, aber meine Erfahrungen, das, was ich gesehen und gehört habe, war persönlich immer so. Dem Verständigen genügt ein Zupfen an der Saite, dem Unverständigen sind selbst Trommel und Schalmei zu wenig. Auch unser sehr anständiger und vertrauenswürdiger Hausarzt war Deutscher, und als er in Rente ging, war ich sehr betrübt. Einer unter einer Million, von den Alten, gab es auch solche. Jetzt aber geben sie nicht einmal einem rechtschaffenen Arzt, der sich weigert, sich diesem widerlichen Netz anzuschließen, das sie selbst gewoben haben, und Widerstand leistet, eine Überlebenschance.
Zum Beispiel häuten sie in jenem Hitlerdeutschland einem etwa 6-jährigen Kind die ganze Haut ab. Und sie schauen, wie der Körper reagieren wird. Wie im Film „Hannibal“ öffnen sie dem Mann die Schädeldecke, und an dem lebenden, atmenden Mann, dessen Gehirn oben nach außen freiliegend sichtbar ist, werden tagelang Experimente durchgeführt. Und jene armen Tröpfe meinen, sie seien krank und die Ärzte würden ihnen helfen. Und wiederum jene Experimente aus jener Zeit, in denen man den Druck langsam steigerte, bis den Menschen Blut aus Mund und Nase kam und ihre Lungen in Stücke zerrissen, um zu sehen, was mit dem Menschen bei sehr hohem Druck geschieht, oder wie hohem Druck er standhalten kann. Auch jene Menschen waren im Allgemeinen Juden. Nach all diesen Experimenten und Berichten dieser Befunde suchten die Amerikaner und Russen, als sie kamen, mit Eifer. Die im Krieg von den Deutschen verwendete Technik und die heutige Raketentechnik, die es damals in Amerika und Russland noch nicht gab, verwirklichen sie später, indem sie sie aus der Erfindung der Deutschen weiterentwickeln. Dass sowohl die Russen als auch die Amerikaner in der Kriegstechnik so weit fortschritten, hatten die Erkenntnisse, die man von den aus dem Zweiten Weltkrieg als Besiegte hervorgegangenen Deutschen gewann, eine sehr große Rolle. Auch auf dem Gebiet der Medizin und dem Gebiet der Seelenkunde ist die Lage dieselbe. Das Hitlerregime war kein Regime, das ein, zwei Jahre dauerte. In dieser viele Jahre andauernden Diktatur führten die Ärzte und Seelenärzte Experimente, die sie sich nicht einmal in ihren Träumen hätten vorstellen können, mit dem Befehl und der Befugnis, die sie vom Staat erhielten, durch und verwirklichten sie.
Vom Mittelalter bis zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts wurden die sogenannten Geisteskranken entweder verbrannt oder geschlagen und gefoltert. Solchen Menschen fügte man tagelang, jahrelang körperliche Schmerzen zu. Sie wandten viele unsinnige Methoden an. Aus irgendeinem Grund verhielt sich die Menschheit, wohl weil sie sich für die unsichtbaren Dinge nicht interessierte, sehr unverständig. Sie zogen es vor, sich unbedingt mit den sichtbaren Dingen zu befassen, weit mehr als mit den unsichtbaren Dingen. Nun, haben sie denn nie von den unsichtbaren Dingen gesprochen? Ob sie das nicht! Und wie! Was, meinen Sie, sind die Dinge, von denen jene unzähligen Religionen und Zauberer auf der ganzen Welt sprechen? Das Wissen jener Religionen über diese unsichtbaren Dinge ist im Allgemeinen genauso unwissend geblieben wie beim Thema der menschlichen Seele. Die Wahrheit haben sie entweder verbrannt oder sich sehr bemüht, jene Wahrheit zu vernichten. Die Lüge aber haben sie so sehr erhöht, dass sie die Menschen, um sie zu deren Anerkennung zu bewegen, mit all ihren Kräften, mit ihren Peitschen, mit Folter, mit der Guillotine, mit Drohungen und noch vielen unvorstellbar widerlichen und hässlichen Wegen dazu brachten, an sie zu glauben. In Wirklichkeit glaubt niemand an irgendetwas, aber auf diesen Wegen haben jene Männer für ihre eigene Bequemlichkeit gesorgt, ihre perversen Gefühle befriedigt und es geschafft, an der Herrschaft zu bleiben. Solange ihre Bequemlichkeit nicht gestört wurde, solange sie keine Furcht vor einer Gefahr hatten, interessierte es sie ohnehin gar nicht, woran jemand glaubte. Ihr Interessengebiet blieb immer bei ihren eigenen Vorteilen. So viel Schmerz sie auch litten und sich bemühten, ihr Ziel war immer, ihrem eigenen Hintern einen Platz zu bereiten, Karriere zu machen und ihre selbstsüchtigen Gelüste zu befriedigen.
Der berühmteste Wegbereiter auf dem Gebiet der Seelenkunde ist Sigmund Freud. Ein Seelenforscher, der vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts lebte. Zur Zeit der Nazis flieht er, weil er Jude ist, aus Österreich, wo er lebt, und findet in England Zuflucht. Ein Jahr später stirbt er an Krebs. Erst mit den Thesen, die er aufstellte, begannen sich auch die Behandlungsmethoden für Geisteskranke zu ändern. Das heißt, bis in eine sehr junge Zeit in der Welt der Menschheit hatten wir auf diesem Gebiet schändliche Kenntnisse und Praktiken. Von der Seele – lassen wir das Bemühen um andere beiseite –, die Menschen wollten nicht einmal ihre eigene Seele verstehen und erkennen. Sie bemühten sich stets, ihre eigenen seelischen Bedürfnisse geradezu vernichtend zu unterdrücken. Auch wenn wir von der unsichtbaren Sache sprechen, begannen mit der Zeit die Wirkungen dieses Drucks, dieser Gleichgültigkeit, dieses Hungers gegenüber unserer Seele, sich sichtbar in unserem Körper, in unseren Taten, in unseren Verhaltensweisen zu zeigen. Kurz gesagt, so sehr es auch geleugnet wird, begannen die Wirkungen der unsichtbaren Dinge sichtbar zu werden.
Bei der von Sigmund Freud entwickelten Methode der Psychoanalyse zeigte sich, dass das Sprechen mit Geisteskranken und das Sich-mit-ihnen-Unterhalten bessere Ergebnisse bringt. Man bemühte sich, in die Innenwelt, in das Unterbewusstsein des Patienten einzudringen. Dies nennt man auch die «Zuhör»-Therapie. Wann, sagten wir, hatte Freud diese Dinge bemerkt? Vor beinahe 60-80 Jahren. Dabei, hätten die Menschen auf die Methode geschaut, die Gott vor Tausenden von Jahren anwandte, hätten sie sich aus jenen Ereignissen Beispiele genommen, dann hätten wir nicht so zurückbleiben müssen. Hätte sich jenes Ereignis zwischen Abraham und Gott im Mittelalter oder gar in unseren Tagen zwischen Abraham und einem frommen Katholiken zugetragen, wer weiß, was sie Abraham für Folterungen zugefügt hätten. Wer weiß, welche seiner Organe sie durchlöchert hätten, um jenen bösen Geist, den Abraham besaß, aus ihm auszutreiben. Hätte Abraham während und nach diesen Folterungen wiederum dieselben Früchte desselben Geistes hervorbringen können? Dieselbe Person zeigte, während sie noch dazu in einer Zeit vor Tausenden von Jahren lebte, dadurch, dass Gott ihr gegenüberstand, ganz andere Reaktionen. Er wurde noch erfüllter von Liebe und begann noch mehr zu glauben. Sein Glauben nicht im Sinne des Sehens oder Nicht-Sehens; denn Abraham hatte in seiner Beziehung zu Gott kein solches Problem. Das Glauben, das ich meine, ist im Sinne von Vertrauen haben, nicht im Sinne von Sehen. Ich sehe viele Menschen vor mir, aber es gibt keine Regel, dass ich ihnen allen vertrauen werde. Und es gibt überhaupt keine Regel, dass jede sichtbare Sache vertrauenswürdig sei. Kurz gesagt, das Gefühl des Vertrauens hat nicht unbedingt einen Zusammenhang mit dem Sehen. Hätte Abraham zusammen mit den unverständigen Frommen des Mittelalters und unserer Zeit gelebt, so wäre jener Mensch, obwohl er verständig war, in seinem Zusammensein mit ihnen auf Dinge gestoßen, die ihm den Verstand geraubt hätten. Derselbe Mensch aber zeigt in dem Beispiel seiner Beziehung zu Gott Eigenschaften, die noch Tausende von Jahren später einen Namen hinterlassen werden. Abraham spricht mit Gott, ob verständig oder unverständig; aber er erhält von seinem Gegenüber vernünftige, ihn beruhigende, ruhige, richtige Antworten. Hätte Abraham durch Einschüchterung, durch Drohung, mit Fußtritten und Schlägen, mit Folter, mit Schelte der Freund Gottes werden können? Hätte Abraham einen solchen Gott geliebt?
Der Koran spricht von einem Ereignis, das in der Heiligen Schrift nicht geschrieben steht. Es ist ein Thema über den Glauben Abrahams an Gott, das mit der Auferstehung zu tun hat. Im Vers 260 der Sure al-Baqara steht dieses Ereignis folgendermaßen geschrieben:
Und als Abraham sagte: „Mein Gott, zeige mir, wie du die Toten auferweckst.“ Gott sprach: „Glaubst du denn nicht?“ „Ich glaube, doch nur, damit mein Herz ganz zur Ruhe kommt!“, sagte er. Gott sprach: „Nimm vier Arten von Vögeln, gewöhne sie an dich. Dann zerteile sie und vermenge sie, und lege jedes Stück auf einen Berg. Dann rufe sie. Sie werden fliegend zu dir kommen.“ Wisse, dass Gott über alles Macht hat und voller Weisheit ist. (Übersetzung von Osman Nebioğlu, al-Baqara, 2:260)
Wie wir in diesem Ereignis sehen, hat Abraham offenbar ein Problem. Dieses sein Problem eröffnet er direkt Gott. Ohne eine Menge Heimlichkeiten, ohne intrigenhafte, hinterlistige Wege zu beschreiten, sagt er sein Problem direkt so, wie es ist. Und Gott richtet an ihn die Frage: „Glaubst du denn nicht?“ Die Frage ist in Wirklichkeit sehr angebracht. Wann dieses Problem auftrat, sodass Abraham eine solche Frage stellte, wissen wir nicht. Aber dass es vor dem Versuch der Opferung seines Sohnes war, ist gewiss. Obwohl Abraham in vielen Fragen bewiesen gesehen hatte, dass Gott glaubwürdig und vertrauenswürdig ist, fehlte ihm in dieser Frage offenbar etwas in seinem Inneren. Verstandesmäßig hatte Abraham schon so viele Gründe von Gott gesehen, dass er zu Gott nicht sagen konnte: „Ich habe keine Gründe, dir zu glauben.“ Aber Abrahams Verstand ist eine andere Sache; seine Seele, das heißt die Gefühle, die er symbolisch als „mein Herz“ bezeichnet, sind wieder eine ganz andere. Auch das verbirgt Abraham nicht, sondern sagt es offen. Nun, wie antwortet Gott ihm wiederum? Wie löst er dieses sein Problem von Grund auf?
Dass Gott sagt: „Nimm vier Arten von Vögeln, gewöhne sie an dich. Dann zerteile sie und vermenge sie, und lege jedes Stück auf einen Berg. Dann rufe sie. Sie werden fliegend zu dir kommen“, war für Abraham wer weiß was für ein Ereignis, das ihn mit Begeisterung erfüllte. Können Sie sich vorstellen, die Antwort auf die gestellte Frage erfordert in Wirklichkeit eine lange Zeit und viel Mühe. Wenn ich lange Zeit sage, dann nicht, dass Jahrhunderte vergehen würden. Aber junge Vögel zu finden, sie aufzuziehen und an sich zu gewöhnen. Und zwar muss er sie so gewöhnen, dass sie, wenn er sie ruft, fliegend zu seiner Stimme kommen. Diese Dinge waren für die damaligen Menschen gewiss überhaupt kein so großes Problem. Sie wussten genau, was für eine Beziehung sie zu den Tieren haben mussten. Denn sie waren ständig mit ihnen vertraut. Das Wichtige ist: Können Sie sich die Erregung und die Gefühle vorstellen, die es Abraham bereitet haben wird, die Vögel nach diesem Ereignis zu finden, sie zu nehmen und aufzuziehen und sie an sich zu gewöhnen? Nachdem er so viele Versuche gemacht hat, um ganz sicher zu sein, dass sie sich an ihn gewöhnt haben – und die Gewöhnung eines jeden Tieres daran nimmt unterschiedliche Zeit in Anspruch –, und nachdem er sich ihrer aller sicher ist, kommt auch der Tag, an dem er sagt: «Jetzt kann ich tun, was Gott gesagt hat.» Wer weiß, in welchen Gefühlen Abraham war, als er die Stücke jener Vögel einzeln, gesondert auf die Berge legte. Das Großartigste aber ist, dass jene getöteten, in Stücke zerteilten Vögel auf Abrahams Rufen hin, als wäre nichts geschehen, wieder quicklebendig zu ihm fliegen. Können Sie sich die Begeisterung über eine solche Antwort vorstellen, die jener Mensch wegen seines Zweifels auf die Frage erhielt, die er Gott stellte?
Wenn die Bibel von der Schar der Gläubigen spricht, schauen Sie, was sie in Bezug auf Abraham zu diesem Thema sagt:
Durch Glauben brachte Abraham, als er auf die Probe gestellt wurde, Isaak dar; und der, dem gesagt worden war: «In Isaak wird deine Nachkommenschaft genannt werden», und der die Verheißungen besaß, brachte seinen einzigen Sohn dar, indem er dafürhielt, dass Gott mächtig sei, ihn sogar von den Toten aufzurichten (aufzuerwecken); und in einem Gleichnis erhielt er ihn von dort zurück. (Bibel-Hebräer 11:17-19)
Das heißt, dass Abraham die Beweise sah, die alle Zweifel in seinem Inneren besiegten, zeigt auch, dass er selbst darum gefleht und etwas getan hatte. Hätte Abraham die Zweifel in seinem Inneren nicht angegangen, hätte er sie in sich verborgen, so hätte Gott nicht zu ihm gesagt: «Komm, Abraham, verbirg es nicht in dir, erzähle es mir, sieh, ich sehe ohnehin, was in deinem Herzen vorgeht.» Dass er ein solches Problem hatte, wusste Gott ohnehin, noch bevor Abraham selbst dieses Problem kannte. Zudem misst Gott unseren Haltungen und Verhaltensweisen sehr viel Wert bei. Da dies zugleich Teil einer guten Erziehung ist, die er gibt, müssen wir ihm gegenüber offen sein. Schauen Sie, was das Buch der Sprüche Salomos, oder in der neuen türkischen Übersetzung das Buch der Weisheitssprüche Salomos, der Heiligen Schrift zu diesem Thema sagt:
Wer seine Verfehlungen zudeckt, wird keinen Erfolg (kein Gelingen) haben; wer sie aber bekennt und lässt, findet Erbarmen. (Sprüche Salomos 28:13)
Abraham beschäftigte sich in seiner Beziehung zu Gott von Herzen mit ihm, sodass er keinem Zweifel Raum ließ, und beschäftigte seinen Verstand unablässig mit Fragen und Antworten. Solche Fragen verbarg er nicht in sich, als wären sie eine Verfehlung. Wie viele Menschen leben Ihrer Meinung nach jetzt wohl mit dieser Herzenshaltung? Meiner Meinung nach sind es entsetzlich wenige. Nach all dem hätte Abraham, ohne noch irgendeine Frage zu stellen, wenn Gott es gesagt hätte, nicht einmal sein Kind verschont, sondern hätte sich sogar zu der Wahnsinnstat aufmachen können, es zu opfern. Und tatsächlich machte er sich dazu auf, und Gott gab damit sowohl ihm als auch der ganzen Menschheit eine Botschaft. Sonst hat Gott mit den Gesetzen, die er gab, nicht gewollt und auch nicht akzeptiert, dass Menschen als Opfer getötet werden. Ganz im Gegenteil hat er die götzendienerischen Gesellschaften, die dies in der Geschichte taten, mit Hass betrachtet.
Menschen, die all dies lesen, mögen bei sich denken: „Hätte Gott sich um uns gekümmert, wie er sich um Abraham gekümmert hat, dann wären gewiss auch wir anders.“ Ja, tatsächlich mag die Beziehung Gottes zu Abraham dem Anschein nach so aussehen, als würde Abraham ein Vorrecht gewährt und er bevorzugt. Ich rate Ihnen dennoch, sich solche Dinge gar nicht erst durch den Kopf gehen zu lassen. Denn glauben Sie mir, Menschen, die die Liebe jenes Mannes zu Gott und den Gehorsam und die Ergebenheit zeigen können, die er um dieser willen zeigte, warten nicht an jeder Straßenecke. Dessen können Sie sicher sein. Aber das bedeutet wiederum auch nicht: «Wir können niemals wie Abraham sein.» Wäre Abraham ein unmöglicher, unnachahmlicher Mensch gewesen, dann hätte Gott ihn uns der Menschheit nicht als Beispiel gezeigt, damit wir eine Lehre daraus ziehen. Und ist es denn nur Abraham? So viele Menschen sind gekommen und gegangen, und aus diesen so vielen Menschen lesen wir aus den Worten, die Gott durch seine Propheten niederschreiben ließ, dass viele nach dem Herzen Gottes waren. Dass jene Schriften nicht umsonst geschrieben wurden und seit Jahrhunderten ihre Existenz bewahren, damit sie uns der Menschheit ein Beispiel seien, ist der Wille Gottes. Im Korintherteil der Bibel steht zu diesem Thema Folgendes geschrieben:
Diese Dinge widerfuhren ihnen als Vorbild und wurden niedergeschrieben zur Ermahnung für uns, die wir dem Ende der Zeitalter entgegengekommen sind. (1. Korinther 10:11)
Das heißt, wenn all diese Schriften niedergeschrieben wurden, damit sie der Menschheit ein Beispiel und eine Ermahnung seien, müssen dann die gegebenen Beispiele nicht anwendbar sein? Welchen Nutzen hätten uns Schriften, die voll von unmöglichen, für uns Menschen unausführbar schwierigen Beispielen wären? Wenn ich jene Sache niemals tun kann, wenn es mir niemals möglich ist, jenen Glauben, jene Liebe, jene Treue, jenen Anstand zu zeigen, dann müssten wir sagen: „Auch diese Bücher wurden umsonst geschrieben, und Gott weiß nicht, was er will.“ Schauen Sie, welch eine Verheißung Gott den Menschen gleich zwei Verse nach dem eben von mir zitierten Vers gibt:
Es hat euch keine Versuchung ergriffen als nur eine menschliche; Gott aber ist treu, der nicht zulassen wird, dass ihr über euer Vermögen (eure Kraft) hinaus versucht werdet; sondern er wird zugleich mit der Versuchung auch den Ausweg schaffen, damit ihr sie ertragen könnt. (1. Korinther 10:13)
Sagen diese Verse, dass es unmöglich ist, die Dinge zu tun, die von uns erwartet werden, oder genau das Gegenteil?
Wenn wir allein die Heilige Schrift lesen, könnte der Eindruck entstehen, dass der erste Ort, an dem Abraham lebte, die Stadt Ur war und dass sie von dort gleichsam auf den Wunsch seines Vaters (Terachs) hin aufbrachen und nach Haran gingen. Denn dort steht ausdrücklich geschrieben:
Terach nahm seinen Sohn Abram (Abraham), und Lot, den Sohn Harans, seinen Enkel, und Sarai, seine Schwiegertochter, die Frau seines Sohnes Abram, zusammen und zog mit ihnen aus Ur der Chaldäer aus, um in das Land Kanaan zu gehen; und sie kamen nach Haran und wohnten dort. Die Tage Terachs waren zweihundertfünf Jahre; und Terach starb in Haran. (Genesis-Schöpfung 11:31-32)
Wenn wir die Verse nach diesem Ereignis lesen, könnte auch der Eindruck entstehen, als würde Gott, gleichsam ohne dass irgendetwas geschehen wäre, aus heiterem Himmel Abraham sagen, er solle von dort ausziehen; natürlich, wenn wir allein die Heilige Schrift lesen. Der Koran berührt auch die Vorgeschichte dieser Themen. Während sie in der Stadt Ur lebten, beginnt jene Stadt nun für sie gefährlich und bedenklich zu werden. Der Grund für all dies ist, dass Abraham sich den Götzen widersetzt, die die Menschen jener Stadt anbeten. Das Interessante an der Sache ist, dass auch Abrahams Vater einer war, der nach den Bräuchen jener Nation die Götzen anbetete. Das heißt, Abrahams Vater billigt seinen Glauben an Gott und seine Verhaltensweisen in dieser Richtung überhaupt nicht. Wir beginnen Abraham in der Heiligen Schrift erst nach seinem Alter kennenzulernen. Dabei war Abraham, als sich diese Dinge zutrugen, ein junger Bursche. Obwohl der Koran wiederholt von Abraham spricht, möchte ich die Aufmerksamkeit auf die Seite lenken, die in Bezug auf dieses Thema in der Heiligen Schrift nicht geschrieben steht. Dieses Thema, das in der Sure al-Anbiya, das heißt in der 21. Sure geschrieben steht, beginnt im Vers 51. Nachdem Abraham die Götzen, die der Glaube jener Gesellschaft waren, in Stücke zerschlägt, erhebt sich das Volk und macht sich daran, Abraham im Feuer zu verbrennen. Genauer gesagt, sie verbrennen ihn. (al-Anbiya, 21:68-69; al-Ankabut, 29:24; as-Saffat, 37:83-98) Gott aber macht das Feuer an ihm wirkungslos. Nach diesen Ereignissen müssen ihre Leben dort in Gefahr geraten sein, wegen Abraham und einiger seiner Verwandten, die an Abrahams Seite standen, sodass auch ihr Vater, selbst wenn er nicht wollte, notgedrungen mit ihnen zusammen von jenem Ort auszieht und in die Stadt Haran geht. Dass sein Vater Abraham in dieser Sache unablässig zusetzte, können wir vermuten, und es kommt sowohl im Koran ausreichend als auch, wenn auch wenig, in der Heiligen Schrift vor. (Josua 24:2)
Wenn Sie all diese Ereignisse aufschlagen und an ihrer Stelle lesen und sich selbst in jene Ereignisse hineinversetzen, werden Sie sehen, dass Abraham noch kein einziges Wort mit Gott gesprochen hatte, ja, dass er über Gott fast überhaupt nichts wusste. Abraham führt in seiner Jugend, indem er nur seinen Verstand gebraucht, mit den Menschen jener Stadt, in der er lebte, die Auseinandersetzung darüber, dass von Hand gemachte hölzerne Götzen kein Schöpfer und kein Gott sein können.
Jeder Mensch hat ein Denkvermögen. Und jeder Mensch gebraucht dieses Vermögen in verschiedene Richtungen. Der Mensch ist kein dummes, einfältiges, wertloses Geschöpf. Gewiss liegt es neben vielen Einflüssen auch in unserer Hand, über unsere Gedanken zu herrschen und die Themen auszuwählen, mit denen wir sie beschäftigen. Erwarten wir jedoch nicht, dass eine Person, die darin nicht geübt ist, die sich nicht selbst diszipliniert hat, sofort über ihre Gedanken, über ihren Verstand herrscht. Zumal ein Mensch, der seine Gedanken und seinen Verstand vollständig so, wie sie sind, unter Kontrolle halten könnte, wegen unserer Sündhaftigkeit auf Erden nicht lebt, auch das ist eine andere Wahrheit. Trotz alledem waren die Dinge, die Abrahams Verstand beschäftigten, im Allgemeinen das Erforschen der Existenz Gottes. Und dazu zwang ihn niemand. Ganz im Gegenteil, sie zwangen ihn, es nicht zu tun, und gingen sogar so weit, ihn zu verbrennen. Aber durch das Wunder Gottes konnte Abraham jenem Feuer entkommen. Wer von uns setzt für etwas, das wir noch nicht einmal ganz genau kennen, aber weil wir auch die Unverständigkeit unseres Gegenübers bemerken, sich ihnen widersetzend, einen Gott verteidigend, den wir nicht kennen, sein Leben aufs Spiel? Die Menschen haben eine Heidenangst davor, sich den Regeln zu widersetzen, die die Gesellschaften aufstellen. Auf die Menschen, die jene Regeln nicht befolgen, üben sie den Druck aus, der ihnen möglich ist. Die zivilisiertesten Länder, die von Freiheit, Demokratie, Menschenrechten sprechen, können sogar das Kopftuch der Menschen nicht ertragen. Ich verteidige weder das Kopftuch, noch bin ich dagegen. Wenn jene Staaten, als Antwort darauf, dass ein Zeuge Jehovas an jedermanns Tür klopft und sagt „deine Religion ist falsch, meine ist richtig“, sagen können „wir müssen diese Einrichtung als eine Religion anerkennen“, wenn sie ihnen diese Freiheit geben – und nur ihnen etwa? –, wenn die Mönche und Nonnen der katholischen und protestantischen Religionen, deren Vergangenheit voller Schande und Widerlichkeiten ist, mit ihrer besonderen Kleidung Duldung oder Sympathie erfahren, warum sollte dann die Religion derjenigen, die das Kopftuch tragen, keine Anerkennung finden? Weder ist die Vergangenheit jener Religion, die das Kopftuch trägt, reiner als die ihre, noch schmutziger. Sehen sie ihre eigene Religion in ihrem Inneren nicht als Gefahr, aber die Gefährlichen sind jene Religion, die das Kopftuch trägt? Dabei haben ihre eigenen Religionen in der Geschichte und jetzt die Menschen seit Tausenden von Jahren unterdrückt und ihr Blut ausgesaugt. Oder kennen sie diese Wahrheit und sagen: „Unsere reichen uns ohnehin, sollen wir auch noch von außen neue in unser Inneres hereinlassen!“ Wenn die Freiheit parteiisch gebraucht wird, dann ist ihr Name nicht Freiheit. Wenn du sie gibst, dann musst du sie entweder jedem geben oder niemandem. Aber sobald du anfängst zu sagen „deine Religion ist falsch, meine ist richtig“, ist das weder aus Sicht der Gerechtigkeit noch aus Sicht des Rechts, das ihr lächerlich macht, richtig. Wenn du sie einem anderen gibst, dann bist du gezwungen, sie auch ihm zu geben. Freilich ist es wie ein Märchen, in unserer Welt von Gerechtigkeit und Freiheit zu sprechen. Und ich habe vorerst nicht die Absicht, ein Märchenbuch zu schreiben.
An dieses oben aus dem Koran entnommene Ereignis über Abraham glauben die Christen nicht. Denn es kommt in ihrem Buch nicht vor, und deshalb finden sie dieses Thema sehr unsinnig. Sollte Gott denn einen Menschen aus dem Feuer retten? „Nichts als Unsinn“, spotten sie. Dabei nehmen sie das im Buch Daniel, das sie in Händen halten, vorkommende Ereignis, dass der König, der damals die Rolle des Weltherrschers spielte, die drei jungen Männer, weil sie sagten „wir beten das Standbild, das du aufgerichtet hast, nicht an“, in den Ofen werfen lässt und dass jenen drei Personen im Ofen nichts geschieht, weil Gott seinen Engel sandte und sie aus dem Feuer rettete, so an, wie es ist. (Daniel Kapitel 3) In ihren Kirchen, in ihren Gemeinden haben sie über dieses Ereignis viele Ermahnungen zum Thema Glauben gegeben und Predigten gehalten. Während der Gott, der dies tut, wenn es in der Heiligen Schrift vorkommt, ganz normal erscheint, hat jener Gott, wenn es im Koran geschrieben steht, in ihren Augen einen entsetzlichen Unsinn begangen! Und das Wichtigste: Wie kann es sein, dass ein so bedeutsames Ereignis über Abraham in ihrem Buch nicht steht, aber im Koran steht! Aus solchen Gründen wurde dem Christentum der Koran als „ein Buch voller Ungereimtheiten“ in den Kopf gesetzt. Und das sind die Gründe für die Ungereimtheiten!
Bisher hatte ich von unseren Sehorganen gesprochen. Ich hatte gesagt, dass wir von Zeit zu Zeit selbst mit den Dingen, die wir direkt vor unseren Augen sehen, sogar in einen großen Irrtum fallen können. Kommen wir zum Thema des Hörens; wie steht es wohl bei uns damit? Zeigt sich nicht schon an dem eben von mir gegebenen Beispiel ganz offen, wie unverständig wir sind? Wir hören dieselben Dinge, glauben oder glauben nicht. Obwohl es keinerlei Beweis gibt, der uns dazu bringen sollte zu glauben oder nicht zu glauben, tun wir dies allein, indem wir auf die Etiketten schauen. Wer sagt was unter welchem Etikett, genau das sind die Dinge, denen wir die Menschheit am meisten Bedeutung beimessen. Auch die Nationen zur Zeit Abrahams haben diesen Dingen Bedeutung beigemessen. Abraham aber war nicht bereit, sich wie sie zu verkaufen. Abraham war einer, der bereit war, auch wenn er allein war, auf dem Weg zu gehen, an den er glaubte. Er sagte niemals über seine Nation: „Bloß nicht die Einheit zerbrechen, bewahren wir unsere Bräuche, integrieren wir uns, was auch immer geschieht, in die Ordnung der Gesellschaft“ oder dergleichen. Deshalb machten sie sich auch daran, ihn zu verbrennen. Aus irgendeinem Grund findet sich dieses Verbrennen von Menschen in der Geschichte am häufigsten in christlichen Gesellschaften. Auch die anderen haben allerlei getan, aber das Verbrennen von Menschen bei lebendigem Leib hat auch dieses Christentum, wie die götzendienerischen Gesellschaften zur Zeit Abrahams, sehr geliebt. Und jetzt stehen die Deutschen mit ihrem Integrationsmodell verbrennend vor uns. Und da auch Frau Merkel, die deutsche Kanzlerin, die Tochter eines Kirchenpfarrers ist, sagen wir, es sei nach der Erziehung, die sie erhalten hat, normal! Die Osmanen aber sagten, als Çelebi flog (1623-1640): „Wie kannst du fliegen, das, was du da tust, ist Teufelswerk“, aber sie verbrannten ihn nicht. Sie schlugen ihm den Kopf ab! Ich weiß nicht, was barmherziger ist, aber wahrscheinlich war das Brennholz der Osmanen meiner Meinung nach wertvoller! Sie haben ihr Brennholz nicht dazu benutzt, Menschen zu verbrennen. Sie haben sich nicht so umsonst mit Reisig, mit Brennholz und dergleichen abgemüht! Obwohl wir seit unserer Kindheit lernen, dass Çelebi der Kopf abgeschlagen wurde, haben sie in unserer Zeit anstelle dieser Wahrheit auch die Geschichte verändert und sagen „Çelebi wurde nach Algier verbannt“! Ich hoffe, es war wirklich so. Nun, warum hat ein solcher Mann, als er nach Algier ging, mit dem Fliegen aufgehört? Oder hat er sich einzig bemüht zu beweisen, dass man vom Galata-Turm geflogen ist? Die Menschen sind, damit kein Makel auf sie fällt, bemüht, die Geschichte, ja alles zu verändern.
Ich weiß nicht, wer diese Zeilen liest. Menschen welcher Gesellschaft, Angehörige welcher Religion sie lesen, weiß ich wiederum nicht; aber ich glaube, dass jeder, der sie liest, in Zorn geraten wird. Entweder wird er Partei ergreifen und mir zürnen, oder, falls er die Ereignisse unparteiisch betrachten kann, wird er mir recht geben und jenen Menschen zürnen. Das heißt, in beiden Fällen wird er verstimmt sein. Ich wünsche mir, dass die Menschheit dies aus einem unparteiischen Blickwinkel tut.
Wenn Sie nach all dem, sei es auch nur ein wenig, in Ihrem Verstand ein Bild von Abraham machen konnten, so bin ich glücklich. Können Sie noch immer sagen: „Gott hat für ihn Partei ergriffen, aber uns schaut er nicht einmal an“? Weder hat Gott einen Grund, so etwas zu tun, noch haben wir ein gültiges Recht, eine solche Behauptung aufzustellen. Abraham wurde so oft geprüft. Und denken Sie nicht, dass dies unbedingt von Gott ausging. Jeder Mensch, der auf dieser Welt lebt, wird geprüft. Gottes Prüfung Abrahams geschieht nur bei einem Ereignis. Und das ist in der Sache der Opferung seines Sohnes. Sonst habe ich an keiner Stelle gelesen, dass Gott Abraham prüfte. Nicht nur Abraham, ich habe nirgends gelesen, dass er irgendjemanden mit bösen und falschen Dingen prüfte. Zu diesem Thema schreibt der Apostel Jakobus in der Bibel Folgendes:
Niemand sage, wenn er versucht wird: „Ich werde von Gott versucht“; denn Gott kann nicht mit bösen Dingen versucht werden, und er selbst versucht auch niemanden; sondern ein jeder wird versucht, indem er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und verlockt wird. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; und die Sünde, wenn sie vollendet (reif) ist, bringt den Tod hervor. Jakobus 1:13-15
Wie wir auch aus diesen Versen deutlich sehen, ist das, worin wir geprüft werden, immer, unseren eigenen Begierden zu erliegen. Selbst bei diesen unseren schwachen Seiten packt das seelische Geschöpf, das man Satan nennt, uns nicht am Arm und lässt uns jene Sache mit Gewalt tun. Aber es legt uns die begehrenswerten Dinge vor, an denen wir uns verfangen und zu Fall kommen, und wir begehren sie. Manchmal legt es uns Geld oder einen anderen Vorteil, Genuss, Gier, Stolz und dergleichen vor, manchmal aber kann dies sogar unser Leben sein. „Begehrt der Mensch denn nicht sein eigenes Leben“, werden Sie sagen. Weil Jesus Christus dies wusste, sagte er einmal Folgendes:
Wer sein Leben findet, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden. (Matthäus 10:39)
Diese Verse halten uns zur Rechtschaffenheit an, zu einer grenzenlosen Selbstaufopferung, um die Dinge, die der Wille Gottes sind, zu kennen und zu tun. Indem sie diese Verse gebrauchen, haben die religiösen Einrichtungen die Menschen im Allgemeinen dazu gezwungen, nicht Gott, sondern sich selbst gegenüber Opfer zu bringen. Sei es durch Zwang des Gewissens, sei es durch Zwang des Körpers. Deshalb lasst uns, wie im Beispiel Abrahams, was auch immer wir tun, diese Dinge nicht aus Furcht vor der Gesellschaft tun, mit der Begründung, sie hätten es so gelehrt, gestützt auf den Druck unserer Religion, unserer Nation. Abraham fürchtete sich, auch wenn er allein war, nicht davor, wegen der Dinge, die er tat, sogar ins Feuer geworfen zu werden, er gab sein Leben auf, aber genau in jenem Augenblick fand er es. Der obige Vers meint nicht unbedingt, dass solche Wunder geschehen werden. Er betont, dass weniger unser physischer Tod, sondern vielmehr unser eigentliches, wahres Leben in der Hand Gottes liegt. Selbst wenn wir sterben, ist es wiederum nur durch den Willen Gottes möglich, ihn aufzuerwecken. Und was, meinen Sie, wie diejenigen, die auf unserer Welt „Vaterland, Nation“ schreien, jene Soldaten ermutigen, wenn sie um ihres eigenen Wohlstands willen mit Unrecht den Menschen eines anderen Landes den Krieg erklären? Es genügt schon, dass sie jene Soldaten, die sie in den Tod schicken, nur als Helden des Vaterlands ermutigen, und sie sterben. Nun, haben diejenigen, die jene Menschen damit ermutigen, denn die Macht, auch die Toten aufzuerwecken? Gewiss nicht, und das weiß auch jeder. Ich möchte die Aufmerksamkeit darauf lenken, wie schnell wir für leere, ja sogar schädliche Dinge in den Tod gehen und wie leicht wir mit einfachen Dingen getäuscht werden. Jeder Krieg wird seiner eigenen Nation zu Beginn als gerecht dargestellt. Wenn Jahre, Jahrhunderte vergehen, bezeichnen die Menschen, die Präsidenten, die Ministerpräsidenten, die Parlamente derselben Nation sie als Unsinn und Schande. Nun, was ist dann mit denen, die damals gestorben sind, geschehen? Sie gingen, um Helden zu werden, sie starben, und die Zeit verging, die Menschheit begann, auf ihre Heldentat in der Geschichte mit Schmerz, als Dummheit zu blicken. Und tatsächlich war es so. Und erwarten Sie nicht, dass die Entwicklung dieser Gedanken erst nach Jahrhunderten geschieht. Eine Regierung geht, und an ihre Stelle kommt ein anderer Herrscher, der gegen jene Regierung ist, und beginnt, die schmutzige Wäsche der vergangenen vor das Volk zu bringen. Auch wir beginnen dann zu sagen „Ach! Weh!“, aber da ist es längst zu spät. Deshalb auch:
So spricht der Herr: Verflucht ist der Mann, der auf den Menschen vertraut und den Menschen (das Menschliche) sich zum Arm (zur Kraft) macht und dessen Herz vom Herrn weicht. Jeremia 17:5
Ich, ich bin es, der euch tröstet; wer bist du, dass du dich vor dem Menschen fürchtest, der sterben wird, und vor dem Menschensohn, der wie Gras sein wird… (Jesaja 51:12) – dass er das sagt, sind keine umsonst gesagten Worte.
Diese Verse wurden nicht in dem Sinne geschrieben, dass sie uns zu Aufrührern machen und wir uns gegen jede Ordnung auflehnen. Sie wurden gesagt, damit wir die überlegenen Werte, die zum Leben führenden Werte, nicht verkaufen. Sich einer Regierung zu widersetzen und einen Krieg zu entfachen, damit eine andere Regierung an die Macht kommt, die eine andere Farbe hat, aber dennoch dieselbe sein wird, ist keiner der lebenswichtigen Werte. Oder um des Wohlstands seines Landes willen andere Länder auszurauben und Krieg zu führen, ist auch kein Retten des Vaterlands und nicht lebenswichtig. Ganz im Gegenteil verlieren wir um dieser willen unser Leben, und das umsonst. Für Geld zu töten und zu sterben ist eine noch größere Unverständigkeit. Oder wenn unsere Religion, unsere Traditionen und Bräuche in Bezug auf den Patriotismus falsch sind, wird auch das wissentliche Befolgen dieser uns nicht zum Leben, sondern zum Tod führen. Besonders Gott gebietet, sich nicht davor zu fürchten, zu diesen «Nein» zu sagen. Und wirklich, warum leben wir? Nur zum Essen, Trinken, für den Sex? Das tun auch die Tiere. Nun, was ist unser Unterschied zu ihnen? Wahrhaftig sollte sich jeder diese Frage selbst stellen. Was können wir gewinnen, indem wir alles Rechte verkaufen und aus welchem Grund auch immer das Falsche und die Heuchelei verteidigen? Was für einen Namen werden wir hinter uns zurücklassen? Für manche Menschen ist das überhaupt nicht von Bedeutung. Wenn wir von der gewohnten Denkweise ausgehen, ist es auch für mich überhaupt nicht von Bedeutung. Aber ich weiß auch, dass die ewigen, bleibenden Namen nicht die Menschen, sondern Gott vergibt. In diesem Sinne sagte ich, was für einen Namen wir hinter uns zurücklassen werden. Sonst meinte ich nicht die Namen, die allein in den Geschichtsbüchern vorkommen und die man uns beigebracht hat.
Was wir am meisten schätzen
Leider stelle ich immer wieder fest, dass das Wertvollste, was der Mensch auf Erden zu sehen glaubt, das Geld ist. Es ist das Kostbarste, worauf die Menschen nicht verzichten können. Und fast alles andere, was sie schätzen, hängt letztlich ebenfalls mit dem Geld zusammen. Selbst das Werturteil eines Menschen, der sich für einen Künstler hält, richtet sich danach, ob der Marktwert jener Bilder, Gemälde und Bücher steigt oder fällt. Der wertvollste Maßstab in ihren Köpfen ist stets das Geld. Um etwas gut oder schlecht zu nennen, benutzen sie diesen Maßstab. Wundern Sie sich nicht, wenn ein Bild, das ein Maler zu Lebzeiten geschaffen hat und das damals nicht einmal so viel wert war wie ein Teller Essen in einem Restaurant, hundert Jahre später für 80 Millionen amerikanische Dollar verkauft wird. Und glauben Sie ja nicht, dass derjenige, der dieses Bild kauft, etwas von Malerei versteht oder das Bild etwa liebt. Für Unwissende wie mich ist es einfach ein Bild, nicht mehr als irgendein Porträt. Die Bilder, die viele Straßenkünstler unserer Zeit auf die Gehwege malen, sind meiner Meinung nach schöner. Im Kern lässt sich in dieser Kunstliebe unserer Zeit alles finden, von Steuerintrigen bis hin zu jeder Art von Geschmacklosigkeit. Oder dass das alte Auto eines gewählten Papstes zum 40-fachen seines eigentlichen Wertes verkauft wird, kommt ebenfalls nicht daher, dass man dieses Auto oder den Papst liebt. Mit diesen Dingen, die sie mit Geld kaufen, sehen sich die Menschen als eine besondere, privilegierte Persönlichkeit. Denn weder ist der Hintern des Papstes, der sich auf den Sitz des Autos gesetzt hat, heilig, noch war er zuvor heilig. Was ihn jetzt so wertvoll macht, ist einzig das Etikett.
Ja, in den Augen der Menschen gibt es nach dem Geld – ja in manchen Fällen scheint es sogar wertvoller als Geld – noch etwas anderes, und das ist das Etikett. Ich spreche von den Dingen, die wir Menschen am meisten schätzen. Deshalb entscheiden sich manche entweder für das Geld oder für das Etikett. Der größte Grund für jene widerlichen, in jeder Hinsicht abstoßenden und erbarmungslosen Dinge, die Menschen einander antun, um Karriere zu machen, ist eben der Besitz dieses Etiketts. Dass sich die Menschen vor ihm verbeugen, dass eine Menge Leute in seinem Dienst arbeitet, das Recht, notfalls jedem alles antun zu können, sich auf den Rücken anderer zu setzen und sie die Drecksarbeit erledigen zu lassen, von einer Schar Speichellecker umringt zu werden und dergleichen bereitet ihnen ein grauenhaftes Vergnügen. Ob jemand nun Geld oder ein Etikett besitzt, im Grunde sind die Erwartungen der Menschen an diese beiden Dinge stets dieselben. Hat es daneben nicht doch die eine oder andere Ausnahme gegeben? Selbstverständlich hat es sie gegeben. Ob Künstler, ob Soldat, ob Minister oder Ministerpräsident, ob wohlhabend, reich oder arm – auch unter diesen Menschen sind Idealisten hervorgetreten, die weder ihr Etikett noch ihren Reichtum schätzten. Weil es solche Ausnahmen gab, wenn auch nur sehr wenige, hat sich die Zeit bis zu jenen Einflüssen, die unsere Welt vernichten werden, noch ein wenig verlängert. Um es zu vergleichen: Es ist so, als würden die Bewohner eines im Dreck versinkenden Hauses von ansteckenden Krankheiten dahingerafft, und jemand käme von außen, krempelte die Ärmel hoch und hülfe diesen Menschen und diesem Umfeld. In Wahrheit sind es die Bewohner des Hauses selbst, die sowohl den Dreck als auch jene tödlichen Krankheiten herbeirufen. Und dass sie alle mit der Hilfe eines anderen in kurzer Zeit wieder auf die Beine kommen und dann versuchen, das neue, saubere Umfeld wieder in denselben Dreck zu ziehen, gerade als sie im Begriff waren, unterzugehen, verlängert diesen Untergang gewiss nur um eine weitere Weile. Man mag ihnen helfen, so viel man will – solange sich jene Köpfe und Seelen nicht ändern, wird auch die Hilfe kaum einen Sinn haben. Höchstens lässt sich vielleicht die Frist verlängern, mehr nicht. Neben dieser Wahrheit besteht die Aufgabe des Menschen dennoch darin zu helfen, nicht sich an Gottes Stelle zu setzen und zu herrschen. Ich habe dieses Beispiel nicht im Namen einzelner Personen gegeben. Ich habe das Beispiel, das ich gab, mit Blick auf unsere Welt und angeregt durch Geschichtsbücher genommen. Jenes schmutzige Haus ist die Welt, und die Menschen, die sich im Sterben an einer ansteckenden Krankheit winden, sind wir. Eine bittere Wahrheit, aber das Gute nicht zu tun ist auch kein Grund zu verzagen.
Die schönsten Beispiele hierzu können Sie in der Geschichte der Heiligen Schrift lesen. Während die Menschen mit ihren störrischen Köpfen das Wertlose für wertvoll hielten und das Wertvolle mit Füßen traten, hat Gott seine Hand ausgestreckt. Er hat sie aus ihrem Dreck, aus ihrem Erbrochenen herausgezogen, sei es durch Bestrafung, sei es durch das Aussenden von Rettern, aber er hat sie gerettet. Auch das Krumme in ihrem Innern wurde gereinigt, und es hieß: „Ah!“ Raten Sie mal, wie lange dieser Zustand anhielt. Manchmal währte er nicht einmal 40 Tage, und manchmal ging es so höchstens bis eine neue Generation heranwuchs. (2. Mose 32; 5. Mose 9 und das gesamte Buch Richter) In der Regel dauerte es nicht einmal 20 Jahre. Und derjenige, der dies von Grund auf richtete, war kein Mensch, sondern Gott. Wie Gott etwas von Grund auf richtet, überlegen Sie sich wiederum selbst. Ohne dass auch nur die geringste Zeit verging, kämpften jene Menschen geradezu einen furchtbaren Kampf darum, in einen noch schlimmeren Zustand als zuvor zurückzufallen. Und tatsächlich fiel es ihnen keineswegs schwer, dasselbe schmutzige Umfeld wiederherzustellen, das sie suchten.
Die Ursache all dessen sind die Werturteile der Menschen. Aus irgendeinem Grund haben wir das Wertvolle nicht nur mit Füßen getreten, sondern konnten es nicht einmal ertragen, jene Werte zu hören. Diejenigen, die sie aussprachen, haben wir aus der Gemeinschaft ausgestoßen, in Gefängnisse geworfen oder unter Folter getötet. Und all das nur, um wieder in unser Erbrochenes zurückzukehren und uns darin zu wälzen. Von Zeit zu Zeit besaßen wir sogar die Frechheit, selbst zu Gott zu sagen: „Misch dich nicht in unsere Angelegenheiten ein, lass uns in Ruhe.“ Diejenigen aber, die behaupten, auf seinen Wegen zu wandeln, und die sich selbst zu Gottes Stellvertretern auf Erden ernennen, schienen von Weitem richtig zu sein und überlegten beim Hinlegen und beim Aufstehen ständig, wie sie dem Volk jede Art von Krummheit unterjubeln könnten. All diese Artistik, die sie in sich entwickelt haben, ist zu ihrer Kunst geworden. Wo und wie zu antworten sei, wie sie mit der gegebenen Antwort die Menschen betrügen könnten, ohne dabei die Wahrheit zu sagen, aber auch ohne zu lügen, sofern es nicht unbedingt nötig war – das haben sie sich unentwegt in ihren Köpfen zurechtgelegt. Das Ziel ist stets, zu täuschen, sich auf den Rücken anderer zu setzen, zu unterdrücken, und sie mühen sich fortwährend ab, wie sie dies tun und es zugleich verhüllen könnten. Handelte es sich um eine Religion mit weiten Vordächern, so ließen diese sich nicht einmal zu solchen Wegen herab. Was auch immer sie zu tun gedachten, sie taten es, ohne sich im Geringsten zu genieren oder zu schämen.
Neben all diesen sichtbaren Dingen wollten wir aus irgendeinem Grund kaum bedenken, dass die eigentlichen unsichtbaren Werte uns Menschen weit notwendiger sind und weit mehr Glück bringen. Wenn ich sie mir so aufliste, soweit sie mir einfallen, glaube ich, dass diese Werte stets unsichtbar sind, aber, obwohl sie unsichtbar sind, wertvoller sind als die sichtbaren Dinge – und beim Lesen werden auch Sie das merken. Lassen Sie es uns tun, indem wir es wiederum mit den Dingen vergleichen, die man mit Geld erlangen kann:
-Mit Geld kannst du viele wertvolle Geschenke kaufen, aber keine Liebe,
-Mit Geld kannst du die besten Medikamente kaufen, aber keine Gesundheit,
-Mit Geld kannst du die Speisen kaufen, die du willst, aber keinen Appetit,
-Mit Geld kannst du Sex kaufen, aber keinen Genuss,
-Mit Geld kannst du einen Menschen kaufen, aber keinen Freund,
-Mit Geld kannst du vielleicht die Welt kaufen, aber kein Glück.
-Mit Geld kannst du Ärzte und Krankenhäuser kaufen, aber kein Leben.
Gewiss ließen sich noch viele solcher Vergleiche aufzählen. Mir ist vorerst nur so viel eingefallen. Zum ersten Mal hörte ich eine Rede zu diesem Thema auf einem Kongress mit religiösem Inhalt, und sie gefiel mir sehr. Zwar hielten sie selbst zu diesem Thema Reden, scharf wie Gift, doch wollten sie nur nicht, dass ihre Mitglieder das Geld schätzten, damit die Mittel dem Leitungsgremium jener Religion zuflössen. In Wahrheit waren sie selbst in dieser Hinsicht meiner Meinung nach schwächer als alle anderen. Es soll uns also nicht wundern, wenn gerade diejenigen, die solch aufgeblasene Worte von sich geben, in dieser Sache selbst noch ehrgeiziger und gieriger sind. Doch wenn wir über den Sinn der obigen Worte nachdenken, müsste man blind sein, um nicht zu sehen, wie begrenzt die Macht des Geldes ist. Diejenigen, die es mit all ihrer Kraft zu erlangen suchen, kennen diese Wahrheiten gewiss entweder nicht oder wollen sie nicht kennen. Legen wir den Wert des Geldes in den obigen Worten beiseite und fügen alles, was der Mensch braucht, zusammen, so können wir auch einen Satz wie diesen bilden:
Es ergibt sich ein Sinn wie: «Ein ewiges Leben, in Gesundheit, Genuss und Glück, gemeinsam mit liebevollen Freunden verbracht» – wer möchte das nicht? Ist Ihnen aufgefallen, dass die Dinge, die in diesem Satz vorkommen, nicht mit sichtbaren Werten erlangt werden? Ihre Wirkungen werden gewiss mit den Augen zu sehen sein. Was aber diese Wirkungen hervorbringt, muss keineswegs Geld sein.
Ich bestehe auf den Werten, die man weder anfassen noch mit den Augen sehen kann – verteidige ich damit etwa, blind für sie zu sein? Eigentlich ist es mein Hauptanliegen darzulegen, dass wir zwei Arten von Sehvermögen besitzen. Das Erste ist das, was wir mit unseren buchstäblichen Augen sehen und wahrnehmen, das Zweite ist das, was wir mit unseren geistigen Augen sehen und wahrnehmen. Viele akzeptieren ein Sehen außerhalb dieser buchstäblichen Augen nicht und wollen es auch nicht akzeptieren. Wenn Sie versuchen, in die geistige Welt einzutreten, dann merken Sie sofort, wozu die Zehntausenden von Religionen auf unserer Erde dienen. Wir sagen «Gott ist einer», aber was sind dann diese Zehntausenden von Einrichtungen der verschiedensten Art? Nun, sie seien Religionen, Konfessionen, Organisationen und Verbände, die versuchen, diese unsere geistigen Augen zu öffnen. Ich hingegen behaupte das genaue Gegenteil: Sie sind meisterhafte Artisten, die versuchen, diese unsere geistigen Augen zu verschließen oder das, was gesehen werden sollte, zu verfälschen und uns Falsches zu zeigen. So wie die Zirkusartisten und Zauberer, von denen ich zuvor sprach, die Meisterschaft besitzen, den buchstäblichen Augen der Menschen etwas vorzugaukeln und eine Sache anders erscheinen zu lassen, als sie ist, so wundern wir uns auch nicht, wenn wir beim Blick auf diese Religionen feststellen, dass die geistigen Augen der Menschheit erblindet sind oder dass sie schielend alles verkehrt herum sehen und dadurch in die Irre gegangen sind. Dass der größte Einfluss von unseren geistigen Lehrern ausgeht, ist gewiss. Gut, mag es auch schlechte Lehrlinge, faule Schüler und dumme Zöglinge geben – wenn aber sämtliche Schüler in diese Kategorie fallen, ist es dann nicht eigentlich logischer, auch an den Lehrern zu zweifeln? Je schlechter der Lehrer eines Schülers ist, desto verdorbener wird auch die Erziehung sein, die er erhält.
Sei's drum, lassen wir die Religionen beiseite und kehren wir wieder zu unseren beiden Arten von Sehvermögen zurück. Auch das Sehvermögen der buchstäblichen Augen von uns Menschen ist eigentlich ziemlich begrenzt. Zum Beispiel wird es uns mit bloßem Auge unmöglich, unter Wasser zu sehen. Auch im Dunkeln kann unser Sehvermögen, je nach der Stärke der Dunkelheit, sogar gleich null sein. Ebenso können wir mit bloßem Auge Dinge wie ein Bakterium oder einen Mikroben keinesfalls erkennen. Auch wegen der Wissenschaftler, die partout nicht an Dinge glauben, die außerhalb dessen liegen, was sie mit ihren Augen sehen, sind viele Menschen gestorben. Es fiel ihnen schwer zu glauben, dass es auch Lebewesen geben könnte, die für unsere Augen unsichtbar sind. Zum Glück haben sie dann Mikroskope und dergleichen erfunden und die Lage gerettet. Doch manche haben, obwohl sie es mit ihren Augen nicht sahen, durch den Gebrauch ihres Verstandes erkannt, dass es solche Lebewesen gibt. Denn sie haben die Wirkungen dieser Dinge gesehen. Die Dickköpfigen hingegen haben diesen Umstand nur sehr schwer akzeptiert oder überhaupt nicht akzeptieren können. Auch im Feuer kann der Mensch mit bloßem Auge nichts sehen. Nur wenn er, sofern ein bestimmter Grad nicht überschritten wird, in Spezialkleidung ins Feuer geht, dann erst. Auch bei Rauch oder Nebel versagen unsere Augen. Wenn wir mit bloßem Auge in die Sonne schauen, sind es nur Sekunden, bis wir erblinden. Wer denkt schon daran, dass die Sonne, die uns jeden Tag über unseren Köpfen wärmt, in kürzester Zeit die Wirkung hat, blind zu machen. Sonnenbrillen sind in solchen Fällen sehr nötig für unsere Augen. Es gibt so viele verschiedene von ihnen, dass manche Menschen die Augengesundheit gegen die Sonne aufgegeben haben; man kann sogar solchen begegnen, die sie nur zur Zierde selbst nachts tragen. Andere wiederum schämen sich, sie zu tragen, aus Angst, damit anzugeben, und kneifen in der grellen, brennenden Sonne die Augen immer weiter zusammen und können den Kopf nicht vom Boden heben. So wie Menschen, die im Regen niemals einen Schirm benutzen.
Auch das innere Gefüge einer Sache im buchstäblichen Sinne zu sehen ist uns unmöglich. Nur mit gewissen technischen Hilfsmitteln wie Röntgengeräten, Tomografen (Schichtaufzeichnern) und Strahlen können wir jene Dinge sehen. Ebenso können wir mit unseren Augen eine grenzenlose Entfernung nicht in ihren Einzelheiten erkennen. Und wenn wir zu all dem noch die vielen Augenkrankheiten hinzunehmen, verengen sich die Grenzen unseres Sehsinnesorgans noch weiter.
Auch unser Sehen mit den geistigen Augen ist genauso begrenzt wie das Sehen mit diesen buchstäblichen Augen. Wenn wir „geistig“ sagen, halten Sie nicht gleich die uns dabei in den Sinn kommende Fantasiewelt für grenzenlos. Die Erziehung, die wir erhalten haben, unser Wissen, unsere Vernunft, unser Glaube, unser gesunder Menschenverstand und dergleichen werden diese unsere geistigen Augen sehr beeinflussen. Und dann haben wir noch ein begrenztes Gehirn. Da die Dinge, die wir wahrnehmen, ob mit den buchstäblichen oder mit den geistigen Augen, zuerst im Gehirn zustande kommen, müssen wir akzeptieren, dass auch dort eine Grenze besteht. Wir sehen oder hören, aber in Wahrheit sehen wir mit unserem Gehirn und hören mit unserem Gehirn. Organe wie Auge und Ohr wären ohne unser Gehirn zu nichts nütze.
Stellen Sie sich zum Beispiel ein voll funktionsfähiges Kabelmikrofon vor: Solange sein Kabel an nichts angeschlossen ist, kann es nicht von selbst hören und Klänge wahrnehmen. Oder stellen wir uns ein Objektiv vor. Solange das Objektiv nicht an die Kamera angesetzt ist, wird es keine Bilder wahrnehmen. Sowohl das Objektiv als auch das Mikrofon haben ihre Eigenschaften, aber für sich allein sind sie zu nichts nütze. Auch unsere Augen, unsere Ohren, Hand, Fuß und unser ganzer Körper wären ohne unser Gehirn zu nichts nütze. Von unserem Gehirn, das eigentlich einen sehr komplexen Aufbau hat und viele Aufgaben erfüllt, benutzen wir angeblich nur einen Anteil von etwa 6 bis 10 Prozent. Dieser Anteil gilt für gewöhnliche, normale Menschen. Selbst bei den ganz besonders Klugen, die ihr Gehirn mit dem Speichern von Wissen verbracht haben, kam der Anteil nicht einmal auf 20 Prozent. Das bedeutet, dass wir einen großen Teil unseres Gehirns nicht benutzen. Wenn wir es aber ganz benutzen würden, dann liest man, dass jenes winzige menschliche Gehirn über so große Fähigkeiten verfügt, dass es Speicher anhalten könnte. Und unser Gehirn ist auch nicht nur ein Wissensspeicher. Unsere Hände, unsere Muskeln, unsere Finger und die Dinge, die wir mit ihnen rasch tun, unsere Fähigkeiten und dergleichen werden alle dank unseres Gehirns, durch die Befehle, die es sendet, möglich. Dass diese so schnell und wie automatisch ablaufen, ist durch die Schulung und die Übungen möglich, die man dem Gehirn gibt. Erst nachdem das Gehirn gelernt hat, kommen wir in jenen Dingen mit unseren Fähigkeiten voran. Welches Organ wir am meisten benutzen, dessen zugehöriger Bereich in unserem Gehirn arbeitet auch mehr und entwickelt sich mit der Zeit noch weiter. Da zum Beispiel der Geruchssinn von Hase und Hund gegenüber dem des Menschen weit entwickelter ist, ist die Stelle im menschlichen Gehirn, die dies wahrnimmt, im Vergleich zu Hund und Hase weit kleiner. Da der Mensch aber in Denken und Verstand Hund und Hase weit überlegen ist, sind die Windungen im Gehirn im Vergleich zu diesen Tieren ausgeprägter und stärker eingekerbt und zerklüftet. Während das Gehirn des Hasen beinahe einer glatten Niere gleicht, ist das menschliche Gehirn voller Einkerbungen und Vorsprünge wie eine Walnuss. Je glatter das Gehirn, desto weniger Fähigkeiten zeigt es also. Das Interessante an der Sache ist, dass unser Gehirn zugleich auch unsere Seele beeinflusst. Aus eben diesem Blickwinkel habe ich das Thema Gehirn überhaupt angesprochen. Andernfalls ist mein Wissen über das Gehirn so gering, dass man sagen könnte, ich hätte gar keins. Vielen Leuten zufolge lässt sich dieser Umstand angeblich schon aus den Büchern und Schriften erkennen, die ich geschrieben habe!
Ja, die Menschen stellten einst eine Verbindung her, indem sie die Seele mit dem buchstäblichen Herzen gleichsetzten. Sie glaubten geradezu, dass alle Kenntnisse in unserer Seele, der Glaube, die Liebe, der Hass, die Eifersucht und jede Art von Gefühl aus dem Herzen kämen. In Wahrheit sind mit dem in den Heiligen Schriften vorkommenden „Herz“ oder „Innerstem“ wie mit einem buchstäblichen Organ unsere geistige Haltung und unser Verhalten gemeint. Wohl von diesem Gedanken ausgehend sahen die Menschen den Ursprung der Gefühle, die aus unserer Seele, aus unserem Innern kommen, in unserem Herzen. Dabei saugt und pumpt unser Herz nur das Blut in unserem Körper. Um es zu vergleichen, hat es also die Funktion einer Saug-Druck-Pumpe. Zugleich arbeitet es außerhalb unseres Willens. Unser Gehirn hingegen, das, wie ich sagte, sehr komplex ist, besitzt stets die Fähigkeit zur Wahrnehmung und sendet zugleich Befehle an den Körper. Worauf gestützt es diese Befehle sendet, warum wir uns so oder anders verhalten, auf diese oder jene Weise denken, warum wir durch all dies glücklich oder unglücklich werden – nennt man das Bemühen, die Gründe für all diese vielen Einflüsse zu verstehen, etwa Seelenkunde (Psychologie)? Einfach ausgedrückt lässt es sich vielleicht so beschreiben. Ich hatte ja bereits dargelegt, dass wir als Menschheit auf diesem Gebiet nur sehr wenige Kenntnisse besitzen. Und falls es zu diesem Thema bibliotheksfüllendes Wissen gibt, so ist das meiste davon entweder Annahme oder es wurde, wie ich sagte, mit dem Ziel geschrieben, Krieg zu führen, zu foltern, den Menschen etwas aufzuzwingen, sie in ferngesteuerte Roboter zu verwandeln, und die Forschungen wurden in diese Richtung betrieben. Dieses Wissen ist fast durchweg der Menschheit schädlich. Vielleicht ist ein ganz, ganz kleiner Teil davon darauf gerichtet, den Menschen glücklich zu machen. Und auch den kann der Mensch vielleicht nur mit Geld aus der eigenen Tasche erlangen. Die Psychiatrie ist einer jener Berufe geworden, den manche mit Vergnügen gewählt haben, um Heilmittel für die stetig wachsenden Probleme reicher, wohlhabender Menschen zu suchen und von deren Geld zu leben. Das Glück, das sie ihren Patienten empfahlen, brachte der Person nach einer Weile entweder eine noch viel schrecklichere Depression hinterher oder trieb jenen Menschen sogar in den Selbstmord. War es ein sehr aufmerksamer Arzt, so hat er sich immerhin bemüht, den Patienten zu beruhigen, aber eine absolute Lösung haben die Ärzte selbst nicht finden können, um sie ihren Patienten zu geben. Trotz sehr weniger Ausnahmen muss man auch die Existenz erfolgreicher Psychiater anerkennen, die ihre Arbeit mit Liebe verrichten. Das Wichtigste aber ist, dass der Patient das Bemühen um Besserung selbst in sich trägt.
Ich schreibe über diese Themen ohne Fachwissen, deshalb möchte ich mich nicht klugscheißerisch aufspielen. Mein Wissen reicht nur so weit wie die Nachforschung eines gewöhnlichen Menschen. Ich habe dies geschrieben, um Ihre Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass sich die Menschheit in einem schändlichen Zustand befindet. Man darf auch dies nicht vergessen: Sehr wertvolle Erkenntnisse, Befunde und Forschungen hat die Menschenwelt ohnehin mit dem Handrücken weggestoßen und sich stets an alles geklammert, was dem Menschen schädlich ist, und dafür sogar Nobelpreise verliehen. Aber wir als Menschheit haben natürlich nicht immer nur an leeren, schädlichen Dingen gearbeitet. Nur haben wir die guten Erkenntnisse und Erfindungen, die der Menschheit von Nutzen sein sollten, verdorben und sie zum Schaden der Menschheit eingesetzt, um Erfolg in Kriegen zu erringen. Diejenigen, die das taten, haben in der Regel stets gesiegt, die Guten hingegen wurden besiegt. Genau dieser Gedanke liegt dem Grundgedanken des Wissens zugrunde, das ich vermitteln möchte. Wie sehr ich mich in diesen Dingen auch klugscheißerisch aufspiele, so tue ich es doch nur, weil es in engem Zusammenhang mit den Themen steht, die ich erklären möchte. Andernfalls bin ich, wenn ich jedes einzelne in meinem ganzen Buch vorkommende Thema aufgreife, weder Augen- noch Ohren- noch Haut- noch Röntgen- noch Computerspezialist. Und Seelenarzt, Psychiater, bin ich schon gar nicht. Ich bin nur ein gewöhnlicher Beobachter und schreibe das, was ich gesehen, erlebt, gelesen, gehört, wahrgenommen und gefühlt habe.
Haben Sie schon einmal mit sich selbst gesprochen? Gewiss, und dieses Mit-sich-selbst-Reden ist etwas, das jeder tut. Freilich hängt dies auch vom Grad der Einsamkeit ab. Allein lebende Menschen sind stärker mit sich selbst beschäftigt. Es gibt sogar Menschen, die mit sich selbst streiten. Diese Menschen sind auch keine Geisteskranken oder dergleichen. Auch Sie haben sicher mehr oder weniger schon mit sich selbst gestritten. Zum Beispiel haben Sie etwas getan, das Ihnen am Ende sehr leidtat. „Warum habe ich es so gemacht und nicht anders“, so zerfleischen Sie sich fortan selbst. Die Menschen zu diesem Tun anzustacheln, verstehen Werbefirmen weit besser.
In Deutschland stellt ein Radiosender, um die Zahl seiner Hörer zu erhöhen und damit mehr Werbung an sich zu ziehen, folgende Aufforderung an das Publikum: „Wer, wenn das Telefon klingelt, abnimmt und mit der genauen Nennung des Namens jenes Radiosenders „Hallo“ sagt, wird 50 000 Euro gewinnen.“ Für die zu erledigende Aufgabe eine ungeheure Summe. Angeblich wird zufällig zu jeder vollen Stunde die Telefonnummer von jemandem gewählt und im Radio zu hören gegeben. Zwar habe ich niemals geglaubt, dass diese Sache ehrlich abläuft, aber eines wusste ich. Wenn derjenige, der dieses Telefon abnahm, auf normale Weise antwortete, indem er sich vorstellte, oder nur „Hallo“ sagte – ach, dann war er verloren! Der Moderator erzählt dann in aller Ausführlichkeit jener Person und allen anderen im Hörer, wie sie die 50 000 Euro verpasst hat. Der Person am anderen Ende wird von da an jener Tag, vielleicht sogar das ganze Leben, zu Gift werden. In ihrem weiteren Leben wird sie gewiss von Zeit zu Zeit aus Albträumen erwachen. In ihren Träumen wird sie, das Telefon in der Hand, entweder immer wieder jene 50 000-Euro-Worte sagen, oder sie wird den Schmerz, sie nicht gesagt zu haben, noch einmal im Schlaf durchleben. Dabei liegt es durchaus im Bereich des Möglichen, dass ein so großer Betrug im Spiel ist. Der Moderator wählt eine Telefonnummer, und wenn das andere Ende die 50 000-Euro-Antwort gibt, legt er wortlos wieder auf. Das andere Ende versteht das niemals. Es meint, es sei falsch angerufen worden, oder es denkt nicht einmal weiter darüber nach und meint, die Nummer sei nicht durchgekommen. Denn der Moderator redet ja gar nicht, er wartet nur ab, was das andere Ende sagen wird. Die 50 000 Euro kann er ja auch nicht jede Stunde vergeben; wenn er sie vergibt, gibt er sie ohnehin bewusst im Voraus an denjenigen, den er will. Dieses Gespräch, das er sofort auf Band aufgenommen hat, sendet er dann binnen weniger Sekunden. Und alle meinen, es sei live. Mit der Technik, die wir besitzen, ist alles möglich. Eigentlich wollte ich mit diesem Beispiel hervorheben, wie sich der Mensch nach einem begangenen Fehler selbst anklagt und sogar wie er mit sich selbst streitet. Wie gesagt, selbst die Art, wie wir Werbung machen, ist von der Sorte, die Menschen zu Geisteskranken macht – aber das ist ein anderes Thema. Dies war nur ein einfaches Beispiel dafür.
Gewiss machen wir auch Fehler von der Sorte, die jedem widerfahren. Zum Beispiel verletzen wir durch ein unkluges Verhalten oder ein unkluges Wort jemanden, den wir sehr lieben, und unsere Beziehung zerbricht mit einem Schlag. Auf einmal stehen wir mutterseelenallein da. Oder wir tun etwas, das unser Gewissen quält. Es gibt sogar Übersetzungen, in denen in einer Stelle über König David „das Gewissen schlug ihn“ steht, und diese Bedeutung war auch in den ursprünglichen Schriften so. In den uns vorliegenden türkischen Übersetzungen steht es als „sein Herz verurteilte ihn“ oder „er klagte sich selbst an“. (1. Samuel 24:5; 2. Samuel 24:10) Wenn wir mit uns selbst reden, muss es nicht immer ein solcher Streit oder Kampf sein. Wir haben mit uns selbst sogar stundenlange Gespräche geführt. Wenn nur die Umstände und Verhältnisse günstig sind. Auch dies ist eine Eigenschaft, die die Menschen mit dieser Begabung besitzen. Wir können eine Sache wie im Innern lesend sprechen. Kein Laut ist zu hören, aber nur wir hören ihn, verstehen ihn, nehmen ihn wahr, genießen ihn oder empfinden Zorn und dergleichen. Über was für interessante Eigenschaften verfügen wir eigentlich als Mensch. Wieder eine unserer Eigenschaften, die wir, weil wir sie von Geburt an ausüben, gar nicht bemerken oder deren Wert wir überhaupt nicht kennen. Auch dies gehört zu den Werten, die man weder anfassen noch mit den Augen sehen kann.
Von Zeit zu Zeit hat auch Gott mit solchen Menschen gesprochen. Und jene Menschen verstanden sofort, dass diese Stimme nicht von ihnen selbst war. So wie wenn man mit einem Kopfhörer etwas hört. Niemand hört es, aber in Ihrem Gehirn spricht gleichsam jemand. Und zwar sehr deutlich, aber diese Stimme ist nicht Ihre. Um es zu vergleichen: Auch Gott hat auf eine ähnliche Weise mit den Menschen gesprochen. Was gesprochen wurde, hörte außer jener Person niemand. Deshalb haben sie viele Propheten getötet, in Gefängnisse geworfen und gefoltert. Manche haben sie als verrückt bezeichnet. Weil sie die Worte Gottes aussprachen, wurden diese Menschen in der Regel mit jenem Blick angesehen. In Wahrheit aber nannten jene Gesellschaften die Propheten wegen ihrer eigenen Werturteile, ihrer niedrigen moralischen Maßstäbe und Anschauungen und wegen ihrer hässlichen, schmutzigen und widerlichen Taten verrückt oder sahen das, was jene taten und sagten, mit bösem Blick. Die Menschheit konnte sie nicht ertragen, denn die Propheten kamen mit Worten, die ihre Taten verurteilten. Und auch Gott hat nicht immer nur so in die Ohren der Propheten geflüstert. Ein Mal hat er offen mit mehr als etwa 6 Millionen Menschen gesprochen. Dieses Ereignis geschah, nachdem die Israeliten durch Mose aus Ägypten, aus der Sklaverei befreit worden waren, am Fuße des Berges Sinai, auf einmal. Die als die Zehn Gebote bekannten Gesetze haben all diese Menschen mit ihren eigenen Ohren gehört, aber niemanden gesehen. (2. Mose 3:1-2 und 12 der Heiligen Schrift; das gesamte 19. Kapitel des 2. Mose und bis zum 19. Vers des 20. Kapitels)
Auch hier hat niemand einen als Gott gesehen, aber seine Worte haben alle gehört. Und nach diesem Hören ergriff sie eine solche Furcht, dass sie zu Mose kamen und sagten:
„Sprich du mit uns, und wir wollen zuhören; aber Gott möge nicht mit uns sprechen, damit wir nicht sterben.“ (2. Mose 20:19)
Das bedeutet, dass diese Menschen, als sie die Worte Gottes hörten, entsetzt waren und sich zu Tode fürchteten. Und Gott wollte, dass es so sei, damit sie lernten, ihn zu fürchten, ihn zu achten und ihm zu gehorchen. Einmal hatte ich gesagt: ‚Gott will, dass die Menschen nicht aus Furcht, sondern aus Liebe zu ihm kommen.' Glauben Sie aber nicht, dass Gott ihnen diese Furcht, von der ich sprach, für immer gab. Halten Sie diese Furcht auch nicht für eine von der gewohnten Art, wie sie zur Errichtung von Herrschaft, zur Erlangung von Vorteilen, zur Diktatur dient. Denn wir fürchten uns vor vielen Dingen, aber diese bedeuten für uns Schutz und zugleich auch Leben. Dass wir uns von Natur aus vor Höhe fürchten, vor Geschwindigkeit fürchten, vor Feuer und vor noch vielen weiteren Dingen fürchten, ist ein Schutz für uns. Dies sind Gefühle, die uns zur Vorsicht mahnen. Man kann Gottes schrecklich einflößende Rede an jene Menschen als einen Schutz bezeichnen, der sie zum Leben führte, ja sogar deswegen als ein Geschenk. Andererseits denken Sie auch nicht, dass Gott ihnen diese Gefühle gewaltsam ins Innerste eingehämmert hätte. Jeder konnte diese Furcht, wenn er wollte, entweder verinnerlichen und in sich bewahren oder von sich fernhalten. Und tatsächlich fertigten jene Menschen sehr kurze Zeit nach diesem so ehrfurchtgebietenden Ereignis ein goldenes Kalb an und beteten es an. Und wissen Sie, nach wie langer Zeit? Es dauerte nicht einmal vierzig Tage, bis sie jenes Kalb anfertigten, es anbeteten und ihm sogar Opfer darbrachten. (2. Mose 20:20-21; 2. Mose 24:18; das gesamte 32. Kapitel des 2. Mose)
Wenn man den Menschen, mit dem Gott gesprochen hat, einen Propheten nennt, so hat Gott gewissermaßen ihnen allen diesen Rang verliehen. Dass sie sich dessen als unwürdig erwiesen, dauerte aber nur sehr, sehr kurze Zeit. Und diese Menschen hörten nicht nur ein Wort. Bis sie zum Berge Sinai kamen, hat, ob in Ägypten oder nach dem Auszug aus Ägypten, seit die Erde gegründet und der Mensch erschaffen wurde, kein Mensch irgendeiner Generation auf einmal so viele Wunder und Zeichen mit eigenen Augen gesehen, wie sie sie sahen. (5. Mose 34:10-12)
Jene wundersamen Ereignisse sprachen sowohl das Auge als auch das Ohr, die Haut, die Nase und die Zunge an; das heißt, so wie sie alle fünf Sinnesorgane der Menschen ansprachen, so sprachen sie auch ihre mit den Augen unsichtbare Seele an. Wenn Sie die Zeichen und Wunder lesen, die Gott durch Mose in Ägypten vollbracht hat – es ist nicht so lang, auf etwa 15 Seiten werden Sie sehen, dass all dies so war. Vom Anfang des Buches 2. Mose der Heiligen Schrift bis zum 16. Kapitel. Dass Gott gegen den ägyptischen König Pharao und sein Land, der Israel nicht aus der Sklaverei entlassen wollte, alle Gewässer in Blut verwandelte und das ganze Land nach Blut roch, dass die Frösche, die das Land überschwemmten, bis in die Backtröge drangen, dass feuriger Hagel vom Himmel fiel, drei Tage und drei Nächte tiefe Finsternis, Stechmücken, dass auf der Haut der Menschen widerliche Geschwüre und Wunden ausbrachen … Die letzte Plage war schließlich, dass Gott alle Erstgeborenen erschlug, die in ganz Ägypten lebten. Während all diese Ereignisse geschahen, sahen, hörten, rochen und schmeckten die Menschen sie mit all ihren Gefühlen, ihren Empfindungen, ihrem ganzen Wesen. Haben sie trotzdem Gott als Gott so verherrlicht, wie es sein sollte? Wenn wir es lesen, sagen wir „leider nein“. Das bedeutet, dass sich diese Menschen, ganz zu schweigen vom bloßen Sehen, trotz jener mit all ihren Wirkungen durchlebten Ereignisse nicht änderten und ihre bösen Taten nicht ließen. Ich sage nicht, sie hätten nicht an Gott geglaubt, denn das war nicht möglich. Die Menschheit hat den «Unglauben» nur als eine Ausrede benutzt, um sich an ihre bösen Taten zu klammern. Jene Generation konnte nicht einmal eine solche Ausrede haben, erst für die nachfolgenden Generationen wurde von Zeit zu Zeit diese Ausrede „ich glaube nicht“ ins Spiel gebracht. Trotz all dieser Wunder hat Gott bei späteren Generationen selbst gegenüber der Unvernunft eines solch zweifelnden Volkes wiederum barmherzig gehandelt und jenen Menschen seine eigene Existenz bewiesen. (1. Könige 18:21-40)
Dass sich, wenn ein König oder eine Königin den wahren Gott verließ und sich Götzen zuwandte, beinahe das ganze Volk ihnen anschloss, fiel keineswegs schwer. Das Volk Israel, von dem ich eben sprach – trotz der Nähe und der Beweise, die Gott ihnen gezeigt hatte, vergaßen ihre Enkel oder die Kinder ihrer Enkel all dies mit einem Schlag. Der Tag kam, an dem Gott durch den Propheten Elia (Elija) vor dem ganzen zu den Götzen abgefallenen Volk wiederum seine eigene Existenz bewies, und das ist so schön und logisch, dass wir es an Ort und Stelle lesen wollen.
Elia trat zum Volk vor und sagte: „Wie lange wollt ihr noch auf beiden Seiten hinken?“ „Wenn der HERR Gott ist, dann folgt ihm; wenn aber Baal Gott ist, dann geht ihm nach.“ Das Volk gab Elia keine Antwort. Elia setzte seine Rede so fort: „Ich bin als Prophet des HERRN allein übrig geblieben. Baal aber hat vierhundertfünfzig Propheten. Bringt uns zwei Stiere. Die Propheten Baals sollen einen davon nehmen und schlachten, in Stücke zerlegen und auf das Holz legen; aber das Holz sollen sie nicht anzünden. Den anderen Stier werde ich schlachten und bereiten und auf das Holz legen; aber das Holz werde ich nicht anzünden. Dann fleht ihr zu eurem Gott, und ich werde zum HERRN flehen. Welcher mit Feuer antwortet, der ist Gott.“ Das ganze Volk sagte: „Gut, so soll es sein.“
Elia sagte zu den Propheten Baals: „Weil ihr die Menge seid, wählt zuerst ihr einen der Stiere und bereitet ihn, und dann fleht zu eurem Gott“, „aber macht kein Feuer.“ Die Propheten Baals nahmen den Stier, der ihnen gegeben wurde, bereiteten ihn und flehten von morgens bis mittags: „O Baal, antworte uns.“ Aber es gab weder eine Stimme noch eine Antwort. Sie hüpften und tanzten um den Altar, den sie errichtet hatten. Zur Mittagszeit begann Elia, sie zu verspotten: „Ruft, ruft mit lauter Stimme! Er ist ja ein Gott. Vielleicht ist er in Gedanken versunken oder auf der Toilette, vielleicht ist er auf Reisen! Oder er schläft und muss geweckt werden!“ So riefen sie mit lauter Stimme. Nach ihrem Brauch ritzten sie ihre Körper mit Schwert und Lanze, bis ihr Blut floss. Von Mittag bis zur Stunde des Abendopfers wanden sie sich. Aber noch immer gab es weder eine Stimme noch Beachtung noch eine Antwort. Da sagte Elia zum ganzen Volk: „Kommt her zu mir.“ Alle versammelten sich um ihn. Elia begann, den niedergerissenen Altar des HERRN wiederherzustellen. Er nahm zwölf Steine. Diese Zahl entsprach der Zahl der Stämme der Söhne Jakobs, dem der HERR verkündet hatte: „Dein Name soll Israel sein.“ Aus diesen Steinen errichtete Elia im Namen des HERRN einen Altar. Rundherum grub er einen Graben, so groß, dass er zwei Maß (26 Liter; etwa 30 kg) Saatgut fassen konnte. Er schichtete das Holz auf dem Altar auf, zerlegte den Stier in Stücke und legte ihn auf das Holz. Er sagte: „Füllt vier Krüge mit Wasser und gießt es über das Brandopfer und das Holz.“ Dann sagte er: „Tut es noch einmal.“ Sie taten es noch einmal. „Tut es zum dritten Mal“, sagte er. Zum dritten Mal taten sie dasselbe. Da füllte das um den Altar fließende Wasser den Graben. Zur Stunde des Abendopfers trat der Prophet Elia an den Altar und betete so: „O HERR, Gott Abrahams, Isaaks und Israels! Heute werde bekannt, dass du der Gott Israels bist und ich dein Knecht und dass ich all dies auf deine Befehle hin getan habe. O HERR, antworte mir! Antworte, damit dieses Volk erkennt, dass du Gott bist. Bewirke, dass sie wieder zu dir umkehren.“ In dem Augenblick fiel das Feuer des HERRN vom Himmel. Das herabfallende Feuer verzehrte das Brandopfer, das Holz, die Steine und die Erde und trocknete das Wasser im Graben aus. Als das Volk sah, was geschah, fiel es auf sein Angesicht nieder. Sie sagten: „Der HERR (Jehova) ist Gott, der HERR (Jehova) ist Gott!“ 1. Könige 18: 21-39
Der größte Grund dafür, dass das Volk so an Gott zweifelte, war die Königin an ihrer Spitze und der von ihr gelenkte König. Wegen ihrer Könige und Königinnen haben die Israeliten in der Geschichte sehr große Verbrechen begangen. Damit will ich nicht sagen, dass sie unschuldig waren, sie selbst waren gewiss auch schuldig, aber die Furcht, sich über den Befehl des Königs hinwegzusetzen, trieb sie noch eine Stufe weiter in die Schuld. Denn wenn diesen Menschen ein guter König zuteilwurde, wurden sie gut, und wenn ihnen ein böser König zuteilwurde, wurden auch fast alle böse. Mag sein, mag sein, aber das Schlimmste an dieser Sache war, dass die Krankheit eines Einzelnen sich sofort auf beinahe alle übertrug. Man sagte nicht: was schert mich der König. Sind es denn nicht ohnehin in der Regel diese Herrscher, die das Volk lenken? So war es bei allen Herrschaftsformen, die es je gegeben hat. Denken Sie ja nicht, das sei nur in der Monarchie so und in der Demokratie nicht. Ob Demokratie, ob Monarchie, ob Kommunismus, ob Diktatur oder welche Herrschaftsform auch immer – das Volk hat sein Leben stets nach deren Lenkung ausgerichtet. Und jeder König hat wie jeder andere behauptet, dass sein Denken und sein Glaube das Richtigste seien. Und sie haben es nicht nur behauptet, sie haben auch jeden gezwungen, es zu tun. Manchmal haben sie sich, nur damit ihnen die Herrschaft nicht entgleite, nicht gescheut, jede erdenkliche Intrige zu spinnen. Kurzum, was die Herrscher der ganzen Menschheit der Welt taten, das taten auch die Israeliten und ihre Könige und Königinnen. Das heißt, zu sagen: „Wie böse die Israeliten doch waren, wären wir es gewesen, wir hätten uns nicht so verhalten", ist die größte Unvernunft. Wären wir an ihrer Stelle gewesen, hätte die große Mehrheit von uns dasselbe getan, und tatsächlich tun wir es. Nur sehr wenige Menschen haben es nicht getan, haben „nein" gesagt. Da ich dieses Thema auch in dem Buch mit dem Titel «Die Religionsmafia und Wir» geschrieben habe, möchte ich es erzählen, ohne dieselben Themen zu wiederholen, aber indem ich die Ereignisse aus anderen Blickwinkeln betrachte. Das Interessante an diesem Thema ist ohnehin, dass es damit beginnt, dass jenes Volk eines Tages partout einen König über sich haben will wie die anderen Völker.
Bis jenes Volk so einen König über sich haben wollte, gab es über ihnen keinerlei menschliche Herrschaft. Aber gab es denn niemanden, der sie regierte? Wenn es allein ums Regiertwerden geht, so regierte sich eigentlich jeder selbst. Es soll daraus nicht der Schluss gezogen werden, dass sie ein regelloses Leben führten. Regeln und Gesetze hatten sie gewiss, und diese Regeln und Gesetze waren von Gott gegeben worden. Denken Sie ja nicht, dass sie auch mit diesen Regeln und Gesetzen unter Druck lebten. Ganz im Gegenteil: Erst nachdem sie sagten „wir wollen partout einen König über uns wie die anderen Völker“ und jene Könige hatten, luden sie sich eine furchtbare Last, ja Kummer und meistens auch Unheil auf. Denn wie Gott auch zu Samuel, dem damaligen Propheten, sagte:
„…Denn nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen, damit ich nicht König über sie sei.“ 1. Samuel 8:7
Danach lässt Gott ihnen auch durch jenen Propheten offen sagen, was der König, den sie über sich wollen, tun wird. Lesen wir, was jene Könige ihnen tun werden:
Samuel verkündete dem Volk, das von ihm einen König verlangte, alles, was der HERR gesagt hatte:
„Die Herrschaft des Mannes, der über euch König sein wird, wird so aussehen: Er wird eure Söhne nehmen und sie in seinen Streitwagen und bei seinen Reiterscharen einsetzen. Sie werden vor seinen Streitwagen herlaufen.
Manche wird er zu Anführern über tausend, manche zu Anführern über fünfzig Mann ernennen. Manche wird er einsetzen, um seinen Boden zu pflügen und seine Ernte einzubringen, manche, um die Ausrüstung der Waffen und der Streitwagen zu fertigen. Eure Töchter wird er nehmen, um sie zu Salbenmischerinnen (die von Gewürzen verstehen und sie mischen), Köchinnen und Bäckerinnen zu machen. Eure besten Felder, Weinberge und Olivenhaine wird er nehmen und seinen Dienern geben. Vom Zehnten eures Getreides und eurer Trauben wird er nehmen und ihn an seine Hofbeamten und seine übrigen Diener verteilen. Eure Sklaven und Sklavinnen, eure besten Stiere und eure Esel wird er nehmen und für seine eigene Arbeit einsetzen. Auch von euren Herden wird er den Zehnten nehmen. Ihr selbst aber werdet seine Sklaven sein.
Wenn dies geschieht, werdet ihr wegen des Königs, den ihr gewählt habt, aufschreien. Aber der HERR wird euch an jenem Tag nicht antworten.„ 1. Samuel 8:10-18
Freilich blieb es nicht nur bei so viel. In Wahrheit haben jene Könige und Herrscher ihnen dies alles gestohlen, von Gott angefangen bis hin zu ihrer eigenen Persönlichkeit und ihrem eigenen Wesen. Das Wort „stehlen“ ist ein wenig zu schwach, denn wer stiehlt, achtet darauf, seinen Diebstahl heimlich und unsichtbar zu begehen. Zwar gab es auch bei diesen eine Heimlichkeit, doch das, was sie erzwingen und nehmen wollten, taten sie oder ließen es tun mit Gewalt und offen. Diejenigen, die sich widersetzten, vernichteten sie mit jeder Art von Druck und Folter. Und zwar eine solche Vernichtung, dass sie unschuldige Menschen heimtückisch abschlachteten, indem sie ihnen den Anschein der schlimmsten Verbrecher gaben, damit dies den anderen eine Lehre sei und auch sie sich nicht auf dieselbe Weise auflehnten. Um eines Nichts willen zersägten sie Menschen mit Sägen, nagelten sie an Kreuze, warfen sie ins Feuer, zogen ihnen die Haut ab, schlugen ihnen die Köpfe ab, überließen sie hungrig und durstig in Kerkern dem Tod. So ging es in der Geschichte der Menschheit bis in unsere Tage immer weiter, und so geht es weiter. Warum? Wissen Sie es? Etwa weil wir unfähig sind, uns selbst zu regieren?
Hat Gott dem Menschen, als er ihn erschuf, nicht den Kopf, den Verstand und den Körper gegeben, um sich selbst zu regieren? Oder hat er sie nur bestimmten, ausgewählten Personen gegeben? Mag sein, dass die Begabung, das Wissen, der Verstand, die Intelligenz, der Körper und die Kraft eines jeden Menschen nicht gleich sind. Der eine mag sehr klug sein, der andere sehr dumm. Kann nicht der eine sehr kräftig, der andere sehr schwächlich sein? Sollte all dies uns zu Herrschern über jene Menschen machen? Wer trägt nicht die Sehnsucht in sich, sich auf den Rücken anderer zu setzen und sich zu ihrem König, ihrer Königin, ihrem Minister, ihrem Ministerpräsidenten zu machen? Menschen, die diese Sehnsucht nicht in sich tragen, gibt es so gut wie keine. Die Sehnsucht, unter seinesgleichen überlegen zu sein, war stets das größte Verlangen des Menschen. Und zwar in jeder Hinsicht. Außerdem tun die Menschen dies nicht, um miteinander im Guten zu wetteifern; es ist leider ein Wettkampf, der im Sinne des Unterdrückens und Blutsaugens, des Prahlens und Verachtens der Umgebung geführt wird. Auch wenn später aus Israel von Zeit zu Zeit einige gute Könige hervorgehen sollten, blickte Gott mit Abscheu darauf, dass sie einen König verlangten. Nicht weil er eifersüchtig darauf war, dass sie ihn verließen, sondern Gott blickte mit Abscheu auf diese Unvernunft in ihrem Verlangen. Wenn wir die ganze Geschichte der Heiligen Schrift lesen, sehen wir deutlich, dass ihnen wegen ihrer Könige noch viel größeres Unheil widerfuhr. (2. Könige 17:7-8)
Der Zweck ist stets, dass es an ihrer Spitze einen Sichtbaren gibt, dass sie sich vor ihm verbeugen und er sie unterdrückt. Selbst wenn er hassen soll, soll es wieder ein Sichtbarer sein. Die Menschheit hat den Sinn, sogar etwas Ungesehenes zu hassen, nicht begriffen. Dabei hat jeder etwas über das geistige Geschöpf gehört, das man Satan nennt. Die meisten lachen, wenn sie davon hören, oder sie wissen nichts über dieses geistige Geschöpf und wollen auch nichts wissen. Würden sie es sehen, wäre die Sache gewiss ganz anders. Sie sehen es ja nicht, deshalb ist es ihnen völlig gleichgültig. Deshalb lieben sie es nicht und hassen es auch nicht. Selbst die Religiösen, die sagen, sie hassten ihn, hassen nur jenen Namen, aber nicht jene Person. Und was heißt das? Sie hassen jenen Namen, aber nicht jene Person!
Als ich die Heilige Schrift und den Koran las und erforschte, wurde ich einer Sache gewahr. Und ich tat dies, indem ich mir selbst Fragen stellte. Denn auch die Menschen um mich herum, die ich kannte und deren Taten mir zuwider waren, ja die ich sogar für diese Taten hasste, sagten, sie glaubten an Gott und liebten ihn. Wenn ich auf die Welt insgesamt blickte, die in religiösen Kreisen lebt, schien es, als gäbe es niemanden, der Gott und Satan nicht kannte und nicht kannte. Von diesem äußeren Anschein her, bei einem bloßen Hinsehen, erscheint es so. Gibt es unter Ihnen jemanden, der nicht weiß, dass das, was aus dem Munde der Menschen kommt, und das, was sie aus ihrem Herzen heraus tun oder für dessen Ausführung sie geradezu brennen, oftmals verschieden sind? Jene Menschen liebten die Etiketten, hassten jene Etiketten, deren Bedeutung sie nicht einmal kannten, und mehr noch, indem sie Menschen, die sie nur nach ihrem Rang beurteilten, ohne sie zu sehen oder zu kennen, blindlings bis in den Tod gehorchten, dienten sie in Wahrheit nicht Gott, sondern einer Handvoll Männer. Um dies nicht zu sehen, müsste man blind sein. Deshalb musste ich mich selbst prüfen, musste mich selbst kennenlernen. Eines der Dinge, vor denen sich die Menschen am meisten fürchten, ist, sich selbst kennenzulernen. Während sie alle es genießen, aufgeblasen, umschmeichelt und gelobt zu werden, kann es sie manchmal geradezu zum Wahnsinn treiben, im wahren Sinne zu wissen, was sie sind. Ich hingegen liebe es im Gegenteil sehr, mich selbst kennenzulernen. Denn wenn ich nicht die Wahrheit darüber kenne, wer ich bin, was ich verlange und was ich mir zum wahren Ziel gemacht habe, dann wird auch der Weg, den ich gehe, für mich nur eine Fantasiewelt sein. Wenn ich einer bin, der nicht die Lüge, sondern die Wahrheit liebt, dann erwarten mich am Ende eines unbewusst gegangenen Weges eine furchtbare Enttäuschung und Unglück. Meiner Meinung nach ist das eine für jeden gültige Regel. Wir sollten uns selbst ganz ungeniert und offen fragen, was wir wollen, was wir erwarten, was wir lieben und was wir hassen. Auch wenn es Unsinn wäre, eine feste Regel dafür aufzustellen, wie dieses Kennenlernen seiner selbst zu geschehen hat, so sollte der Mensch, wie ich sagte, nicht davor zurückschrecken, tief nachzudenken, sich selbst Fragen zu stellen und sich selbst wiederum wahre Antworten zu geben. Der einfachste Weg ist meiner Meinung nach dieser. Auch ich tue dies noch immer von Zeit zu Zeit, indem ich mir selbst höchst ungewöhnliche Fragen stelle. Zum Beispiel: Wenn Gott – aber der Gott, den ich in der Heiligen Schrift und im Koran kennengelernt habe – mit jenen Eigenschaften Satan wäre; und wenn Satan wiederum nach den Eigenschaften, die ich in der Heiligen Schrift und im Koran kennengelernt habe, Gott wäre, würde ich dann nur, weil er Gott heißt, jenen Satan lieben, den wir mit seinen jetzigen Eigenschaften aus den Heiligen Schriften kennen? Hier würden sich nur die Ränge ändern. Satan würde Gott, und Gott würde Satan. Liebte ich, ohne nachzudenken, wer es auch sein möge und welches Etikett er auch tragen möge, jenen Gott nur, weil er Gott ist? Das heißt, blickte ich auf seine Position, darauf, dass er der Allmächtige ist (für ihn ist alles möglich), und dergleichen? Ich weiß nicht, ob jemals irgendjemand den Mut hatte, sich innerlich eine solche Frage zu stellen. Über die Frage, die ich stellte, war ich damals sogar selbst erstaunt. Freilich wollte ich die Antwort auf diese Frage auch nicht geben, indem ich mich selbst betrog.
Das Geschöpf, das man Satan nennt, ist ein von Gott erschaffener geistiger Engel. Er war einst so einer, bis Schuld an ihm gefunden wurde. (Hesekiel 28:11-19) Erst mit seiner Auflehnung gegen Gott, mit seiner Feindschaft gegenüber der Menschheit erhält er den Titel «Satan», der aufständisch, sich auflehnend bedeutet. Die islamische Welt glaubt, dass Gott Satan erschaffen hat, aber dass er von Anfang an als Satan erschaffen wurde, und lehrt es auch so. Dies ist eigentlich eine Gott anklagende Lehre. Gott solle so einen erschaffen, damit er sich eigens gegen ihn stellt und ihm zum Feind wird! Ja, wenn sich mit der Zeit auf Erden und im Himmel eine solche Lage entwickelt hat, so bedeutet das dennoch nicht, dass Gott Roboter erschaffen hätte, die sich gegen ihn selbst stellen, ihn lieben, wenn er es will, und hassen, wenn er es nicht will. Wenn Gott die Menschen und die Engel sowohl mit der Freiheit der Wahl als auch mit der Freiheit der Entscheidung erschaffen hat, was wir freien Willen nennen, dann müssen wir zur wirklichen Existenz dieses sogenannten freien Willens „nein“ sagen. Nicht wahr, wenn Satan schon so erschaffen wurde, dass er zwangsläufig das Böse tut, dann ist das keine Sache, die in Satans Hand liegt. Das Ende der Lehre, die besagt „Gott hat ihn so, als aufständisch und als Satan, erschaffen“, läuft auf diese Tür hinaus. Und das zieht den Schluss nach sich, dass Gottes Werk böse sei, und das auch noch mit Absicht. Gott aber tut so etwas weder, noch will er es. Nur durch den freien Willen, den er seinen Geschöpfen gegeben hat, sehen wir, dass Gott keine Roboter erschafft und dies auch nicht wünscht. Dass Gott im Voraus wusste und auch sah, dass es bei Menschen und Engeln als Folge der Eigenschaften, die er von sich gab, solche Risiken geben könnte, ist gewiss. Das aber ist ein ganz anderes Thema. Die Zeugen Jehovas betrachten dieses Thema nicht als verschieden, sondern als ob es dasselbe wäre. Ob Gott im Voraus sah, was jemand tun würde, oder ob er ihm sagte, tu dies oder tu es nicht – für sie ist das dasselbe. Das heißt, ihrer Ansicht nach: Wenn Gott, als er zu Adam sagte „Von dieser Frucht sollst du nicht essen“, im Voraus sehen konnte, dass jener diese Frucht essen würde, warum sollte er dann Adam etwas verbieten, das er nicht tun würde? Genau hier liegt das Problem. Gott gebietet und verbietet nicht das, was Adam nicht tun konnte, sondern das, was er tun konnte. Wenn Adam dies mit seinem freien Willen nicht täte und das genaue Gegenteil täte, und wenn Gott dies ohnehin im Voraus sah, hätte Gott dann davon absehen müssen, einen solchen Befehl zu geben? Wenn Gott begänne, sich selbst solche Grenzen zu setzen, dann hätte er es nicht nötig gehabt, uns Menschen und die Engel mit freiem Willen zu erschaffen. Und Gott sollte wissen, dass Adam jene Sache tun könnte, aber weil Adam etwas, das er nur zu seinem Vergnügen oder weil er getäuscht wurde oder zum Spaß nicht tat, sollte Gott sich selbst Grenzen setzen und von seinem Vorhaben absehen und sagen: „Ach, ich will dem lieben Adam bloß keinen solchen Befehl geben, denn er wird nicht auf mich hören“! Das bedeutet, dass Gott sich selbst verleugnen würde. Wenn ich oder wir als Mensch uns selbst nicht betrügen wollen, dann liegt eben darin der Sinn, uns selbst Fragen zu stellen. Und warum sollte Gott sich überhaupt bemühen, sich selbst zu betrügen? Wer könnte ihn zur Rechenschaft ziehen! Von jemandem etwas zu verlangen, das er nicht tun kann, ist eine Sache, etwas zu verlangen, das er tun kann und sogar sehr leicht tun würde, ist eine andere Sache. Adam wurde mit einer solchen Beschaffenheit erschaffen, dass er jenem Befehl Gottes sogar sehr leicht gehorchen konnte. Er hätte gehorchen können, aber er tat es nicht. Er wurde getäuscht, benutzte jene ihm gegebene Eigenschaft auf verkehrte Weise und dergleichen. Ich kann hier keinen Fehler Gottes erkennen. Tatsächlich hat Gott dadurch, dass er Jesus Christus, der einst ein im Himmel lebender Engel war, als einen dem Adam Gleichwertigen auf die Erde sandte, bewiesen, dass er sich in seiner Erwartung an Adam nicht geirrt hat. Denn Jesus Christus hat, während er auf Erden war, ohne irgendeine Sünde zu begehen, unter weit schwierigeren Umständen als Adam Gott gehorcht und damit Satan und allen mit Verstand ausgestatteten Geschöpfen, die wie er denken, eine Antwort gegeben. Was Gott von seinen Geschöpfen erwartet, dazu hat er sie mit den Eigenschaften erschaffen, seine Erwartung erfüllen zu können. Ob sie es tun oder nicht, dass Gott es auch im Voraus sieht und weiß, macht nicht Gott, sondern eben jene Personen verantwortlich. Denn wir wurden mit der Kapazität erschaffen, diese Verantwortung tragen zu können.
Die Auslegung der christlichen Welt zum Thema von Adams Sünde ist noch viel komischer. Ihnen zufolge sei die verbotene Frucht der geschlechtliche Verkehr gewesen! Das Wort „Frucht“ in den Heiligen Schriften sei im symbolischen Sinne gebraucht worden. Und Gott sollte Adam und Eva segnen und sagen: „Mehrt euch und füllt die Erde“, aber zugleich den geschlechtlichen Verkehr verbieten! Auf diese Weise entsteht eine Art von Auslegung, zu der man sagt „was soll das Fasten, wenn man Kohl einlegt“. (1. Mose 1:27-28) Ich sehe, dass ich hier abermals gezwungen bin, dieselben Themen zu behandeln, die ich in dem Buch mit dem Titel «Die Religionsmafia und Wir» geschrieben habe.
Auch die Behauptung, die Satan aufstellte, und dass Gott, obwohl er als Gott zu allem die Macht hat, ihm Raum gab, ist erstaunlich. (Hiob 1:6-22; 2:1-6; Sure al-Araf (7):11-22; Sure al-Hidschr (15):28-37; Sure al-Isra (17):61-64) Auch der Beweis der aufgeworfenen Klage durch Satan ist sehr interessant. Die Dinge, die Satan beweisen will, sind stets so beschaffen, dass sie dem Menschen Schmerz und Unglück bereiten. Und wenn es welche gibt, deren Anfang aufregend und beglückend zu sein scheint, so endet ihr Ende gewiss mit Schmerz. Gottes Herangehensweise an den Menschen und sogar an diejenigen, die ihm nicht gehorchen, ist hingegen sehr verschieden. Obwohl er im Recht ist, ist er stets liebevoll, barmherzig, verständnisvoll, einer, der erzieht und lehrt. Neben noch vielen weiteren Eigenschaften ist er auch nicht einer, der mit der Schwäche der Gutmütigkeit ausgestattet wäre. Auch sein Grimm, der Rache nehmen kann, wenn es nötig ist, und gerecht ist, ist furchtbar. Kurzum, während Gott stets maßvoll, tugendhaft, menschenliebend ist und über sehr überlegene Eigenschaften verfügt, ist es uns möglich, die stets niederträchtigen, widerlichen, verlogenen, heimtückischen und vor allem gegen die Menschheit hasserfüllten Eigenschaften Satans zu sehen, und all das, was ich sage, ist aus diesen Heiligen Schriften möglich. Ich versuche, Ihnen anhand eines einzigen Themas den Unterschied zwischen Gott und Satan zu zeigen. Wenn ich versuchte, alle Themen zu erklären, hieße das, wieder eine Kopie der Heiligen Schriften hier auszuziehen, und das wäre sinnlos. Ohne alle Abscheulichkeiten aufzuzählen, blicken wir wieder auf unsere Erde, und die Beweise, mit denen wir sicher sein können, dass hinter jeder Lüge, jeder Widerlichkeit, jeder Bosheit, jedem Schmerz, jeder Folter Satan als Vertreter steht, sind wiederum in den Heiligen Schriften offen niedergeschrieben.
Kommen wir zur Antwort auf die Frage, die ich mir selbst stellte. Liebte ich Gott seinem Rang entsprechend? Sollte ich Satan seinem bösen Ruf entsprechend hassen? Als ich nachdachte und ehrlich Bewertungen mit mir selbst vornahm, kam die Antwort, obwohl mir jene Worte nicht vertraut waren, folgendermaßen aus meinem Munde: „Wenn dieser Gott, den ich liebe, Satan wäre, dann würde ich ihn dennoch lieben, auch wenn sein Titel Satan wäre“, sagte ich. Oder wenn Satan Gott wäre, konnte ich sagen: „dann würde ich so einen Gott hassen“. Es sind die Ränge und Titel, die den Menschen bedrängen und verwirren. War auch ich ihr Sklave? Oder war es das, was mich in Bewegung setzte, dass ich jene Eigenschaften, die ich über ihn erfahren hatte, liebte oder hasste? Eben dies wollte ich wissen. Dabei fehlen bei vielen Menschen, die ganz die Eigenschaften Satans besitzen und auf seinen Wegen gehen, im Gegenteil niemals die Bekundungen von Liebe und Ergebenheit gegenüber Gott aus ihrem Munde. Jene Menschen lieben in Wahrheit den besessenen Rang, nicht seine Eigenschaften. Denn wer sagt, er liebe Gott, muss auch die Eigenschaften zeigen, die dieser wünscht und besitzt. Solange er die Eigenschaften Satans zeigt, den er zu hassen vorgibt, ist die Liebe jener Person zu Gott in Wahrheit leer und sinnlos. Er meint, er liebe Gott, aber die Dinge, an denen er Gefallen findet und die er begehrt, gehören stets jener Person und ihrem Willen, die er zu hassen vorgibt. Auch wenn diese Zustände, weil wir unvollkommen, also fehlerhaft sind, sich in uns allen winden, so ist es doch etwas anderes, jene Dinge zu lieben oder zu tun. Es ist auch vorgekommen, dass wir von Zeit zu Zeit die Dinge taten, die wir hassen. Es gibt hassenswerte Dinge, die wir wegen des Sündentriebs in uns oder aus vielen Gründen sogar tun mussten. (Römer 7:15) Auch wenn diese in Gottes Augen nicht richtig sind, so sind sie doch verständlich. Aber jene Dinge mit Genuss und mit Liebe zu tun, ist etwas anderes, sie ungewollt, mit jenen Gefühlen zu tun, die wir im Augenblick nicht bremsen können, ist wieder etwas anderes. Manche Menschen aber tun jene Dinge nicht oder können sie nicht tun, aber sie finden ein großes Vergnügen daran, denen zuzusehen, die sie tun. (Offenbarung 22:15) Hassenswerte Dinge niemals zu tun und sich willentlich von ihnen fernzuhalten, sollte hingegen das höchste Ziel sein, das jeder erreichen möchte. (3. Mose 19:2)
Ob Gott oder Satan, dies sind Wesen, die für die Augen von uns Menschen unsichtbar sind. Nun, ist die Liebe, die wir sichtbaren Dingen entgegenbringen, von dem obigen Beispiel verschieden, das ich gegeben habe? Nicht geistige, sondern leibliche Wesen, das heißt wir Menschen – wie sehr lieben wir einander? Oder lieben wir die Menschen, von denen wir sagen, wir liebten sie, nachdem wir sie wirklich kennengelernt haben? Oder ist auch unsere Liebe oder unser Hass ihnen gegenüber für uns an Dinge wie Etikett, Rang, Fahne, Rasse, Vorteil, Hautfarbe, Sprache gebunden? Wir lieben, aber eigentlich nicht, weil wir wirklich lieben. Wir seien Mann und Frau geworden, älterer und jüngerer Bruder, sie seien unsere Mutter, unser Vater, sie seien unser Präsident-Ministerpräsident geworden. Sie seien unser Glaubensbruder, sie teilten mit uns dieselbe Gemeinschaft, wir seien Kinder desselben Volkes, desselben Vaterlandes, wir seien derselben Rasse, wir hätten gemeinsame Interessen, wir gingen in denselben Klub und so weiter und so weiter. Müssen es nur diese Dinge sein, die diese Menschen, auch wenn sie einander gar nicht lieben, so erscheinen lassen, als liebten sie sich? Einen Menschen, der einen anderen wegen seiner Eigenschaften liebt, gibt es so gut wie nicht. Man sagt „Liebe gibt es nicht mit Zwang“, aber in der Regel sagt jeder, dass er den anderen aus den von mir genannten Gründen zwangsweise liebe.
Auch unser Hassen ist nicht sehr verschieden. Kommen Sie nun und werfen Sie einen Blick auf dessen Gründe:
Er sei nicht aus unserer Familie, sondern ein Fremder. Er sei nicht von unserer Partei, sondern von der Gegenpartei. Er sei nicht aus unserem Volk, sondern komme aus irgendeinem anderen Volk. Sie kämen aus verschiedenen Geschlechtern, Rassen, Abstammungen. Er sei kein Mitglied unseres Klubs. Er spreche nicht dieselbe Sprache. Er denke nicht dasselbe. Unsere Religion sei verschieden. Unsere Konfession sei verschieden. Der eine gehe in irgendeine Kirche, der andere in irgendeine Moschee. Der eine entblöße seinen Hintern, während der andere sogar seinen Kopf bedecke. Der eine habe ein Auto mit sechs Zylindern, der andere nur einen Handkarren. Nun, wir könnten es endlos ausdehnen. Glauben Sie mir, aus endlos vielen Gründen hassen die Menschen einander. Ihnen graut sogar davor, einander näherzukommen. Dabei – könnten die Menschen, von denen er sich aus den genannten Gründen fernhält, nicht in Wahrheit Personen sein, die ihm, wenn er sie kennenlernte, weit näher stünden und Eigenschaften besäßen, die er liebte und an denen er Gefallen fände? Selbst wenn sie es wären und einander jahrelang kennten, nein, wegen eines der oben genannten Gründe können sie einander partout nicht warm werden. Dass sie einander nicht warm werden, dass sie Kälte empfinden, liegt, glauben Sie mir, nur an diesen Etiketten, Titeln, Rängen, Hautfarben, Kopftüchern, an Kleidung und natürlich daran, dass die Gesellschaften diese für wertvoll oder wertlos halten. Selbst wenn einer von ihnen einen Schritt tut und jene Person an die Brust drücken will, legt die Gesellschaft, in der er lebt, jener Person stets ein Hindernis in den Weg. Doch wenn er auch dieses Hindernis überspringt und es wagt, mit jener Person zu leben, und sie annimmt, dann wird die Gesellschaft ihn fortan diesen Mangel stets spüren lassen, als hätte er einen abgetrennten Arm, ein abgetrenntes Bein. Der Grund ist wieder einer jener Ammenmärchen, die ich oben als hassenswert aufgezählt habe. Das ist alles. Wenn sie einander selbst mit den Dingen, die ich als Liebe aufzählte, nicht einmal aufrichtig lieben können, dann stellen Sie sich erst einmal den Eifer dieser Menschen bei den Dingen vor, die sie für hassenswert erachten! Sehen Sie, das ist die Liebe von uns Menschen, das ist der Hass von uns Menschen. Und wenn wir zu all dem noch unsere wirklich hassenswerten Eigenschaften hinzufügen, brauchen wir uns wohl nicht auszumalen, was geschehen wird. Hören Sie sich die täglichen Nachrichten unserer Welt an, dann verstehen Sie es. Und dazu jene Nachrichten, die etliche Male gefiltert wurden. Wir befinden uns in einem Zustand, den man schändlich nennen muss, und wir schämen uns weder, noch bemerken wir es. Am häufigsten zeigen sich diese Zustände in jenen Gesellschaften, die reich, fortschrittlich genannt werden und die nach Menschenrechten schreien. Nicht wahr, so wie jeder für das kämpft, was er selbst nicht hat, so schreien auch diese aus Leibeskräften nach Eigenschaften, die sie selbst nicht haben. In den anderen Ländern kommt zu diesem Thema kaum ein Laut. Als wären jene menschlicher und wüssten um die Menschenrechte? Nein. Der eine schreit aus Leibeskräften, aber sein Inneres ist in Wahrheit voller Hass, Groll und jeder Art unmenschlicher Eigenschaften; sein Schreien kommt nur aus Heuchelei, also aus Angeberei. Vom anderen ist zu diesem Thema kein Piep zu hören, aber auch er ist voller unmenschlicher Eigenschaften. Der Unterschied liegt nur in seiner Schwäche. Jener Schwache kann sich nicht wie die anderen ein Etikett aufdrucken und dafür Werbung machen lassen. Und wenn er es versucht, verdirbt es der Starke. „Niemand außer mir oder außer uns darf sich an diesen Titel klammern“, sagt er. Auf diese Weise wird er sich stets groß darstellen. Welcher von ihnen wohl der Bessere ist, darüber denken Sie nun ruhig weiter nach.
Im Zweiten Weltkrieg führen die Amerikaner, indem sie sich für überlegen halten, Krieg gegen die Deutschen und verurteilen, indem sie von Menschenrechten sprechen, das, was den Juden angetan wurde. Zugleich essen amerikanische Soldaten im deutschen Gefangenenlager nicht einmal an einem Tisch mit einem amerikanischen Offizier desselben Volkes, weil er ein Neger sei. Und das, obwohl beide denselben Krieg führen und demselben Land dienen. Wer wohl ist weniger oder mehr menschlich! Der Deutsche oder der Amerikaner? Der eine hasst den Juden, der andere wegen seiner Farbe, weil er ein Schwarzer ist! Die englischen und amerikanischen Soldaten, die, um dem Irak Demokratie zu bringen, den Leuten Säcke über die Köpfe stülpen, ihnen auf die Köpfe pinkeln, Kot über sie schütten, ihnen Hochspannung zuführen, sie unter Folter töten und Hunderttausende von ihnen abschlachten, sind wie geschockt von ein paar Terrorbomben, die in ihren eigenen Ländern explodieren. Im Fernsehen erklären sie, dass sie sich an ihnen rächen werden. Wer böse und wer besser ist, darüber denken Sie wieder nach. In den Büchern, an die die Christen glauben, steht: „Liebt auch eure Feinde.“ (Matthäus 5:44-46) In dem Buch, an das die Muslime glauben, steht hingegen: „Denen, die euch angreifen, greift ihr im gleichen Maße an.“ (al-Baqara (2):178; al-Maide (5):45) Das Buch des einen sagt „liebt auch eure Feinde“, aber er selbst zeigt vielfache Feindschaft und greift an; der andere sagt „vergilt dem, der dich angreift“, und kann dem Angreifer nur mit einem Körnchen vergelten. Wer wohl besser ist, darüber denken Sie wieder nach. Von dieser Art gibt es in unserer Zeit und in der Geschichte so viele Abscheulichkeiten, die die Menschheit einander angetan hat. Nimm's dem einen und gib's dem anderen.
Weder gleicht unsere Liebe der Liebe, noch hat unser Hass einen Sinn. Weder lieben wir das, was wir sehen, noch bemühen wir uns, die Werte kennenzulernen, die wir nicht sehen. Weder kennen wir die, die wir hassen, noch kennen wir den Sinn jenes Hasses. So wie wir nicht wissen, wofür wir kämpfen, kennen wir nicht einmal die, die wir töten. Vielleicht machen wir uns, während wir die Menschen töten, die wir am meisten lieben würden, zu Sklaven derer, die uns wirklich hassen und unseren Schaden suchen. Weder gibt es unter der Menschheit Freundschaft, noch eine Menschheit, die den Sinn jener Freundschaft kennt. Was sie ‚Freundschaft, Kameradschaft' nennen, ist nur, den Dreck des anderen zu bedecken, das, was sie im Verborgenen tun, nicht ans Licht zu bringen. Wenn es wahre Freunde gibt, so hören wir auch von ihnen kein Wort noch Atmen, und sie lassen sich auch nicht hören, dass wir sie hören könnten. Das jetzige neumodische Ziel des Hasses sind die «Terroristen». So wie im alten Nazi-Deutschland Jude zu sein. Wen auch immer sie nicht leiden konnten, den holten sie angeblich mitten in der Nacht ab und führten ihn fort, und niemand sah ihn je wieder. Wo sie ihn verbrannten, wo sie ihn zerschnitten und zersägten, wusste man nicht; niemand wollte es auch wissen. Ohne einen Laut lebte jeder in Angst voreinander. Freilich gibt es so viele Deutsche, die sich wieder nach jenen Tagen sehnen. Solange kein Laut von ihnen kam, solange sie sich fürchteten, kamen sie immer öfter und holten und gingen. Tausende, Zehntausende, und schließlich wurden ihre Zahlen vielfach Millionen. Jeder schwieg, fürchtete sich, sagte „ach, diesmal bin ich auch davongekommen“. Ihm selbst ist ja in dem Augenblick nichts passiert, ach! Und jetzt wird jeder, der aus seinem Haus geholt wird und nie wieder zurückkommt, zum «Terroristen». Von niemandem ist ein Piep zu hören. Ei, ei, was man nicht alles erfährt! Man hat es ja gleich gewusst! Sollen die anderen, die ihn kannten, sich fürchten und schweigen. Wenn er's wagt, soll er reden! Soll er sagen: „Ach nein, er war ein guter Mensch, hatte keinerlei Bosheit an sich, hat jahrelang unter uns gelebt, warum sagen sie so etwas?“ Am Abend wird auch er geholt und fortgeführt und kommt nie wieder. Dann wird auch er zu einem Terroristen, der spurlos verschwindet. Und wenn einer von ihnen die Fotos von dem, was sie jenen Terroristen antun, aufnimmt und in Umlauf bringt, dann wird es ein wenig schwierig, aber sagen wir, selbst wenn es geschähe, so genügt höchstens eine Entschuldigung und ist mehr als genug. Und die Entschuldigung gilt nicht jenen Menschen und dem, was ihnen angetan wurde, sondern der Frage, warum jene Fotos in Umlauf gerieten und dem Volk übel wurde. So heimlich sie dies auch tun, sehen es mittlerweile sogar wir, und Gott – sieht er es etwa nicht?
Da geschrieben steht: „Sollte der, der das Ohr geschaffen hat, nicht hören? Sollte der, der das Auge geformt hat, nicht sehen?“ (Psalm 94:9), bedeutet das, dass er sowohl hört als auch sieht. Bis zum Ende seiner Geduld aber ist es nur noch eine sehr kurze Zeit.
Über Hiob haben Sie gewiss viel gehört, aber viele wissen außer diesem Namen nichts. Vielleicht gibt es unter Ihnen auch solche, die von der Geduld Hiobs gehört haben. Hätte auch ich die Heilige Schrift nicht gelesen, so wäre mein Wissen über Hiob so gering gewesen, dass man es null nennen könnte. Der Koran berührt die in der Heiligen Schrift vorkommenden Themen nur oberflächlich oder erwähnt sie in Form einer Erinnerung. Kurzum, der Koran ist keine Kopie der Heiligen Schrift. So viele von uns es auch geben mag, die aus Zorn auf den Ungläubigen das Fasten brechen, sind die Heilige Schrift und der Koran doch je verschiedene Bücher. Innerhalb der Heiligen Schrift gibt es 66 kleine Büchlein. Man hat der Einfachheit halber daran gedacht, sie alle unter dem Namen Heilige Schrift in einem Buch zu vereinen. Andernfalls gibt es in diesem Buch, das wir Heilige Schrift nennen und das die Muslime als Thora-Psalter-Evangelium kennen, nicht drei, sondern die Bücher vieler Propheten. So wie die meisten Muslime den Koran, den sie „unser eigenes Buch“ nennen, nicht lesen, so haben sie erst recht große Mühe, wenn von der „Heiligen Schrift“ die Rede ist. Ich habe in meinem ganzen Leben weder von einem Menschen gehört noch einen gesehen, der an all diese Bücher glaubt. Es gibt viele, die aus Unwissenheit sagen, sie glaubten an alle, aber ihr Glaube stützt sich auf kein Fundament. Dass sie an alle glauben, sagen sie nur in Gesprächen an Trinktischen, um gleichsam zu betonen, dass sie selbst nicht engstirnig seien. Aber wenn die Sache ernst wird, nehmen sie weder die Heilige Schrift in die Hand, noch lesen und erforschen sie den Koran. Wie und wogegen wir Liebe und Hass empfinden, hatte ich eben erklärt. Wenn ich mich nun daranmachte, die Dinge zu erklären, an die die ganze Menschheit glaubt, dann wird es Ihnen, glauben Sie mir, noch leichter fallen zu bemerken, dass wir uns in einem noch weit komischeren Zustand befinden als bei jenem Thema von Hass und Liebe. Da ich in diesem Buch das Gewicht des Themas auf die buchstäblichen und geistigen Augen lenken möchte und da ich diese Themen zugleich auch in meinem vorigen Buch berührt habe, meine ich, lassen Sie uns vorerst nur über Hiob sprechen.
In der Heiligen Schrift wird dieses Thema unter seinem Namen behandelt, das heißt, es ist als das Buch Hiob bekannt. Mit jenen Schriften, deren Niederschrift Gott wollte und die er bis heute bewahrt hat, bezweckte er nicht nur die Bedeutung, die er den alten Zeiten beimaß, sondern auch, dass jeder Mensch aus jenen Schriften seinen Anteil zieht und eine Lehre daraus nimmt. (1. Korinther 10:11; 2. Timotheus 3:16; al-Anbiya (21):83; Sad (38):41 und 44) Es ist unmöglich, das, was Hiob widerfuhr, seine Geduld und seine Liebe zu Gott – sogar während er sich in Schmerzen und Zorn wand – nicht zu begreifen. Hiob ist zugleich auch ein Predigtthema, das die christliche Welt sehr häufig gebraucht, um Menschen zu ermutigen, den Schmerzen die Brust zu bieten, standzuhalten und Geduld zu zeigen. Es ist auch sehr schön und bedeutungsvoll. Nur werden Sie, wenn Sie dieses Buch von Anfang bis Ende lesen, mit Ausnahme der ersten beiden Seiten das meiste beinahe gar nicht verstehen können. Einer der größten Gründe, die das Verständnis dieses Buches erschweren, ist auch der, dass das Wissen unerlässlich ist, um zu unterscheiden, wer von den dortigen Personen das Richtige und wer das Falsche sagt. Denn Satan nimmt sich Hiob zum Ziel und bemüht sich zu beweisen, dass Hiobs Liebe zu Gott sich nur auf Vorteil stützt. Und um dessentwillen tut er wahrhaftig alles, was in seiner Macht steht. Er tötet alle Kinder Hiobs auf einmal. Sein ganzes Vermögen, und Hiob war ein sehr reicher Mann, lässt er ihn wiederum an einem einzigen Tag verlieren. Er schlägt seinen ganzen Körper mit bösen Geschwüren. Trotz all dessen gibt Hiob seine Ergebenheit gegenüber Gott nicht auf und lässt nicht davon ab, ihn zu lieben. (das gesamte 1. und 2. Kapitel des Buches Hiob) Nun, nachdem sich diese Ereignisse zugetragen haben, kommen drei Freunde, die davon hören, um Hiob zu besuchen. Freunde, aber angebliche Freunde. Unklug und aus Unwissenheit erschweren sie Hiobs Gemütszustand noch mehr. Ihnen zufolge hat Gott all dieses Unheil, das Hiob widerfuhr, angerichtet. Sie sagen: „Weil Hiob gewiss auch viele böse Seiten hat, tut Gott ihm dies, um ihn zu bestrafen.“ So sehr Hiob auch wie ein rechtschaffener Mensch erscheint, so ist er doch jenen Freunden zufolge: «Das bedeutet, dass Hiobs betrügerische und heuchlerische Seiten Gott nicht entgangen sind»!!!
Dabei kennen wir, während wir diese Ereignisse aus dem Buch lesen, das Gespräch, das sich in den Himmeln zwischen Gott und Satan zuträgt. Und dadurch, dass wir nach Gottes eigenen Worten lesen, dass einer wie Hiob auf der damaligen Erde Eigenschaften besaß, die ohnegleichen waren, gewinnen wir über Hiob eine bessere Meinung. (Hiob 1:8) Wenn wir die Worte Hiobs lesen, verwundern uns sein Verständnis und seine Weisheit über Gott sehr. Denn damals gab es weder so viele Bücher wie jetzt noch Wissen über Gott.
Zwar ist das Wissen der Menschen unserer Zeit über Gott unter null, aber das bedeutet nicht, dass jenes Wissen nicht zu finden wäre. Denn die Heiligen Schriften sind heute manchmal so leicht zu erlangen wie zum Preis von zwei Packungen Zigaretten. Oft werden sie auch kostenlos verteilt. Jene Bücher enthalten die tausende Jahre alte Geschichte der Menschheit und behandeln zugleich die Beziehungen der Menschen zu Gott. Von der Erschaffung des Menschen an bis hin zur ganzen Erde und zu Gottes Vorhaben mit der Menschheit und danach bis zu den Prophezeiungen, die die tausendjährige Zukunft verkünden, ist es wiederum möglich, das Wissen in jenen Büchern zu finden. Freilich ist das Wichtigste auch, dass es durch diese Schriften möglich ist, Gott kennenzulernen. Aber ich sage möglich, ich sage nicht, dass man ihn kennt. So sehr wir wissensmäßig auch über so viel Wissen und Material verfügen, dass es mit der Zeit Hiobs nicht zu vergleichen ist, hängt das Erlangen von Verständnis weder davon ab, die Bücher auswendig zu lernen, noch davon, sie täglich bei uns zu tragen. Selbst wenn wir jene Bücher so gut kennten, dass wir sie auswendig könnten, gäbe es keine Garantie, dass wir sie verstünden. Man sollte sie gewiss lesen, wenn nötig können wir sie stets bei uns haben, aber diese sind nur ein Material. Vielleicht kann jeder ein Haus bauen. Man kann nicht sagen, dass alle dasselbe Haus errichten würden, wenn man ihnen mit denselben Materialien, vom Hammer über den Zement bis hin zum Eisen, alles Nötige gibt. Manche mögen sogar, bevor das, was sie errichten, überhaupt zum Dach gelangt, einstürzen. Dabei ist das Material in aller Händen dasselbe. Oder wenn man zwei Hausfrauen sagt, sie sollen mit denselben Materialien ein Essen zubereiten, wird der Wohlgeschmack, den beide bei diesem Essen erreichen, verschieden sein. Während wir das Essen, das die eine zubereitet hat, mit Ach und Krach, um nicht unhöflich zu sein, ungekaut hinunterschlucken, essen wir das, was die andere zubereitet hat, geradezu mit Appetit, dem Ausdruck „wir haben uns die Finger geleckt“ entsprechend. Das bedeutet, dass es weniger auf die Dinge ankommt, die man besitzt, als vielmehr darauf, wie wir sie zu nutzen wissen, und dies hängt von unseren Eigenschaften ab. Unsere Begabungen, unsere Aufmerksamkeit, dass wir jener Sache gegenüber willig sind, unser Wissen, unsere Herzenshaltung, unser Eifer, unsere Geduld und dergleichen werden gewiss eine sehr große Rolle spielen. Auch das Erlangen von Weisheit und Verständnis lässt sich vielleicht mit diesen Beispielen vergleichen, die ich gegeben habe.
Hiob verwundert uns deshalb im Vergleich zu den Beispielen, die ich gegeben habe, sehr. Denn obwohl er kein Material in der Hand hatte, sind die Weisheit und das Verständnis über Gott, die er erreicht hat, wahrhaftig erstaunlich. Hiob als einen Propheten zu betrachten, mag uns vielleicht täuschen. Gewiss ist die Quelle von Verständnis und Weisheit Gott, und wenn er sie auch verleiht, wem er will, so hatte Hiob dennoch, bis Gott ganz am Ende seiner Schmerzen mit ihm sprach, in keiner Weise ein mündliches Gespräch mit Gott oder eine empfangene Offenbarung und dergleichen. (Hiob 42:5) Hiob hat sein ganzes Wissen, sein Verständnis und seine Weisheit über Gott nur durch Hörensagen entwickelt. Wie dem auch sei, das größte Geheimnis, über eine Sache Verständnis, Wissen und Weisheit zu erlangen, hängt meiner Meinung nach, wie ich sagte, wiederum davon ab, wie sehr wir jene Sache lieben und begehren. Auch wenn Hiob über Gott nur sehr wenig Wissen vom Hörensagen hatte, verarbeitete, entwickelte und liebte er dieses Wissen in seinem Innern, in seiner Seele und wurde von Gott belohnt. Sowohl mit geistigen als auch mit materiellen Dingen.
Die Atommoleküle sind mit dem Auge nicht sichtbar, aber die Energie, die die Spaltung des Atomkerns ringsum freisetzt, ist furchtbar. Oder wenn wir an einen Gemüsesamen denken, ist die Lage nicht sehr verschieden. Der Anfang einer Wassermelone oder eines Kürbisses, die manchmal 12 bis 15 Kilo und in Rekorden sogar noch weit größer werden, ist nur ein einziger Samenkern in ihrem Innern. Das Wasser, die Größe und die Verwandlung in Hunderte von Samenkernen, die eine fünfzehn Kilo schwere Wassermelone besitzt, hat mit einem einzigen Samenkern begonnen. Als jener Samenkern aufbrach und sich entwickelte, da wurde er eines Tages zu einer Wassermelone. Freilich waren das Kohlendioxid, das sie aus der Luft aufnahm, das Wasser, die Sonne und die Erde die Materialien, die die Wassermelone zu ihrer Entwicklung nutzte. Auch wir Menschen können lenken, wie wir das Wissen, das wir besitzen, in uns, in unserem Verstand arbeiten lassen und wie jenes Wissen danach in unserem Verstand, in unserem Herzen zerbrochen wird oder aufkeimt und mit welcher Wirkung es zutage tritt. Das, was ein Kürbis oder eine Wassermelone nicht hat, kann, wenn wir wollen, unter dem Willen von uns Menschen, in ihrer Entwicklung und durch ihre Kontrolle geformt werden. Bei „wenn wir wollen“ entsteht der Eindruck, als handle es sich um eine Mühe, um einen Zwang. Auch wenn Verständnis und Weisheit Disziplin, Wille, Arbeit, Eifer, Geduld und Ausdauer erfordern, so ist die wichtigste Kraft, die den Samenkern aufbrechen lässt, unsere Liebe zu jener Sache. Die übrigen Dinge sind wiederum, wie ich sagte, nur ein Material. Ob Wassermelone oder anderes Gemüse, wenn es ein geeignetes Umfeld findet, zwingt es sich nicht selbst, seinen Samen aufbrechen zu lassen und sich zu entwickeln. Jene Sache geschieht von selbst. Denn es hat das Umfeld, das es besitzt, geliebt. Setzt man es aber in ein Umfeld, das es nicht liebt, so erstarrt seine Entwicklung, und so vertrocknet es und geht zugrunde. Zu diesem Thema gibt es ein berühmtes Beispiel Jesu. Dieses Gleichnis, das beinahe jeder Christ fast auswendig kennt, lautet genau so:
Jesus erzählte ihnen vieles in Gleichnissen. „Seht“, sagte er, „ein Sämann ging aus, um Samen zu säen. Von den Samen, die er säte, fiel einiges an den Rand des Weges. Die Vögel kamen und fraßen es auf. Einiges fiel auf felsige Stellen, wo wenig Erde war. Weil die Erde nicht tief war, keimte es sofort auf. Als aber die Sonne aufging, wurde es versengt, und weil es nicht Wurzel schlagen konnte, verdorrte es. Einiges fiel unter die Dornen. Die Dornen wuchsen und erstickten die Keime. Einiges aber fiel auf gute Erde. Manches gab hundert-, manches sechzig-, manches dreißigfache Frucht. Wer Ohren hat, der höre!“ Matthäus 13:3-9
Dieses Gleichnis verstehen die Jünger (Apostel), die bei Jesus sind, nicht und fragen ihn. Und Jesus erklärt seine Bedeutung.
„Hört nun ihr das Gleichnis vom Sämann. Jeder, der das Wort vom Himmlischen Königreich (dem Königreich Gottes) hört und es nicht versteht – Satan kommt und reißt das, was in sein Herz gesät wurde, heraus und trägt es fort. Das ist der Samen, der an den Rand des Weges gesät wurde.
Was aber auf die felsigen Stellen gesät wurde, ist derjenige, der das gehörte Wort sofort mit Freude annimmt, aber weil er nicht Wurzel schlagen kann, nur eine Weile standhält. Wenn einem solchen um des Wortes Gottes willen Bedrängnis oder Verfolgung widerfährt, strauchelt und fällt er sofort.
Was unter die Dornen gesät wurde, ist dies: Er hört das Wort, aber die weltlichen Sorgen und die Verführung des Reichtums ersticken das Wort und verhindern, dass es Frucht bringt.
Der Samen aber, der auf gute Erde gesät wurde, gleicht einem, der das Wort hört und versteht. Ein solcher bringt gewiss Frucht, mancher hundert-, mancher sechzig-, mancher dreißigfach.„ Matthäus 13:19-23
Die Menschen werden geradezu gezwungen, gute Dinge zu tun. Diesen Druck ist es am ehesten möglich, in religiösen Kreisen zu sehen. Ich sage religiöse Kreise, weil es mit Gott zu tun hat. Eigentlich wäre es richtiger, wenn ich alle organisierten Kreise sagte. In solchen Umfeldern werden die Menschen stets dazu gedrängt, etwas zum Vorteil jener Religion, jener Organisation zu tun. Ob diese nun Religion, Wissenschaft oder Militär ist. Wiederum ob Krankenhaus oder Gefängnis. An all diesen Orten werden die Menschen – ob Bedienstete, Kranke, Häftlinge, Schüler, Lehrer, Ärzte oder was auch immer – stets dazu ermutigt, dazu gezwungen, etwas für jene Einrichtungen zu tun, ja, um dessentwillen werden sogar Strafen verhängt. Je nach Umfeld eben. Ob sie es durch Strafe, durch Streicheln, mit Liebe oder mit Schlägen bewirken, weiß man nicht. Sehen Sie, die Gottesliebe, die ich erklären möchte, ist mit keinem dieser Mittel zu erlangen. Vom Strafen angefangen bis zu jeder Art von Druck, der für richtige und gute Dinge ausgeübt wird, mag er vielleicht für die Erziehung notwendig sein, so können sie doch auf dem Weg der Liebe keinerlei Rolle spielen. Meinen Sie damit etwa, dass sich ohne Liebe nichts erlangen lässt? Gewiss nicht. Mit Zwang, mit Druck, mit Einschüchterung, mit Bestechung – und mit Bestechung meine ich die Dinge, die man den Menschen vorlegt. Das ist in der Regel Geld im Sinne eines Gehalts. Manchmal kann es auch eine Frau, eine Karriere, ein Name, ein Sessel sein. Sehen Sie, auch damit lässt sich vieles bewirken. Gott aber schätzt keines dieser Dinge und lässt sich nicht einmal dazu herab, ja, er hasst besonders solche Wege, die man bei der Annäherung an ihn anwendet. Die Eigenschaft, die Gott an uns am meisten schätzt, ist unsere Liebe. Denn das ist das Stärkste, was wir haben. Auch wenn der Hass durch seine Taten furchteinflößend und widerlich erscheint, so ist doch die Liebe das Stärkere, nicht der Hass. Auch in den Heiligen Schriften heißt es, dass das Bleibende und Ewige weder der Glaube noch die Hoffnung ist, sondern die Liebe. (1. Korinther 13:13)
Dass die Menschen den Dingen, die sie sehen, mehr Wert beimessen und partout das lieben, was sie sehen, ist eigentlich keine wahre Liebe. Die Liebe ist ohnehin kein Organ, das wir mit dem Auge sehen, oder etwas, das wir in der Hand halten. Die Liebe ist ein Gefühl, eine Empfindung. Der Mensch erlebt sie in seinem Wesen. Zugleich ist die Liebe ein furchtbar großer Trieb. Sie kommt aus unserem Innern, und jener Trieb stürzt uns mit geschlossenen Augen ohne Zögern in den Tod, in Feuer, in Folter und in jede Art von Unheil. Denn in der Liebe gibt es keine Furcht. Sehen Sie, was der Apostel Johannes zu diesem Thema schreibt:
In der Liebe gibt es keine Furcht; sondern die vollkommene (fehlerlose) Liebe treibt die Furcht hinaus, denn in der Furcht ist Pein; und wer sich fürchtet, ist in der Liebe nicht vollendet worden (das heißt, hat die Vollkommenheit oder Reife nicht erreicht). 1. Johannes 4:18
Auch soll dies nicht bedeuten, dass jene, die sich selbst in den Tod stürzen und sich verbrennen, dies aus einem Trieb tun, der aus der Liebe entspringt. Ich sah mich gezwungen, wieder zu den Themen meines vorigen Buches zurückzukehren. Wenn ich es nicht erklärte, würde diesmal der Sinn dessen, was ich schreibe, unzusammenhängend sein. Deshalb will ich die folgenden Worte über die Liebe wörtlich aus dem Evangelium nehmen und noch einmal niederschreiben, damit es uns leichter fällt, die Themen zu verstehen.
Wenn ich mit den Sprachen der Menschen und der Engel redete, aber keine Liebe hätte, wäre ich nicht anders als ein tönendes Kupfer oder eine klingende Schelle. Wenn ich prophezeien könnte, alle Geheimnisse wüsste und jede Art von Wissen besäße, wenn ich einen so großen Glauben hätte, dass ich Berge versetzen könnte, aber keine Liebe hätte, wäre ich ein Nichts. Wenn ich mein ganzes Gut als Almosen verteilte und meinen Körper hingäbe, um verbrannt zu werden, aber keine Liebe hätte, hätte mir das keinerlei Nutzen. Die Liebe ist geduldig, die Liebe ist gütig. Die Liebe ist nicht eifersüchtig, sie prahlt nicht, sie brüstet sich nicht. Die Liebe benimmt sich nicht grob, sucht nicht ihren eigenen Vorteil, wird nicht leicht zornig, rechnet das Böse nicht an. Die Liebe freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sondern freut sich mit dem, was wahr ist. Die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält alles aus. Die Liebe hört niemals auf. Aber die Prophezeiungen werden vergehen, die Sprachen werden aufhören, das Wissen wird vergehen. Denn unser Wissen ist begrenzt, und unser Prophezeien ist begrenzt. Aber wenn das Vollkommene kommt, wird das Begrenzte vergehen. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, verstand wie ein Kind, dachte wie ein Kind. Als ich ein erwachsener Mann wurde, legte ich das kindische Verhalten ab. Jetzt sehen wir alles wie ein verschwommenes Bild im Spiegel, aber dann werden wir von Angesicht zu Angesicht sehen. Jetzt ist mein Wissen begrenzt, aber dann werde ich völlig erkennen, so wie ich erkannt worden bin.
So gibt es also drei Dinge, die bleiben: den Glauben, die Hoffnung und die Liebe. Das Größte von diesen aber ist die Liebe. 1. Korinther, 13. Kapitel
Die Bedeutung dieser durch den Geist Gottes inspirierten Schrift ist wahrhaftig sehr groß. In der Zusammenfassung aller Heiligen Schriften verlangt Gott nur die Liebe. Sehen Sie, was Jesus Christus zu diesem Thema deutlich sagt:
…„ ‚Liebe den HERRN, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.' Das ist das erste und wichtigste Gebot. Das zweite, dem ersten gleiche Gebot ist dies: ‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.'
Das ganze Gesetz und die Worte der Propheten stützen sich auf diese zwei Gebote.„
Evangelium – Matthäus 22:37-40
Können Sie sich das vorstellen: Die Zusammenfassung so vieler geschriebener Schriften stützt sich in Wahrheit nur auf diese zwei Gebote. Dass die Menschheit aber diesem Gefühl, das sie vielleicht ständig im Munde führt und überall zum Thema macht, ganz und gar keinen Wert beimisst, ist wiederum eine andere Wahrheit. So sehr sie auch jede Methode ausprobieren und sich mühen, haben sie der Liebe im wahren Sinne, aufrichtig und von Herzen kommend, keine Bedeutung beigemessen. Selbst der Papst lud, als er gewählt wurde, die Menschen nicht zur Liebe ein, sondern zunächst zum Hass. Wohl weil er ein Deutscher war, setzte er sich, kaum an die Macht gekommen, auf jenen Sessel, indem er zunächst feindliche Worte gegen die Türken sprach. Wenn ich „selbst der Papst“ sage, schreibe ich mit dem Wort „selbst“ nicht in dem Sinne, dass es für jene Menschen unmöglich wäre, so etwas zu tun. Ganz im Gegenteil: Bei allen Formen des Hasses in der Geschichte, bei denen, die Nationen zu Krieg und Hass lenkten, unter jenen Gruppen, die in den Menschen Gefühle von Bitterkeit, Folter, Groll, Rache und Mordlust säten, haben das Papsttum und der christliche Religionismus eine sehr große Rolle gespielt. Dabei ist die Botschaft, die Gott und Jesus Christus der Menschheit und besonders den Gläubigen geben – mit den Versen aus der Heiligen Schrift, die ich in diesem Buch und in dem zuvor geschriebenen Buch Die Religionsmafia fortwährend berührt habe – hingegen sehr verschieden.
Zwischen der Liebe dieser Etikett-Frommen und der Gottesliebe Hiobs besteht gewiss ein Unterschied wie zwischen Himmel und Erde. Wenn die Menschen unter Schmerz und Druck stehen, sagen sie ihre Worte aus tiefstem Herzen. Wie wir ohnehin auch im Buch Hiob lesen, stellt Satan diese Behauptung auf und hadert mit Gott. Denn Satan ist einer, der aus Erfahrung weiß, dass die Menschen unter Druck nicht mehr so recht Theater spielen können. Der Grund, warum er Hiob mit jeder Art von Unheil schlägt, ist eben dieser. Indem er ihn in Nöte stürzt, will er, dass er sich mit Hass gegen Gott auflehnt. (Hiob 2:4-5) Wenn wir das Buch Hiob von Anfang bis Ende lesen, sehen wir deutlich, dass seine Liebe an nichts gebunden war – nicht an Reichtum, an Wohlstand, an Druck, an eine Organisation, an die Gemeinde, in die er ging, an Nationalismus, an Vorteil, an Nutzen, an seine Lieben, an Furcht, an Schmerz; genauer gesagt an gar nichts.
Beim Thema des Sehens war auch Hiobs Wunsch, Gott an einem sichtbaren Ort finden zu können. Wessen Wunsch ist das nicht? So wie nicht jeder unserer Wünsche und jedes unserer Verlangen richtig sein kann, so ist auch dieses Verlangen, das wir zu diesem Thema wie Hiob von Zeit zu Zeit haben, nicht richtig. Zum Glück ist Gott nicht an einem bestimmten Ort. Was, wenn es so wäre? Wenn wir Schlange stehen müssten, um ihn zu sehen und mit ihm zu sprechen! Wenn wir, um unsere Not zu schildern und unser Herz auszuschütten, wer weiß wohin auf der Welt gehen müssten! Wenn wir uns auch dort abmühen müssten, um durch Bestechung dieser und jener in die vorderen Reihen zu gelangen! Und was würden die tun, die nicht hingehen können, die Schwachen, die Kranken, die im Gefängnis oder im Krankenhaus Liegenden, die kein Geld haben! Wenn es so etwas gäbe, glaube ich, wären wieder jene Blutsauger ganz vorn. Sie würden stets an seiner Tür scharwenzeln und sich abmühen, uns dort gar nicht erst hineinzulassen. Zum Glück nennen wir all das einen Albtraum und Unsinn. Gott hört uns, wo immer wir wollen, eben dort, wo immer wir rufen, dort. Mit welcher Sprache wir auch reden, er versteht uns. Selbst wenn wir gar nicht reden, kennt er unsere Gefühle. Er ist einer, der weiß, was wir sagen werden, noch bevor wir mit ihm sprechen. Was ist schöner? Jenes Albtraumhafte, das ich eben schilderte, oder das, was auf diese Weise ist? Wenn wir mit unserer Vernunft, mit unserem Verstand darüber nachdenken, können wir es begreifen und sagen „zum Glück ist es so“. Doch wenn man sich wie Hiob in Schmerzen windet, will der Mensch partout in jenem Augenblick eine Lösung. Wir suchen, jenen Gott zu sehen, der unsere Schmerzen stillen wird. In seinen Nöten sagt Hiob:
„Ach, wüsste ich doch, wo ich ihn finden könnte, dann würde ich bis zu seinem Thron gelangen.“ (Hiob 23:3)
Auch ich bin oftmals in diese Gefühle geraten. Ich wollte partout vor Gott reden. Ihn von Angesicht zu Angesicht sehen und Antworten empfangen. Hiob war einer, der mit seiner Seele auch sah, dass Gott nicht an einem bestimmten Ort, sondern überall ist. Wenn wir die Fortsetzung seiner eben zitierten Worte lesen, geht es dort auch so weiter:
„Siehe, ich gehe nach vorn, und er ist nicht da; ich gehe nach hinten, und ich spüre ihn nicht. Wenn er zur Linken wirkt, kann ich ihn nicht erkennen; er verbirgt sich zur Rechten, und ich kann ihn nicht sehen.“ (Hiob 23:8-9)
Hiob hatte keinerlei Zweifel an der Existenz Gottes, aber er hatte auch begriffen und verstanden, dass er mit den Augen nicht zu sehen ist.
Hiob ist ohnehin einer, der nicht glaubt, dass es partout nützlich sei, alles zu sehen, ja überall hinzuschauen. Es gibt noch eine Stelle, die ich erwähnen möchte, weil sie, obwohl sie nichts mit dem Sehen Gottes zu tun hat, doch mit dem Thema des Sehens zusammenhängt. Hiob hat in dieser Sache sogar seinerseits Vorkehrungen getroffen. Sehen Sie, was Hiob mit seinen eigenen Worten sagt:
„Ich habe mit meinen Augen einen Bund (eine Übereinkunft) geschlossen: Wie sollte ich eine Jungfrau anblicken?“ (Hiob 31:1)
Es ist gewiss, dass das Sehen mit den Augen in unserer inneren Welt große Bewegungen auslöst. Von den vielen Dingen, die in unseren Verstand gelangen, speichern wir die Bilder nur mit Hilfe unseres Auges. Seien wir noch so stark und mühen wir uns noch so sehr, jenes gesehene Ding aus unserem Verstand zu löschen, so wird das nicht so leicht sein. Das in unseren Verstand eingedrungene Bild in jenem Augenblick zu löschen oder wegzuwerfen liegt leider nicht in unserer Hand. Wir können uns in dieser Sache anstrengen, aber es auszulöschen und zu vernichten ist etwas, das von der Zeit abhängt. Dennoch kann seine Auslöschung manchmal eine furchtbar lange Zeit in Anspruch nehmen. Selbst wenn viele Jahre vergehen, können wir uns, wenn wir uns daran erinnern, in einer Lage wiederfinden, in der jenes Bild, als wäre es irgendwo im Computer gespeichert, ebenso plötzlich vor uns auftaucht. Freilich, zum Glück geschieht dies in unserem Verstand, sodass es nicht jeder sieht! Manche Bilder setzen sich sogar im Unterbewusstsein fest. Obwohl wir es nicht bemerken, können wir angeblich wegen jener Dinge, die wir gesehen haben und die in unserem Unterbewusstsein sind, seelische Beschwerden erleiden. Die Psychologen haben zu diesem Thema vieles geschrieben und erzählen auch davon. Hiob aber wurde dieses Umstands von selbst gewahr und traf sofort seine Vorkehrung. Hiob war gewiss einer, der jenen Denkraum in seinem Gehirn benutzte. Die Menschen wollen überhaupt nicht über tiefe, aufbauende Dinge nachdenken. Selbst wenn sie eine kleine Zeitlücke finden, versuchen sie, ihre Zeit mit allem Möglichen zu verbringen, nur um nicht nachzudenken. Und wenn sie nachdenken, dann nicht für das Gute, sondern denken über das Böse nach und ersinnen, wie sie es tun könnten. Zur Zeit des Propheten Noah befand sich die Menschheit genau in diesem Zustand, den ich geschrieben habe. Gottes Ansicht über jene Tage lautet genau folgendermaßen:
Der HERR sah, dass die Bosheit des Menschen auf Erden groß war und dass die Gedanken und Sinnungen seines Herzens jeden Tag nur böse waren. (1. Mose 6:5)
Danach löscht Gott ohnehin den auf Erden lebenden Menschen, mit Ausnahme Noahs und seiner Familie, gänzlich aus und vernichtet ihn. Abgesehen von den bösen Taten, die wir tun, gleicht auch der Versuch, unseren Verstand und unser Herz nur mit diesen zu füllen, geradezu dem, ein Feuer löschen zu wollen, indem man Benzin darauf gießt. Obwohl es kein Gesetz, keine Regel, keine Scharia gab, schließt Hiob hingegen mit seinen Augen einen Bund, damit er nicht durch jene Augen, sei es auch nur in seinem Verstand, etwas Falsches denke. Konnte dieser Mann ein Gesetz, eine Regel, einen von einem anderen kommenden Druck, eine Disziplin nötig haben? Er ist frei, aber er nutzt seine Freiheit weit nützlicher, ergiebiger und ungezwungener als einer, der unter strengster Disziplin und strengsten Regeln steht. Denn er liebt und tut es mit Liebe. Deshalb sagt der Apostel Paulus in seinem Brief an die Kolosser durch den Geist Gottes Folgendes:
„…warum befolgt ihr wie die, die in der Welt leben, Regeln wie ‚Halte dich fern davon', ‚Koste dies nicht', ‚Berühre jenes nicht'? All diese Regeln beziehen sich auf Dinge, die durch den Gebrauch vergehen; sie stützen sich auf die Gebote und Lehren von Menschen. Zwar haben diese Regeln durch erdichtete Frömmigkeit, falsche Demut und Kasteiung des Leibes einen weisen (hikmetvollen) Anschein; aber sie sind zur Verhinderung der Zügellosigkeit des natürlichen Leibes zu nichts nütze.“ (Kolosser 2:23)
Zwischen Hiob und dem Propheten, der diese Schrift geschrieben hat, liegt ein Zeitunterschied von etwa 1700 Jahren. Wenn wir die Liebhaber von Scharia, Gesetz und Regelaufstellung unserer Zeit sowie die Organisationsversessenen mit hineinnehmen, so ist unsere Welt, obwohl 3700 Jahre vergangen sind, noch immer voll von Menschen, die diese Worte nicht verstehen oder, obwohl sie sie verstehen, sie nicht verdauen können.
Gott, der die Regeln, die wir Scharia-Gesetze nennen, mit dem Gebot „haltet sie“ gab, will durch diese Wahrheit, die er später seinem Propheten niederschreiben ließ, dass die Menschen nunmehr etwas verstehen. So hart und diszipliniert die von außen kommenden Gesetze auch sein mögen, solange wir sie nicht von innen heraus annehmen, haben sie nicht nur keinen Nutzen, sondern im Gegenteil vermehren sich unsere leiblichen Begierden und Schwächen stets mit dem Verlangen, diese Regeln zu übertreten. Gott aber will nicht, dass wir mit Regeln, die wir nicht befolgen und nicht befolgen können, stets schuldig sind, sondern will, dass wir ihm mit seiner Barmherzigkeit dienen; das heißt, indem er uns vergibt, mit dem Mut, den ein gutes Gewissen unseren Herzen gibt. Nun, was bedeutet das?
Die Menschen, die die Scharia-Gesetze empfangen haben, sind schuldlos, solange sie jene Gesetze halten. Aber wer bei einem jener Gesetze, wissentlich oder unwissentlich, einen Fehler macht, ist schuldig. Adam erfüllt das einzige Gesetz, das er halten sollte und das wir kennen, nicht. Er sollte nicht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse essen. Das ist alles. Aber sobald er jenes Gesetz übertrat, würde die Unsterblichkeit ihm entgleiten, und er würde sterblich werden. Und es ist ja offenkundig, dass Gott mit den Worten „an jenem Tag wirst du gewiss sterben“ nicht eine Zeit von 24 Stunden, sondern eine Zeit von tausend Jahren meinte. Dass unsere tausend Jahre in Gottes Augen wie ein Tag sind, haben wir mehrfach sowohl im Koran als auch in der Heiligen Schrift gelesen. (Psalm 90:4; 2. Petrus 3:8; al-Hadsch (22):47; as-Sadschda (32):5) Und tatsächlich stirbt Adam innerhalb der tausend Jahre, im Alter von 930 Jahren. (1. Mose 5:5) Außerdem geschieht der Verlust ihres ewigen Lebens in dem Augenblick, in dem sie von der verbotenen Frucht essen. Nur ihr Sterben durch das Altern nimmt Zeit in Anspruch, das ist alles.
Wenn nach der Scharia für jede Sünde gewiss ein Preis bezahlt werden muss, wem hat Gott dann durch die Abschaffung der Scharia Gutes getan? Dem Menschen oder sich selbst? Das tat er natürlich für uns, das heißt für die Menschheit. Denn jeder Mensch, der die Scharia nicht hält, bleibt der Herrlichkeit Gottes beraubt. (Römer 3:22-23) Gott aber will uns nicht von sich entfernen, sondern indem er vergibt, zu sich ziehen. Kein Mensch wird aus den Werken der Scharia für gerecht (rechtschaffen) erklärt werden. (Galater 2:16) Warum? Weil wir sie nicht tun können, deshalb können wir nicht für gerecht erklärt werden. Manche Menschen, die partout darauf beharren „ich werde die Scharia, das Gesetz, die Regel halten“, betonen damit gewissermaßen, dass sie die Barmherzigkeit Gottes nicht wollen, sie ablehnen. In dem Buch steht deutlich: „Die Scharia ist nicht aus dem Glauben; sondern wer sie tut, wird durch sie leben.“ (3. Mose 18:5; Galater 3:12) Und da niemand sie tun kann, so hat auch niemand das Recht auf Leben. Wiederum deutlich:
„Denn der Lohn der Sünde ist der Tod“, steht in Römer 6:23 geschrieben. Die Organisationen, Religionen und wer auch immer, die sich abmühen, uns partout zum Halten der Scharia zu bringen, uns Gesetze und Regeln aufzuerlegen, mühen sich in Wahrheit ab, uns von der Barmherzigkeit Gottes zu entfernen. Und die Menschen laufen ihnen unwissend und einfältig hinterher.
„Wenn die Lage so ist, warum wurde dann die Scharia gegeben?“, taucht eine solche Frage auf. Die Antwort aber ist sehr einfach. Gott gab die Scharia, weil er wollte, dass wir uns dessen bewusst sind, dass wir Sünder sind. Wiederum deutlich:
„Denn vor ihm wird niemand aus den Werken der Scharia für gerecht (rechtschaffen) erklärt werden; denn die Erkenntnis der Sünde kommt durch die Scharia“, sagt er. (Römer 3:20)
Aus irgendeinem Grund können die Juden und die Muslime diese Wahrheiten partout nicht schlucken. Dabei will das Buch, an das die Muslime glauben, obwohl es nie sagt, man solle sich der Scharia oder dergleichen zuwenden, dennoch – von den Juden beeinflusst – partout, dass sie sich an die Scharia-Gesetze klammern. Sie sagen einerseits: „Das letzte Buch, der Koran, ist gekommen, und die Geltung der anderen ist aufgehoben“, andererseits gehen sie sogar hinter die Geltung des Evangeliums zurück, schreiben das Halten der Gesetze des Mose dem Koran zu und versuchen, es so darzustellen, als sei es eine Verpflichtung und eine Rechtschaffenheit. Denn im Koran gibt es keine Scharia. Andernfalls, worauf gestützt, wenn nicht auf die dem Mose gegebenen Gesetze, wollen sie die Scharia halten?! Wenn der Koran hier und da in Form von Ratschlägen von Themen wie Verhüllung, Bund, Scheidung und Klatsch spricht, werden damit die Menschheit oder ein Staat regiert? Nennen sie das etwa «Scharia»? Indem sie über Themen, die sie nicht kennen und deren Unkundige sie sind, reden, als wären sie Scharia-Gelehrte, machen sie Gott keineswegs zufrieden. Was wollen wir Gott sagen, indem wir Muslime uns ebenfalls an die Lüge klammern, die Gott den Juden vor Hunderten, Tausenden von Jahren zu erklären versuchte und die sie partout nicht annehmen konnten und an die sie sich klammerten? Mühen wir uns etwa darum zu sagen, dass wir des Hasses, den die Juden wegen ihrer Sturheit auf sich gezogen haben, ebenfalls würdig sind? Sehen Sie, was der Apostel Paulus vor Tausenden von Jahren zu denen sagt, die von der Sehnsucht besessen sind, die Scharia zu halten, wiederholen wir es:
…Nur dies möchte ich von euch erfahren: Habt ihr den Geist durch die Werke der Scharia empfangen oder durch die Botschaft des Glaubens? Seid ihr so unvernünftig? Nachdem ihr im Geist angefangen habt, wollt ihr jetzt im Fleisch enden? Habt ihr so viel vergeblich erlitten? Wenn es denn wirklich vergeblich war. Der euch nun den Geist gibt und mächtige Werke unter euch tut, tut er dies durch die Werke der Scharia oder durch die Botschaft des Glaubens? So glaubte auch Abraham Gott, und es wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet. So erkennt denn, dass die, die aus dem Glauben sind, Söhne Abrahams sind. Und da die Schrift im Voraus sah, dass Gott die Nationen aus dem Glauben für gerecht (rechtschaffen) erklären würde, verkündete sie dem Abraham im Voraus die frohe Botschaft: «In dir werden alle Nationen gesegnet werden.» So werden also die, die aus dem Glauben sind, gemeinsam mit dem gläubigen Abraham gesegnet. Denn alle, die aus den Werken der Scharia sind, stehen unter einem Fluch; denn es steht geschrieben: «Verflucht ist jeder, der nicht bei allem bleibt, was im Buch der Scharia geschrieben steht, um es zu tun.» Es ist offenkundig, dass vor Gott niemand durch die Scharia für gerecht erklärt wird; denn: «Der Gerechte wird aus dem Glauben leben», und die Scharia ist nicht aus dem Glauben; sondern: «Wer sie tut, wird durch sie leben.» Damit der Segen Abrahams in Christus Jesus zu den Nationen komme, hat der Messias uns vom Fluch der Scharia erlöst, indem er für uns zum Fluch wurde; denn es steht geschrieben: «Verflucht ist, wer an einem Holz aufgehängt wird.» Evangelium – Galater 3:2-14
Wiederum an derselben Stelle steht Folgendes geschrieben:
…Bevor der Glaube kam, wurden wir unter der Scharia in Verwahrung gehalten, verschlossen für den Glauben, der offenbart werden sollte. So wurde die Scharia unser Lehrer auf Christus hin, damit wir aus dem Glauben für gerecht erklärt würden. Galater 3:23-24
Diese Erklärungen zeigen uns deutlich, dass die Scharia für eine bestimmte Zeit gegeben wurde, um die Menschen zu erziehen und dafür zu sorgen, dass sie sich der Sünde bewusst sind. Wiederum steht in Römer 3:20: «…Denn die Erkenntnis der Sünde kommt durch die Scharia.» Was die Juden und die Muslime partout nicht verstehen können, ist, dass der Messias Jesus zum Opfer für die Sünden der ganzen Menschheit wurde. In Wahrheit konnten wir als ganze Menschheit dies partout nicht von Herzen annehmen. Glauben Sie ja nicht, dass die, deren Etikett „Christ“ ist, es verstanden hätten. Ich glaube, dass es auf Erden wirklich sehr wenige Menschen gibt, die sich dessen bewusst sind. Indem wir dem Prinzip, das Gott besitzt, Unsinn sagen, machen wir dann Gott oder uns selbst zum Unsinn? Das Buch der Römer im Evangelium hat zu diesem Thema mit einer sehr schönen Gerechtigkeit und Logik geschrieben. Auch wenn diese Themen als eine Warnung für die damaligen Juden geschrieben wurden, so enthalten sie doch für uns Muslime, die wir jetzt denselben Wahnvorstellungen anhängen, eine sehr große Warnung und lebenswichtige Erkenntnisse.
Diejenigen, die meine Schriften lesen, können nicht begreifen, was ich bin. Ist dieser Mann Muslim, Christ oder Jude, geht es ihnen durch den Kopf. Im buchstäblichen Sinne gehöre ich keiner Religion an, die sich auf Erden unter diesem Namen zu erkennen gibt. Aber im Sinne dessen, was Gott erklärt hat, bin ich sowohl Christ als auch Muslim als auch Jude; und zwar mit einer von Herzen kommenden Aufrichtigkeit. Auch wenn ich automatisch als einer von ihnen geboren wurde, so habe ich diesen Glauben doch erst später mit meinem freien Willen erlangt. Auch ergreife ich weder für irgendjemanden Partei, noch besitze ich die Unvernunft, auf allen Seiten zu stehen. Nur habe ich die Wahrheiten in jenen Büchern, die ich zu erklären versuche, auch nicht selbst geschrieben. Der Verfasser jener Bücher, die vor Tausenden von Jahren geschrieben wurden, bin wiederum nicht ich (Thora-Psalter-Evangelium-Koran). Nur möchte ich den Menschen bei Themen helfen, die verborgen und verheimlicht, verzerrt und falsch geglaubt wurden. Eine solche Hilfe hätte ich mir für mich selbst von Herzen gewünscht, warum sollte ich sie dann anderen nicht geben? Sollte ich deshalb, weil manche mich hassen werden, etwa schweigen? Ich denke mir dieses Geschriebene doch nicht aus. Dennoch wird am Ende jeder für sich selbst entscheiden, ob es richtig oder falsch ist. Ist es nicht ohnehin das, was vor Gott gilt?
Wie gesagt, halten Sie in dieser Frage der Scharia auch die Christen nicht für anders. Indem sie sagen, sie glaubten an Jesus, haben sie nicht automatisch die Dinge, die Gott wünscht, weder mit ihren Werken noch mit ihrem Wissen ausgeführt. So sehr die Verse, die ich oben geschrieben habe, auch in den Büchern stehen, an die sie zu glauben sagen, so waren ihre Ausführungen doch unter anderen Namen stets menschenunterdrückend, regelfixiert, gesetzgebend, organisierend und voller Druck. Bewerten wir die christliche Religion nicht so, als hätte es in ihr immer eine solche Freiheit gegeben, indem wir nur auf dieses letzte Jahrhundert von uns blicken. Außerdem dienen diese Freiheiten nur dazu, den Außenstehenden Sand in die Augen zu streuen. Wenn Sie einmal in ihr Inneres eindringen, ist es möglich, jene furchtbaren Köpfe des Mittelalters und diejenigen, die die Menschheit mit dem noch Härteren des Materials vernichten, das die neue Technik in Kriegen einsetzt, wiederum bei ihnen zu finden. Die Taufe der Menschen in ihren Kolonien vollbrachten sie mit den Peitschen in ihren Händen. Kurzum, wenn wir sagen „sie haben das, was in der Heiligen Schrift geschrieben steht, die sie in Händen hielten, niemals erfüllt“, so übertreiben wir kaum. Der einzige Unterschied im Scharia-Verständnis zwischen Muslim-Jude und Christ sind die Worte. Der eine sagt: „Lasst uns für die Scharia sein, uns einen Mufti, einen Hohepriester an die Spitze setzen und tun, was er sagt“, der andere aber sagt: „Gott ist uns barmherzig, aber lasst uns dennoch einen Papst, Kardinäle, Vorsitzende von Leitungsgremien an die Spitze setzen und tun, was sie sagen.“ Das Verlangen beider Gruppen liegt außerhalb der Barmherzigkeit Gottes und der Freiheit des freien Willens, den er dem Menschen gegeben hat. Der Zweck ist, im Namen Gottes die Menschen zu unterdrücken. Das Ziel aber ist, die Menschen nicht Gott, sondern einem Menschen wie sie selbst zu Sklaven zu machen. Und seit Tausenden von Jahren haben sie, so wie Schmarotzer leben, sich auf den Rücken der Menschen gesetzt und sich so versorgen lassen und unaufhörlich ihr Blut gesogen. Bitte, ich frage Sie und die ganze Welt: Welchen Nutzen hatten sie seit Tausenden von Jahren für die Menschenwelt? Blicken Sie auf unsere Welt, auf die Menschheit, und antworten Sie sich selbst.
„Ach, der eine sei ein Alkoholiker gewesen, der andere habe seine Frau geschlagen und nicht für sein Haus gesorgt, der eine sei ein Dieb gewesen, der andere ein Zügelloser, und dann habe er die ihm gereichte Hand irgendeiner Religionsgruppe ergriffen und sei zur Vernunft gekommen!!!“ Die in den letzten Jahrhunderten neu aufgetauchten Konfessionen und Orden machen ihre eigene Werbung auf diese Weise. Wer auch immer jenen Menschen mit Liebe begegnet wäre, bei ihnen wären gewiss ebenso solche Veränderungen eingetreten. Wenn jene Religionen bei solchen Veränderungen eine Macht über die Menschen haben, so setzt jene Religion dies nur als Köder, als Werbung für die Menschen ein. Hätten sie gewollt, so hätten sie der Menschheit wahrhaftig sehr dienen können, aber sie wollten es nicht, und das absichtlich.
Hiob hingegen stellt seine Regeln nach seinen eigenen Schwächen auf. Er ist keiner, der alles in Gesetzbüchern sucht. Er ist einer, der bei sich selbst die Frage bedenkt, wie er es am besten machen kann. Glauben Sie ja nicht, dass ihm die Gottesliebe, die er besaß, in einem fertigen Paket, von Geburt an mit Zwang gegeben wurde. Auch er musste wie jeder Mensch geboren werden und wie jeder Mensch unter denselben Umständen sein Leben führen. Wenn eine Liebe, wenn eine Neugier, wenn Weisheit und Verständnis Hiob ergriffen und wenn er mit all dem jenen Gott liebte, so war dies allein Hiobs eigener Wille und eigene Entscheidung. Niemand zwang ihn. Niemand übte Druck auf ihn aus, Gott zu lieben, stellte keine Regeln auf. Er durchlief die Erziehung keiner religiösen Organisation. Wenn Druck ausgeübt wurde, so von Satan, damit er Gott verließe, ihn verfluchte. Als er alles verloren hatte und sich in Schmerzen in einer Grube wand, ist der Rat, den seine Frau Hiob über Gott gab, hingegen noch viel interessanter. Jene Frau sagt:
„Hältst du immer noch an deiner Lauterkeit (Vollständigkeit) fest? Verfluche Gott und stirb!“ (Hiob 2:9)
Und danach sind der Rat und die Klugheiten, die ihm jene drei Freunde geben, die ihn besuchen kommen, noch schlimmer als die seiner Frau.
Wenn Sie versuchen, Hiob zu verstehen, nicht nur um gelesen zu haben, sondern indem Sie in jenen Geist und jene Schmerzen eindringen, können Sie vielleicht einen Sinn aus den Schriften über ihn gewinnen. Um Hiob zu verstehen, ist Liebe unerlässlich, denn er liebte Gott über alles. Wenn Sie dieses Buch rasch, wie einen Roman, lesen, wird es Ihnen sehr langweilig erscheinen. Ich hatte jedes Mal beim Lesen die Stellen unterstrichen, die mir gefielen. Bei jedem Lesen wurden die Stellen, die ich unterstrich, immer mehr. Es gibt auch manche Stellen, deren jede Zeile ich ganz und gar unterstreichen wollte, aber ich tat es nicht. Zum Beispiel beginnt Hiobs Verfluchung des Tages seiner Geburt im 3. Kapitel. Da ich in meinem Leben niemals Geburtstag gefeiert habe und ihn auch nicht feiern will (nicht so, wie es die Zeugen Jehovas verstehen), gefielen mir diese Worte Hiobs sehr. Mehr als alles andere spielt in Satans Hadern mit Gott der Mensch die größte Rolle. Satans Streitfall mit Gott ist um des Menschen willen. Das Buch Hiob aber bringt in dieses Thema eine sehr große Klarheit und stellt die Zusammenfassung jenes Streitfalls gleich in den ersten beiden Kapiteln dar. Es ist ein Buch, das wahrhaftig jeden Menschen angeht. Denn die Menschen werden, ob sie es wollen oder nicht, automatisch in diesen Streitfall hineingeboren, leben in ihm, führen den Kampf und sterben. Diesen Streitfall wollte ich, sei es auch nur aus Neugier, lesen und kennenlernen, und ich tat es, und das unzählige Male.
In Gesellschaften wie der unseren wird den Jungen fortwährend beigebracht, den Alten Wert und Achtung zu erweisen und aus ihrem Wissen und ihren Erfahrungen Nutzen zu ziehen, weshalb sie demütig und vor allem achtungsvoll sein sollen. Diese Lehre ist keine schlechte Sache. Aber daraus eine Regel zu machen, ist Unvernunft. Der Mensch sollte gegenüber jedem achtungsvoll und demütig sein. Dies sollte er, wenn schon nicht wenigstens um seines Gegenübers willen, so doch aus Achtung vor sich selbst tun. Hiob hat außer jenen drei Freunden, die zu ihm kommen, noch einen jungen Freund. Während die drei Freunde reden, schwieg er stets und hörte zu. Am Ende beginnt er, auf ihre Unvernunft mit folgenden Worten zu antworten:
„Nicht die Großen sind es, die weise sind, und nicht die Alten sind es, die das Richtige verstehen.“ (Hiob 32:9)
Die Gottesliebe, das Verständnis und die Weisheit über ihn dieses jungen Mannes namens Elihu sind wahrhaftig sehr wertvoll. Ohnehin sagt Gott allein über ihn nichts Böses. Gott zürnt nur jenen drei Freunden und betont, dass auch Hiob in seinen Anklagen gegen Gott unwissend war. (Hiob 42:7-9)
All diese Menschen, die ich aufgezählt habe, ob gut oder böse, ob richtig oder falsch, waren sich einer Sache bewusst. Sie glaubten an die Existenz lebendiger Wesen, die für die Augen des Menschen unsichtbar sind. Sie waren sich einer großen Macht bewusst, die sie erschaffen hatte. Indem sie ihre Denkfähigkeit benutzten, hatten sie auch in dieser Sache viel Weisheit erlangt. Trotz der Tausenden von Jahren, die vergangen sind, ist unsere Welt voll und übervoll von Millionen von Religionsleuten geworden, die dieses ihres Wissens und vor allem ihres Verständnisses ganz und gar nicht erreicht haben, aber von den Menschen sehr verherrlicht werden. Und wenn Sie auf welche stoßen, die Wissen haben, so sind sie wie die alten, kalten, staubigen Bücher in den Bibliotheken. In ihnen gibt es nicht einmal eine Spur von Liebe oder Demut.
Wie denn, gibt es auf der Welt gar keinen einzigen rechtschaffenen Mann? Im buchstäblichen Sinne gibt es auf der Welt in Wahrheit tatsächlich nicht einen einzigen rechtschaffenen Mann oder Menschen. Sehen Sie, die folgenden Worte, die anfangs sogar mich erstaunten und betrübten, bringen Gottes Ansicht über uns zum Ausdruck:
„Gott blickte vom Himmel herab auf die Menschensöhne, um zu sehen, ob es einen Verständigen gibt, der Gott sucht. Alle sind sie abgewichen; zusammen sind sie verdorben, es gibt keinen, der Gutes tut, nicht einen einzigen.“ (Psalm 14:1-3 und 53:2-3)
Leider, was für bittere Worte, aber es ist die Wahrheit. Der Prophet Jesaja aber spricht mit folgenden sehr bedeutungsvollen Worten zu Gott:
„Denn wir alle sind wie ein Unreiner geworden (im Sinne von leiblicher und seelischer Unreinheit), und alle unsere rechtschaffenen Taten sind wie ein schmutziges Kleid, und wir alle welken dahin wie ein Blatt; unsere Verkehrtheiten tragen uns fort wie der Wind.“ (Jesaja 64:6)
Der Prophet vergleicht hier sogar unsere rechtschaffenen Taten mit einem schmutzigen Wäschestück. Vor Gott sind wir wahrhaftig so. Wenn wir zu uns selbst ehrlich sind, werden wir sehen, dass wir auch in unseren eigenen Augen so sind. Als Menschheit sind wir in der jetzigen Zeit, und zwar mehr als in jeder Epoche, schmutzig.
Ist Ihnen bewusst, wie viele Redewendungen wir manchmal, ohne es zu bemerken, im Zusammenhang mit dem Sehen benutzen? Wer könnte leugnen, dass wir außer den buchstäblichen Augen auch noch andere Augen besitzen? Glücklich, wer auch mit jenen Augen sieht und nicht blind bleibt.
Blickwinkel
Vom Nacken aufwärts habe ich solche Kopfschmerzen. Ich kannte Kopfschmerzen überhaupt nicht. Überall hat mir schon einmal etwas wehgetan, aber mein Kopf hat mir mein ganzes Leben lang kein einziges Mal wehgetan. Wer unter Migräne litt und Kopfschmerzen hatte, mochte mich um diesen Zustand vielleicht beneiden. Als Kind konnte ich es nicht vergessen, wie mein Vater bei einer Müdigkeit oder einer kleinen Verstimmung sofort sagte «mein Kopf tut weh» und sich die Bettdecke über den Kopf zog. Wahrscheinlich komme ich nach meiner Mutter, denn wie ihr taten auch mir die Kopf nie weh. Während ich meine Bücher schrieb, hatte ich ein Problem mit meiner Nase. Ich musste ununterbrochen und ohne Unterlass niesen. Wir dachten, ich hätte bestimmt gegen irgendetwas eine Allergie. Am Ende hielt ich es nicht mehr aus und ging zum Arzt. Ich mag es nicht besonders, zu Ärzten zu gehen. Besonders in Deutschland mag ich es überhaupt nicht. Türkische Ärzte machen Mut, geben ein Medikament, aber deutsche Ärzte greifen sofort zum Skalpell, zum Messer. Ob es an meinem Pech liegt oder ob das die Ordnung in Deutschland ist, weiß ich nicht, aber bei jeder meiner Operationen gab es ganz bestimmt eine Widrigkeit, eine Nachlässigkeit, eine Gleichgültigkeit, die in keinem Bericht schriftlich festgehalten war. Außerdem machen ihr Hass gegenüber den Türken und die Arbeit, die sie leisten, ihre Absichten umso deutlicher. Und dann lassen die statistischen Zahlen in ihren Händen sie entscheiden, wer am Leben bleibt und wer nicht. Wie ohnehin jeder weiß, der in Deutschland zum Arzt geht, stellen die Ärzte einem weniger Fragen zu deinem Leiden als vielmehr eine Menge persönlicher Fragen. Es wird nicht nach deiner Krankheit, sondern nach den Antworten auf diese Fragen entschieden, was getan wird. Ich habe zum Beispiel folgende statistischen Zahlen. In Deutschland lebten im Jahr 2007:
42 057 327 Frauen, 39 954 835 Männer, 17 713 394 Rentner, 6 084 973 Erwerbstätige, 10 069 146 Schüler und Studenten, 2 736 032 zumeist ohne Mann Kinder großziehende (Alleinerziehende), 1 838 455 Hochschulbesucher, 343 556 Ärzte. (Evangelisch-Freikirchliche Brüdergemeinde e.V. Frauenweg 7 74072 Heilbronn- 2007)
Sie betrachten diese etwa 18 Millionen Rentner, die Arbeitslosen, die Ausländer und besonders die Türken als schädlich für das Land. Sie haben, indem sie verstanden, dass die damalige Politik Hitlers zu Merkels Zeiten durch die Blume wieder eingeführt werden sollte, damit begonnen, sie erneut anzuwenden. Der Befehl, den und jenen zu töten, wird jetzt nicht mehr wie früher direkt gegeben. Hitler gehörte zu den Dummen, die sich für klug halten. Ihre Kinder machen diese Sache jetzt auf eine Weise, die niemand beweisen kann.
Meine erste Operation machten sie, als ich 21 Jahre alt war. Weil sie glaubten, der Blinddarm sei geplatzt, öffneten sie mit einem sehr ekelhaften Schnitt die rechte Seite meines Bauches, aber es war überhaupt kein Blinddarm! Da Ärzte es überhaupt nicht mögen, mit leeren Händen herauszukommen, nahmen sie auch meinen gesunden Blinddarm heraus. Doch würde ich euch erzählen, auf welche Weise sie mich zu dieser Operation zwangen, und von ihrer Unverschämtheit, würde sich mein Text sinnlos in die Länge ziehen. Wenn man ihnen zuhört, entsteht der Eindruck, als würde man in jedem Augenblick sterben. Besonders in jenen Jahren schnitten sie in Deutschland demjenigen, der zweimal «mein Kopf tut weh» sagte, sofort den Kopf ab. Ich hatte in jenem jungen Alter das Gefühl, als könnte man sogar mit einem Auto über meine Bauchmuskeln fahren, doch nachdem ich aus der Operation herauskam, war mein Bauch genau wie bei einem hungernden Afrikaner, wie bei den vietnamesischen Kindern in Kriegszeiten nach außen herausgetreten. So sehr ich mich auch mühte, ich konnte ihn nie wieder wie früher nach innen bringen. Und nachdem die Operation zu Ende war, haben sie mich vom Operationstisch zu Boden fallen lassen! Ich wachte so schlimm auf. Und die Oberschwester bestand doch gleich am nächsten Tag darauf, dass ich unbedingt aufstehen müsse! Ich versuchte aufzustehen, aber ich glaubte, ich würde sterben. Sie aber redete ununterbrochen auf mich ein. Ich erinnere mich, dass ich noch «Bitte nehmt das da von mir weg und geht» sagen konnte, und dann bin ich fast ohnmächtig geworden. Es dauerte nicht wenige Tage, da begannen an meinem ganzen Körper blaue Flecken zu erscheinen. Nur eine einzige Krankenschwester unter ihnen, und die arbeitete nur in den Abenddiensten, erzählte mir diese Sache, nachdem acht Tage vergangen waren. Von den anderen und von den Ärzten kam nicht der geringste Ton. Wie gesagt, solche Dinge tauchen in ihren Operationsberichten nie auf.
Ein, zwei Jahre nachdem sie meine Bauchmuskeln auf diese Weise durchtrennt hatten, bekam ich einen Bandscheibenvorfall in der Lende. Etwas völlig Normales nach einer solchen Operation. Es sind keine Muskeln im Bauch, die ganze Last liegt auf der Lende. Mit diesen Schmerzen kam ich etwa 13 Jahre lang zurecht, bis eines Tages mein linkes Bein zu hinken begann, und wieder sagten sie: Operation. Nachdem ich operiert worden war, hatte ich diesmal, obwohl gar nichts war, in meinem rechten Bein einen furchtbaren Schmerz. Ich konnte nicht einmal Socken anziehen. Ein Jahr lang, indem ich unter Schmerzen ging, Gymnastik machte und so weiter, wurde es weniger und ging später ganz weg. Mögen die Deutschen so sehr wütend werden und schäumen, wie sie wollen, ich nenne das «Feindschaft», ich nenne es «Unlust», ich nenne es «Geringschätzung». Sie aber nennen diesen Zustand «Vaterlandsliebe». Wie gesagt, besonders wenn man dann noch Türke ist oder ihrer Ansicht nach zu einer anderen, niedrigeren Nation gehört! Sie sehen dich wie ein Versuchskaninchen. Nur wegen des Geldes, das er von deiner Versicherung bekommt, schneidet er dir irgendwo etwas heraus. Und unsere Türken sind aus irgendeinem Grund ein operationsversessenes Volk. Um sich bemitleiden zu lassen und um nicht arbeiten zu müssen, sind sie sogar damit einverstanden, dass ihnen überall etwas herausgeschnitten wird. Damit die Türken nicht in den schmutzigen und schweren Arbeiten der Deutschen arbeiten müssen, sind sie sogar mit dem Tod einverstanden, na ja, wie auch immer. Ist es leicht, um des Geldes willen Sklave zu sein? Solange die Türken operationsversessen waren, schnitten und schnippelten die Deutschen an ihnen herum, probierten an ihnen anstatt an Versuchskaninchen. Alle Türken kamen mit dem Traum nach Deutschland, Geld zu verdienen und in meiner Heimat das Wohlleben zu genießen, ich aber habe nicht gesehen, dass auch nur ein einziger das verwirklicht hätte. Es gab jedoch nicht nur die, die aus Deutschland weggingen, sondern – wenn der Ausdruck erlaubt ist – auch die, die flohen. Manche von diesen Armen bereuten es später. Am meisten natürlich die Kinder. Viele Jahre lang konnten sie sich einfach nicht an die Türkei anpassen.
In den 35 Jahren, die wir in Deutschland blieben, hatten wir zwei feste Hausärzte. Der eine war Deutscher, aber ein wertvoller Mensch. Die Deutschen mochten ihn überhaupt nicht. Er war sowohl kenntnisreich als auch überaus barmherzig. Kurz gesagt, ein Mensch mit reichlich menschlichen Werten. Als er in Rente ging, hätte ich beinahe geweint bei dem Gedanken, wohin wir nun gehen, zu wem wir gehen sollten. In unserer Nähe gab es einen, den sie den arabischen Arzt nannten, aber zu ihm war ich nie gegangen. Aus welchem Land er kam, weiß ich bis heute nicht, und ich habe auch nicht gefragt. Auch er schien ein wertvoller Mensch zu sein. Als ich an der Krankheit erkrankte, die man Gürtelrose nennt, hatte ich zunächst wieder einen Bandscheibenvorfall vermutet, und als mich der Orthopäde von hier nach dort schickte, ging ich als letzten Ausweg zu ihm, und er erkannte meine Krankheit sofort. Und zwar nur durch Zuhören. Die anderen also hatten sich nicht einmal herabgelassen zuzuhören, oder es waren unwissende, kopflose Ärzte. Von da an gingen wir als ganze Familie immer zu diesem Arzt. Kommen wir wieder zu meiner Nase. In meiner Nase war eine Wunde. Ein Kratzer, als sei das Innere wie mit einer Rasierklinge geschnitten worden, aber er wollte einfach nicht heilen. Und er tat so weh. Wohl weil sich beim Essen durch die Bewegungen meines Mundes die Muskeln hin und her bewegten, trieb mir dieser Schmerz in der Nase manchmal Tränen in die Augen und wurde ganz unerträglich. Wir sagten, vielleicht verursache er ja auch dieses Niesen, von dem ich sprach. Ich ging zu diesem arabischen Arzt, der unser Hausarzt war. Kaum dass er hinschaute, sagte er: «Die linke Seite deiner Nase ist verstopft.» Er gab ein Medikament und fügte hinzu: «Nimm das, aber du musst operiert werden.» Er sagte: «Mit Medikamenten dauert die Besserung nur kurze Zeit, und dann fängt es wieder an.» Ich nahm die Medikamente, und wie er gesagt hatte, war es ein paar Tage gut, das war alles. Wieder gingen das Niesen und der Schmerz weiter. Diesmal überwies mich der Arzt zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Und der überwies mich, kaum dass er hinschaute, ins Krankenhaus! Ach du lieber Gott, sage ich, das hatte ich überhaupt nicht im Sinn, aber ich tröste mich damit, dass es in diesem Zustand nicht auszuhalten war.
Mein Niesen war so weit fortgeschritten, dass am Morgen des Tages, an dem ich ins Krankenhaus sollte, meine Augen ganz rot geworden waren und ich ununterbrochen nieste. Ich sagte sogar zu meiner Frau: «Sieh, in welchem Zustand ich bin, mein letzter Ausweg ist das», und wir fuhren ins Krankenhaus. Sofort, wenn ich mich nicht irre, wurde ich schon am zweiten Tag operiert. Als ich aus der Narkose erwachte, erwachte ich mit furchtbaren Schmerzen. Ich habe große Schmerzen, aber ich kann nicht erkennen, woher der Schmerz kommt, wo mir etwas wehtut. Dass er aus der Kopfregion, aus dem Nacken kam, war sicher, aber obwohl ich an der Nase operiert worden war, kamen die Schmerzen nicht aus der Nase. Da ich nicht jeden Tag an der Nase operiert werde, hatte ich in diesen Dingen auch keine Erfahrung. Ständig versuchte ich, auch mit Hilfe der Narkose, mich zum Schlafen zu zwingen, damit ich diese Schmerzen vergesse. Die Krankenschwestern sagten zu diesem Schmerz: «Das ist normal, auf Ihren Kopf wurde Druck ausgeübt, und in Ihrer Nase sind Tampons, deshalb macht es Druck.» Was soll ich sagen, ich dachte, sie werden es bestimmt besser wissen. Und selbst wenn ich etwas sagen würde – wen würde es kümmern!
Wenn einem die Nase verstopft ist, kann man nichts hinunterschlucken. Und wenn man doch schluckt, entsteht jedes Mal ein Druck in der Nase, weil die Luft, die durch die Nase entweichen müsste, nicht entweichen kann. Beim Essen ist das nicht so schlimm, aber beim Wassertrinken furchtbar. Denn beim Wassertrinken schließt sich der ganze Mund, bei jedem Schlucken lastet Druck auf der Nase, und ein Schmerz – fragt lieber nicht. Zwei Tage oder so blieben die Tampons in der Nase. An dem Tag, an dem sie sie herausnehmen, tut es manchen weh. Auch das machte im Krankenhaus bei den Verbandswechseln der, an welchen Arzt einer gerade geriet, also Zufall. Denn es waren vier, fünf Ärzte, und fast jedes Mal machte ein anderer die Verbandswechsel, doch einer von ihnen, dieser Arzt, der etwa zwei Meter groß und dünn wie ein Schilfrohr war, war noch viel gröber als ein Tierarzt. Sie öffnen die Nasenlöcher und legen ein ganz dünnes, mit Medikament getränktes Tuch hinein, damit sich die Stelle nicht entzündet. Alle öffnen dieses Nasenloch auf normale Weise und machen das. Doch dieser schilfrohrartige Arzt öffnete meine Nase so, als wollte er mit seinem ganzen Körper hineinkriechen. Augenblicklich hatte ich mich vor Schmerz zurückgezogen. Und dann fragt er noch grinsend, ob es wehgetan habe! Zum Glück geriet ich nie wieder in seine Hände, doch während ich im Untersuchungsraum war, musterte er mich aus irgendeinem Grund unter den vielen Ärzten so eigenartig. Freilich hatte ich mir ohnehin fest vorgenommen, es strikt abzulehnen, dass er mir den Verband macht. Ich habe in mir immer noch das Gefühl, dass er diesen Zustand, der mir widerfahren ist, mit Absicht verursacht hat. Aber beweise das mal! Vielleicht hat er gar nicht an der Operation teilgenommen, oder er ging nur ganz kurz hinein, half fünf Minuten seinen Kollegen, ohne dass es in den Berichten auftaucht, und ging. Kann das nicht sein? Und wem kommt schon in den Sinn, dass er die Männer, die ihm nicht ins Auge stechen, mit Absicht zu Krüppeln macht? Ist das leicht, der Mann leistet seinem Vaterland einen Dienst! Je mehr Ausländer, besonders Türken, er zum Krüppel macht, desto größeren Dienst wird er geleistet haben. Und selbst wenn er es nicht kann, gibt es so viele Deutsche mit dieser Gesinnung und diesem Verlangen. Dass der, der die Möglichkeit hat, es auch ohne mit der Wimper zu zucken tun würde, glaube ich in dieser letzten Zeit ganz sicher. Außerdem ist der Vater eines jener Jugendlichen, die in Solingen die Türken im Schlaf verbrannten, ebenfalls ein deutscher Arzt. Früher habe ich diesen Menschen geglaubt und ihnen mit ganzem Herzen vertraut und 40 Jahre in Deutschland gelebt. Selbst wenn all diese meine Anschuldigungen nach Ansicht mancher unangebracht sind, so haben sie uns doch diesen Glauben eingegeben. Wenn ich aber auf die Geschichte und auf das schaue, was mir widerfahren ist, dann glaube ich nicht, dass ich so unangebracht rede. In der Geschichte ist jedes Land mit der Zeit durcheinandergeraten, hat viele Veränderungen erfahren. Doch die verfestigten Denkweisen jener Nation kann man ihnen einfach nicht austreiben. Diese Erfahrungen und Erkenntnisse habe ich sowohl in der tausende Jahre währenden Geschichte Israels in der Heiligen Schrift gelesen, als auch bei jeder Nation, die ich kennengelernt habe, bezeugt, dass sie sich von ihren verdorbenen und ihnen zum Verhängnis werdenden Eigenschaften der Vergangenheit einfach nicht befreien können. Selbst wenn sie in ihrer Regierungsform, in ihren Herrschern und in vielem äußeren Erscheinungsbild Veränderungen vorgenommen haben, sind diese Eigenschaften, die jene Völker zernagen, aufzehren, vernichten und sie schließlich ins Unglück und Verderben treiben, vielen von ihnen einfach nicht aus dem Sinn und aus dem Herzen gegangen. Ein deutscher Kolumnist hat diese Gefühle seines eigenen Volkes sehr schön zu Papier gebracht. Sein Artikel, den ich zufällig irgendwo las, lautet wörtlich so:
…Warum? Ich weiß es nicht. Auch das, dass jede Arbeitslosigkeit sich automatisch auf beschämende Weise in Rechtsextremismus, in Nationalismus verwandelt. Zu diesem Thema hat Henryk M. Broder eine deutliche Ausdrucksweise gebraucht: ‘Eine der beliebtesten und verbreitetsten sozialen Philosophien ist auch die, die ständig wie eine Klage vorgetragen wird, dass Arbeitslosigkeit zum Rechtsextremismus führe.’ (eine eigentlich unbewiesene Behauptung)
Aber warum? Ein arbeitsloser Engländer geht angeln, ein arbeitsloser Holländer spielt Billard, ein arbeitsloser Italiener sucht sich eine Geliebte, während allein ein arbeitsloser Deutscher fast automatisch zum Nazi wird. Oder ist das ein genetisches Erbe?
Dass das Unlogische logisch ist, liegt daran, dass jeder daran glaubt. Die Fachleute aber vertreten die Ansicht, dass mit jedem über alles gesprochen werden müsse. So wie das Verstehen einer Sache nicht bedeutet, sie gutzuheißen, so muss man auch die Motive dieser Sache erforschen, das heißt nicht nur, was getan wurde, sondern warum es getan wurde. Dass ein Nazi einen Afrikaner verprügelt, weil dieser eine Diskothek betreten hat, zeigt nicht, dass er ein Streithammel ist, der Freude an Gewalt hat. Er ist wahrscheinlich arbeitslos und kann sich aus der Verzweiflung seiner Lage heraus nicht anders zeigen.
Aber warum sind es immer die Ausländer, die Obdachlosen, die Behinderten? Warum zeigen die, denen es schlecht geht, ihren Zorn nicht in Form eines Protests gegen einen Arm des Staates oder auf einer Gala, wo sich die Superreichen versammeln, dagegen, dass den Armen in den Ländern der Dritten Welt nicht geholfen wird?
Jörg Kachelmann
Tatsächlich hat wiederum ein Deutscher, der die Ereignisse unparteiisch sehen kann, diesen Zustand der Deutschen gut beschrieben. Freilich sind solche Menschen für die Deutschen die größten Vaterlandsverräter. Auch zu Hitlers Zeiten haben sie viele solcher Vaterlandsverräter erschossen! Ohne auf die Lage in der Entwicklung der Geschichte zu achten, wer verloren und wer gewonnen hat, sondern allein auf die Früchte schauend, fällt es uns überhaupt nicht schwer zu verstehen, dass gerade jene erschossenen Menschen ihr Vaterland wirklich geliebt haben.
Zum Glück war der Arzt, der im Krankenhaus zufällig jene großen Tampons aus meiner Nase nahm – obwohl er Deutscher war – ein sehr anständiger, aufmerksamer Mensch. Er begann, mich vorher zu warnen. «Ich dürfe beim Herausziehen der Tampons auf keinen Fall vor Schmerz husten, sonst würde durch das Blut, das aus meinem Mund und meiner Nase kommt, sein ganzes Gesicht voller Blut werden.» Ich sagte: «Wenn ich das, was Sie sagen, nicht tun kann, werde ich auch nicht husten.» Er sagte: «Wenn du willst, kannst du es.» Ich sagte in Ordnung, und wir waren uns einig, und er zog die Tampons heraus. Für mich war das, als hätte man ein Haar aus der Butter gezogen. Ach herrje, wie erleichtert ich war, fragt lieber gar nicht. Mein Lieber, was für ein großes Übel diese Verstopfung in der Nase ist! Besonders wegen der Größe der Tampons wird die Nase des Menschen, wenn sie herausgezogen werden, wie Ofenrohre. Oh! Was für ein Atem geht da, und was für Luft strömt durch die Nase. Doch dann, wenn die Nasenschleimhäute wieder ihren alten Zustand annehmen, bekommt man nicht mehr so viel Luft. Außerdem stinke die Nase, wenn zu viel Luft hineinströmt. Deshalb dürften die Nasenlöcher nicht zu groß werden. Das sagten mir die Ärzte. Später dachte ich nach und verstand wohl, was sie meinten. Denn wenn die Person dann einen großen Teil der Luft durch die Nase aufnimmt, geht auch alles in der Luft durch die Nase. Die Härchen in der Nase erfüllen ohnehin die Aufgabe eines Filters, und da vieles dort hängen bleibt, verschmutzt diese Stelle dann schneller. Das heißt also, dass diejenigen, die ständig in der Nase bohren und immer Popel herausholen, entweder zu große Nasenlöcher haben und deshalb Popel bilden, oder sehr kleine, sodass sie die Nase stört, und ich weiß nicht, ob sie glauben, dass es die Löcher vergrößert. Wenn wir es auch eine schlechte Angewohnheit nennen, wäre das richtig.
Kein besonders erfreuliches Thema. Mein Leiden aber begann nach jener Operation. Dass diese Schmerzen von ganz unten aus meinem Nacken kamen, wurde mir richtig erst bewusst, als ich das Krankenhaus verließ. Und es war, als würde unter meinen Füßen der ganze Boden wegrutschen. Nach dem Krankenhaus musste ich noch zwei Wochen lang zu dem Hals-Nasen-Ohren-Arzt, der mich dorthin geschickt hatte, zum Verbandswechsel gehen. Als ich diesen Zustand dem Arzt schilderte, sagte er, «das, was ich erzähle, könne gefährlich sein». Doch als ich beim nächsten Mal dieses Thema wieder anschnitt und er sagte, «es sei nicht so wichtig und würde vergehen», was soll ich machen, ich glaube es nicht, aber ich kann auch nichts tun. Und das ist nicht nur beim Leben mit Deutschen so, sondern vielleicht überall auf der Welt. Hast du den Menschen etwas gesagt, das ihnen nicht gefällt, musst du zum Krieg bereit sein. Ihr werdet fragen, warum dem Arzt das, was du sagst, nicht gefallen sollte. Für die Deutschen ist die Beschwerde eines Ausländers über einen Fehler, den die Ärzte gemacht haben, und dass jener Arzt der Sache nachgeht und dem Patienten hilft, überhaupt nicht denkbar. Für sie ist dieser Zustand, wie gesagt, Vaterlandsverrat. Sie bemühen sich sehr, jenen Patienten so weit wie möglich als verrückt, unvernünftig, voller haltloser Hirngespinste, als ständig klagend und lügnerisch darzustellen. Indem sie so handeln, retten sie angeblich ihre Arztkollegen, die sie nicht kennen und die sich, wenn sie sich kennen, gegenseitig hassen, und das Vaterland. Außerdem sind die deutschen Ärzte in den letzten Jahren sehr gut organisiert worden. Wie jede Organisation haben sich auch diese zuerst darin vereint, ihre eigenen Rechte zu schützen. Und wie auch immer die Arbeitsweise von Organisationen sein mag, sie besteht darin, sich selbst zu schützen. Sie lügt, sie leugnet, sie betrügt, sie tötet Menschen und nutzt alle schönen und hässlichen Trümpfe in ihrer Hand, an die man nicht denken würde. Sie weist jede gegen sie gerichtete Anschuldigung zur Gänze zurück. Genau wie die Zeugen Jehovas oder jede Organisation. Auch sie nehmen gegenüber allen Anschuldigungen, die gegen ihre religiöse Organisation gerichtet werden, welcher Art auch immer, eine einzige Haltung ein: Gegenreaktion. Ob berechtigt oder unberechtigt, ob richtig oder falsch, es wird gar keine Unterscheidung getroffen. Zu diesem Zweck tun sie alles, was in ihrer Macht steht. Ist es eine Lüge, lügt sie; hat sie es gesehen, sagt sie, ich habe es nicht gesehen; ja, sie gehen sogar so weit, dass sie sich selbst sagen «wenn wir nicht so handeln, gehen wir zugrunde» und sich selbst von dieser Sache überzeugen. Eigentlich ist ihre Organisation ein Götze für sie. Diesen Zustand können wir nicht nur bei den Zeugen Jehovas sehen, sondern, wie gesagt, bei jeder organisierten Einrichtung. Ob du Polizist bist, ob Soldat, ob Arzt, ob Lehrer, ob Richter oder auch Staatsanwalt, sie alle nehmen es als ihre Pflicht auf sich, einander zu schützen. Natürlich auch mit Blick auf ihr Gegenüber. Wenn ihnen jemand gegenübersteht, der ihnen überlegen ist, sich Gehör verschaffen kann, angesehen ist, so steht dieser über all diesen Organisationen. Doch gegenüber solchen wie uns sind sie bereit, jede Heldentat zu zeigen, zu behaupten, Schwarz sei Weiß, und um zu überzeugen, nötigenfalls sogar zu jeder gemeinen und niederträchtigen Hässlichkeit. Lasst euch bloß nicht durch ihre Ränge, ihre Etiketten, ihre Visitenkarten täuschen, sie sind Menschen und haben wie jeder Mensch dieselben Eigenschaften. Sie treten nicht nur die erhabenen und tugendhaften Dinge zu diesem Zweck mit Füßen, sondern im Gegenteil, indem sie auch die vernichten, die diese verteidigen, sagen sie «ich habe wieder eine Pflicht erfüllt» und schlafen ruhig in ihren Betten. Wenn sie das, was ich gesagt habe, nicht schaffen, ja, dann geht ihnen der Schlaf verloren. Kann er das Krumme nicht als gerade hinstellen, so ist das für ihn wie eine Niederlage und der Tod. Das Übermaß dieser Gefühle habe ich beim deutschen Volk und bei den Zeugen Jehovas oft gesehen. In unserer Türkei und in anderen Ländern gibt es das gewiss auch, aber meiner Meinung nach sind diese Eigenschaften bei den Menschen organisierter und straff disziplinierter Länder viel extremer und in einer Form, die eine teuflische Klugheit besitzt. Mit den Gedanken und Überzeugungen, die das Übermaß an Disziplin und Ordnung mit sich bringt – dienen diese, indem sie professionell betrügen, etwa dem Vaterland, retten sie ihre Religion, oder verteidigen sie gar Gott? Dabei ekelt sich Gott, und seht, was er sagt:
Du sollst nicht der Menge folgen zum Bösen; und du sollst in einem Rechtsstreit nicht aussagen, indem du dich nach der Menge richtest, um das Recht zu beugen; du sollst den Geringen in seinem Rechtsstreit nicht begünstigen. (Aus Mitleid für ihn Partei ergreifen)
Wenn du auf den verirrten Ochsen oder Esel deines Feindes stößt, sollst du ihn ihm unbedingt zurückbringen. Wenn du den Esel dessen, der dich hasst, unter seiner Last zusammengebrochen siehst, so sollst du dich davor hüten, ihn seinem Schicksal zu überlassen; du sollst ihn gewiss zusammen mit ihm befreien. …Halte dich fern von einer falschen Sache; und töte nicht den Unschuldigen und Gerechten… 2. Mose 23:2-7
Wenn in eurem Land ein Fremder bei dir als Gast weilt, sollt ihr ihn nicht bedrücken (in eine schwierige Lage bringen). Der Fremde, der bei euch als Gast weilt, soll unter euch wie ein Einheimischer sein, und du sollst ihn lieben wie dich selbst… 3. Mose 19:33
…Höret die Streitsachen zwischen euren Brüdern an, und richtet mit Gerechtigkeit zwischen einem Mann und seinem Bruder und dem Fremden, der bei ihm ist. Ihr sollt im Gericht die Person nicht ansehen; den Kleinen sollt ihr anhören wie den Großen. Ihr sollt euch vor keinem Menschen fürchten; denn das Gericht ist Gottes… 5. Mose 1:16-17
Gerechtigkeit und Recht üben ist dem HERRN wohlgefälliger als Schlachtopfer. Sprüche 21:3
Für die Versammlung (euch alle) soll eine Satzung gelten, für euch und für den Fremden, der bei euch als Gast weilt; wie ihr vor dem HERRN seid, so soll auch der Fremde sein. Ein Gesetz und eine Ordnung soll für euch und für den Fremden gelten, der bei euch als Gast weilt. 4. Mose 15:15-16
Wehe denen, die das Böse gut und das Gute böse nennen; die Finsternis zu Licht und Licht zu Finsternis machen; die Bitteres zu Süßem und Süßes zu Bitterem machen! Wehe denen, die in ihren eigenen Augen weise sind und sich selbst für verständig (klug, vernünftig, tüchtig) halten! (Jesaja 5:20-21)
Diese Verse, die ich nur aus sechs Stellen geschrieben habe, stehen in der heiligen Schrift der Christen, in der Tora. Von den Versen im Evangelium, in denen Jesus Christus davon spricht, alle Menschen ohne jeden Unterschied zu lieben, habe ich hier nicht einmal einen einzigen geschrieben. Wer lesen möchte, kann im Evangelium Verse wie Matthäus 5:43-48, Johannes 13:34; 15:16-17 und 1. Johannes 4:10-11 aufschlagen und nachlesen. Für viele Menschen ist es, das genaue Gegenteil von dem, was hier geschrieben steht, anzuwenden, manchmal neben der Liebe zu Vaterland und Nation, geradezu eine Pflicht, die unbedingt erfüllt werden muss! Doch alle nehmen dabei zur Lüge, zum Betrug, zur Falschheit Zuflucht. Denn selbst wenn ihre eigenen geschriebenen Gesetze sie in dieser Richtung nicht unterstützen, ist das Feuer, das im Innern ihres Richters, ihres Staatsanwalts, ihres Anwalts brennt, leider nicht auf die Gesetze, auf die Gerechtigkeit ausgerichtet, sondern es zwingt und tritt die Gesetze und die Gerechtigkeit mit Füßen. Das Wort «alle», das ich hier verwende, ist nur im allgemeinen Sinn gemeint; denen zu begegnen, die außerhalb meiner Verallgemeinerungen stehen, ist wirklich sehr schwer. Zu sagen, es gebe sie nicht, wäre Kopflosigkeit. Nicht jeder Mensch verkauft sich. So zahlreich, wie in Hitlers Deutschland diejenigen waren, die sich gegen die Nazis stellten, so zahlreich sind in den von mir geschilderten Zuständen diejenigen, die für Wahrheit und Gerechtigkeit sind. Das heißt, so wenige, dass man sagen könnte, es gibt sie gar nicht. Denn für die Deutschen, besonders in dieser letzten Zeit, liebt derjenige, der einen Ausländer verteidigt oder sich gegen die Anschuldigungen stellt, die selbst unter Nachbarn hinter dessen Rücken erhoben werden, offen sein Vaterland und seine Nation nicht und ist ein Verräter. Um die Ausländer und besonders die Türken in jeder Hinsicht schlechtzumachen, muss sich, wenn eine Person Deutscher ist, auch sie daran beteiligen. Auch das ist eine Regel geworden, die sich die Gesellschaft selbst gesetzt und mit der Zeit rasch entwickelt hat. Auch die Menschen, die keinen Anteil an diesen hässlichen, unmenschlichen Ungerechtigkeiten haben, schweigen. Sie denken: «Warum soll ich mir ohne Grund Zorn und Hass auf mich ziehen?» Sie wenden ihren Kopf ab und schauen nicht dorthin, sie halten sich die Ohren zu und wollen diese Dinge nicht hören. Und jeder Mensch hat ohnehin seine Fehler und Irrtümer. Meiner Meinung nach wird weder das Vaterland noch die Nation gerettet, indem man das Vergrößerungsglas nur auf eine bestimmte Klasse hält und über sie negativ redet. Doch wenn wir auf die Geschichte schauen, sind jenes Vaterland, jene Nation, jene Religion mit dieser Gesinnung eines Tages zusammengebrochen und untergegangen. Und selbst wenn sie nicht untergehen, zahlen sie einen furchtbaren Preis dafür und erleben Hass.
Auf dem Flughafen unterhielt ich mich mit einem deutschen Touristen, der aus der Türkei zurückkam. Es war ein Mann von 55-60 Jahren, allein. Ununterbrochen machte er die Türkei schlecht. Nein, im Hotel hätten sie ihm nicht ein Zimmer mit Meerblick, sondern eines zur Rückseite gegeben, und er habe erst durch Streiten doch noch ein Zimmer mit Meerblick bekommen. Da wir im selben Hotel wohnten, weiß ich es, sie hatten mir dasselbe angetan, und ich hatte nichts gesagt. Nein, der Kellner habe Messer und Gabel gebracht, aber keinen Löffel. Er aber vertrage solche Dinge überhaupt nicht. Das erzählte er mir. Von dem Meer, das er all die Tage, die er dort war, von seinem Zimmer aus sah, von dem Essen, das er zu einem Preis, den man umsonst nennen könnte, unzählige Male beim Schlangestehen aß, von der Geduld, mit der das Personal auf jede seiner Nörgeleien reagierte, vom Komfort des Hotels, erzählte er überhaupt nichts. Weil ja dieser König dorthin gekommen war, mussten sie ihm ja notgedrungen so dienstbeflissen und sympathisch begegnen. Diese Denkweise und Erwartung. Bitte, jemand soll mir sagen, worin sich dieser Mann von den Türken unterscheidet, die wir in Deutschland die schlimmsten nennen. Sein Charakter, seine Unersättlichkeit und seine Nörgeleien sind meiner Meinung nach viel schlimmer. Zu sagen, dass die Türken, wenn auch nur sehr wenige, manchmal viel anständiger sind als sie, hieße Partei zu ergreifen, deshalb sage ich es nicht. Der eine ist Tourist, der andere ausländischer Arbeiter, Sklave. Und dazu von den offen unterdrückten Arbeitern. Ich verteidige nicht den Türken, und ich will auch den Deutschen nicht mit Lug und Trug loben, aber worin besteht der Unterschied? Wenn das, was Menschen verschieden macht, ihre Rassen, ihre Nationalitäten, ihr Geld, ihre Etiketten sind, dann machen diese den Menschen, selbst wenn das ein Unterschied ist, weder menschlich noch unmenschlich. Was einen Menschen zum Menschen oder der Menschlichkeit beraubt macht, sind ihre Eigenschaften. Wenn wir die Bewertung nach den gezeigten Eigenschaften vornehmen wollen, ist es unmöglich, in einem ganzen Staat oder als Nation auf unserer Welt rechtschaffene, ehrliche, gerechte, barmherzige, liebevolle Menschen zu finden. In allen gibt es mehrheitlich schlechte, und die Guten sind eine kleine Minderheit. Und dieser Zustand hat nichts mit Rasse und dergleichen, mit Kultur, mit Farbe, mit der Form des Haares zu tun. Nur die Umstände versetzen die Menschen in Veränderung. Doch am meisten sind die Rassen- und Hautfarbenunterschiede, der faschistische Nationalismus aus irgendeinem Grund immer ein Schmutz, der von diesen Christen ausgegangen ist. Die jahrhundertelange Sklaverei gegenüber den Schwarzen in Amerika, die Unterdrückung und ihre Ermordung, die Versuche der Deutschen, die Juden, Zigeuner, Alten, Behinderten allesamt zu vernichten, der Sklavenhandel, der Menschenraub, die Weltkriege – ich glaube, es wäre keine Lüge zu sagen, dass diese im Allgemeinen immer die Machwerke dieser Christen sind. Die Sklaverei gibt es vielleicht schon, seit sich die Menschheit auf der Erde auszubreiten begann, doch ausgehend von der Richtung des Glaubens, den die Christen haben sollten, möchte ich ihre in dieser Hinsicht gezeigten, völlig entgegengesetzten Bestrebungen zur Sprache bringen. Manche Muslime führen den Grund für diese Feindschaft, die sie von den Christen erfahren, auf ihre eigene islamische Religion zurück. Auch wenn es diese Ausrede gibt, so beruhte doch der Hass, den die Schwarzen in Amerika, obwohl fast alle von ihnen Christen sind, seit Jahrhunderten erfuhren, nicht auf einem Religionsunterschied. Auch der Erste und der Zweite Weltkrieg fanden mehrheitlich zwischen christlichen Ländern statt. Wiederum machte sie die Zugehörigkeit zur selben Religion nicht zu Freunden. Auch bei dem an den Juden verübten Völkermord waren viele Juden Christen. Dass die Trennungen, die Feindschaft, der Hass, der Groll unter den Menschen etwas ist, das die Religiösen gesät oder stets unterstützt haben, ist gewiss; doch in der Geschichte haben sie, während sie diese Dinge im Sinne ihrer politischen Interessen taten, nicht unbedingt darauf geachtet, ob die Menschen derselben oder einer anderen Religion angehörten. Im Sinne ihrer Interessen, ihrer Ängste haben sie stets jeden Schmutz verübt. Wenn wir auf die Vergangenheit schauen, sehen wir, dass sie solche Früchte hervorgebracht haben. Seht, was Jesus Christus über solche wie sie gesagt hat:
«Hütet euch vor den falschen Propheten! In Schafskleidern kommen sie zu euch, im Innern aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Kann man von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen lesen? So bringt jeder gute Baum gute Früchte, aber der schlechte Baum bringt schlechte Früchte.
Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen. Und ein schlechter Baum kann keine guten Früchte bringen. Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. So werdet ihr die falschen Propheten an ihren Früchten erkennen. Nicht jeder, der zu mir ‹Herr, Herr!› sagt, wird in das Königreich der Himmel eingehen, sondern nur der, der den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: ‹Herr, Herr! Haben wir nicht in deinem Namen prophezeit? Haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Wundertaten vollbracht?› Und dann werde ich ihnen offen erklären: ‹Ich habe euch nie gekannt. Weicht von mir, ihr, die ihr Gesetzlosigkeit tut!›» (Matthäus 7:15-23)
Nachdem ihr diese Worte gelesen habt, fragt euch gerechterweise selbst: Welche Religion auf der Erde hat wohl im Einklang mit diesen Worten gute Früchte gebracht? Ich sage offen «keine einzige». Selbst wenn es welche gab, die einen guten Anfang machten, sind am Ende alle von dieser Welt besiegt worden. Ob gewollt oder ungewollt, eines Tages sind sie von Gott und von seinen Geboten abgewichen.
Manche Menschen vertreten die Ansicht, dass der Hass aus den in der Vergangenheit begangenen Ereignissen herrührt. Freilich haben die Menschen nie Schwierigkeiten gehabt, immer einen Grund zum Hassen zu finden, doch auch dessen Ursache liegt nicht unbedingt in der Vergangenheit. Wenn wir wieder an die schwarzen Sklaven in Amerika und die Türken in Deutschland denken, haben diese beiden Nationen in der Geschichte nichts getan, was es erforderlich gemacht hätte, dass man sie hasst. Im Gegenteil: Da die Türken als Land immer mit den Deutschen zusammen dasselbe Los erlitten, wurde der Türke sein Unheil nicht los. Die Schwarzen aber wurden aus ihrer eigenen Heimat gestohlen und, indem sie den niederträchtigsten Dingen ausgesetzt wurden, die man nicht einmal den Tieren antut, die wir schädlich nennen, jahrhundertelang gezwungen, in jenen Ländern zu leben, in der Sklaverei. Die Männer hatten weder einen Krieg gegen jenes Land geführt noch sich jenen Menschen gegenüber schlecht verhalten. Wenn sie etwas Böses taten, dann geschah es, um als Sklave ihr Leben zu retten, um der Freiheit willen zu fliehen, oder um zu stehlen, wenn sie hungrig und hilflos waren. Wenn viel später, nach der den Schwarzen gewährten Freiheit, durch den Hass der Weißen die Gesetzlosigkeit zwischen ihnen und den Schwarzen immer mehr zunahm, so geschah auch das dadurch, dass die Gesellschaft diese Menschen hinausstieß und wiederum durch ihren Hass. Wie das Leben der Türken in Deutschland. So sehr die deutsche Gesellschaft die Türken auch bedrängte, wie sehr sie ihnen das Leben bitter machte und sie verachtete, sie wurden erstaunlicherweise weder Feinde, noch hatten sie es satt, in Deutschland zu leben. Doch die meisten wurden in jener Gesellschaft zum Problem. Würde man einem Deutschen, einem Amerikaner, einem Engländer dasselbe antun, würden auch sie in jener Gesellschaft zum Problem. Diejenigen aber, die das eigentliche Problem sind und in der Menschheitswelt Probleme schaffen, waren stets die Nationen jener Gesinnung, die diese Menschen in Klassen einteilt und erniedrigt. Ohne jeden Grund zu hassen, indem sie auf den Typ, die Gestalt, den Rock, das Haar, das Kopftuch der Menschen schauen, das sind die triftigsten Gründe, die sie verteidigen. Diese hässliche Seite der Menschheit habe ich nie verstehen können. Weil die Kurden angeblich in der Türkei erniedrigt würden, begannen sie, indem sie Unterstützung von Deutschland, England, Frankreich und all den anderen europäischen Ländern erhielten, einen Krieg. Viele von ihnen warfen in der Türkei Bomben und flüchteten in diese Länder. Wenn der Grund für ihre Flucht wirtschaftliche Not ist, verstehe ich das, aber wenn es das Problem der Ausgrenzung von Menschen ist, das eben verstehe ich nicht. Der Kurde konnte in der Türkei mit der Jacke über der Schulter, dem Rakı in der Hand, mit seinen spitzen Schuhen, deren Absätze er niedertrat, grölend durch die Straßen ziehen. Soll er das mal in Deutschland, in England tun! Ich habe nicht gesehen, dass irgendeinem von ihnen eine solche Freiheit gewährt worden wäre. Ihr werdet sagen: «Eine solche Freiheit gewähren sie nicht einmal ihrem eigenen Volk, wie sollten sie sie dem Kurden gewähren?» Ja, ja, aber für den Kurden bedeutete diese Verhaltensweise für ihn Freiheit. Das fand er, als er in der Türkei war, aber in jenen Ländern, in die er flüchtete, fand er es nicht. Er aß Fleisch, sein Bauch wurde satt, er kaufte ein Auto und stieg in einen Mercedes, aber lacht sein Gesicht? Bringt der Deutsche oder der Engländer dein Gesicht zum Lachen? Nur solange du weinst, ist ihnen wohl ums Herz, wenn du anfängst zu lachen, hassen dich zuerst all diese Völker. Es kann selbst nicht lachen, wie sollte es ertragen, dass du lachst? Was tut jene Nation, wenn sie sieht, dass es dem Mann, den sie als Sklave, als Arbeiter, als bedürftigen Esel in ihr Land geholt hat, mit der Zeit gut geht, und besonders wenn sie sieht, dass manche in eine bessere, glücklichere Lage geraten als sie selbst? Sie verbrennt sie in Öfen, in Backöfen und macht Seife. Und tatsächlich haben sie das getan. Wie gesagt, die Zeit hat nichts verändert. Der Hass ist nicht im Innern der Menschen, der Hass wird den Menschen gelehrt. Was auch immer sie sagen mögen: Obwohl in den Büchern, an die sie glauben, das genaue Gegenteil geschrieben steht, gehen diese Feindschaften meist immer von den sogenannten christlichen Ländern aus. Hilf einem Deutschen und gib ihm, wenn er bedürftig ist, etwas; wenn du, der du das tust, ein Ausländer bist, hasst er dich am meisten. Er sieht sich, als wäre er sehr weit unten. Der Tod käme ihm vielleicht nicht bitterer vor. Was es in dieser Hinsicht an ekelhaften Gefühlen gibt, das haben sie einander eingeimpft. Ich habe mich bemüht, mich selbst in dieselben Gefühle zu versetzen, mit dem Gedanken «denke ich etwa auch so?». Freilich ist für eine Gesellschaft, die nach der Philosophie in Hitlers Buch «Mein Kampf» erzogen wurde, all das normal.
In unser Haus kamen Frauen, um meiner Mutter zu helfen. Ich spreche sie als Helferinnen an, denn das Wort Dienerin haben wir nie benutzt. Obwohl niemand dieses Wort verboten hatte, war es für uns wie eine Sünde. In unserem Haus hatten wir stets solche Bediensteten. Wir haben mit der Zeit gesehen und gehört, dass jene Menschen viel reicher wurden als wir. Ja, ich kann das Geld, das mir eine von ihnen in einer sehr schwierigen Lage als Student gab, immer noch nicht vergessen. Ich sah das nicht als eine Erniedrigung gegen uns, sondern als eine Ehre. Das heißt also, wie viel Liebe wir jenen Menschen ins Innere gegeben haben, dass sie mir, ohne irgendetwas zu erwarten, eine solche Zuneigung zeigte, und zwar ohne dass ich sie darum gebeten hätte. Gut zu handeln und statt des Hasses die Liebe der Menschen zu gewinnen, macht mich glücklich, deshalb freue ich mich darüber. Was wäre, wenn jene Person mich in einer schwierigen Lage verflucht und beschimpft hätte? Und wäre es besser, wenn sie sagen würde: «Was habt du und ihr mir alles angetan, jetzt finde du auch dein Unheil»? Natürlich werde ich mich nicht über meine Armut, mein Elend, mein Unglück freuen. Doch jenen Menschen, der mir geholfen hat, zu hassen, weil er einst bei uns gedient hat, kommt mir weder in den Sinn noch sonst irgendwohin. In der Türkei, in der ich gelebt habe, und nach meinen eigenen Eindrücken habe ich kaum einen Menschen gesehen, der aus diesem Grund jene Person hasst. Gibt es sie nicht? Es gibt sie gewiss, aber ich habe sie nicht gesehen, man muss suchen. Doch wenn du in Deutschland lebst, siehst du sie überall, darin liegt der Unterschied. Und weil das so ist, sind die Deutschen stolz und ehrenhaft, und ich bin stolzlos und ehrlos? Seht, gerade bei diesen beiden Begriffen muss man unbedingt verweilen.
Zunächst einmal hasst Gott das, was man Stolz nennt, am meisten. Als ich das zum ersten Mal in der Heiligen Schrift las, war ich sehr erstaunt. Dabei ist das Erste, was einem Menschen jeder Gesellschaft gelehrt wird, der Stolz. Verwechseln wir nicht Stolz und Hochmut mit Ehre, Würde und Anstand. Diese haben eigentlich weder von Nahem noch von Ferne Verbindungen, die auf dieselbe Bedeutung hinauslaufen. Denen, die es nicht wissen, mögen sie wie dieselben oder miteinander verbundene Dinge vorkommen, doch es sind verschiedene Begriffe.
Im Wörterbuch Stolz (gurur): 1. Das Gefühl des Menschen, sich selbst wertzuschätzen 2. Sich groß machen, sich brüsten, Anmaßung, während erklärt wird;
Würde (onur): 1. Der Respekt, den der Mensch sich selbst gegenüber empfindet (bedeutungsgleich mit Würde, Selbstachtung) 2. Der Wert und das Verhalten, das andere einem Menschen gegenüber zeigen: Zum Beispiel, ihm zu Ehren wird ein Essen gegeben. (Grundlegendes Türkisches Wörterbuch, Kemal Demiray)
Dieses im Wörterbuch unter dem Namen Stolz stehende «Gefühl des Menschen, sich selbst wertzuschätzen» und der «Respekt, den der Mensch sich selbst gegenüber empfindet» bei der Würde sollen bloß nicht so erscheinen, als wären sie dasselbe. Während in dem Respekt, den der Mensch sich selbst gegenüber empfindet, Würde und Ehre liegen, ist die Selbstwertschätzung des stolzen Menschen nur in einem selbstsüchtigen und egoistischen Sinn gemeint. Wer sagt ‹Das ist nicht so›, der kennt eben die Bedeutung von Stolz nicht.
Wenn ihr aufmerksam wart: Der Stolz ist immer in negativer Richtung ein an sich selbst denkendes, sich selbst gefallendes, selbstsüchtiges Gefühl; daneben aber wird die Würde bedeutungsgleich mit Respekt erklärt. Während der Respekt des Menschen sich selbst gegenüber, seine Würde und seine Ehre jene Person dazu bewegen, tugendhafte, wertvolle, barmherzige, liebevolle, gerechte, kurz gesagt erhabene Dinge zu tun, spricht der Stolz, was auch immer er einen tun lässt, stets nur die selbstsüchtigen Gefühle jener Person an. Von der Selbstgefälligkeit an bis hin dazu, sogar alle erhabenen Werte mit Füßen treten zu lassen, liegt unter diesem Gefühl der Stolz, der Hochmut. Die Würde ist geduldig, ist beständig, sie erträgt und ist barmherzig. Sie ist verständnisvoll, sie erbarmt sich, sie liebt, denn die Würde ist nicht ein bloß an sich selbst denkendes, selbstsüchtiges Gefühl. Der Stolz aber, ganz im Gegenteil, stirbt, tötet, erbarmt sich nicht, ist nicht barmherzig, und selbst wenn er liebt, erstickt er die Liebe in seinem Innern. Es ist ein Gefühl, das stets dazu neigt, alle guten und tugendhaften Eigenschaften mit Füßen zu treten. Während die Würde demütig ist, ist der Stolz wiederum umgekehrt bedeutungsgleich mit Hochmut, hochmütig, selbstgefällig. In dem deutschen Wörterbuch, in das ich außer dem türkischen Wörterbuch schaute, wird der Stolz zugleich als «die Freude über eine gezeigte Leistung» erklärt. (Eine Wörterbucherklärung nach deutschem Denken, aber wahr. Denn sie sind genau in diesen Gefühlen.) Zum Beispiel eine Freude, die man empfindet infolge des Sieges seiner selbst oder der Sportmannschaft, des Sportlers/der Sportler, für die man ist. Oder auch der Stolz, den man über den Erfolg der eigenen Tochter/des eigenen Sohnes empfindet, kann die Freude jener Person bedeuten. Der Stolz, den man über die gezeigte Leistung seines Landes empfindet, der Stolz, den man über den von seinem Land gewonnenen Krieg empfindet, und natürlich die Freude darüber. Bis auf eines dieser Beispiele steht keines im Wörterbuch. Ich habe jedoch die Beispiele, anknüpfend an die Erklärungen, vermehrt, damit es uns leichter fällt zu verstehen. Dem Anschein nach kommen einem diese Sätze wie vernünftige und angemessene Gefühle vor. Das darunter liegende hinterhältige Gefühl aber rührt stets wiederum daher, dass wir uns selbst gefallen. Das Ziel ist, die Ehre auf uns selbst zu ziehen. Auch wenn niemand das bemerken muss, sind unsere Gefühle in diese Richtung gerichtet. Wenn zum Beispiel ein Vater sagt, dass er wegen der sehr guten Noten, die seine Tochter/sein Sohn nach Hause bringt, «stolz auf ihn ist», so ist das nach der überall in der Welt vermittelten Erziehungsmoral normal. Dabei müsste jene Person, wenn ihr Stolz Gefühle sind, die ihre Freude ausdrücken, sich zugleich über den Erfolg des Sohnes und der Tochter aller anderen freuen, stolz darauf sein, oder nicht? Wenn sie alle Mitglieder einer Gruppe, Zweige einer Organisation sind, demselben Sportverein angehören, ist es tatsächlich manchmal so. Doch wenn die Tochter oder der Sohn von jemandem, mit dem man keinerlei Beziehung hat, ja von einer Nation, einer Person, die man nicht mag, einen Erfolg gezeigt hat, kann diese Person dann immer noch sagen, dass sie stolz auf sie ist? Ganz im Gegenteil, der Stolz, den sie besitzt, wird sie diesen Personen gegenüber zorniger und hasserfüllter machen. Ob Sohn oder Tochter, ob Frau oder Ehemann, oder unsere Verwandten – der Stolz, den wir über diese empfinden, ist wiederum nur auf unsere eigene Ehre gerichtet, er hängt nicht unbedingt allein davon ab, dass wir sie lieben. Die Person, die am meisten von jemandem, den sie erhöhen will oder der erhöht wurde, unbedingt einen Anteil haben will, tut dies mit dem Gefühl und dem Wunsch, stolz zu sein. Und damit will sie eigentlich auch sich selbst erhöhen.
Denkt an die Sportwettkämpfe. Und besonders wenn von Fußball die Rede ist, kommen einem sofort die Nationalmannschaften und die Weltmeisterschaft in den Sinn. Die Deutschen sind in dieser Hinsicht überaus feurig. Ich bin in diesem Alter angelangt und habe kein einziges Mal gesehen, dass jemand für die gegnerische Mannschaft oder die eines anderen Landes wäre, weil sie anständiger, besser spielt. Stellt euch vor, es gibt eine so anständige Mannschaft, und all ihre Fußballer haben viel überlegenere Fähigkeiten, und die Deutschen fallen auseinander und spielen sehr unanständig mit Fouls. Selbst in einer solchen Lage ist kein Deutscher für die andere Mannschaft und sagt das auch nicht. Das ist für sie ein furchtbarer Vaterlandsverrat. Täte er das im Stadion, käme er auch von dort nicht lebend heraus. Das gilt nicht nur für die Deutschen, sondern für jede Nation, auch wenn die Form etwas anders ist, ist es dasselbe. Ich hatte gesagt, dass der Stolz im Wörterbuch als «manchmal die Freude über eine Leistung» dargestellt wird, dass aber diese Freude in Wirklichkeit stets selbstsüchtig und einseitig ist. Für den stolzen Menschen wird es nur dann eine Freude, wenn die Mannschaft, der Sportler, der Soldat, was auch immer, für die er ist, die er ersehnt, die er will, die er liebt, seines Landes, einen Erfolg zeigt. So anständig, gerecht und im Recht, so begabt, so rechtschaffen die Gegenseite auch sein mag, von Freude ganz zu schweigen, gerät der stolze Mensch, weil er sich angesichts dieser tugendhaften Eigenschaften noch mehr erniedrigt sieht, in einen noch viel größeren Hass gegen jene Seite.
Wenn ich mich nicht irre, hat bei einem Weltmeisterschaftsspiel nach der Niederlage der Deutschen ihr Trainer wütend sofort das Spielfeld verlassen und ist gegangen. Dabei brauchten jene Jungen ihn gerade jetzt. Vor vielen Jahren hatte auch sein Vorfahr Hitler bei einem Spiel nach der Niederlage der Deutschen die Tribünen verlassen! In der gesamten Weltpresse wurde dieser Vorfall über jenen Trainer in negativer Weise beschrieben. Was diesen Mann zu dieser Verhaltensweise brachte, ist allein der Stolz.
Stellt euch wieder vor, euer Sohn spielt Fußball. Wegen eines Fehlers von ihm verliert die ganze Mannschaft das Spiel. Was sagt ihr als Vater oder Mutter zu eurem Kind? Wenn das Spiel wegen seines Erfolgs gewonnen worden wäre, war klar, was ihr sagen würdet. Es war sehr wahrscheinlich, dass ihr ihn umarmt und sagt: «Als dein Vater (oder deine Mutter) bin ich stolz auf dich.» Dabei bereiten wir mit diesen Worten offen den Weg, uns selbst zu erhöhen und, ohne es zu merken, jenes Kind in den Boden zu stampfen. Was soll das denn heißen, hätten wir uns beim Gewinnen, während wir uns rühmten, sein Vater zu sein, beim Verlieren geschämt? Oft, unklug, setzen wir unseren Kindern solche Vorstellungen in den Kopf. Nehmen wir an, diesmal lief es schlecht, und das Spiel wurde verloren, und zwar wegen des Fehlers eures Kindes. Euer Kind ist ohnehin traurig, und auch die Mannschaftskameraden murren gegen es. Selbst wenn ihr es nicht unbedingt anschreien müsst – und es gibt viele Väter, die das tun –, sagt zumindest auch ihr in einem traurigen Zustand schweigend oder höchstens widerwillig Trostworte. Dabei ist das alles für einen tugendhaften, würdevollen Menschen gar nicht wichtig. Selbst wenn es verliert, wird jenes Kind weiterhin geliebt, und auch die Siegesfreude der anderen Mannschaft wird gemeinsam geteilt. Denn dies ist ein Sport, und unbedingt wird eine Seite verlieren und die andere Seite gewinnen. Und wenn das Ziel einzig und allein der Sieg ist, dann soll niemand an Sportwettkämpfen teilnehmen. Denn die Goldmedaille oder der Pokal wird nur einer Seite gegeben. Wenn dies für die Übrigen Stolz oder Tod bedeutet, dann soll man diese Sache gar nicht erst beginnen. Doch wenn das Ziel die Freude an jenem Sport ist, erlebt die Person dieses Gefühl ohnehin, solange sie jenes Spiel spielt. Ob sie verliert oder gewinnt. Wenn der Stolz das Teilen der Freude ist, warum ist er immer mit dem Sieg, dem Erfolg bestimmter Personen verbunden? Es gibt auf unserer Welt so viele Spiele, Vergnügungen, Hochzeiten, Ausflüge und Hobbys, dass wir, wenn das Ziel weniger das Vergnügen ist als vielmehr, überall und in allem der Erste zu sein, dann von allem die Hände und Füße lassen sollten. Nehmen wir gar nicht erst an jenen Marathonläufen teil, an denen zehntausende, hunderttausende Menschen auf einmal teilnehmen. Fangen wir mit keinem einzigen von all den aufzählbaren Sportarten an. Denn ich sage es wieder, jene größte Medaille wird nur einer gewinnen. Vielleicht werdet ihr sagen: «Die Fußballer machen das gegen Geld, und zwar gegen großes Geld, das kann man nicht so wie ein Hobby sehen.»
Erstens hat der Zuschauer jenen Fußballer, der so viel Geld verdient, reich gemacht. Gäbe es überhaupt keine Zuschauer, könnte auch der Fußballer kein Geld verdienen. Nun, welches Kind hat angefangen, Fußball zu spielen, um später auf diesem Weg Geld zu verdienen? Lasst die Kinder beiseite, was, denkt ihr, ist der Grund, dass gestandene alte Männer Stadtteilmannschaften gründen, nach einer anstrengenden Arbeit ständig trainieren und am Wochenende bei Regen und Schlamm zum Spiel gehen? Diese Menschen bestreiten dann auch noch alle Kosten aus der eigenen Tasche. Gewiss dreht sich im Sport furchtbares Geld. Deshalb vernichtet unsere Welt viele wertvolle Menschen, begabte Menschen. Wenn der Sport in unseren Augen wie der Kampf der Gladiatoren in den alten römischen Arenen geworden ist, ist das unsere Schuld. Der Grund dafür, dass wir seine Gefangenen werden und die Gefühle, die man Freude nennt, vernichten, ist unser Stolz. Freilich ist nicht jeder so roh wie jener deutsche Trainer. Deshalb bemühen sich die Mannschaften, am Ende des Spiels durch Vorführungen wie Trikottausch und gegenseitiges Umarmen auszudrücken, dass sie ihre Freude teilen. Auch wenn das oft nur eine Show ist, wird es gemacht. Kurz gesagt: Der Stolz ist nur selbstsüchtig, ist hässlich, denkt an sich selbst. Ob es um sein Kind geht oder um sein Land oder um ein Spiel zwischen Stadtteilmannschaften; der Stolz ergreift stets Partei und sucht am Ende seine eigene Ehre, der Liebe aber gibt er überhaupt keinen Raum.
«Freut euch mit den Fröhlichen; weint mit den Weinenden», so steht es im Evangelium im Buch der Römer in den Versen 12:15. Hier ist kein Raum für Stolz.
Wenn man die Sache von einer anderen Seite betrachtet und ihrem Ursprung auf den Grund geht, spielt bei solchen Dingen eigentlich außer dem Stolz auch das Parteiergreifen eine große Rolle. Unsere Welt erzieht die Menschheit stets mit der Gesinnung, Partei zu ergreifen. Ihrer Ansicht nach muss man, selbst wenn es schlecht ist, unbedingt für irgendeine Seite Partei ergreifen. Von der Politik, vom Nationalismus an bis hin zur Familie, die man die kleinste Einheit der Gesellschaft nennt, müssen die Menschen füreinander Partei ergreifen. Wir werden mit Lehren genährt wie «Nichts kann so schlecht sein wie ein Mensch, der nicht Partei ergreift» und «Die größte Charakterlosigkeit ist die Unparteilichkeit». Doch es gibt eine Wahrheit, und die ist, dass Parteiergreifen den Menschen blind macht. Unter dem Parteiergreifen liegt in Wirklichkeit ohnehin die Aufforderung «sei blind». Natürlich dürfen bei dieser Blindheit von wem auch immer, für dessen Seite man ist, welche Gruppe, Partei, Mannschaft, Nation, Armee, Familie, welcher Chef auch immer es ist, all ihre Fehler, Verkrümmungen, Schmutzereien, Hässlichkeiten nicht gesehen werden. Und wenn selbst die Gefahr besteht, dass es von jedem gesehen wird, muss auch das zugedeckt werden. Menschen, die Partei ergreifen, lassen sich sehr leicht lenken. Denn so wie es leicht ist, einen blinden Menschen auf den falschen Weg zu lenken, so ist es auch damit. All jene Mittel, die wir Medien nennen – Zeitung und die gesamte Presse, Radio, Fernsehen –, verschaffen große Leichtigkeit dabei, die parteiergreifenden Menschen als ganze Masse dorthin zu lenken, wohin man will. Der Geist, der das ganze Volk eines Landes in Hitlers Deutschland in einem einzigen Gedanken und Hass vereinte, wurde durch das Parteiergreifen und Parteinehmen-Lassen verwirklicht. Auch wenn die Worte jener Menschen in den Nachkriegsgerichten wie «wir wussten von nichts, wir haben nichts gesehen» im wörtlichen Sinne Lügen waren, waren sie im geistigen Sinne wahr. Da sie nicht hören, wissen, sehen wollten, hatten sie an einer Stelle auch die Wahrheit gesagt. Da diese Wahrheiten den Herrschenden gut bekannt sind, schüren sie, ganz zu schweigen vom Parteiergreifen, die Gesellschaft auch noch offen dazu an, bestimmte Gruppen mit bösem Blick zu betrachten. Dabei macht das Parteiergreifen nicht nur unsere Sehfähigkeit blind, sondern auch die anderen Organe, mit denen wir die Fähigkeit zum Empfinden und Wahrnehmen besitzen. Freilich wollen die Herrschenden, die die Welt um den Finger wickeln wollen, eben genau das. Denn eine blinde Gesellschaft dorthin zu ziehen, wohin man will, ist viel leichter.
Selbst ein gewöhnlicher Mensch hat mit Worten wie «wenn der Freund, mit dem ich ausgehe, meine Fehler nicht durchgehen lässt, ist dieser Mann für mich kein Mann» hier das Parteiergreifen eines guten Freundes oder Kameraden gemeint. Verbinden wir dies bloß nicht mit Dingen wie Hilfe leisten, Mitgefühl zeigen, Opferbereitschaft. Es gibt Menschen, die ergreifen nicht Partei, aber sie geben für die Menschlichkeit sogar ihr Leben hin. Lasst uns zum Beispiel an Ort und Stelle lesen, mit welchen Worten sich einem, den Gott wertschätzt, ja «sehr» wertschätzt, sogar seine Feinde nähern.
Als sie kamen, sagten sie zu ihm: Lehrmeister (Lehrer), wir wissen, dass du wahrhaftig bist und niemanden begünstigst; (nicht Partei ergreifst) denn du siehst nicht auf die Person der Menschen; du lehrst den Weg Gottes mit Wahrhaftigkeit. (Evangelium – Markus 12:14 und Lukas 20:21)
Auch wenn man es im Text nicht sofort bemerkt: Diese lobenden Worte sagten jener Person ihre Feinde. Was nennt man nach dem Verständnis in unserer Welt einen solchen Menschen? Wie konnte dieser Mensch, der auf niemandes Person schaut, unter den Menschen nicht Partei ergreift, sich ihnen aber mit Wahrhaftigkeit nähert, einer sein, den Gott sehr liebt? Solche Eigenschaften hassen wir, Gott aber liebt sie sehr. Um zu verstehen, dass es in unserer Zeit zwischen Gott und der Menschheit eine furchtbare Trennung gibt, braucht man, davon bin ich überzeugt, nicht einmal zu sehen. Selbst wenn wir blind sind, ist es klar genug, um es zu verstehen. Natürlich, wenn wir es denn verstehen wollen.
Von den Richtern in den Gerichten wird Unparteilichkeit erwartet. Sonst gibt es keine Gerechtigkeit. In Deutschland habe ich bei jedem meiner Prozesse mit Deutschen, so sehr ich auch im Recht war, ganz offensichtlich verloren. So sehr ich auch im Recht war, ich habe wieder verloren. Nur wenn ich mit einem Türken vor Gericht stand, dann handelten sie gerecht. Vor vielen Jahren wurden auch die unrechten Türken ins Recht gesetzt. Anfang der achtziger Jahre war ich beim Arbeitsgericht eines Freundes gewesen und habe das selbst erlebt. Obwohl er selbst wusste, dass er im Unrecht war, gab ihm das Gericht recht. Freilich war er rechtlich vielleicht im Recht. Und damals stand der kommunistische Block noch kerzengerade, und selbst wenn er Türke war, wurden den Arbeitern viele Rechte gewährt. Auch das war keine Gerechtigkeit. Wieder Dinge, die immer mit dem Parteiergreifen zu tun haben. Die Menschen mögen so laut schreien, wie sie wollen: «Wir ergreifen nicht Partei», sie können diese Gefühle nicht überwinden. Sie wollen sie auch gar nicht überwinden. Die Erwartung Gottes aber ist klar.
Ihr sollt kein Unrecht tun im Gericht; du sollst die Person des Geringen nicht bevorzugen und die Person des Mächtigen nicht ansehen. 3. Mose 19:15
Diese Worte sagen uns offen: Weder sollst du dich des Armen erbarmen, weil er arm ist, noch sollst du die Person eines angesehenen Mächtigen ansehen. Denn beides ist Parteiergreifen, und auch diese machen den Menschen blind. Der Zusammenbruch der Gesellschaften, das Misstrauen, der Hass, den Mut, das Böse zu tun, das schöpfen die Menschen aus diesen Dingen. Das deutsche Volk ist sich der Dinge, die ich hier geschrieben habe, noch nicht bewusst geworden. Wenn sie nach der Vereinigung von Ost und West und dem Abzug der Amerikaner erst einmal merken, dass die Gesetze auf parteiische Weise hinter ihnen stehen, dann wird die schwierige Lage der Türken viel schwieriger werden. Und tatsächlich ist es so gekommen. Deshalb haben Staaten und Nationen, indem sie die Gerechtigkeit fahren ließen und Partei ergriffen, indem sie nur für eine Seite Partei ergriffen und mit Unrecht die andere zertraten – ob dies nun türkisch-deutsche oder Mann-Frau- oder Schwarz-Weiß-Beziehungen betrifft –, indem sie die Gerechtigkeit mit Füßen traten, niemals selbst ihr eigenes Glück gesichert und konnten es auch nicht sichern. Vor dem Untergang jeder Nation, jedes Staates, jeder Herrschaft ist die Moral jener Nation, jenes Staates, jenes Herrschers zusammengebrochen.
Kommen wir wieder zum Thema Stolz und geben ein weiteres Beispiel über den Stolz, indem wir es aus dem Verständnis von Gastfreundschaft nehmen. Zum Beispiel ist nach dem Gastfreundschaftsverständnis eines Türken, eines Kurden oder eines anderen asiatischen Menschen das Richtige, dass sich der Gastgeber vor jenem Gast erniedrigt und dessen Diener wird. Er tut, was in seiner Macht steht, und will mit allem, was er nach seinen Fähigkeiten tut, den Gast zufriedenstellen. Selbst wenn nicht alle so handeln, ist dies für sie eine sehr richtige Verhaltensweise. Diese Verhaltensweise ist auch ein Gefühl, das ihn im Gewissen erleichtert. Daneben ist das Gastfreundschaftsverständnis eines Deutschen sehr anders. Selbst wenn ihr stundenlang wegen einer Angelegenheit von ihm in seinem Haus sitzt, will er nicht einmal einen Kaffee oder ein Wasser anbieten. Und wenn er es tut, lässt er merken, dass er es sehr widerwillig tut. Für einen Gast, besonders für einen, den er nicht kennt, an dem er kein Interesse hat, sich so herabzuwerfen und herumzulaufen und jener Person zu dienen, ist für diesen Deutschen eine furchtbar große Erniedrigung und Dummheit. Ihrer Ansicht nach sind das Dinge, die ein stolzloser Mensch tut. Natürlich erfordert es Großzügigkeit, etwas zu geben, und zu dienen ist das Gegenteil von Faulheit. Doch mehr als Geiz und Faulheit überwiegt das Gefühl des Stolzes alles. Der Deutsche aber brüstet sich damit, stolz zu sein. Sieht er einem gegenüber jemanden, der so dient, wird jene Person in seinen Augen sofort sehr klein. Sie wird nicht nur klein, er ekelt sich regelrecht vor ihr. Nicht weil ihm so gedient wird, sondern er ekelt sich davor, selbst so zu sein. Ihrer Ansicht nach ist der stolze Mensch wertvoll. Die Art, wie der Türke, der Kurde einen Gast empfängt, ist für ihn falsch und hässlich. Und umgekehrt ist es eine andere Wahrheit, dass sie wollen, dass sich alle ihnen gegenüber so demütig und dienstbereit verhalten. Diese dienstbeschaffene Verhaltensweise, die er selbst gern hat, dürfen ihrer Ansicht nach nur Personen niederer Klasse zeigen. Die können ohnehin nicht stolz sein. Der Stolz ist ein Geschenk, das nur den überlegenen Rassen gegeben ist. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sie sonntags, besonders wenn es dann noch sonnig ist, auf einmal 20-30 Kilometer lange Gesundheitswanderungen machen, während sie beisammen sind, ihrem Ehepartner, der aus der wenige Meter entfernten Küche ein Wasser oder ein Bier verlangt, sagen: «Geh und hol es dir selbst, und bring mir im Kommen auch eins mit.» Die Furcht, dass solche Wünsche der Ehepartner sich ihrer Ansicht nach in eine furchtbar schlechte Angewohnheit verwandeln könnten, liegt stets in ihrem Innern. Und ist er etwa ein Diener, dass er solche Dinge tut! All das sind immer die Früchte des Gefühls des Stolzes und beruhen niemals auf Liebe. Selbst wenn er von Herzen jene Sache tun möchte, bremst er sich mit Gewalt und tut es nicht. Sein Stolz lässt ihn das nicht tun. Wenn es selbst jemand ist, den er sich als überlegen ansieht, wegen einer Angelegenheit, wegen seines Interesses, oder den er liebt und kennt, befreit er sich vom Gefühl, sich durch Dienen zu erniedrigen, indem er ihn in ein Restaurant führt. Wenn seine Lage es nicht zulässt oder jene Personen es seiner Ansicht nach nicht wert sind, in ein Restaurant geführt zu werden, und er selbst vielleicht mindestens zehnmal im Haus jener Person bewirtet worden ist, so tut er es regelrecht wie zum Abzahlen einer Schuld an einem bestimmten Tag und lädt alle seine Bekannten, deren Schuld er aus Stolz begleichen will, am selben Tag ein, damit sie alle auf einmal abgehandelt sind. Dabei ist das Gastfreundschaftsverständnis, das in den Büchern steht, an die diese «sogenannten Christen» zu glauben behaupten, sehr anders. Denkt bloß nicht, dass ich das nur über die Deutschen sage. Ich glaube, dass ein Engländer, ein Amerikaner, ein Franzose oder die Menschen jeder reichen Nation im Allgemeinen so sind. Wenn eine Person als Mensch aus einem armen Land dort ein Reicher ist, dann wird auch sie so. Ob Kurde oder Türke, wenn auch sie reich sind, im Wohlstand leben, zeigen sie sofort mehr oder weniger die Eigenschaften jener Nationen, die wir die stolzen nennen. Denn mit dem Besitz von Reichtum ist auch ihr Herz nun erhaben geworden.
Daneben haben wir in der Heiligen Schrift auch gelesen, dass nicht jeder besitzende und reiche Mensch unbedingt stolz ist und es als Erniedrigung ansieht, anderen zu dienen. Eines der bekanntesten, berühmtesten Beispiele wird über Abraham, den Freund Gottes, berichtet. Als er in der brennenden Hitze des Ostens Menschen sah, die er überhaupt nicht kannte, steht er vor seinem Zelt auf und läuft und verneigt sich vor jenen Menschen und fleht sie an, bei ihm als Gäste einzukehren. Obwohl er viele Diener und Knechte hatte, sagt er, dass seine Frau die Brote, die für jene ihm völlig unbekannten Menschen gebacken werden müssen, backen soll. Die Eigenschaften dieses Menschen, von dem ich spreche, habe ich bei keinem Deutschen, unter denen ich fast 40 Jahre lebte, und selbst bei ihren strengen Frommen nicht gesehen. Diese Verhaltensweise Abrahams ist bei den sogenannten Christen keine Verhaltensweise, die Anerkennung findet, in Wahrheit ist das ihrer Ansicht nach Kriecherei. (1. Mose 18:2-8) Natürlich bringen sie das nie so offen zur Sprache. Ein stolzer Mensch sollte niemals solche Dinge tun. Das stimmt, denn der stolze Mensch tut solche Dinge ohnehin nicht. Wie gesagt, selbst wenn er wollte, könnte er es nicht. Bei all den Menschen, die wir Männer Gottes nennen, gibt es aber fast überhaupt keinen Stolz. Wann immer auch ihnen ein solches Gefühl kam, eben das hat sie ins Verderben, in ein Unglück geführt oder sie vom Schutz Gottes entfernt. (1. Samuel 18:6-9)
Der Stolz hat tatsächlich keine einzige positive Seite. Auch wenn der Stolz als ein nützliches Gefühl dargestellt wird, das die Menschen zum Kämpfen, für die Religion, für das Vaterland, für den Nationalismus, um Erfolg zu erlangen, in Bewegung setzt, ist dieses Gefühl eine Eigenschaft, die Gott hasst. Nicht nur Gott, auch die Menschen hassen es, dieses Gefühl bei einem anderen zu sehen, obwohl sie es selbst gern tun. Die größten Eigenschaften der Propheten sind, dass sie nicht stolz, sondern demütig sind. Auch in der Geschichte war die Eigenschaft der Menschen, die die größten vorbildhaften Namen gemacht haben, nicht der Stolz. Auch die Botschaft, die Gott uns durch den im Stall geborenen Jesus Christus gegeben hat, geht in diese Richtung. Während für uns Menschen ein Kind im Stall zu gebären nicht als Segen Gottes, sondern als Fluch bezeichnet wird, hat dieses Detail für Gott und seine Engel keinerlei Bedeutung. Ganz im Gegenteil, sie haben sich über die Werke Gottes und über jenen geborenen Menschen gefreut. (Lukas 2:1-14) Wir empfinden es, im Stall zu gebären, nicht nur wegen der Beschwerlichkeit, sondern weil wir es als Erniedrigung bezeichnen und es unserem Stolz nicht abgewinnen können, als einen Fluch. Auch viele Propheten haben – obwohl sie die Befugnisse hatten – es gegenüber Menschen, die sich ihnen gegenüber unklug groß machten, als eine furchtbare Sünde angesehen, sich dem Stolz hinzugeben. (Lukas 9:52-55) Sie wurden angespuckt, ausgepeitscht und verflucht, verfolgt, in Gefängnissen; Folter zu erleiden haben sie nicht zu einer Frage des Stolzes gemacht. Dabei waren all diese rechtschaffene, ehrliche, mannhafte, würdevolle Menschen. Der stolze, selbstgefällige Mensch muss eines Tages neben jeder Art von Hass und Beleidigung von anderen auch die Feindschaft einstecken. Auch dem demütigen, würdevollen Menschen kann dasselbe widerfahren. Der Unterschied ist: Der stolze Mensch bekommt, was er verdient, doch was dem würdevollen Menschen angetan wird, wird als Unrecht bezeichnet. Vor Gott aber geht der eine in Schande und Tod, während der andere zum ewigen Leben und zum Glück geht. Daniel 12:2
Seht, was Jesus Christus durch den weisen Salomo gesagt hat, lasst es uns an Ort und Stelle lesen:
Die Furcht des HERRN ist Hass gegen das Böse; Hochmut, Stolz, den bösen Weg und den verkehrten Mund hasse ich. (Sprüche 8:13) Über Stolz und Hochmut gibt es noch viele schöne Worte. Zum Beispiel:
Vor dem Zusammenbruch kommt der Hochmut, und vor dem Fall der hochmütige (stolze, selbstgefällige) Geist. Sprüche 16:18
Kommt der Stolz, so kommt auch die Schande; doch die Weisheit ist bei den Demütigen. Sprüche 11:2
Auch im Koran steht über den Stolz nichts Gutes. In manchen Übersetzungen der Heiligen Schrift wurde anstelle von Stolz das Wort Rühmen verwendet oder anstelle von Rühmen Stolz. Und manchmal anstelle von Stolz das Wort hochmütig werden. Das Wort, das mit Stolz verwechselt werden könnte und das zwei Bedeutungen haben kann, eine positive und eine negative, kann wohl nur «Rühmen» sein. Doch selbst wenn Rühmen manchmal in positivem Sinn verwendet werden kann, so finden wir auch dies beim Stolz nicht. Zum Beispiel kann sich der Mensch Gottes rühmen. Hier will man die Ehre dem geben, dessen man sich rühmt, seinen Eigenschaften. Nur muss man auch hier vorsichtig sein. Gott offenbart durch seinen Gesandten, dass er sagen soll, indem er auch beim Rühmen eine Grenze setzt:
Darum rühme sich niemand der Menschen… (1. Korinther 3:21) So spricht der HERR: Der Weise rühme sich nicht seiner Weisheit, und der Starke rühme sich nicht seiner Stärke, der Reiche rühme sich nicht seines Reichtums; sondern wer sich rühmt, der rühme sich dessen, dass er verständig ist und mich kennt, dass ICH der HERR bin, der Gnade (Güte, Gunst, Vergebung), Recht und Gerechtigkeit auf Erden übt; denn an diesem habe ICH Wohlgefallen, spricht der HERR. (Jeremia 9:23-24, Römer 2:23)
Diese Verse betonen uns gegenüber offen, dass wir uns nur des HERRN und der ihm zugehörigen Dinge rühmen können. Nun, kann man mit dem HERRN stolz sein? Eine solche Ausdrucksweise, die den HERRN mit dem Stolz verbindet, habe ich an keiner Stelle der Heiligen Schriften gelesen. Kurz gesagt, so etwas steht nicht geschrieben. Wieder, wie gesagt, weil im Stolz die Selbstsucht ist, doch der Unterschied zwischen der Person, die sich Gottes rühmt, und der Person, die mit Gott stolz ist: Der Stolze nimmt sich auch selbst einen Anteil an der Ehre, doch der, der sich seiner Werke rühmt, gibt alle Ehre, alle Herrlichkeit ihm, das heißt in diesem Fall Gott.
In den Heiligen Schriften haben manche Übersetzungen anstelle von Stolz wieder die Worte «sie wurden übermütig» verwendet. Sie haben damit, dass sie Stolz und Übermut in einer und derselben Bedeutung verwendeten, keinen großen Fehler gemacht. Und manchmal wurden anstelle von Stolz Wörter wie «sich groß machen», «Hochmut» verwendet, ja an einer Stelle wurde anstelle von «antwortet mit Stolz» der Ausdruck «antwortet hart» verwendet. (Sprüche 18:23) Dass der Stolz erbarmungslos ist, lässt sich auch aus solchen Übersetzungen erkennen. In einer anderen Übersetzung gibt es auch solche, die – wohl weil es im Einklang mit dem Satz stand – anstelle von Stolz das Wort «schamlos», also unverschämt, ungeniert, dreist, verwendet haben. Auch sehr richtig. Denn der stolze Mensch besitzt diese Eigenschaften. Selbst wenn sie uns von Geburt an den Stolz als ein sehr erhabenes, tugendhaftes Gefühl dargestellt haben, ist dieses Gefühl nach dem Verständnis Gottes tatsächlich etwas sehr Furchtbares. Der Stolz ist eine Ursache, die den Menschen in die Schande, in den Hass, in die Unanständigkeit, ja sogar in die Ehrlosigkeit treibt. Den Heeren, denen, die in den Krieg ziehen, denen, die Menschen töten werden, wird dieses Gefühl vorher in übermäßigem Maße gegeben. Die Hässlichkeiten, die dort verübt werden können, sind nur möglich, wenn man dieses Gefühl besitzt. Der Stolz, der nach den Heiligen Schriften auch bedeutungsgleich mit dem Sich-Erheben des Herzens ist, ist die größte Eigenschaft, die den Satan zum Satan macht. (Hesekiel 28:13-19) Wer könnte sagen, dass der Satan würdevoll und ehrenhaft ist? Sein Stolz aber ist die Ursache dafür geworden, dass er alle Werte in ihm mit Füßen trat. Auch wenn der Stolz angeblich so erklärt wird, als würde er sich selbst wertschätzen, ist es genau umgekehrt; der Stolz nimmt und vernichtet sogar den kleinsten Wert, den eine Person besitzt. Täuschen wir uns nicht selbst, indem wir auf die mächtigen stolzen Menschen schauen. Die Ehre, die Achtung, der Respekt, der ihnen erwiesen wird, beruht nur auf Interesse und einer mit Hass vermischten Furcht. Das heißt, sie ist falsch. Und bei der ersten Gelegenheit werden sie aufs Erbarmungsloseste vernichtet. Deshalb können solche Menschen nicht einmal ungeschützt, allein auf die Straße gehen.
Auch wenn man in frommen Kreisen den Stolz als eine schlechte Eigenschaft darstellt, sind sie dafür, das Gegenteil, die Demut, im Allgemeinen ebenfalls falsch, nur einander gegenüber zu zeigen. Denen draußen gegenüber aber sind all ihre Verhaltensweisen stolz, hochmütig, selbstgefällig. Wenn wir auf die Geschichte schauen, wurde die große Mehrheit der Kriege im Namen der Religion geführt, und das Gefühl, das jene Menschen zum Sterben und Töten schickte, war bei den meisten wiederum der Stolz.
Die Menschen können das, was ich hier geschrieben habe, mit der Erziehung und Ausbildung, die sie erhalten haben, nicht leicht in Einklang bringen. Doch wenn ihr eingehend, nicht nur mit Blick auf die Heiligen Schriften, sondern über die Wörterbuchbedeutung dieses Wortes nachdenkt, wird es uns dennoch überhaupt nicht möglich sein, den Stolz mit so guten Dingen zu verbinden. Entscheidet, indem ihr euch selbst fragt. Wollt ihr immer mit einem stolzen Menschen leben oder mit einem demütigen, würdevollen? Ohne aufzupassen, ohne die Bedeutung genau zu kennen und ohne nachzudenken, wie bei den meisten der uns vermittelten Erziehungen und Ausbildungen, ohne uns die Mühe der Nachforschung zu machen, aus dem Wissen, das wir fertig auf dem Tablett bekommen, ist wohl auch dies eines. Es kam der Tag, da haben wir uns nicht nur an diese Wörter im Mund gewöhnt, sondern jene Wörter auch in einer Weise angewandt, die ihrer vollen Bedeutung entspricht. Und zwar mit dem Gedanken, der Überzeugung und dem Gewissen «ich tue das Richtigste».
Wenn ich wieder auf meine Nasenoperation zurückkomme: Diese sich in furchtbarer Weise verstärkenden Schmerzen litt ich vierzehn Monate. Am Ende hielt ich es nicht mehr aus, und sie machten im Tomographen Bilder von meinem Hals. Und tatsächlich kam das heraus, was ich von Anfang an vermutet hatte. Ein Knorpel in meinem Hals hatte einen Vorfall gebildet und war nach außen herausgeplatzt. Das heißt, einer der Knorpel im Hals war nach außen, in Richtung des Kanals geschossen, in dem die vom Gehirn kommenden Nerven verlaufen. Während der Operation hatten sie meinen Kopf so weit nach hinten gedrückt, dass, wenn sie ein wenig mehr gedrückt hätten, es überhaupt keine Kunst gewesen wäre, dass mein ganzer Körper gelähmt aus der Operation herauskommt. Der Arzt, der diese Bilder machte, rief mich in sein Zimmer, und wisst ihr, was er als Erstes fragte? In welchem Krankenhaus ich operiert worden sei. Ich konnte mich in dem Moment nicht an den Namen des Krankenhauses erinnern und sagte «ich weiß es nicht». Diesmal fragte er, ob ich in Deutschland operiert worden sei. Schon bevor ich das Haus verließ, hatte ich vermutet, dass ich mit diesen Fragen konfrontiert würde. Hätte ich gelogen und «ich wurde in der Türkei operiert» gesagt, wer weiß, was für einen Bericht er geschrieben hätte! Auch das weiß ich. Das sind Ereignisse, die wir hier jeden Tag erleben. Ich sage ja, diese Männer verhalten sich angeblich aus Vaterlandsliebe so! Wenn der begangene Fehler in einem anderen Staat, besonders wenn er gegen die Türkei ist, wird alles unter dem Mikroskop mit den innersten erniedrigenden Gefühlen und Empfindungen untersucht, mit noch etwas dazugetan. Und danach wird der Bericht geschrieben. Das ist eine Verhaltensweise, die von jedem Deutschen erwartet wird und für sie völlig normal ist. Für sie ist das Unnormale, unparteiisch zu sein. Wisst ihr, was sie mir sagen? «Das kommt vielleicht nicht von dieser Operation, sondern du hast es davor oder danach bekommen!» Das machen nicht nur die Ärzte, sondern selbst die Therapeuten, zu denen ich zur Physiotherapie ging, geben sich, obwohl es überhaupt keinen Zusammenhang und keinen Sinn hat, geradezu große Mühe, mich ständig von dieser Wahrheit zu entfernen. Die Menschen einer Nation, die sich für sehr logisch und klug ausgibt, sind manchmal so unklug und unlogisch. Wenn sie so handeln, kann der Mensch, all das Vertrauen und den Respekt beiseite, sogar seine ganze Menschenliebe verlieren. «Parteiergreifen und Bestechung machen das Verständnis des Menschen blind», das steht nicht umsonst in den Heiligen Schriften. Wenn Religion, Vaterlandsliebe und Nationalismus auf Lüge, Betrug, Heuchelei, Falschheit, Massaker, Ungerechtigkeit beruhen, so nenne ich das weder Vaterlandsliebe noch Nationsliebe, das ist schlicht Ehrlosigkeit. Das ist nur die Art von Liebe, die Menschen zeigen, die sich selbst und ihr Vaterland verkaufen, die sich selbst gegenüber keine Selbstachtung haben. Ich werde wieder dieselben Dinge wiederholen. Die Deutschen, die Hitlers Befehlen nicht gehorchten, wurden Vaterlandsverräter genannt, und sie erschossen sie. Wenn wir auf die Geschichte und die sich entwickelnden Ereignisse schauen, wurde offen klar, wer die Vaterlandsverräter waren. Und das sage ich nicht, weil Deutschland den Krieg verlor. Ich mache darauf aufmerksam, dass das Ende jeder Nation, die die erhabenen Werte mit Füßen tritt und sich selbst verkauft, früher oder später so ist und so sein wird. Außerdem hatte ich, indem ich Gott und den Satan miteinander verglich, gezeigt, dass Etikett, Rang und Macht keine Bedeutung haben. Wären die Deutschen im Zweiten Weltkrieg nicht besiegt worden, sondern hätten gesiegt und die Welt beherrscht, wären sie dann sehr liebenswert gewesen? Glaubt ihr, dass die weltweite Sympathie, die man damals für Amerika und die Amerikaner empfand, nur daher rührte, dass sie den Krieg gewonnen hatten? Ich sage zu all dem nein.
Könnt ihr euch vorstellen, wenn ich sagen würde: «Ein Arzt kam, fuhr in mein Auto und machte mein 50.000-Euro-Auto zu Schrott; außerdem legt er Widerspruch ein, akzeptiert nicht, den Schaden zu bezahlen», das verstehen sie alle. Weil ich Ausländer bin, wären sie vielleicht, selbst wenn sie nicht wollen, gezwungen, mir recht zu geben. Auch die Gesetze würden mir vielleicht wieder jenes Geld verschaffen. Doch wenn das Thema die menschliche Gesundheit betrifft, warum fällt es ihnen dann so schwer zu verstehen? Und rechtzugeben wird geradezu unmöglich. Dabei liegt, wenn die Sache ein Fehler ist, in beiden Beispielen eine aus einem Fehler herrührende Schädigung vor. Warum ist das Verständnis, das dem einen entgegengebracht wird, so anders als das, das dem anderen entgegengebracht wird? Schützt die Einrichtung, die die Ärzte organisiert, jenen Arzt vielleicht deshalb nicht, weil sie sich nicht in sein Privatleben einmischt? Das ist wie damals in Texas, wo man Pferdediebe sofort aufhängte, aber jemandem, der einen Menschen tötete, viel mehr Toleranz zeigte. Wurde das Pferd mehr wertgeschätzt als der Mensch? Nun gut, früher bedeutete ein Pferd den Lebensunterhalt jenes Menschen, und jetzt, wenn wir Gesundheit und Auto vergleichen, was ist wertvoller und für jenen Menschen lebenswichtiger? Auch der Wert und die Sorgfalt, die die Deutschen dem Menschenleben entgegenbringen, ist oft geringer als bei einem Hund. Ich meine nicht die Shows, die sie zum Schein veranstalten. Ich sehe geradezu jetzt schon, dass viele Deutsche über das, was ich hier geschrieben habe, wütend sein werden. Immer wieder betonend sage ich, dass ich mich nur bemühe, das, was ich gesehen, erlebt, wahrgenommen habe, zur Sprache zu bringen. Selbst wenn sie sagen würden «Das stimmt, aber wir tun das nur euch Türken an!», würde es mich, obwohl ich es nicht glaube, seht, nicht wundern. Unter der Leitung einer Handvoll Menschen an der Spitze schauen die Organisationen auf niemanden außer ihren eigenen Vorteil. Mal sehen, wann sie das begreifen werden. Meinen deutschen Nachbarn, der neben mir wohnt, haben sie, nachdem er in Rente gegangen war, buchstäblich zehnmal operiert, und der Mann, der über 100 Kilo hatte, ist auf 55 gesunken, und trotzdem konnten sie ihn noch nicht umbringen! Auch er ist, indem er Vaterland und Nation sagt, sogar mit dem Tod einverstanden, aber obwohl er diese Wahrheiten, die ich sage, am eigenen Leib erlebt, kann er sie immer noch nicht annehmen und schlucken.
Etwa in drei Monaten konnte ich mit Mühe einen Termin bei einem Facharzt für Orthopädie bekommen und gab ihm die Bilder, die von meinem Hals gemacht worden waren. Ich sagte, dass diese Schmerzen nach der Nasenoperation aufgetreten seien. Als ich, so als wäre ich einer, der überhaupt nichts weiß, die Frage stellte «was haben sie gemacht, dass ich so wurde, haben sie mich etwa fallen lassen?», und er sagte «aber nein doch, das kommt davon, dass sie die Operation in langer Zeit gemacht und Ihren Kopf nach hinten gedrückt haben», bat ich ihn: «Können Sie mir das, was Sie sagen, auch schriftlich geben?» Sofort fragte er: «Wer will das?» Ich sagte meine Versicherung, was stimmte, sie führten wegen meiner ersten Beschwerde auch den Bericht. Ich sagte nicht mein Anwalt, denn ich wusste, was passieren würde. Er sagte: «Die sollen es mir schreiben, ich gebe es ihnen.» Oh, wie ich mich freute. Seht, es gibt auch so aufrechte Ärzte, Menschen, die sich nicht dazu herablassen, sich zu verkaufen, erzählte ich meiner Frau. Kaum dass ich nach Hause kam, öffnete ich die betreffende Krankenversicherung und schilderte die Lage mit dem Namen des Arztes. Ich gab seine Telefonnummer und seinen Namen an. Auch meinem Anwalt sagte ich dasselbe. Und der Mann schreibt ihnen doch einen Bericht, der genau das Gegenteil von dem war, was er mir gesagt hatte! Von einer Nasenoperation komme so etwas nie. Und ich sei ohnehin chronisch immer an den Wirbelsäulenknochen krank. Und dann verlangt dieser Betrüger für die Worte, die er geschrieben hat, ein Honorar von 25 Euro. Zugleich schreibt dieser Arzt in Schwäbisch Hall unter dem Dach eines religiösen Krankenhauses namens Diakonie diese Lügen ohne jedes Zögern als Bericht. Selbst unser bester arabischer Hausarzt berichtete, «dass er einen solchen Fehler bei einer Nasenoperation in seinem ganzen Arztleben nie gehört habe». Und dennoch sagt er in Demut «fragen Sie auch einen Facharzt». Alle drei Ärzte berichteten wie aus einem Mund, dass dieser Zustand «unmöglich sein kann».
Mir kamen wieder die Zeugen Jehovas in den Sinn. Diese sind eine religiöse Organisation mit mehr als sechs Millionen Mitgliedern. Würde man alle Mitglieder wegen eines Fehlers ihrer Organisation vor Gericht rufen, glaube ich, dass alle, obwohl es ihnen vorher nicht beigebracht wurde, mit entschiedener Zunge und auch lügend jene Organisation verteidigen würden. Was auch immer geschieht, sie halten es für eine Pflicht, das zu tun. Kurz gesagt, jene mehr als 6 Millionen Menschen, die ohne mit der Wimper zu zucken falsches Zeugnis ablegen, hat die Erziehung durch den Organisationsgedanken hervorgebracht. Was, glaubt ihr, für Konferenzen geben ihre Organisation und der Staat jenen Ärzten? Wir gehen als Menschheit auf einem sehr furchtbaren Weg, unser Ende wird für die ganze Menschheit überhaupt nicht heilvoll sein. Könnt ihr euch vorstellen, was auch immer die Ärzte tun, habt ihr als Patient keinerlei Recht. Wenn ihr euch sehr um euer Recht bemüht, bekommt ihr höchstens, glaube ich, nicht einmal das Geld für eure Anwälte. Bei mir sind zwei Jahre vergangen, und ich habe nichts erreicht. Vorläufig reicht meine Gesundheit weder, um einen Arbeitsplatz aufzubauen, noch um zu arbeiten. Auch diese Bücher, die ich schreibe, versuche ich mit Mühe und Not zu vollenden. Andererseits will ich den Ärzten recht geben und sage, ob wohl einer von ihnen mir diesen Schmutz mit Absicht angetan hat, und das ist ohnehin das, woran ich von Anfang an glaube. Aber beweise das mal! Und wiederum andererseits: Wenn keine Gefahr besteht, dass so etwas überhaupt geschieht, warum lassen sie einen dann vor der Operation über das Risiko, von dem es heißt «Sie werden Kopfschmerzen bekommen, und es kann sogar monatelang dauern», unterschreiben? Warum holen sie von den Menschen für ein Risiko, das nicht eintreten wird, eine Unterschrift ein?
Zufällig ging es in einem Beitrag der Zeitschrift, die jene Fluggesellschaft herausgibt, im Flugzeug um ein Gespräch mit einem Chirurgen über die Beschwerden der Menschen wegen dieses Halsbandscheibenvorfalls. Auf die Frage, wodurch diese Krankheit am häufigsten entsteht, antwortet der fachkundige Professor und Chirurg so: «Beim Streichen der Decke, beim Anbringen von Vorhängen, beim Wechseln einer Glühbirne, ja man kann dieses Elend sogar durch ein plötzliches Niesen bekommen», sagt er.
Seht euch das Verwunderliche an der Sache an: Dass man einem Menschen bei der Operation zwei Stunden lang den Hals nach hinten drückt, davon soll das nicht kommen! Auch das berichten die deutschen Ärzte. Später haben Ärzte auch der Frau eines Freundes in der Türkei bei einer Kropfoperation auf dieselbe Weise einen Vorfall im Hals verursacht. Da mir dasselbe widerfahren war, fragte ich: «Was habt ihr gemacht, habt ihr euer Recht nicht gesucht?» Und als sie sagte: «Wir haben es gesucht, aber sie legen Widerspruch ein und sagen, dass bei einer solchen Operation so etwas nicht passiert», kamen mir sofort die deutschen Ärzte in den Sinn. Schmutzige Angelegenheiten sind wie ein Virus, natürlich hat es mich überhaupt nicht gewundert, wie schnell es sich verbreitet hat.
Ich aber ging zu sieben Anwälten, erklärte per Brief und Telefon meine Lage. Die erste Frage aller war, ob ich eine Versicherung hätte, die die Kosten dieses Prozesses trägt. Als ich sagte, dass ich sie nicht habe, rieten mir wieder alle, vor die Kommission der Ärzte zu treten, und sagten, dass sie den Fall unter anderen Vorwänden nicht übernehmen könnten. Und diese Kommission sei kostenlos. Wenn sie die Ursache meiner Krankheit bestätigen würden, wäre die Sache viel leichter und kostengünstiger. Diese Kommissionen der Ärzte haben im Internet auch eine Seite eingerichtet. Wir haben es gelesen, und ich werde versuchen, die meiner Ansicht nach wichtigsten Stellen wörtlich zu schreiben. Die Zahlen mögen mehr oder weniger stimmen, ich werde mich, indem ich runde Zahlen schreibe, bemühen, das Verständnis zu erleichtern.
Von etwa 1100 Fällen wurden bis auf 75 alle in diesen Kommissionen zu einer Lösung gebracht. Ich sagte in meinem Innern eilig gleich ein ohhh! Sie haben auch Beispiele einiger Fälle geschrieben, in denen sie recht gaben. Immer höchstens zwei, drei. Dann geht es weiter, von diesen 1100 Menschen, die kamen, wurden 750 als unglaubwürdig, also als Lügner eingestuft. Der übrigbleibenden großen Mehrheit gaben sie zwar hinsichtlich ihres Gesundheitszustandes recht, aber sie könnten dies nicht als Fehler der Ärzte anerkennen. Das heißt, sie schickten sie fort, indem sie sagten: Du hast diese Krankheit zwar, das stimmt, aber du hast sie nicht während der Operation, sondern von woanders bekommen. Also wie in meinem Fall. Mit dieser Zahl haben sie aus irgendeinem Grund die genaue Zahl der Menschen, denen sie voll recht gaben, nicht angegeben. So schlau sie sich auch halten, sind diese Bekanntmachungen eigentlich sehr dumm. Meiner Ansicht nach ist die Zahl jener Personen, denen sie recht gaben, nicht höher als 30-40. Und auch die betreffen im Allgemeinen immer Probleme von Frauen mit Geburt und Babys. Wohl aus Furcht, dass das Geschlecht des deutschen Volkes ausstirbt, müssen sie diesem Thema offenbar sehr viel Wert beimessen. Sonst würden sie ja keinen einzigen anerkennen, na ja. Das heißt, von so vielen Menschen, die sich an die Kommission wandten, konnten sich nur 75 nicht zufriedengeben und gingen vor Gericht! Diese Männer sehen diese Schriften als ihre Erfolge an und richten deshalb diese Seiten ein. Und die, denen sie recht gaben, stellt ihr euch jetzt so vor, dass sie «ihr Recht bekommen haben». Auch ich dachte so. Mit dem Rechtgeben geben sie jenem Menschen nur Moral, Physiotherapie und vielleicht ein wenig Geld, das ist alles. Am Ende wird die Gegenseite weichgemacht, indem man ihr immer wieder erklärt, dass auch sie Fehler machen können, dass sie Menschen sind, dass solche Zustände unvermeidlich sind. Wie gesagt, selbst wenn sie darüber keine Zahlen angegeben haben, ist das nur für sehr, sehr wenige Menschen so. Denkt bloß nicht, dass ihr so leicht, mir nichts, dir nichts vor diese Kommission treten könnt. Nachdem alle Akten mit den Operationsberichten in ihre Hände gelangt sind, könnt ihr, wenn sie keinen Widerspruch einlegen, frühestens nach einer Wartezeit von 9 Monaten bis anderthalb Jahren vor sie treten. Manchmal kann sich diese Zeit natürlich noch weiter verlängern. Und sie müssen überhaupt keine Rechenschaft ablegen! Denn die Person muss nicht dorthin gehen. Außerdem geben sie sich angeblich den Anschein, euch zu helfen. Nachdem ich diese Schriften gelesen hatte, beschloss ich ohnehin ganz fest, so etwas niemals zu tun. Ich bin sicher, dass mehr als 80 Prozent jener Menschen, die zu diesen Männern kommen, wirklich im Recht sind. Das weiß ich aus meinen eigenen Erfahrungen, die ich erlebt und geschildert habe, und wie die Ärzte lügen, weiß ich mit Beweisen. Jener Hals-Nasen-Ohren-Arzt gab mir nicht einmal die einfachste Information über meine Krankheit schriftlich. Erst als die Versicherungskasse es schriftlich verlangte, gab er es notgedrungen. Diese Schwierigkeiten sind über ein Thema, das so klein wie ein Nadelkopf ist, schon so, die anderen denkt euch selbst. Und auch das schickte er nicht, indem er die Wahrheit schrieb, sondern indem er falsche, verkehrte Dinge schrieb. Über den anderen Orthopäden, der einen Lügenbericht schrieb, muss ich nicht wieder und wieder schreiben. All dies und noch viel mehr ist eine Wahrheit, die diejenigen erleben, die vor jene Kommission treten. Die Statistiken aber liegen offen zutage. Und die erzählen nicht ich, sondern sie auf ihren Seiten, indem sie sich rühmen: «Seht, wie wir die Fälle geregelt haben, ohne dass sie vor Gericht kamen.» Denn welcher Prozess auch immer, wenn er vor Gericht kommt, wird jener Fall furchtbar kostspielig. Und zwar für beide Seiten. So sehr der Richter auch eine Menge lügnerischer sachverständiger Zeugen vor sich anhört, sind all diese genau wie die Menschen, die den Zeugen Jehovas und dem katholischen Papsttum als Mitglieder angehören. Deshalb wird selbst dem noch so abgebrühten Richter durchaus übel. Und die Sachverhalte liegen ganz offen zutage. So sehr dieser Richter auch tausend von ihnen vor sich sieht, schickt er nicht wie sie 750 mit dem Stempel unglaubwürdig und Lügner fort, kann er nicht. Selbst wenn er im schlimmsten Fall dem Patienten nicht recht gibt – und ohnehin geben sie nicht leicht recht –, ist es schon für die Ärzte eine große Niederlage, wenn er sagt, dass jeder seine Gerichtskosten selbst tragen soll. Denkt doch einmal an den ganzen Anwalts- und Gerichtskostenschaden von 1100 Prozessen. Der kleinste beginnt bei 5-10.000 Euro. So war es bei ihren 1100 Prozessen. Es gibt hunderttausende solcher Prozesse. Deshalb haben sie jenen Arzt, jenen Richter, indem sie einander bei einer Versammlung, auf einer Feier Ratschläge gaben und sagten, seht selbst zu, dass ihr euren eigenen Schmutz selbst regelt, mit dem Anschub auch des Staates dazu ermutigt, jene Ärzte Kommissionen gründen, sich organisieren zu lassen. Kurz gesagt, selbst wenn du dir das Recht erwirbst, zu jenen vielleicht 50 von 1100 Menschen zu gehören, ziehen sie einem, indem sie einen jahrelang beschäftigen, die Seele wieder an einer anderen Stelle heraus. Die Zahl derer wie ich, die überhaupt nicht hingehen oder nicht hingehen können, ist unzählbar. Ihre Erfolge sind wirklich lobenswert, bravo für sie. Das, was ich hier erzählt habe, betrifft nicht die organisierten Religionen, sondern die organisierten Ärzte. Ich glaube, solange wir Menschen so sind, wie wir sind, ist das, was uns widerfährt, noch wenig. Los, wenn du dich traust, geh zum Arzt und leg dich in die Narkose und übergib ihm dein Leben. Als Patient hast du ja keinerlei Recht, dass die Männer sich fürchten, einen Fehler zu machen. Außerdem haben diese die Aufgabe übernommen, das Vaterland zu reinigen. Und werden sie den Männern, denen sie eine so schmutzige Arbeit aufbürden, dann auch noch Rechenschaft abverlangen! Bewahre, bewahre!
Soviel ich weiß, gibt und kann in Deutschland und im Allgemeinen in den sogenannten entwickelten Ländern kein Arzt ein Schriftstück geben, das gegen einen anderen Arzt gerichtet ist. Selbst wenn er wüsste, dass jener Patient hundertprozentig im Recht ist, lassen sie ihn das nicht tun. Denn da sie organisiert sind, sind sie gezwungen, ja verpflichtet, bestimmten Regeln zu folgen. Wenn es unter ihnen Befugte gibt, die entscheiden und untersuchen sollen, ob ein Fehler vorliegt, so darf auch dies nur jene Kommissionen tun, von denen ich sprach. Diese Denkweise wird allen Ärzten eingeimpft. Der Arzt, der darüber hinausgeht, wird aus jener Organisation hinausgeworfen. Von da an machen sie ihm das Leben und jenen Beruf zur Hölle. Nur wenn er aus jenem Land fliehen und ganz weit weg vielleicht sein Glück erneut versuchen kann, versucht er es. Doch wohin er auch geht, die Welt ist voller Schmutz, und er wird gezwungen sein, seinen Kampf überall zu führen, oder er wird aufgeben und sich ihnen beugen. Wer sich für dieses Thema der Organisationen, das ich sehr kurz angesprochen habe, interessiert, soll das Buch «Die Religionsmafias und wir» lesen und anstelle der dort erwähnten religiösen Organisationen die Organisationen dieser Ärzte einsetzen, es passt haargenau, und ihre Funktionsweise beruht auf demselben Prinzip. So wie man einem Zeugen Jehovas, der einen richtigen Schritt tun will und sagt «ich werde mich jener Organisation nicht mehr beugen», an das Versprechen erinnert, das er bei der Taufe gegeben hat, so erinnert man auch die Ärzte an den hippokratischen Eid, den sie im Namen von weiß ich welchen Göttern geleistet haben. Die meisten von ihnen glauben, dass sie sich durch die Zugehörigkeit zu diesen Organisationen schützen und ihr Leben absichern. In Wirklichkeit verkaufen sie sich und machen sich zu Sklaven, indem sie sich jener Organisation zueigen machen. Ich nenne das freiwillig ein Esel sein. Glaubt ihr, dass sie auf diesem Weg glücklich sein werden? Weil sie sich alle verkaufen und gezwungen sehen, sich zu verkaufen, wird auch ihr Leben zur Hölle. Außerdem können auch die Oberen, die sie unterdrücken, an dieser Sache wie jeder Machthaber ein sadistisches Vergnügen empfinden. Früher hatte ein Arzt Ansehen und einen Wert, dem man im Volk am meisten Liebe entgegenbrachte, jetzt aber bringen ihnen viele Menschen nicht einmal mehr Vertrauen entgegen. Offenbar wird das Wort «was du säst, das wirst du ernten» niemals veralten und seine Gültigkeit bewahren.
Da wir in der Nähe eines Krankenhauses leben, haben wir mit diesen Dingen mehr zu tun. Der Arzt, der in unsere Straße zog, muss beim Umzug und so ziemlich fertig gewesen sein, denn genau in dieser Zeit starb ihm bei einer Operation ein Patient auf dem Tisch. Und zwar bei einer einfachen Operation. Ich habe dem Mann ehrlich gesagt recht gegeben! Der Mann hat zwei Söhne wie zwei Kamele, aber keiner von ihnen ist einer von der Sorte, die sich auch nur die Mühe machen würde, ihm ein Glas Wasser zu holen. Die Mutter aber ist noch schlimmer. Die ganze Last trägt dieser Mann, indem er «meine Familie» sagt. Und hier ist Deutschland, nicht wie in der Türkei, wo man für jede Arbeit einen Träger einstellt und niemand mit der Hand am Hintern umzieht. Außerdem mietete dieser Arme nicht ein, sondern gleich zwei Häuser. In dem kurzen Urlaub, den er für all diese Angelegenheiten nahm, muss er die Arbeit zu Ende bringen, seine etwa 1,90 große, 120 Kilo schwere Frau und seine riesigen behaarten Bälger bequem unterbringen, damit er gleich wieder zur Arbeit gehen kann. Dass er Chirurg ist, weiß ich, weil er vor Jahren meinen Stiefvater operierte. Und Gott sei ihm gnädig, er hatte es sehr gut gemacht. Ich hatte während jenes Umzugs zu meiner Frau gesagt, dass dieser Mann bei dieser Müdigkeit nicht operieren kann. Nein, aber sie müssen wie eine Maschine operieren und dem Krankenhaus Geld verschaffen. Und tatsächlich wurde genau in jenen Tagen ein Mann wegen seines Fehlers zu Grund und Boden. Das heißt, das Blut der Opfer von Umzug, Müdigkeit und Verstimmung vergießen diese auf jenen Tischen. Es soll ja nicht ins Schlachthaus gehen, sind diese Männer etwa Metzger, sie sind Ärzte! Jeder soll seine Arbeit an seinem Platz tun, nicht wahr!
Da meine Mutter immer Tierliebe hatte, hatten auch wir einen kleinen Hund. Auch wenn es mir sehr lästig war, führte ich ihn manchmal auf der Straße spazieren. Ach herrje, ihr solltet diese kalten Deutschen einmal sehen! Höchstens einer von fünf Menschen schaut ganz bestimmt entweder hin oder bleibt stehen und redet mit unserem Hund und streichelt ihn. Damals war ich noch sehr jung, 21-22 Jahre alt. Erstaunlich, während niemand mit mir redete, mir nicht einmal ins Gesicht schaute, änderte sich die Lage, wenn ich einen Hund an der Hand hatte. Und ich mochte es überhaupt nicht, dass man mich um des Hundes willen beachtete. Und die Deutschen lieben es, kleinen Babys und Kindern gegenüber Liebe zu zeigen, als hätten sie nie welche gesehen. Dabei bewahren sie die eigentlichen menschlichen Beziehungen in Tiefkühltruhen auf. Und zwar in Schockfrostern. Und bemüht euch nicht, sie aufzutauen, denn ihr könnt nicht wissen, was aus ihrem Innern herauskommt.
Ich habe viele Menschen gesehen, ob Deutsche oder Türken, die über das, was ich schreibe, wütend werden. Ich hatte meinen Onkel in Ankara, der Ingenieur ist, gebeten, mir bei der Veröffentlichung meines Buches zu helfen, und nachdem er mein Buch wohl einmal so durchgelesen hatte, müssen auch bei ihm die türkisch-nationalistischen Gefühle und die Religionsliebe hochgekocht sein, denn er schickte mir eine Mail mit den letzten Zeilen von Neyzen Tevfik, die mit «ehrlos» enden, und ich glaube, dass er mir diese Zeilen nicht mit seinen eigenen Worten, sondern mit den Worten jenes Dichters sagen wollte. Mein Freund, den ich seit Jahren kenne und der später Arzt wurde, tauchte, nachdem er dasselbe Buch, Die Religionsmafias, gelesen hatte, spurlos unter. Freilich ließen sie sich nicht einmal herab, zu sagen, ob sie es gelesen hatten oder nicht. Das heißt, wer das Buch in die Hand nimmt, wird ganz sonderbar! Die Zeugen Jehovas aber werfen die, die mich grüßen, wegen dieses Buches, das ich geschrieben habe, sogar aus der Gemeinschaft. Die Deutschen aber, die diese meine Bücher lesen, hassen mich nur wegen der Ansichten, die ich über die Deutschen geschrieben habe. Mein Ziel ist es weder, den Deutschen noch den Türken schlechtzumachen, noch den Zeugen Jehovas oder allen Religionen den Krieg zu erklären. Doch werde ich schlecht, wenn ich die Wahrheiten unparteiisch, so wie ich sie gesehen, erlebt, gehört habe, schreibe? Wenn ich schweige, wenn er schweigt, wenn wir schweigen, wer wird dann reden? Soll ich wie jeder ein Märchenbuch schreiben?
«Wehe denen, die ungerechte Verordnungen erlassen, und den Schreibern, die verkehrte Dinge schreiben!» (Jesaja 10:1) spricht der HERR.
Und mein Ziel ist es ja nicht, das Wohlgefallen, die Ehre der Menschen zu suchen. Jeder, der wütend wird, soll sich selbst dies fragen: «Ist das, was er geschrieben hat, Lüge oder Wahrheit?» Wenn es die Wahrheit ist, was kann er dadurch ändern, dass er mir gegenüber wütend wird? Sehen und wissen die anderen Menschen diese Ereignisse, diese Wahrheiten, die ich nur zu Papier gebracht habe, etwa nicht? Glauben sie, weil sie schweigen, dass alle blind, zufrieden oder aus Schuld schweigen? Nein, aber wenn das, was ich geschrieben habe, Lüge ist, dann sollen sie das, was ich geschrieben habe, als ein Märchenbuch annehmen. Über Märchenbücher wird man nicht wütend. Man wird nicht aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, weil man jemanden gegrüßt hat, der ein Märchenbuch geschrieben hat! Jene Person wird auch kein Vaterlandsverräter und dergleichen. Die Religionen lehren die Menschen angeblich die Liebe zu Gott! Der eine ist Vaterlandsfreund und tut was weiß ich alles, der andere liebt Gott so und tut was weiß ich alles nicht! Wenn wir von irgendetwas, was auch immer es ist, sagen, dass wir es lieben, so hat es nur dann Geschmack und steigt sein Wert, wenn sein Wert mit Begriffen wie erhaben, tugendhaft, gerecht, Liebe durchknetet ist. Mit Lüge, mit Betrug, mit Ungerechtigkeit, mit Parteiergreifen, mit Ehrlosigkeit mindern wir nur den Wert jener Dinge, und das heißt, dass wir uns bemühen, sie zu vernichten. Ob dies nun das Vaterland ist oder unsere Religion oder welcher Organisation auch immer wir angehören. Hätten wir aus der Geschichte gelernt, würden wir nicht dieselben Dinge wiederholen. Manche Menschen bewerten die Geschichte wie Lotto- und Losnummern. Das heißt, für sie ist das eine Sache des Glücks. Über die Dinge, die in der Vergangenheit geschehen sind, denken sie: «Hätten auch wir Glück gehabt, dann wäre es besser gewesen, wir wären nicht besiegt worden, nicht untergegangen.» Dabei hat Gott in der gesamten Heiligen Schrift und im Koran niemals eine Ausdrucksweise gebraucht wie «wenn ihr Glück habt, werdet ihr so, wenn ihr kein Glück habt, werdet ihr so». Die Person, die die Erde und alle Himmel erschaffen hat, hat ihre Werke nicht mit Glück getan und tut sie nicht so. Wie Albert Einstein sagte: «Gott würfelt nicht.» Es mag welche geben, die sagen «Was hat Gott mit den Ereignissen der Geschichte zu tun?» So sehr Gott auch vieles zulässt, hat er die Erde doch nicht herrenlos und der Verrücktheit des Satans und der Menschen überlassen.
Ohne von irgendjemandem etwas zu verlangen, aber indem ich mich bemühte, sehr vielen Menschen zu geben, so viel ich konnte, verbrachte ich 40 Jahre in Deutschland. Als ich vor 25 Jahren arbeitslos wurde und man mir Arbeitslosenhilfe geben wollte und ich sie nicht wollte, war der Beamte erstaunt und geriet mit mir in Streit. Ich hatte gesagt «Bin ich verpflichtet, Hilfe anzunehmen?», und er schaute mir verwundert ins Gesicht und ging und rief seinen Chef. Ich rettete meine Haut mit Mühe, indem ich einige Papiere unterschrieb, dass ich die Hilfe aus eigenem Willen ablehnte. Und ich habe nie wieder, nicht einmal um Arbeit zu suchen, die Tür jener Behörde aufgesucht. Glaubt bloß nicht, dass ich das getan habe, weil ich sehr gut oder wie ein Engel bin. Denn wenn dir jemand etwas gibt, dann reibt er es dir auch unter die Nase. Auch das wusste ich. Wenn deine Haut dick ist und du auch ein wenig unverschämt bist, nur dann kannst du etwas bekommen. Meiner Überzeugung nach ist auch die große Mehrheit nicht die wirklich Hilfsbedürftigen, sondern diejenigen, die wirklich bedürftig sind und keine Hilfe bekommen. Die machen ohnehin keinen Mucks, und wenn sie es doch tun, wird man ihnen ihre Geburt bereuen lassen. Die aber mit dicker Haut haben Erfolg. Wir hören, dass viele Asylsuchende mit den Sozialhilfen, die sie aus Deutschland bekommen, Häuser gebaut, Geschäfte eröffnet haben. Auch wenn ich keinen von ihnen glücklich gesehen habe, war es wohl so. Es interessiert mich zwar nicht, aber ich wollte die Aufmerksamkeit auf unsere gerechte Welt lenken, auf die Anwendungsweisen der Religion und der Vaterlandsliebe der Menschen, ihrer nationalistischen Gefühle.
Ich kann auch nicht weitergehen, ohne die Sache zu erzählen, die mein Verstand und meine Vernunft immer noch nicht fassen. Weil meine Kopfschmerzen so furchtbar waren, erleichterte es mich sehr, wenn sie bei der Physiotherapie meinen Kopf aufhängten. Eigentlich ein sehr einfaches Gerät. Ein mit Seilen an der Decke aufgehängtes Tuch legen sie einem im Liegen unter den Nacken. Der Kopf des Menschen hängt gleichsam in der Luft in der Schwebe. So wie die Physiotherapien nicht kostenlos sind, zahlt die Versicherungskasse viel mehr als das Geld, das wir zahlen. Auch wenn diese Physiotherapien bestimmt sehr nützlich sind, wollte ich, da mein Schmerz ein 24-Stunden-Schmerz war, diese Aufhängung, weil sie mich erleichterte, kaufen und zu Hause an der Decke anbringen. Keiner der Physiotherapeuten, die wir fragten, woher man es bekommt, wollte uns das sagen. Ich sagte «sie denken bestimmt, dass ich damit ihre Verdienstmöglichkeiten einschränken könnte» und begann selbst zu suchen. Doch wir fanden es nicht. Wir sagten es der Krankenversicherung, sie sagten, dass sie es akzeptieren würden, wenn der Arzt es verschreibt. Auch ihr ganzer Sinn steht nach dem Geld, das sie zahlen soll. Ich aber fragte, wo man es finden kann, vielleicht wissen sie es! Wir gingen hin, und der Arzt verschrieb es auch. Aber siehe da, wir finden dasselbe Ding nicht. Nun, und als wir fragten, woher diese Physiotherapeuten es bekommen, hilft niemand. Weder die Krankenversicherung noch die Orte, wo die Behandlung gemacht wird. Denkt bloß nicht, dass das, was wir suchen, so ein gefährliches Gerät oder dergleichen ist. Während ich in der Physiotherapie war, stand ich jedes Mal, wenn die Zeit um war, von dieser Aufhängung, die man mir unter den Kopf legte, selbst auf und ging. Wie gesagt, diese Aufhängung muss auf einer Höhe sein, die drei, fünf Zentimeter über dem Bett bequem ist, das ist alles. Für eine solche Behandlungstherapie samt Massage zahlt die Versicherung pro zehn Mal, ich bin nicht sicher, aber ein Geld zwischen 200-300 Euro. Und geh zum Arzt und lass dir so viel verschreiben, wie du willst. Niemand sagt etwas, besonders in dieser Lage kann er nichts sagen. Während von einem solchen Rezept mit dreimal zehn Sitzungen etwa 700-800 Euro aus der Krankenkasse kommen, kommt auch aus unserer Tasche mindestens der auf uns entfallende Anteil von etwa 100 Euro, und die Zeit und die Wegkosten, um dorthin zu gehen, obendrein. Am Ende kostet dieses Gerät, das wir suchten und im Internet fanden, alles zusammen nicht einmal 50 Euro. Wir bestellten es, und es kam. Die deutschen Versicherungen schreien in einem fort: «Lasst uns sparen, in den Kassen ist kein Geld mehr!» Sie sollen weiter schreien! Sie helfen mir angeblich nicht, weil sie sich sorgen, dass ich mir etwas Falsches antue! Nun, wenn ich zu Hause auf einem sehr hohen oder unnormal niedrigen, krummen, schiefen Kissen liege, ist das für meinen Hals nicht falsch? Am Ende zahlten sie das Geld für dieses 50-Euro-Gerät, von dem sie gesagt hatten «wenn der Arzt es verschreibt, zahlen wir es», nicht, sondern lehnten es mit «es ist nicht notwendig» ab. Das Gerät, das sie für nicht notwendig erklären, wenden sie bei mir in der Physiotherapie an, zahlen dafür das Zehnfache, doch als ich es kaufe, schreiben sie für die Sache, die mich erleichtert, meine Schmerzen lindert, ohne sich zu schämen auch noch einen Brief mit «es ist nicht notwendig». Das ist der disziplinierte deutsche Kopf! Dieses System ähnelt genau der Logik im Kommunismus. Als die Deutschen sich mit dem Osten vereinigten, hatten sie die Ärmel hochgekrempelt mit «wir werden auch die zurechtbringen». Wenn ich, nachdem die Zeit vergangen ist, auf Deutschland schaue, sage ich, dass man wieder blind sein muss, um nicht zu sehen, wer wen zurechtgebracht und wer wen verdorben hat. Jene Menschen mit der Organisationsgesinnung des Kommunismus übernahmen im Westen jeder eine Aufgabe in leitender Position. Das Land, das jene Gesinnung zugrunde richtete, zieht diese jetzt an denselben Ort. Die Deutschen, die sich mit «ach, unsere Kultur wird verdorben» so sehr vor den Türken gefürchtet hatten, werden, so fürchte ich, durch einen solchen Reinfall, den sie sich unter dem Namen Vaterland, Nation, Vereinigung eingehandelt haben, noch viel mehr verlieren. Jede Nation bekommt eines Tages die Vergeltung für das Unrecht, den Hass und die Feindschaft, die sie verübt hat. Die Geschichte zeigt das. Wer einen Blick auf die Geschichte der Heiligen Schrift über Israel und die Nationen wirft, wird das sofort verstehen. Als wir Kinder waren, hatte meine Mutter viel von den überlegenen Vorzügen und den menschlichen Verhaltensweisen der Deutschen erzählt. Wir hörten diese Geschichten wirklich stundenlang mit offenem Mund an. Andere waren des Geldes, der Arbeit wegen nach Deutschland gekommen, doch unser größter Grund war, mit dem Volk eines Landes zu leben, das diese Eigenschaften trägt. Wie gesagt, obwohl die Deutschen immer Probleme mit der Liebe hatten, spürten wir in den Jahren, als ich kam, in der Kindheit ihre damaligen gerechten, menschlichen Gesetze. Jetzt aber ist von keinem von ihnen auch nur eine Spur da.
Ein weiterer Grund, warum ich all dies erzähle, hat wiederum mit dem Sehen zu tun. Ich hatte vom physischen Sehen, vom geistigen Sehen gesprochen. Mit dem, was ich hier geschrieben habe, möchte ich die Aufmerksamkeit auf die Blickwinkel der Menschen lenken. Indem ich das, was ich gesehen, erlebt habe, schreibe, möchte ich, wenn möglich, die Menschheit warnen. Gewiss ist all das, was ich hier geschrieben habe, letztlich doch mein eigener Blickwinkel. So wie die Reaktion von uns allen auf die Gegenstände, die wir mit unseren buchstäblichen Augen sehen, mehr oder weniger unterschiedlich sein kann, so rührt dieser Unterschied auch aus unserem Blickwinkel her. Das, was man Blickwinkel nennt, gibt es wie bei den geistigen Augen auch bei den buchstäblichen Augen. Ein Wörterbuch, das ich habe, erklärt Sicht und Blickwinkel in diesen zwei Bedeutungen.
Sicht: 1. Die Art oder Handlung des Sehens. 2. Das Urteil, das man über Ereignisse, Gedanken und Dinge fällt. Blickwinkel: 1. Die Denkweise, um etwas zu bewerten. 2. Der Bereich, den das Auge in seiner eigenen Richtung sehen kann. (Grundlegendes Türkisches Wörterbuch – Kemal Demiray)
Zum Beispiel sind die Blickwinkel der Menschen, die einen Unfall betrachten, auf der gegenüberliegenden Straßenseite und dahinter, von verschiedenen Stellen. Die Person, die von hinten schaut, sieht auch die Bremslichter des Autos. Die von vorne schaut, hat vielleicht die Reaktion des Fahrers gesehen. Die von der Seite schauen, haben wiederum ganz andere Beobachtungen gemacht. Manchmal gibt es auch welche, die den Unfall zufällig von oben, aus einem Stockwerk eines Mehrfamilienhauses, aus der Vogelperspektive betrachten. Der Blickwinkel von ihnen allen ist voneinander verschieden. Wenn man das Ereignis unter Berücksichtigung all dieser bewertet, wird es leichter, die Wahrheit zu verstehen. Selbst wenn kein Zeuge bei diesem Ereignis lügt, ist das, was ihre Aussagen dennoch unterschiedlich macht, die Stellen, an denen sich die Menschen befinden, und folglich ihre Blickwinkel auf die Ereignisse.
Ich sagte, dass es auch Blickwinkel mit den geistigen Augen gibt. Das heißt, dass auch damit verschiedene Sichtweisen zum Vorschein kommen. Denken wir bloß nicht, dass dies unbedingt zwischen Menschen entstehen muss, die einander entgegengesetzte Gedanken und Überzeugungen haben. Auch die Blickwinkel von Menschen, die dieselben Gedanken und Überzeugungen haben und sich wiederum dieselben Werte zum Ziel gemacht haben, ihre Bewertungen der Ereignisse, die Dinge, auf die sie achten, sind, genau wie in dem eben genannten Unfallbeispiel, verschieden. Zum Beispiel erzählen die Gesandten, die die ersten vier Bücher des Evangeliums schrieben, dieselben Ereignisse, aber indem sie aus verschiedenen Blickwinkeln schauen. So sehr sie auch das, was sie sahen und hörten, unparteiisch so, wie es war, geschrieben haben, standen sie geistig unter dem Einfluss desselben Blickwinkels. Ein Thema, dem der eine Beachtung schenkte und Bedeutung gab, hat der andere überhaupt nicht berührt, sondern die Aufmerksamkeit auf das Detail eines ganz anderen Themas gelenkt. Und damit schrieben sie nicht Lüge, sondern im Gegenteil die Wahrheiten. Selbst wenn sie die Ereignisse manchmal aus ganz verschiedenen Blickwinkeln aufgegriffen und geschrieben haben, sprechen sie am Ende alle von Jesus Christus und seinem Leben. Für einen, der das Evangelium zum ersten Mal liest, bestehen die Schriften dieser vier Personen aus überflüssigen Wiederholungen. Wieder gehen manche, die Nachforschungen anstellen, um das Evangelium zu widerlegen und zu beweisen, dass es verändert wurde, ohne die Blickwinkel jener Personen zu berücksichtigen, nur mit oberflächlichen Bewertungen den Weg, Wort für Wort zu vergleichen. So wie es die Christen tun, indem sie den Koran mit der Heiligen Schrift vergleichen. Die Wahrheit zu erforschen aber geschieht mit ganz anderen Methoden. Dieses Thema hatte ich etwas ausführlicher wiederum in dem Buch mit dem Namen «Die Religionsmafias und wir» behandelt.
Menschen, die sich bewusst sind, dass Blickwinkel verschieden sein können, verhalten sich vorsichtiger. Einer, der sich bewusst ist, dass Ereignisse von vielen Seiten gesehen werden können, wird bei dem Schritt, den er tut, bei der Entscheidung, die er trifft, bei den Worten, die er sagt, umsichtiger sein. Die größte Eigenschaft des weisen Menschen ist auch, die Ereignisse, die Personen und das, was in Zukunft geschehen kann, im Voraus abwägen zu können. Damit sollte die Person sowohl sich selbst als auch andere bewerten können. Da ein weiser Mensch ohnehin weiß, dass diese Sache nicht so leicht ist, wird er sich, was auch immer geschieht, nicht sofort nach dem, was er im Augenblick sieht, hört, und am wichtigsten, nach seinen Gefühlen verhalten. Erst recht sollte er sich niemals zum Herrscher über alles machen. Dass es, um etwas von allen Seiten abwägen zu können, eine unparteiische Nachforschung, das Aufgreifen der Ereignisse aus vielen Blickwinkeln und, am wichtigsten, die Kenntnis erfordert, zu unterscheiden, was richtig und was falsch ist, wird, glaube ich, jeder anerkennen. Wenn wir versuchen, uns nur nach dem zu verhalten, was wir im Augenblick sehen, können wir so weit gehen, dass wir «hurra!» schreiend Menschen lynchen. Das ist eine Sichtweise und Verhaltensweise dieser Meute-Klasse. Als ich im Sommer in der Türkei war, hörte ich fast jeden Tag in den Nachrichten von den Lynchaktionen des Volkes an irgendjemandem. Ob sie im Recht oder im Unrecht waren, weiß ich nicht. Das Einzige, was ich weiß, ist, dass es beim Lynchen ohnehin kein Recht gibt. Zu versuchen, jemanden zu lynchen, heißt, jenen Staat, jenen Richter, jene Gesetze zu missachten, und ist zugleich eine furchtbare Unweisheit. Und außerdem ist es ein Massaker. So sehr das Ereignis in unseren Augen das Lynchen auch als berechtigt erscheinen lässt, kann niemals verteidigt werden, dass es eine weise Verhaltensweise ist. Wenn ein Unrecht, wenn ein offensichtlicher Fehler begangen wurde, und du sogar so viel Kraft hast, Menschen zu lynchen, kannst du diese Kraft nutzen, um jene Person den Gesetzen, den befugten Menschen zu übergeben und Klage gegen sie zu erheben. Es mag sein, dass diese Dinge sehr ermüdend sind und es beim Erreichen eines Ergebnisses so lange dauern kann, dass es die Moral des Menschen zerstört. Ja, am Ende ist es überhaupt keine Kunst, dass der im Recht ins Unrecht und der im Unrecht ins Recht gesetzt wird. Ich hatte von meinen Erfahrungen erzählt, die mit dem zu tun haben, was den Patienten in Deutschland widerfährt. Außerdem, wer weiß, vielleicht ist jene Person auch überhaupt kein Schuldiger, wie du denkst oder siehst. Wenn du sie lynchst, kannst du, so wie du dich ohne Grund am Blut eines Unschuldigen schuldig machst, weil du deine eigenen Gefühle und deine Unklugheit nicht bremsen konntest, statt seines Lebens auch dein eigenes Leben verlieren. Selbst wenn die Gesetze und der Mensch jenes Leben nicht von dir fordern, wird eines Tages, zu einem Zeitpunkt, den du nicht erwartest, Gott es fordern.
Über die Falschheit, dem Anschein nach zu urteilen, erzählt der Koran eine interessante Geschichte. Dieses Thema wurde in der Heiligen Schrift überhaupt nicht behandelt. Genauer gesagt lesen wir in der Heiligen Schrift über Moses am meisten seine Beziehungen zu Israel. Dabei wissen wir über die Einzelheiten seines Lebens in Ägypten bis zum vierzigsten Lebensjahr und danach seines Lebens weitere 40 Jahre in Midian fast überhaupt nichts. Es ist offensichtlich, dass man sehr darauf geachtet hat, die Aufzeichnungen der Heiligen Schrift knapp und prägnant zu schreiben. Im Koran aber werden, während von vielen Ereignissen der Heiligen Schrift die Rede ist, auch einige Details berührt, die dort nicht vorkommen. In den Augen der Christen und Juden ist er einerseits diese eins-zu-eins-Kopie, andererseits ist er, weil auf verschiedene Details eingegangen wurde, diesmal wieder ein «erfundenes» Buch. Um etwas unbedingt um jeden Preis zu widerlegen, fehlt es doch nicht an Worten. Hört euch vor den Wahlen einmal die Politiker an und seht. Wie sie sich zur selben Zeit bei ihren gegenseitigen Anschuldigungen und folglich, wenn sie in Bedrängnis geraten, meisterhaft und auf eine Weise, an die man überhaupt nicht denken würde, verteidigen, ist wirklich eine Kunst. Vielleicht die Kunst des Betrugs, aber diese Sache dennoch so aus dem Stegreif auszuführen, ist nicht jedermanns Sache. Ja, kommen wir zu jener interessanten Geschichte, die Moses widerfahren ist, über die Falschheit, dem Anschein nach zu urteilen. Diesmal möchte ich aus dem Koran, wiederum wortgetreu an Ort und Stelle, schreiben:
…Dann fanden sie einen unserer Diener, dem wir von unserer Barmherzigkeit gegeben und dem wir von uns aus ein Wissen gelehrt hatten. Moses sagte zu ihm: ''Darf ich dir folgen, damit du mich von dem wahren Wissen lehrst, das dir gelehrt wurde?'' Er (Chidr) sagte: «Du wirst nicht imstande sein, mit mir Geduld zu haben. Wie könntest du Geduld haben mit etwas, das du in seinem Wissen nicht erfasst?» Er sagte: «Wenn Gott will, wirst du mich geduldig finden. Ich werde dir in keiner Sache widersprechen.» Er sagte: «Gut also, wenn du schon mit mir kommen willst, so frage mich nach nichts, bis ich es dir von mir aus erkläre!» So machten sie sich auf und gingen.
Sie bestiegen ein Schiff. Er (Chidr) schlug darin ein Loch. (Moses) sagte: ''Hast du ein Loch geschlagen, um die Insassen zu ertränken? Wahrlich, du hast eine furchtbare Sache getan!'' Er sagte: ''Habe ich dir nicht gesagt, dass du, wenn du bei mir bist, nicht geduldig sein kannst?...'' (Moses) sagte: ''Tadle mich nicht wegen dessen, was ich vergessen habe. Bürde mir deswegen keine schwere Last auf.'' So setzten sie den Weg fort. Sie trafen auf einen Knaben. Er tötete ihn. (Moses) sagte: ''Du hast eine unschuldige Seele getötet. Sie hatte keine Seele getötet. Wahrlich, du hast eine sehr böse Sache getan!'' Er wiederum sagte: ''Habe ich dir nicht gesagt, dass du, wenn du bei mir bist, nicht geduldig sein kannst?'' (Moses) sagte: ''Wenn ich dich danach nach etwas frage, so halte mich nicht mehr als Gefährten. Dies wird meine letzte Entschuldigung dir gegenüber sein.'' So setzten sie den Weg fort. Sie trafen auf die Leute einer Stadt. Sie baten die Leute der Stadt um Essen. Doch diese wollten sie nicht bewirten. Dort fanden sie eine Mauer, die einzustürzen drohte. Und er richtete sie auf. (Moses) sagte: ''Wenn du gewollt hättest, hättest du für diese Sache einen Lohn genommen.'' Er sagte: ''Dies ist die Trennung zwischen mir und dir. Ich will dir den inneren Sinn der Dinge erklären, bei denen du nicht geduldig sein konntest.
Jenes Schiff gehörte armen Leuten, die auf dem Meer arbeiteten. Ich wollte das Schiff ein wenig schadhaft machen. Denn hinter ihnen war ein Herrscher, der jedes Schiff mit Gewalt an sich riss. Was den Knaben angeht, so waren sein Vater und seine Mutter gläubige Menschen. Wir fürchteten, dass er seinen Vater und seine Mutter in Auflehnung und Unglauben stürzen würde. Wir wünschten, dass ihr Gott ihnen dafür einen an Reinheit Besseren und an Barmherzigkeit Näheren gebe. Was die Mauer angeht: Sie gehörte zwei Waisenknaben in jener Stadt. Und darunter war ein Schatz, der ihnen gehörte. Ihr Vater war auch ein rechtschaffener Mann. Dein Gott wollte, dass die beiden mündig werden und ihren Schatz als eine Barmherzigkeit deines Gottes herausholen. Ich habe dies nicht aus meinem eigenen Willen getan. Das ist die Bedeutung der Dinge, bei denen du nicht geduldig sein konntest.'' Al-Kahf (18):65-82 (Übersetzung von Osman Nebioğlu)
Hier haben wir über die Falschheit gelesen, dem Anschein nach zu urteilen. Dass die Person in jenen drei Ereignissen, die zwischen Moses und jener Person geschahen, betont «ich habe dies nicht aus meinem eigenen Willen getan», erklärt, dass die Dinge, die er tat, von Gott waren. Wenn es etwas Gewisses gibt, dann ist es, dass Gott sich seit dem Tag seiner Geburt um Moses gekümmert hat. (2. Mose 2:1-10) Auch daran, dass er ihn viele Ereignisse hat erleben lassen, damit er weise und verständig werde, haben wir keinen Zweifel. Denn die Ereignisse entwickeln sich so, dass Moses, obwohl er ein Versprechen gab, sich nicht beherrschen kann und widerspricht. Zum Beispiel, was den Bau jener Mauer angeht. Es steht geschrieben, dass sie, bevor die Mauer gebaut wurde, die Leute jener Stadt um Essen baten. Das heißt also, sie hatten kein Geld, und ihr Bauch war hungrig. Und dass die Leute der Stadt nicht besonders gastfreundlich waren, ist offensichtlich. In einem erschöpften und bedrängten Zustand geht es Moses' Vernunft nicht ein, dass der Mann neben ihm eine Mauer baut, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, und indem er zornig sagt «wenn du gewollt hättest, hättest du für diese Sache einen Lohn genommen», will er an einer Stelle sagen: «unser Bauch ist hungrig, und diese Leute haben uns nichts gegeben, dazu haben wir auch kein Geld. Wenn du für diese Sache wenigstens etwas verlangt hättest, wäre auch unser Bauch satt geworden.» Meiner Meinung nach hat Gott solche Ereignisse dazu genutzt, einen künftigen Propheten zu erziehen. Es ist uns nicht möglich, die Nachforschungen zu kennen, die Moses anstellte, bis ihm das Prophetentum zuteilwurde, mit den in der Heiligen Schrift sehr kurz gehaltenen Aufzeichnungen. Selbst der Koran berührt es nicht sehr ausführlich. Doch im Kern des Themas des Lebens des Propheten Moses sehen wir, dass er stets im Forschen begriffen war. Nun, was erforschte Moses?
Obwohl er zumindest in den besten Bedingungen und Standards eines Landes wie Ägypten, das die Welt beherrschte, aufwuchs und erzogen wurde, war Moses nicht zufrieden. Sie hatten Moses' geistige Bedürfnisse nicht erfüllt. Wir wissen und sehen ohnehin, dass die Regierungen sowohl in der Geschichte als auch in unserer Zeit im Allgemeinen auf den geistigen Hunger der Menschheit keine Antworten geben, die die Wahrheit enthalten. Wenn Moses von Gott des Prophetentums für würdig befunden wurde, so rührte dies daher, dass Moses seinen eigenen Willen gebrauchte und die Dinge tat, die Gott gefallen würden. Weil Gott wusste, dass er die Dinge tun würde, die Gott gefallen, ließ Gott sein Leben von Anfang an zu Papier bringen. Wäre nicht er, sondern ein anderer gewesen, so hätte er diesmal dessen Leben von Anfang an zu Papier bringen lassen. Das heißt, anders als wir glauben, wird eine Person nicht automatisch als Prophet geboren. Ob gut oder schlecht, das, was jene Menschen tun werden, sind auch keine vorher programmierten Dinge. Sondern weil er diese kommenden Dinge im Voraus sieht und weiß, jene Menschen kennt, bevor sie geboren sind, erwählt Gott sie. Mir kam ein Satz aus dem Buch von Yaşar Nuri Öztürk mit dem Namen «Ich gebe Antwort» in den Sinn. Außerdem eine Wahrheit, die auch den Zeugen Jehovas sehr eine Lehre sein sollte. Dort steht wörtlich so:
«Nicht weil Gott es weiß, tun wir es, sondern weil wir es tun oder tun werden, weiß Gott es.»
Mit dieser sehr schön ausgedrückten Wahrheit wird auch das fatalistische Verständnis der Menschen und der Gedanke «weil unser Schicksal so geschrieben wurde, sind wir so» widerlegt. Wenn unser Schicksal vorher geschrieben ist, so ist das nicht, weil es vorher programmiert wurde, sondern rührt nur von der Eigenschaft Gottes her, die Zukunft so zu sehen, wie sie ist. Er sah es, aber er sah das, was wir taten. Weder zwang er mit «tu es!», noch übte er Druck aus. Letztlich, was wir auch getan haben mögen, wir taten es nur, indem wir unseren eigenen Willen gebrauchten. Wir haben vielleicht verständliche Entschuldigungen, aber auch dafür ist wiederum nicht Gott die Ursache. Das heißt, wenn wir Gott verfluchen, wenn wir seine Existenz überhaupt nicht anerkennen, tun wir das nicht, weil Gott es will. Noch nehmen der Satan und seine Dämonen uns am Arm und lassen uns tun, was sie wollen, und lassen uns sagen, was sie wollen. Wenn sie durch uns reden, dann, weil wir es zulassen. Oder wir werfen uns selbst mit der Entfernung von Gott in jenen Abgrund, jene Strömung, aus der es kein Entkommen gibt. Wieder mit unserem eigenen Willen bereiten wir selbst vorher den Boden dafür, dass andere über uns herrschen. Und danach können wir weder das, was wir tun, noch das, was wir sagen, unter Kontrolle halten. (Lukas 4:33-35; Lukas 22:3)
Die Wörter, die den Blickwinkel und die Gefühle der Menschen ausdrücken, werden auch in der Volkssprache verwendet. Wiederum sind neidische Augen, der böse Blick, hochmütige Augen in den Gesellschaften verwendete Redewendungen. Hier wird weniger auf das buchstäbliche Sehen, Schauen als vielmehr auf den Blickwinkel der Person und folglich auf die Herzenshaltung, die sie besitzt, aufmerksam gemacht.
Die Menschen in den eigenen Augen kleinzumachen oder umgekehrt aufzublähen und aufzupumpen, ist eine weitere Kunst. Von Zeit zu Zeit haben die Menschen im Sinne der Dinge, die sie erlangen wollen, zu solchen Methoden Zuflucht genommen, und es ist immer noch eine viel angewandte, brauchbare Methode. Auch das ist so etwas wie eine psychologische Art der Suggestion. Mit einem Ereignis, das sich kürzlich zugetragen hat, kann ich diesen Zustand vielleicht besser erklären.
Man bereitet sich auf die Weltmeisterschaftsspiele vor, und die Qualifikationen finden statt. Das Spiel wird in Deutschland ausgetragen, und die anderen sind die Gastmannschaft. Wenn die Deutschen im Fußball besiegt werden, können sie sich sogar aus den Fenstern stürzen. Wie auch immer, es gibt das Spiel Mexiko gegen Deutschland. Die Mexikaner aber spielen gut. Die Deutschen aber sind damals in einem Zustand, in dem sie auseinanderfallen. Während im Camp die Vorbereitungen liefen, was zeigen sie da zufällig im Fernsehen, die Deutschen haben doch tatsächlich aus dem fernen Mexiko den dortigen Bürgermeister und dergleichen mit «wir werden euch beim Bau von Schulen helfen» geholt und mitten ins Camp bringen lassen. Das ganze Fernsehteam, die Deutschen in Hilfspose, und dazwischen mit Bildern, die den jämmerlichen Zustand des armen Mexiko und die schullosen mexikanischen Kinder zeigen, kehrt das Fernsehen wieder zu den jungen Fußballern im Camp zurück. Die Deutschen in der Position von großen Brüdern, die ihnen helfen, machen jene Jungen psychologisch dem Erdboden gleich. Zu sagen, dass diese das tun, weil ihre Liebe zu den Mexikanern so sehr hochgekocht ist, ist unmöglich. Und willst du etwa helfen, mein Lieber, gab es keinen Ort und keine Gelegenheit mehr, dass du das vor jenen ganz jungen, in ihrem eigenen Verständnis würdevollen Sportlern die Trompete blasend tust und sagst «seht, wir helfen euch, ha!»? Das Ziel ist überhaupt keine Hilfe, sondern jene Jungen psychologisch in ihren eigenen Augen kleinzumachen, damit sie ihnen im Spiel den Garaus machen können. Nun solltet ihr die deutschen Sportler einmal sehen, sie umarmen sie, Arm in Arm wie hilfsbereite große Brüder. Dabei umarmen die Deutschen von Mann zu Mann niemanden, für sie ist das eine Homosexualität! Und von jenen Kindern schämen sich manche, manche sind in einem verwirrten Zustand mit Gefühlen zwischen Freude und Scham. Dabei sagt Jesus Christus gegenüber solchen Hilfsbereiten sehr schöne und treffende Worte.
Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist.
Wenn du nun Almosen gibst, so lass nicht vor dir die Trompete blasen, wie es die Heuchler in den Synagogen (Gebetsstätten) und auf den Gassen tun, um von den Menschen geehrt zu werden. Wahrlich, ich sage euch: «Sie haben ihren Lohn dahin.» Wenn du aber Almosen gibst, so soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut, damit dein Almosen im Verborgenen sei; und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird es dir vergelten. (Matthäus 6:1-4)
Diese aber sind, ganz zu schweigen davon, in jenem Stadtteil die Trompete zu blasen, in den Fernsehkanälen der Welt die Trompete blasend zur Schau gestellt. Der deutsche Trainer kann seinen Sportlern offenbar nicht vertrauen, dass er zu diesem Weg Zuflucht genommen hat. Die Moral jener Kinder, deren Land Hilfe geleistet wird, denkt euch nun selbst. Geh danach hinaus und besiege jene Mannschaft, die dir hilft! Geht das etwa? Und tatsächlich wurden sie besiegt. Ihr versteht, diese Politik hat funktioniert. Wären die Männer nur selbst gekommen und hätten gesagt «wir werden euch helfen», dann hätte vielleicht der mexikanische Trainer diesen Zustand verhindert. Deshalb lassen sie auch aus dem fernen Mexiko ihre Leute holen, denen sie nicht nein sagen können, damit ihnen Hände und Füße gebunden sind. Nun, wer versteht das nicht? Mir lief sowohl im Namen Deutschlands als auch im Namen jener ganz jungen mexikanischen Kinder vor Scham das Wasser den Rücken hinunter. Und ich konnte mich nicht zurückhalten zu sagen, wehe über einen Sport, der so gewonnen werden soll.
Das war das Kleinmachen der Menschen in den eigenen Augen, und ich sprach auch vom genauen Gegenteil, und das ist das Großmachen jener Menschen in den eigenen Augen. Auch wenn wir das manchmal bei denen tun, die wir lieben, um jener Person Mut zu machen, sie anzuspornen und zu ermutigen, muss man auch das vorsichtig tun. Mir kommt im Allgemeinen in den Sinn, wie die Menschen diese Gefühle immer missbrauchen können. Zum Beispiel hält, bevor die Soldaten im Krieg in den Tod geschickt werden, der Kommandant oder der Anführer eine Rede. Nun bläht er jene Soldaten, denen er sonst nicht einmal ins Gesicht schaut, denen er ständig den Garaus macht und die er jeweils nur als Roboter sieht, auf und auf. Je größer seine Redegabe ist, desto mehr bläht er sie auf, indem er sie um ebenso viel größer macht. Und danach los in den Tod. Gewiss sind nicht alle, die solche Reden halten, ehrlos. Die Menschen wissen sehr gut, dass man etwas erlangen kann, indem man eine Person in den eigenen Augen erniedrigt oder erhöht. Wie viele Dinge es im Zusammenhang mit dem Sehen gibt, werde ich mir vielleicht auch selbst erst dadurch bewusst, dass ich dieses Buch schreibe. Es hat so viele verschiedene Bedeutungen.
Wir sagten, dass es wieder in jedem Menschen eine Neugier gibt, die mit dem Sehen zu tun hat. Auch der Prophet Moses war einer, der wie jeder Mensch die Neugier auf das Sehen hatte. Er wollte Gott sehen. Das bedeutet nicht, dass er an der Existenz Gottes zweifelte. Zumindest konnte Moses wegen des ständigen Redens Gottes mit ihm, wegen der Wunder, die er tat, und wegen vieler weiterer erstaunlicher Ereignisse überhaupt nicht an der Existenz Gottes zweifeln. Moses' Wunsch zu sehen beruhte meiner Meinung nach nur auf Neugier. Weil auch Gott diese Neugier der Menschen kannte, ließ er dieses Moses widerfahrene Ereignis zu Papier bringen. Und zugleich gab er uns, die wir dieselben Gefühle haben, eine Antwort. Moses sagt zu Gott:
«Ich flehe dich an (bitte inständig), zeige mir deine Herrlichkeit.» (2. Mose 33:18) Gott antwortet so:
«Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben.» (2. Mose 33:20)
Als ich diese Worte zum ersten Mal las, konnte ich sie nicht recht verstehen. Gedanken wie «Ist es für Gott nicht möglich, könnte er, selbst wenn jener Mensch stirbt, ihn nicht wieder auferwecken?» gingen mir durch den Kopf. Der menschliche Verstand hat keine Beschaffenheit, die Gott erfassen könnte. Das heißt, wir haben eine begrenzte Erschaffung. Zumal es auch bei den Dingen, die wir sehen und sehen werden, große Grenzen gibt. Unter Wasser zu sehen, in die Sonne zu schauen, Bakterien zu unterscheiden, eine explodierende Atombombe zu betrachten, sind Dinge, die mit unserem bloßen Auge nicht möglich oder sehr eingeschränkt sind, wie ich ohnehin schon vorher gesagt hatte. Von der Fähigkeit, auf eine Energie wie Gott zu schauen, ganz zu schweigen – in welcher Gestalt sollte uns Gott wohl erscheinen, damit auch wir sagen können «wir haben ihn gesehen»? Suchen wir Menschen bei dem Wort Gott einen, den man mit Händen greifen, umarmen, in den Arm nehmen kann? Obwohl diese Gefühle nicht falsch sind, wird es, wenn es um Gott geht, unmöglich.
Wenn wir zum Beispiel jene ganz kleinen Fische im Aquarium in die Hand nehmen und liebkosen, sie streicheln wollen, bedeutet das für jene Tiere den Tod. Oder der Flug eines bunten Schmetterlings in der Luft lässt gleichsam Frühlingsfreude in unserem Innern aufgehen. Wenn wir ihn in die Hand nehmen und liebkosen wollen, bedeutet auch das für jenen Schmetterling den Tod. Die in Deutschland leben, wissen den Wert der Sonne sehr zu schätzen. Die Sonne ihnen näherzubringen, wird jenen Menschen auch nicht Freude und Vergnügen, sondern nur Schmerz und Tod bringen. Das heißt also, um manche Dinge zu lieben, muss man sie nicht unbedingt umarmen und sie sehen. Es gibt sogar Menschen, die zur Sonne gehen und in ihr Nachforschungen anstellen wollen. Während ich dieses Thema erzähle, kam mir jetzt ein Witz in den Sinn. Einer von den Schwarzmeer-Witzen.
Die Amerikaner sind für ein Projekt ans Schwarze Meer gekommen. Um gegenüber den amerikanischen Ingenieuren, die sich mit dem Mond, dem Weltall und ihren Taten prahlend brüsten, nicht nachzustehen, sagt unser Temel plötzlich «ha, wir werden zur Sonne gehen». Als der amerikanische Ingenieur sagt «ach was, wie soll das gehen, ihr schmelzt, noch ehe ihr dort ankommt», entgegnet Temel: «ha, hast du uns für dumm gehalten, wir gehen in der Kühle der Nacht».
Weil Gott weiß, dass auch unser Wunsch, Gott zu sehen, uns nur Schaden zufügt, antwortet er mit «Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben». Manche Israeliten müssen dieses Thema falsch verstanden haben, denn wenn sie mit der Zeit wegen eines Engels, den sie in Menschengestalt sahen, in Furcht gerieten, sagten sie «wir haben Gott gesehen und werden sterben». Für manche von ihnen war es, dass ein Mensch, der Gott gesehen hat, nicht am Leben bleiben kann, gleichsam wie ein Zauber. So wie: Wenn du gesehen hast, selbst wenn du lebst, musst du unbedingt sterben. Für diesen Vater und diese Mutter, die auf der Erde physisch das stärkste Kind der Welt haben werden, geschehen wunderbare Ereignisse. Dieses Thema wird im 13. Kapitel des Buches der Richter der Heiligen Schrift so berichtet.
Es war ein Mann aus Zora vom Stamm Dan. Sein Name war Manoach. Seine Frau war unfruchtbar und hatte nie ein Kind gehabt. Der Engel des HERRN erschien der Frau und sagte: «Obwohl du unfruchtbar bist und nicht geboren hast, wirst du schwanger werden und einen Sohn gebären», sagte er, «hüte dich von nun an, Wein oder Rauschtrank zu trinken, iss nichts Unreines. Denn du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären. Kein Schermesser soll auf sein Haupt kommen. Denn er wird schon im Mutterleib Gott geweiht sein. Er wird beginnen, Israel aus der Hand der Philister zu retten.» Die Frau ging zu ihrem Mann und sagte: «Ein Gottesmann kam zu mir», sagte sie, «er hatte ein prächtiges Aussehen, das dem Engel Gottes glich. Ich fragte nicht, woher er kam. Er nannte mir auch seinen Namen nicht. Aber er sagte: ‹Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären›, sagte er, ‹trinke von nun an keinen Wein und Rauschtrank, iss nichts Unreines. Denn das Kind wird von dem Augenblick an, da es in den Mutterleib fällt, bis zum Tag seines Todes ein Geweihter Gottes sein.›»
Manoach flehte zum HERRN so: «O HERR, ich bitte, dass der Gottesmann, den du gesandt hast, wieder komme und uns lehre, was wir für das Kind tun sollen, das geboren werden wird.» Gott hörte Manoachs Flehen. Als die Frau auf dem Feld war, erschien ihr der Engel Gottes wieder. Nur war Manoach nicht bei seiner Frau. Die Frau lief eilends zu ihrem Mann, um es ihm mitzuteilen. «Sieh, der Mann, der neulich zu mir kam, ist mir wieder erschienen!», sagte sie. Manoach stand auf und ging hinter seiner Frau her. Als er zu dem Mann kam, fragte er: «Bist du der Mann, der mit meiner Frau geredet hat?» Der Mann sagte: «Ja, ich bin es.» Manoach fragte: «Wenn deine Worte eintreffen, wie soll das Urteil über Leben und Aufgabe des Kindes sein?» Der Engel des HERRN entgegnete: «Deine Frau soll sich von allem hüten, was ich ihr gesagt habe», sagte er, «sie soll nichts essen, was aus dem Ertrag des Weinstocks hergestellt ist, sie soll keinen Wein und Rauschtrank trinken. Sie soll nichts Unreines essen. Alles, was ich geboten habe, soll sie halten.»
Manoach sagte: «Wir möchten dich zurückhalten und dir zu Ehren ein Böckchen schlachten.» Der Engel des HERRN sagte: «Selbst wenn du mich zurückhältst, werde ich von dem Essen, das du bereitest, nicht essen», sagte er, «wenn du ein Brandopfer darbringen willst, sollst du es dem HERRN darbringen.» Manoach hatte nicht verstanden, dass er der Engel des HERRN war. Er fragte den Engel des HERRN: «Wie ist dein Name?», sagte er, «damit wir dich ehren, wenn deine Worte eintreffen.» Der Engel des HERRN sagte: «Warum fragst du nach meinem Namen?», sagte er, «mein Name ist unbegreiflich.» Manoach nahm ein Böckchen und das Speiseopfer und brachte es auf einem Felsen dem HERRN dar. In jenem Augenblick geschahen vor den Augen Manoachs und seiner Frau erstaunliche Dinge: Der Engel des HERRN stieg mit der vom Altar aufsteigenden Flamme zum Himmel empor. Als Manoach und seine Frau das sahen, fielen sie auf ihr Angesicht zu Boden.
Als der Engel des HERRN Manoach und seiner Frau nicht mehr erschien, erkannte Manoach, dass er der Engel des HERRN war. Er sagte zu seiner Frau: «Wir werden gewiss sterben», sagte er, «denn wir haben Gott gesehen.» Seine Frau entgegnete: «Hätte der HERR uns töten wollen, so hätte er das Brandopfer und das Speiseopfer nicht angenommen», sagte sie, «er hätte uns all dies nicht gezeigt. Wir hätten auch nicht gehört, was er heute gesagt hat.» Und die Frau gebar einen Sohn. Sie gab ihm den Namen Simson. Das Kind wuchs heran und gedieh. Der HERR aber segnete es. Der Geist des HERRN begann Simson, der sich in Mahane-Dan zwischen Zora und Eschtaol befand, zu lenken. (Heilige Schrift, Richter Kapitel 13)
Der erste Mensch, der die Worte Gottes falsch verstand, war nicht der Mann jener Frau, und sie werden auch nicht die letzten sein. Auch dass das Wissen des ersten Menschen Adam über Gott falsch war, lesen wir aus den Aufzeichnungen. Nachdem Adam von dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse gegessen hatte, von dem er nicht essen sollte, beginnt er, seine Blöße zu sehen, und schämt sich. Bis zu jener Zeit aber gibt es bei ihnen überhaupt kein solches Gefühl. Als er aber hört, dass Gott im Garten kommt, verbirgt er sich. Wusste Adam nicht, dass es unsinnig ist, sich vor Gott zu verbergen? Vielleicht wusste er es nicht, und vielleicht ließ ihn die Scham diesen Zustand automatisch tun. Beim Lesen dieser Themen fiel mir das Verhalten Gottes auf. In seiner Beziehung zu Adam die Liebe Gottes zu Adam. Dabei ist Gott überall und sieht von überall jeden und alles. Obwohl es so ist, tut er diese seine Eigenschaft nicht auf eine Weise, die die Menschen stört. Im Buch der Schöpfung wird dieses Thema so berichtet:
Und die Frau sah, dass der Baum gut zur Speise und eine Lust für die Augen und ein begehrenswerter Baum war, weil er klug machte; und sie nahm von seiner Frucht und aß; und sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und er aß. Da wurden ihrer beider Augen aufgetan, und sie erkannten, dass sie nackt waren; und sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze. Und sie hörten die Stimme Gottes des HERRN, der in der Kühle des Tages im Garten wandelte; und der Mann und seine Frau verbargen sich vor dem Angesicht Gottes zwischen den Bäumen des Gartens. 1. Mose 3:6-8
Aus dieser Aufzeichnung ist es möglich zu verstehen, dass zwischen Gott und Adam eine ständige Beziehung bestand. Denken wir nach dem Text bloß nicht, dass Gott im buchstäblichen Sinne im Garten umherwandelte und dergleichen. Wir können auch nicht denken, dass er auf irgendeine Weise erschien. Wenn Gott mit Adam reden wollte, ließ er ihn gewiss durch bestimmte Geräusche seine Gegenwart spüren. Erst nachdem er diese Geräusche gehört hat, versteht Adam, dass der HERR kommt, und verbirgt sich. Gott ist einer, der so, wie er von ganz am Anfang sah, dass sie jene Frucht aßen, es auch schon sah und wusste, bevor sie aßen. (Hiob 35:14; Evangelium – Hebräer 4:13; Psalm 33:13) Trotz all dem, wie liebevoll ist das Verhalten Gottes gegenüber Menschen, die sogar eine Sünde begangen haben. Zuerst gibt er langsam zu erkennen, dass er selbst kommt. Er fragt «wo bist du?», damit Adam sich nicht mehr verbirgt. Erst nach all dem und nach der Antwort, die er erhält, beginnt Gott zu reden und Fragen zu stellen.
Wenn ein Höherrangiger das Zimmer eines Niederrangigen betreten will, öffnet er ohne anzuklopfen mit einem Ruck die Tür und tritt ein. Staatsbeamte und die in organisierten Einrichtungen Arbeitenden kennen diese Zustände gut. Das ist ganz normal. Der Inhaber eines Betriebs, der Chef, der Vorgesetzte, was auch immer, auch er betritt jeden Ort jenes Betriebs auf diese Weise. Einer von niederem Rang aber klopft zuerst an die Tür, und wenn er die Stimme, die ihm den Eintritt erlaubt, nicht hört, wartet er, ohne einzutreten. Er soll es nur wagen einzutreten! Diese Beispiele sind in unserer Welt völlig normal und werden den Menschen als eine unbedingt zu befolgende Ordnung, Einteilung, als eine Form des Respekts, als Anstandsregel gelehrt. Gott aber zeigt uns gegenüber furchtbar verschiedene Eigenschaften. Er gibt, bevor er mit dem Menschen redet, den er erschaffen hat, durch Geräusche zu erkennen, dass er kommt. Dabei, wer ist der Mensch in jenem unendlichen und furchtbaren Weltall, und wer ist Gott? Außerdem, was, meint ihr, sollte der Wert des Menschen erst sein, nachdem er gesündigt, nachdem er jenem noch so klein erscheinenden Gebot Gottes nicht gehorcht hat? Gott zeigt, was auch immer ist, stets überlegene und tugendhafte Eigenschaften. Wir aber haben uns Gott niemals als einen Gott, einen Herrn, einen Vater zum Vorbild genommen. In den ekelhaften Regeln, die wir selbst aufgestellt haben, haben wir uns selbst gelobt und aufgebläht und bemühen uns immer noch, einander niederzutreten und zu vernichten. Und zwar auf die unanständigste Weise.
Auch in den Gesetzen, die Gott Moses über die Regeln des Priestertums gab, sehen wir etwas Interessantes zu diesem Thema. An den unteren Säumen des Gewandes, das die als Hoherpriester bezeichnete Person tragen sollte, mussten ganz kleine Glöckchen sein. Damit, wenn er geht, das Geräusch, das er macht, gehört wird. Dabei war das damalige Hohepriestertum der größte Rang, den Gott unter den Menschen gab. Gott aber sichert mit solchen Gesetzen und Regeln sowohl den Respekt, der jener Person erwiesen wird, als auch, dass niemand jener Person gegenüber in eine schwierige Lage gerät. (2. Mose 39:22-26) Wieder in einem Vers:
Wahrlich, es gibt keinen gerechten Menschen auf Erden, der Gutes tut und nicht sündigt. Und richte auch nicht dein Herz auf alle Worte, die geredet werden, damit du nicht hörst, wie dein Knecht dir flucht; denn dein Herz weiß auch, dass du selbst viele Male anderen geflucht hast. Prediger 7:20-22
Das ist das Verständnis von Respekt, das ich von Gott gelernt habe. Nun, wie ist das Verständnis und die Anwendung von Liebe und Respekt, das wir von Kindheit an gelernt haben? Wie verhalten sich in unserer Zeit die Personen, deren Rang steigt?
Das heißt also, dass Gott auch beim Sehen und Hören den Menschen Grenzen setzt und die Liebe und das Ansehen füreinander vergrößern will. Es ist nicht notwendig, dass jeder Höherrangige unbedingt plötzlich, ohne ein Geräusch zu machen, in der Mitte auftaucht. Das ist zumindest keine gute Absicht und baut nicht auf. Diese Verhaltensweise vergrößert auch nicht das Ansehen des Menschen für sich selbst. In unserer Zeit aber, ganz zu schweigen vom plötzlichen Eintreten, gibt es überall angebrachte Kameras. Und alle zu unserer Sicherheit! Nun, wenn Gott uns ohnehin immer und überall sieht, warum gab er das damals Adam nicht direkt zu erkennen, sondern wählte einen solchen Weg? Der größte erste Grund war, Adam Behagen zu geben. Eigentlich sehen wir, wenn wir wollen, dass Gott uns durch die Dinge, die er tut, stets Beispiele und Botschaften gibt, sei es bei Abraham, sei es bei Moses oder den anderen Propheten. Entweder hinterlässt er uns Beispiele, die angewandt werden sollen, oder er gibt Lehren, die wir verstehen sollen. Außerdem versetzt er uns in die Gefühle, die wir empfinden sollen, ins Gewissen. Denn in dem sich nach Adam entwickelnden Zeitraum sehen wir in der Beziehung Gottes zu den Menschen nicht dieselben Dinge wie bei jenem ersten Menschenpaar. Mit der Zeit beginnen die Menschen, ganz allmählich sehr viel über Gott zu lernen.
Wie ein Kind mit jedem vergehenden Jahr wächst und sich auch das Verhalten von Vater und Mutter jenem Kind gegenüber ändert. Vater und Mutter, die dem Baby sagen «komm, wir gehen tata», drücken ihrem 15-jährigen Kind nicht mit denselben Worten aus, dass sie irgendwohin gehen werden. Damit hat sich weder jener Vater und jene Mutter in einer Weise geändert, die Charakterlosigkeit bedeuten würde, noch ist diese Verhaltensänderung falsch. Sich nach dem Wissen und der Ausbildung unseres Gegenübers zu verhalten, ist notwendig und richtig. Viele Menschen, die über solche Verse unwissend nachzudenken beginnen, bemühen sich, Gott gleichsam anklagend, als würde Gott Heuchelei betreiben, ganz andere Bedeutungen herauszuziehen. Gott aber ist in seiner Beziehung zu uns und in seinem Gericht über uns gerecht und ist niemals dafür, dass uns Unrecht geschieht. Ganz im Gegenteil, wir haben einen Gott, der alles sieht, um uns stets von jeder Art Schmutz zu erretten. Im Buch Hiob der Heiligen Schrift drückt Elihu, ein weiser und verständiger Mensch, die Haltung und Verhaltensweise Gottes gegenüber dem Menschen, der gesündigt hat, so aus:
Wenn bei ihm ein Engel ist, ein Fürsprecher (ein Mittler), einer unter tausend, damit er dem Menschen kundtue, was für ihn recht ist, dann ist Gott ihm gnädig und spricht: ‹Errette ihn davor, in die Grube hinabzufahren, ich habe ein Lösegeld gefunden.› Sein Fleisch wird frischer als das eines Kindes; er kehrt zurück zu den Tagen seiner Jugend. Er betet zu Gott, und der hat Wohlgefallen an ihm und lässt ihn sein Angesicht mit Jauchzen sehen; und er gibt dem Menschen seine Gerechtigkeit zurück. Er singt (vor Freude) vor den Menschen und spricht: ‹Ich habe gesündigt und das Recht verkehrt, und es hat mir nicht genützt; er hat meine Seele davor errettet, in die Grube zu fahren, und mein Leben wird das Licht sehen.›
Siehe, das alles tut Gott zwei-, dreimal mit dem Menschen, um seine Seele aus der Grube zurückzuholen, damit sie mit dem Licht der Lebenden erleuchtet werde. (Hiob 33:23-30)
Seht, die Herzenshaltung, also das Motiv Gottes dabei, dass er alles sieht, ist auf diese Weise. Nicht als würde er unsere Sünden, unsere Missetaten suchen, sondern im Gegenteil mit einem Zugang, der geradezu darauf bedacht ist, wie er uns aus jenen Sünden und Missetaten errette.
Wieder in einem anderen Beispiel bei den späteren Generationen bringt der Prophet David über das Thema des Sehens Gottes diese interessanten Wahrheiten zum Ausdruck:
Denn du hast meine Nieren gebildet; du hast mich im Leib meiner Mutter gewoben. Ich danke dir; denn ich bin auf furchterregende und wunderbare Weise erschaffen; deine Werke sind wunderbar (staunenswerte Wunder); und meine Seele weiß das sehr wohl. Als ich im Verborgenen erschaffen wurde, als ich auf wunderbare Weise in den Tiefen der Erde gebildet wurde, war mein Gebein dir nicht verborgen. Deine Augen sahen mich, als ich noch ein Embryo war; und in dein Buch waren alle Tage geschrieben, die für mich bestimmt waren, als noch keiner von ihnen war. (Psalm 139:13-16)
Aus diesen Versen sehen wir offen, dass sich mit der Zeit das Wissen der Menschheit über Gott vermehrt hat. Der, der dieses Wissen verschaffte, waren nicht wir, sondern Gott selbst. Das heißt, Gott hat sich vor seinen Geschöpfen nicht verborgen. Er hat nicht nur Wissen über sich selbst gegeben, sondern auch Gesetze und Beispiele hinterlassen, mit denen wir glücklich werden. So sehr unser Wissen, unsere Vorstellungen, unsere Erwartungen über Gott von Zeit zu Zeit auch falsch sind, hat er sich der Menschheit stets zugewandt, indem er sich zu erkennen gab, seine Erwartungen erklärte – und jene Erwartungen sind nur zu unserer Freude – und mit unzählig viel Wissen. Wir aber haben unsere Ohren verstopft, unsere geistigen Augen blind gemacht, um nicht zu sehen, unser Gewissen verbrannt, um nicht zu fühlen, doch er wendet sich uns weiterhin zu, und seine Hand ist immer noch ausgestreckt. (Jesaja 5:25; 9:11; 9:16; 9:20; 10:4; 14:26!)
Nach diesem Wissen und diesen Erklärungen sehen wir, dass, obwohl eine gute Weile vergangen ist, bei den Menschen immer noch der Wunsch und das Verlangen besteht, Gott zu sehen. Auch das wissen wir durch das Lesen der Aufzeichnungen, die im Evangelium vorkommen. Als Jesus Christus vor seinem Tod mit seinen Schülern (Jüngern) redete, findet unter ihnen folgendes Gespräch statt:
…Wenn ihr mich erkannt hättet, hättet ihr auch meinen Vater erkannt; von jetzt an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus sagte zu ihm: «Herr (mein Lehrer), zeige uns den Vater, und das genügt uns.» Jesus sagte zu ihm: «So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen; wie sagst du: Zeige uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und der Vater in mir? Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst; sondern der Vater, der in mir bleibt, tut seine Werke. Glaubt mir, dass ich im Vater bin und der Vater in mir; wenn nicht, so glaubt doch um der Werke willen.» (Johannes 14:7-11)
Für einen, der die ganze Heilige Schrift von Anfang bis Ende liest, kommt dieser Wunsch des Philippus an Jesus sehr kindlich vor. Wir verstehen ihn, wir teilen seine Neugier, aber dennoch kommt es kindisch vor. Die Antwort des Messias aber hat später in den christlichen Religionen und im Verstand der Menschen zu Verwirrungen geführt. Indem Jesus sagt: «Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen», macht das Christentum Jesus zum Allmächtigen Gott. Auch dieser Vers ist einer der Beweise, die sie für ihre Behauptung «es gibt drei Götter» gebrauchen. Dabei, wenn wir die Verse aufmerksam lesen, kommt, indem Jesus offen sagt:
«Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst; sondern der Vater, der in mir bleibt, tut seine Werke», das Verständnis, dass Jesus etwa ein solcher Allmächtiger Gott wäre, überhaupt nicht zum Vorschein. Ganz im Gegenteil, er lenkt die Aufmerksamkeit darauf, dass er wie die anderen Propheten, wie alle erschaffenen Engel den Willen Gottes tut. Was braucht es, dass Gott den Willen eines anderen Gottes tut? Und welcher soll auf welchen hören? Wäre nach der Lehre der Christen, wenn es drei Götter gibt, nicht zu erwarten, dass auch die Worte aller drei von ihnen selbst sind? Jesus aber sagt: «Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst; sondern der Vater, der in mir bleibt, tut seine Werke.» Jesus lenkt hier die Aufmerksamkeit nicht auf den Willen von drei Göttern, sondern eines einzigen Gottes. Indem er auch die Aufmerksamkeit auf die Werke lenkt, die er getan hat, will er sagen: «all diese Werke, die ihr gesehen habt, waren Gottes.» Er will sagen: «Freut euch weniger daran, Gott mit Augen zu sehen, als vielmehr an seinen Werken, die ihr gesehen habt, und legt in dieser Sache Wert darauf, ihn statt mit einem physischen Bild mit euren geistigen Augen wahrzunehmen.» Wie der Prophet David.
Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und das Firmament verkündet das Werk seiner Hände. Ein Tag sagt es dem anderen, und eine Nacht tut es der anderen kund. Da ist keine Rede und keine Sprache, wo ihre Stimme nicht gehört würde. Ihre Stimme geht aus über die ganze Erde, und ihre Worte bis an die vier Enden der Welt. Psalm 19:1-4
Der Glaube, der von diesen Worten erwartet wird, ist, die Aufmerksamkeit auf die schöpferische Person hinter den Dingen zu lenken, die die buchstäblichen Augen ansprechen. Und das ist Gott. So wie ein Mensch sich durch seine Werke widerspiegelt, können wir auch die Widerspiegelung Gottes sehen, indem wir auf seine Werke schauen. Suchen wir bloß nicht Gott in jenen Werken, indem wir auf unsere zur Hölle gewordene Welt auf der Erde schauen. Die haben nicht Gott, sondern wir gemacht. Genauer gesagt haben wir das, was gemacht war, verdorben. So wie die Werke Gottes an einer Stelle eine Widerspiegelung Gottes sind, sind auch die Werke, die wir auf der Erde vollbracht haben, eine Widerspiegelung von uns Menschen und dem Geist des Satans. Ich habe den Satan nie gesehen und habe auch keine solche Neugier. Doch durch die Widerspiegelung der Werke, die ich bei ihm gesehen habe, fällt es mir überhaupt nicht schwer zu erahnen, was für einer er ist. Ich meine nicht, was für ein Aussehen er hat. Dass er eine sehr schöne Erschaffung besitzt und deshalb dem Stolz verfiel und zum Satan (Aufrührer, Rebell) wurde, lesen wir ohnehin aus der Heiligen Schrift und dem Koran. (Hesekiel 28:11-19, Sure al-Araf (7):11-13) Die Seite, die mich interessiert, ist nicht sein äußeres Erscheinungsbild. Eigentlich ist das, was die ganze Menschheit über den Satan wissen sollte, sein großer Hass und seine Feindschaft gegenüber den Menschen. Und die Ursachen, die der Wurzel dieses Hasses zugrunde liegen, sind der Hass, der aus Stolz, Hochmut und Selbstgefälligkeit herrührt.
Gott hat den Satan bei seiner Erschaffung auch nicht dafür erschaffen, dass er stolz sei. Wenn der Stolz über den Satan verwendet wird, werden Worte wie «er verfiel dem Stolz und wurde aufrührerisch» gebraucht. Eigentlich geschieht es auf diese Weise, dass wir uns allem hingeben, was uns in Gefahr führt. Am Anfang mag es sogar angenehm, ja notwendig erscheinen. Doch das Ende ist genau wie das Hineingeraten in die Strömung eines Wasserfalls. Wenn wir uns nicht retten können, können wir sogar so weit gehen, in Stücke zerschlagen zu werden. Je mehr sich die Strömung verstärkt, desto weniger kann die Person die Dinge tun, die ihr eigenes Verlangen und ihr eigener Wunsch sind. Natürlich wird auch das Bild, das sie mit den Dingen, die sie danach tun wird, um sich zu retten, nach außen widerspiegelt, ziemlich unnormal sein.
Beim Reden über das Sehen und über den Satan muss man auch folgende Wahrheit betonen. Während wir Menschen im Sehen eine begrenzte Beschaffenheit besitzen, ist die Sehfähigkeit der geistigen Geschöpfe, die wir Engel nennen – und unter diesen sind auch die Dämonen, die dem Satan gefolgt sind –, nicht so begrenzt wie unsere. Dass sie uns bei Nacht, bei Tag, hinter Dunkelheit und Dingen wie Wänden sehen, so wie sie uns sehen, und sogar die Fähigkeit haben, uns in den Verstand zu flüstern, lesen wir wieder aus diesen heiligen Schriften. Zum Beispiel in den Versen 27 und 201 der Sure al-Araf (7) über den Satan und die Dämonen:
…Er und seine Schar sehen euch von dort, wo ihr sie nicht sehen könnt.
Wenn diejenigen, die sich vor dem Bösen hüten, der Satan das Böse einflüstert, erinnern sie sich (an Gott) und beginnen, das Rechte zu sehen.
Nicht jeder erinnert sich bei diesen Einflüsterungen unbedingt an Gott und bemüht sich auch nicht, das Rechte zu sehen. So sehr diese geistigen Geschöpfe, die wir Satan und Dämonen nennen, die Feinde der Menschheit sind, uns gegenüber in einer vorteilhaften Lage zu sein scheinen, sind ihre Einwirkungen auf uns begrenzt. Kurz gesagt, weder der Satan noch seine Dämonen können irgendeinen Menschen am Arm packen und mit sich zerren und einen physischen Druck ausüben mit «du wirst unbedingt dieses Böse tun». Daneben könnt ihr sicher sein, dass sie, wenn wir es zulassen, uns durch die Herrschaft über unseren Verstand viel mehr Dinge tun lassen können. Deshalb müssen wir, indem wir selbst über unseren Verstand herrschen, entscheiden, wem wir uns unterwerfen wollen. Wie der Gesandte Jakobus sagt:
So unterwerft euch nun Gott; doch widersteht dem Teufel, und er wird von euch fliehen. (Jakobus 4:7)
Zu erreichen, dass der Teufel, den man Satan nennt, von uns flieht, wird möglich, indem wir die Dinge tun, die ihm nicht gefallen. Und das sind die Dinge, die der Wille Gottes sind. Je mehr der Satan sieht, wie sehr er über uns herrscht, desto mehr wird ihm diese Sache Vergnügen bereiten, und deshalb wird er auch mit uns zusammen sein. Sogar Kinder halten zusammen, solange sie beim Zusammensein einer Meinung sind. Wenn die Meinungsverschiedenheiten sich zu häufen beginnen, entfernen auch sie sich voneinander. Denn dieser Zustand bereitet ihnen nun kein Vergnügen mehr. Der obige Vers will uns dies erzählen. Sonst flieht der Satan nicht vor uns, indem man dem Vampir wie in den Draculafilmen ein Kreuz vorhält, sondern im Gegenteil, er kommt noch näher. Suchen wir die Erlösung oder den Schutz bloß nicht in den Amuletten und dergleichen, die wir zu Götzen gemacht haben. Weder das Kreuz des Christen noch das Nazar-Amulett des Muslims noch das Wort «Jehova», das die Zeugen Jehovas nicht von den Lippen lassen, schützt uns vor dem Satan und entfernt ihn von uns. Wenn wir glauben, dass der Name Gottes Jehova ist, so sagt der Gesandte Jakobus, dass wir den Satan nur dadurch vertreiben können, dass wir seinen Willen tun. (Jakobus 4:7) Außerdem werden wir auch keinen Erfolg erzielen, indem wir die Gebete, die wir auswendig hersagen und deren Bedeutungen wir nicht einmal kennen, wie ein Amulett gebrauchen.
Wenn der Mensch sieht, sollte Gott dann nicht sehen?
Mit der Technik unserer Zeit können Menschen mit Hilfe von Kameras einen anderen Raum oder die Umgebung eines Hauses sehen, ja sogar Orte, die Tausende, Zehntausende von Kilometern entfernt sind, betrachten und beobachten. Ohne selbst vor Ort zu sein, ist es möglich, diese Dinge live und augenblicklich aus großer Entfernung zu beobachten. Ebenso ist es mit Hilfe von Satelliten, die ins All geschickt werden, sogar möglich, einen Menschen von der Tür seines Hauses an bis zu dem Ort, wohin er geht, zu verfolgen. Selbst wenn Sie sich in einem geschlossenen Zelt befinden, kann man mit Hilfe dieser Satelliten sehen, wie viele Personen sich darin aufhalten, und jede ihrer Bewegungen aufzeichnen. Das menschliche Auge ist mit Hilfe der Technik beinahe überall. Das sind die Dinge, die wir kennen; man muss allerdings anerkennen, dass es noch weitaus größere Möglichkeiten gibt, die uns nicht mitgeteilt werden. In den Großstädten, an den Bahnhöfen, an denen sich die Menschen in Massen ansammeln, an den Flughäfen, an den Häfen und an vielen weiteren Orten überwachen uns durch die installierten Kameras stets irgendwelche Augen. Man nennt das Sicherheit. Das heißt, angeblich tun die Menschen dies zu unserem Wohl. Manchmal vielleicht ja, manchmal aber auch nein. Denn schließlich werden all diese Bewertungen letztlich durch Menschenhand vorgenommen, und darüber, was richtig und was falsch ist, entscheidet ebenfalls der Mensch. Deshalb kann auch niemand sagen: „Das geschieht immer in guter Absicht, ohne jemandem zu schaden.“
Obwohl wir Menschen im Sehen so weit fortgeschritten sind, sind wir aus irgendeinem Grund im Verständnis und in der Weisheit weit zurückgeblieben. Der Mensch, der mit dieser Technik, die ich oben nur ganz grob beschrieben habe, beinahe alles sehen kann, will weder die Existenz Gottes noch die Tatsache, dass Er alles sehen und hören kann, irgendwie anerkennen. Für sie ist das unmöglich. Als ob man sechs, sieben Milliarden Menschen jemals gleichzeitig sehen und dazu noch hören könnte! Gott aber antwortet auf unsere menschlichen Zweifel in dieser Sache schon vor Tausenden von Jahren mit den folgenden Worten:
Er zählt die Zahl der Sterne; sie alle ruft er bei Namen. Psalm 147:4
In unserer Unvernunft, in unserem Unverstand, welch falsche Vorstellungen haben wir über Gott, während Gott uns doch mit diesen Worten, die vor mehr als etwa 3000 Jahren geschrieben wurden, Erkenntnisse über sich selbst gibt. Es gab in meinem Buch noch eine weitere Wahrheit, die ich erwähnt habe, ohne die vorangehenden und nachfolgenden Verse aufzuschreiben. Lasst uns alles niederschreiben und lesen, damit unser Text noch bedeutsamer wird.
Ihr Unvernünftigen unter dem Volk, gebt Acht; ihr Toren, wann werdet ihr klug werden?
Der das Ohr geschaffen hat, sollte der nicht hören? Der das Auge gebildet hat, sollte der nicht sehen? Der die Nationen zurechtweist, sollte der nicht richten – er, der den Menschen Erkenntnis lehrt? Psalm 94:8-10
Es gibt auch manche Menschen, die zwar mit eigenen Augen sehen und mit eigenen Ohren hören, es aber dennoch nicht verstehen können. Wie viele Beweise Sie ihnen auch bringen mögen, nein, sie wollen es nicht verstehen. In manchen Fällen will Gott sogar, dass es so ist. Das heißt, Gott will nicht, dass wir Menschen unverständig sind, oder genauer gesagt, dass diese Lage geändert wird, während wir unverständig sind, und dass Er uns Weisheit und den Geist des Verständnisses gibt. Und Er hat nicht Unrecht. Uns aus all dem Schmutz, den wir angerichtet haben, aus unserem hartherzigen und hartköpfigen Zustand mit einem Schlag zu befreien und uns „Willkommen auf dem Weg zum Paradies“ zu sagen, das wäre in Gottes Augen eine Ungerechtigkeit. Das bedeutet nicht, dass jenen Menschen, was auch immer sie tun, nicht vergeben werden kann. Denn wir lesen deutlich, dass Gott sagt: „Was auch immer ihr getan habt, wenn ihr bereut und von euren bösen Wegen umkehrt, dann werde auch Ich euch annehmen.“ (Hesekiel 18:1-23) Dass Gott gewisse Arten von Menschen nicht anzieht, liegt daran, dass sie nicht bereuen und sich nicht bessern. Auch wenn sie nur um ihres Vorteils willen oder nach den Nöten und Katastrophen, die sie durchgemacht haben, in jenem Augenblick eine Veränderung zeigen, so ist dies weder Reue noch bedeutet es Umkehr. Auf solche Menschen wies Jesus Christus mit der folgenden, zuvor ausgesprochenen Prophezeiung hin:
Darum rede ich in Gleichnissen zu ihnen; denn obwohl sie sehen, sehen sie nicht, und obwohl sie hören, hören sie nicht und verstehen es auch nicht. An ihnen erfüllt sich die Prophezeiung Jesajas, die lautet:
„Hörend werdet ihr hören und doch keineswegs verstehen; und sehend werdet ihr sehen und doch keineswegs erkennen; denn das Herz dieses Volkes ist unempfänglich geworden, und mit ihren Ohren haben sie schwer gehört, und ihre Augen haben sie geschlossen; damit sie nicht etwa mit ihren Augen sehen und mit ihren Ohren hören und mit ihrem Herzen verstehen und umkehren und ich sie heile.“ So erfüllt sich diese Prophezeiung. Matthäus 13:13-15 und Jesaja 6:9-10)
Denn diese Menschen liebten weder den Weg, der zur Rettung führt, noch Gott. Sie wollten Ihn nicht verstehen, wollten Ihn nicht lieben. Durch ihre Taten machten sie diese Welt zur Hölle, zu einem Ort, an dem man nicht mehr leben kann. Natürlich wird Gott auch mit ihnen nicht zufrieden sein. Auch von den Frommen, die dem äußeren Anschein nach so tun, als würden sie Gott lieben und Ihn ehren, gibt es viele. Auf unserer Erde gibt es zahllose Religionen und Konfessionen, voll von Menschen, die vorgeben, ihren Religionen anzuhängen, und die sich rühmen, ihren Führern ohne einen Zentimeter Abweichung zu gehorchen. Über sie sagt Gott ebenfalls Folgendes:
Der Herr sprach: Weil sich dieses Volk mir naht und mich mit seinem Mund und mit seinen Lippen ehrt, sein Herz aber fernhält von mir, und ihre Furcht vor mir ein von Menschen gelehrtes Gebot ist; darum, siehe, werde ich abermals wunderbar mit diesem Volk handeln, ja, wunderbar und erstaunlich; und die Weisheit ihrer weisen Männer wird zunichtewerden, und der Verstand ihrer verständigen Männer wird sich verhüllen.
Wehe denen, die ihre Absichten tief vor dem Herrn verbergen und deren Werke im Finstern sind und die sagen: „Wer sieht uns? Und wer kennt uns?“ Ach, eure Verkehrtheit! Soll der Töpfer dem Ton gleich geachtet werden, sodass das Gebilde von dem, der es gemacht hat, sagt: „Er hat mich nicht gemacht“; und das Geformte von dem, der ihm Gestalt gab, sagt: „Er hat keinen Verstand“? Jesaja 29:13-16
Sind wir als Menschheit nicht genau in einem solchen Zustand? Eigentlich befinden wir uns in einem so bemitleidenswerten Zustand, und wir wollen es nicht einmal wahrhaben. Warum haben wir als Menschheit ein Problem damit, dass Gott uns immer sieht? Warum stört uns diese Wahrheit so sehr? Eine Wahrheit, die uns am meisten stört, ist auch, dass Gott uns nicht nur immer sieht, sondern zugleich alles kennt, was in unserem Verstand und unserem Herzen vorgeht, und ganz genau weiß, was wir in Zukunft tun werden. Es gibt viele Menschen, die Gott genau wegen all dieser Dinge, ja allein wegen dieser Dinge, leugnen. Sehen sie diese Eigenschaften, die Gott besitzt, etwa als Eingriff in ihr Privatleben an? Oder ist dies in ihren Augen eine Ungerechtigkeit? Warum lehnen sich Menschen mit dieser Geisteshaltung eigentlich nicht in dieser Sache gegen die Regierungen auf, unter deren Herrschaft sie stehen? Denn wie ich schon sagte, besitzen diese Regierungen unter dem Namen der Sicherheit Aufzeichnungen, in denen alles über eine Person festgehalten ist – von der Zahl der Zähne in ihrem Mund über die Frage, welcher davon künstlich ist, bis dahin, wo Sie Ihren Urlaub gemacht haben, in welches Flugzeug Sie gestiegen sind und was Sie mögen und was nicht. Die Telefone und Computer der Bevölkerung stehen unter ständiger Überwachung. Ich würde sogar nicht lügen, wenn ich sagte, dass sie einen bis in die Eingeweide kennen. Besonders seit sie diese Terroristen-Mode ins Leben gerufen haben, tun sie all das noch dazu, indem sie sich selbst für im Recht halten. Ohne von irgendjemandem eine Erlaubnis einzuholen, haben sie ihre Nase in das gesamte Privatleben aller Menschen gesteckt. Und die gesamten Kosten jener Ausgaben, die sie unter dem Namen der Sicherheit tätigen, gehen ebenfalls auf unsere Kosten. Sie sind so schamlos, dass sie das Geld, das sie zum Schutz ihres eigenen Hinterns ausgeben, nicht einmal aus der eigenen Tasche bezahlen. Ich sage dies für jene, die angesichts der Eigenschaft Gottes, uns überall zu sehen, sagen: „An einen solchen Gott glaube ich nicht.“ Während die Menschheit für den Schutz einer Handvoll Männer bereit ist, so vieles zu ertragen, was ihr selbst Not und Schaden bringt – wobei jene sogenannte Handvoll Menschen ständig damit beschäftigt ist, der Menschheit zu schaden –, warum sehen wir dann die Eigenschaft des Herrn und Schöpfers aller Dinge, zu sehen, die doch allein auf unser Wohl und unseren Vorteil ausgerichtet ist, mit einem feindseligen Blick an?! Oder was würden wir tun, wenn es genau umgekehrt wäre und Gott uns nicht sehen könnte? Ich meine damit natürlich jene, die ein gutes Verhältnis zu Ihm haben und selbst bei ihrer allerkleinsten Not nicht zögern, Ihn sogleich anzurufen. Nun, wer aber ist im Laufe seines Lebens niemals in Not geraten? Sogar von Piloten, die im Kommunismus aufgewachsen sind und niemals von Gott gewusst haben, hat man auf Tonbändern Stimmen abgehört, die aufgezeichnet haben, wie sie in den letzten Sekunden „Allah“ (Gott) schrien, als ihr Flugzeug bei einem Unglück oder im Krieg beschädigt wurde und sie erkannten, dass sie dem sicheren Tod entgegengingen. Wer wünschte sich nicht, dass Gott uns in einer Not sieht und aus jener Not errettet? Bei logischer Betrachtung ist es sowohl nützlich, dass Gott alles sieht, als auch ein Recht, das Ihm zusteht. Denn wenn wir mit Gott sprechen, als was bezeichnen wir uns selbst, wenn wir uns Ihm nahen? Wir sagen: „Wir sind Dein Knecht.“ Auch über Jesus Christus und viele andere kostbare Propheten wird dieser Ausdruck gebraucht. (Apostelgeschichte 3:26)
Was bedeutet Knecht oder Sklave? Als Sklave (Knecht) wird ein Mensch bezeichnet, der für einen Preis gekauft worden ist. Von da an ist er gleichsam ein Besitz seines Herrn. So war das Verständnis der Sklaverei unter den Menschen zumindest. Nun, in welchem Verständnis tun wir dies, wenn wir uns Gott nahen und uns selbst zu Seinen Knechten machen? Oder ist unsere Annäherung nur so dahingesagt, eine falsche Demut? Wenn es so ist, dann glauben Sie mir, wir können Gott diese Gefühle nicht unterjubeln. Vielleicht wollen wir aus diesen und ähnlichen Gründen nicht, dass Gott alles weiß. Mit diesem Beispiel: Wenn wir Heuchler sind, wollen wir, dass Gott dies nicht durchschaut.
Ich möchte dieses Thema noch ein wenig weiter erläutern, indem ich Ihnen ein Beispiel von meinem eigenen Sohn und auch von einem Freund gebe. Denn wenn wir uns den Dingen nur aus einem einzigen Blickwinkel nähern, werden wir unseren eigenen Fehler und unsere eigene Krankheit niemals erkennen können. Deshalb müssen wir uns zwingen, über uns selbst aus vielen verschiedenen Richtungen nachzudenken.
Auf die Frage, die ich meinem damals etwa 35 Jahre alten Freund stellte, wen er am meisten liebe, hatte er geantwortet: „Meinen Vater.“ Als ich mit der Zeit auf sein Verhältnis zu seinem Vater achtete, kam mir diese Liebe seltsam vor. Er selbst sagte: „Wenn mein Vater ins Zimmer kommt, halte ich es höchstens fünf Minuten aus, mir wird langweilig, und ich gehe gleich.“ Als ich fragte: „Sagst du nicht, dass du deinen Vater am meisten liebst?“, antwortete er: „Ja, das stimmt.“ Da auch ich einen Sohn habe, kam mir diese Situation, als ich seine Gefühle abwog – sei es als Vater, sei es als Sohn –, meiner Meinung nach überhaupt nicht wie Liebe vor. Als ich ihm das sagte, lautete seine Antwort: „Ich rauche, vielleicht kann ich mich deshalb nicht lange bei ihm aufhalten.“ Dabei rauchte er, wenn wir stundenlang zusammen waren, weiß Gott gar nicht, weil er wusste, dass es auch mir unangenehm ist, wenn meine Kleidung nach Zigarettenrauch riecht. Als ich sagte: „Auch wenn du rauchst, kannst du es denn nur fünf Minuten ohne Zigarette aushalten?“, schaute er mir, ohne zu antworten, ins Gesicht. Ich hätte große Angst davor, dass mein Sohn mich auf diese Weise liebt. Denn wenn das Liebe ist, wenn wir im Namen der Ehrfurcht nie zusammenkommen können und, wenn wir dann einmal zusammenkommen, er es kaum fünf Minuten mit mir zusammen aushält, so fügte ich hinzu: Bloß möge er mich niemals so lieben. Denken Sie bitte auch nicht, dass der Vater meines Freundes so ein Despot, ein reizbarer, herrischer, jähzorniger Mensch wäre. Auf seine Art ein scherzhafter, stiller, im Allgemeinen ruhiger, bescheidener Mann. Natürlich gibt es zum Wohl seines Sohnes gewiss ab und zu ratgebende Äußerungen wie „Wäre es nicht besser, wenn du das so machen würdest?“ oder „Wäre es nicht richtiger, wenn du es so tätest?“, ein Murmeln und Vor-sich-hin-Reden. Aber unser Freund war auch nicht der Typ, den so etwas gestört hätte. Er hatte ein eigenes Geschäft, und einmal, als sein Vater bei ihm war, sagte er lachend zu einem Kunden, der ihn anrief: „Wenn du meinen Vater suchst, findest du ihn in der Moschee, wenn du mich suchst, in der Bar.“ Auch sein Vater war jemand, der das wusste. Eigentlich liebte die Person, von der ich spreche, ihren Vater wirklich, aber aus Mitleid. Das heißt, seine Liebe beruhte auf Mitleid. Seit seiner Kindheit hatte er die Dinge, die sein Vater aufopferungsvoll und ohne an sich selbst zu denken seiner Familie gab, als Einfältigkeit, Naivität und Dummheit angesehen. Da auch er von all dieser Einfältigkeit, Naivität und Dummheit den Anteil erhielt, der seinem Vorteil entsprach, betrachtete er diese Lage nicht mit einem bösen Blick, sondern eben nur mit Mitleid. Wäre sein Vater gegenüber anderen naiv, einfältig, dumm gewesen, zu Hause aber ein Löwe, dann hätte er ihn gehasst. Da er aber sah, dass sein Vater diese Eigenschaften bei allen anwandte, wusste er sehr gut, dass jener keinen Unterschied zwischen den Menschen machte und, falls er Partei ergriff, die Partei seiner Familie ergriff. Der Vater war auf seine Weise ein gläubiger Mensch und achtete darauf, ein gutes Verhältnis zu Gott zu pflegen. Unser Freund hingegen schien all dies ins Regal gestellt zu haben. Während er mit Menschen, von denen er sagte, dass er sie überhaupt nicht liebe, stundenlang bis in die Nacht hinein zusammensaß, Alkohol trank, lachte und scherzte, hatte er mit seinem geliebten Vater beinahe nichts, was sie miteinander teilten. Als ich auf meinen Sohn achtete, sah ich auch bei ihm dieselben oder ähnliche Eigenschaften. Ich bin sicher, dass auch er mich liebt. Aber auch das ähnelt ein wenig der Liebe jenes Freundes. Ich habe viel über den Grund dafür nachgedacht. Eigentlich ist es manchmal schwer, manchmal aber auch nicht zu verstehen.
Als ich in der Oberschule war, hatte ich ein Auto, und ich fuhr oft mit meinen Lehrerinnen irgendwohin. An den Orten, wohin wir fuhren, gaben sie mir Zigaretten. Ich nahm sie nicht an, aber wenn sie fragten, ob ich rauchte oder nicht, konnte ich nicht lügen und senkte auf ihre Fragen hin den Kopf auf eine Weise, die „Ja, ich rauche“ bedeutete. Dann bestanden sie darauf: „Nimm, rauch“, denn sie wollten, dass ich mich wohlfühlte. Einmal nahm ich eine und rauchte sie, aber sie mussten es wohl bemerkt haben, denn sie sagten: „Wir haben dem Jungen ja seine Zigarette zur Qual gemacht.“ Ich hatte jene Zigarette nicht wie ein Vergnügen geraucht, sondern angesichts des Drängens meiner Lehrerinnen geradezu wie eine Pflicht, aus Sorge, es könnte respektlos sein. Es waren alles schöne Damen, und auch ich war damals ein blutjunger Schüler der Abschlussklasse. Eigentlich waren es die Positionen, die wir innehatten, die die Situation unbehaglich machten. Sie waren Lehrerinnen, und ich war Schüler, wobei ich damals sogar vielleicht eine Freundin hatte, die älter war als sie. Mit ihr konnte ich alles ohne Scheu tun. Aber diese Damen waren in ihrer Eigenschaft als Lehrerinnen die Lehrkräfte der Schule, die ich besuchte. Es waren diese Gefühle, die mich bedrückten. Aber daneben hatte ich auch genügend sehr unverschämte Freunde. Ich sah auch solche, die die guten Absichten so vertrauensvoller Lehrerinnen ausnutzten und ihre Späße trieben, bis dem Menschen der Schweiß nur so den Rücken hinunterlief. Manchmal kann ich zu diesen Situationen auch nicht „gut“ oder „schlecht“ sagen. Denn wenn ich mir die Ereignisse ansehe, fühlten sich manche Lehrerinnen neben jenen sogenannten Spaßvögeln überhaupt nicht unwohl. Vielleicht fühlten sie sich im Gegenteil neben denjenigen, die ich Spaßvögel nannte, lachend noch wohler und entspannter, so wie sie sich selbst durch jemanden wie mich, der sich unbehaglich fühlte, unbehaglich fühlten.
In einem anderen Beispiel war ich ständig mit dem Schuldirektor zusammen, und deshalb rauchte ich, wenn wir beisammen waren, ohne jede Scheu auch Zigaretten. Sogar war das Heiraten in der Oberschule verboten, und als ich ihn zu dieser Angelegenheit fragte, gab er mir die Erlaubnis mit den Worten „Wenn du willst, heirate“ und drückte für mich ein Auge zu. Sonst hätte ich bis zum Ende der Schule nicht geheiratet. Obwohl unser Beisammensein so ungezwungen war, hatte ich innerhalb der Schule niemals geraucht, mit einer einzigen Ausnahme. Und ausgerechnet dieses eine Mal machte er nicht etwa eine Razzia auf den Toiletten? Ich warf die Zigarette weg und ging hinaus; ob er es gesehen hat oder nicht, weiß ich nicht, denn die Toilette war gerammelt voll mit einer Menge Jungen, aber ich schämte und ärgerte mich sehr darüber, warum ich ihn in eine schwierige Lage gebracht hatte. Selbst dass er am selben Tag lachend sagte „Beinahe hätte ich auch dich erwischt“, beruhigte mich nicht, und ich sagte, dass ich so etwas zum ersten Mal getan hätte. Meine Vertrauensperson war zudem seine Frau, die stellvertretende Direktorin der Schule war. All ihre guten Absichten hätte ich niemals missbrauchen können. Und für sie war das ja auch keine Bosheit. Sie mussten eben nur die Gesetze durchsetzen, und das war für ihn eine ganz gewöhnliche Pflicht, die er zu erfüllen hatte, nicht mehr. Denn er selbst hatte in seiner Oberschulzeit dieselben Dinge getan und erlebt.
Um verstehen zu können, warum Menschen in ihren Beziehungen zueinander, obwohl sie einander lieben, unter dem Beisammensein leiden, ist es manchmal wirklich nötig, eine seelische Analyse vorzunehmen. So sehr wir auch sagen, wie sehr wir jemanden lieben, leiden wir manchmal unter der Anwesenheit jener Personen. Meiner Meinung nach ist dies eigentlich keine ganz gesunde Liebe. Auch wenn dabei vielleicht alles Mögliche wie Respekt, Furcht, Scheu und Scham vorhanden ist, fällt es mir schwer zu sagen, dass es eine vollständige „Liebe“ sei. Oder jene Liebe kann durch die gegenteilige Wirkung all dieser Dinge in dem Menschen den Zustand echter Liebe nicht erleben. Das heißt, wäre es eine reine Liebe, von all diesen Elementen entkleidet, dann wäre jene Liebe viel natürlicher, aufrichtiger, herzlicher und ungezwungener – aber sie kann sich nicht entkleiden. Es ist etwa so, als würde man in eine Eistüte, die man mag, auch die Sorten mischen, die man nicht mag. Ab und zu leckt man auch an jener Seite, die man mag, aber in den Mund kommen immer auch die anderen Geschmacksrichtungen, die man nicht will und die einen stören. Eigentlich ist es gleichsam eine Situation, als würde man sich mühen, auch noch die Liebe zum Eis zu zerstören. Wenn Ihnen jemand bei jedem Eiskauf stets auch das mischt, was Sie nicht wollen, dann wird der Tag kommen, an dem Sie es überaus leid sein werden, Eis zu essen. Denn es wird Ihnen kein Vergnügen mehr bereiten.
So verhält es sich auch mit der Beziehung der Menschen zu Gott. „Viele Menschen glauben nicht, dass Gott sie immer sieht, und wollen es auch nicht glauben. Denn das gibt ihnen nur ein Gefühl der Bedrängnis“, hatte ich gesagt. Menschen, die in religiösen Kreisen neu sind, glauben eines Tages durch die Erkenntnisse, die sie gesammelt haben, mit voller Gewissheit, dass Gott sie immer sieht. Aber dieser Glaube nimmt und vernichtet all ihre Freude und all ihre Fröhlichkeit. Nicht nur in Gegenwart anderer, sondern auch, wenn sie allein sind, ist es, als lebten sie stets in einer Art Bedrängnis. Diese Erkenntnis, die sie besitzen, hat sie in eine solche Bedrängnis gebracht. Insgeheim würden sie sagen: „Ach, wenn Gott mich doch nur nicht überall sehen könnte“, aber die Zunge sträubt sich. Wenn ein solcher Mensch dieser Bedrängnis nicht standhalten kann und jenen Glauben, jene Überzeugung von sich abwirft, wird er in kurzer Zeit ein viel fröhlicherer, entspannterer Mensch. Und als hätte er eine psychische Störung, macht er sich ständig selbst Vorhaltungen, um sich von diesem Glauben zu befreien, damit jener Zustand der Bedrängnis nicht wieder über ihn kommt. Von da an existiert Gott für ihn entweder gar nicht, oder falls Er existiert, sieht Er eben nicht alles. Die Organisationen der Zeugen Jehovas, die sich dieses psychischen Problems bewusst sind, verbreiten unter ihren Mitgliedern von Zeit zu Zeit Lehren wie: „Gott beobachtet, sieht und beachtet uns nicht ständig.“ Da die Menschen, die diese Bedrängnis empfinden, in der Mehrzahl sind, wollen sie – allen voran sie selbst – nicht, dass ihnen ihre Mitglieder davonlaufen und dass deren Behaglichkeit gestört wird. Auch wenn viele Menschen diese Wahrheit aus den beweisbar niedergeschriebenen Heiligen Schriften und naturgemäß kennen, können sie durch diese Veröffentlichungen der Organisation das Bewusstsein, dass Gott sie immer sieht, nicht vollständig erleben. Sie vergessen die Tatsache, dass Gott alles sieht, sogar von Zeit zu Zeit, oder sie wollen sie vergessen, oder sie wissen davon und schlagen sie in den Wind, kümmern sich nicht darum.
Respektvoll zu sein ist nichts Falsches. Alles vor jedermann zu tun, ist Respektlosigkeit. Das heißt, dass wir uns in Gegenwart mancher Menschen aufgrund ihrer Stellung und Position ihnen gegenüber respektvoll, ehrerbietig und sogar zurückhaltend verhalten, ist zugleich der Wille Gottes. Sehen Sie, was an einer Stelle zu diesem Thema geschrieben steht:
Gebt jedem, was ihm zusteht: dem die Steuer, dem die Steuer zusteht; dem den Zoll, dem der Zoll zusteht; dem die Furcht, dem die Furcht zusteht; dem die Ehre, dem die Ehre zusteht. Römer 13:7
Es gibt so viele Verse, die uns sagen, respektvoll zu sein und einander zu ehren. Sei es innerhalb der Familie (Epheser 5:22 und 33; 6:1-4), so wird die Herzenshaltung, die wir gegenüber den Regierungen und gegenüber jedermann haben sollen, in den Versen genauso erklärt:
… wissend, dass ein jeder, sei er Sklave oder Freier, für jedes Gute, das er tut, dies vom Herrn empfangen wird; dient euren Herren nach dem Fleisch, wie dem Christus, in der Lauterkeit eures Herzens, mit Furcht und Zittern. (Dieser Vers, der im Türkischen in Epheser 6:8 steht, steht in einigen fremden Sprachen im 5. und 6. Vers.)
Gott betont hier schon in diesen wenigen Versen deutlich, dass wir ehrerbietig und respektvoll sein sollen und dass wir dies zudem von Herzen tun sollen. Auch wenn diese Situationen von Zeit zu Zeit gar nicht so leicht sind, können wir es mit Gottes Hilfe und durch Willen, indem wir uns selbst zwingen, schaffen.
Wie zu verstehen ist, ist es sowohl angebracht als auch etwas sehr Schönes, jemanden zu respektieren, und noch dazu, wenn ein Mensch jemanden respektiert, den er liebt. Die Seite, die nicht zu verstehen ist, ist die Bedrängnis, die wir aus dem Beisammensein mit jenen Personen empfinden. Was ich nicht zusammenbringen kann, ist, unmittelbar neben Liebe und Respekt auch die Bedrängnis einzufügen. Deshalb liegt das Problem meiner Meinung nach nicht im „Respekt“, sondern darin, dass der Respekt, wenn von Liebe die Rede ist, nur als Vorwand benutzt wird, um Abstand zu halten. Im Allgemeinen ist das auch der Kern der Sache. Ob bei mir selbst, bei meinem Kind oder bei anderen Menschen – die Beispiele, die ich gegeben habe, zeigen dies. Diesmal stellte ich mir selbst die folgende Frage: „Nun, würde ich es denn leid sein, in Gottes Gegenwart zu sein?“, sagte ich und versank in tiefes Nachdenken. War ich Gottes mit Seiner Eigenschaft, uns in jedem Augenblick zu sehen, überdrüssig? Wenn der Mensch nachdenkt, ohne sich selbst zu betrügen, kommen interessante Ergebnisse zutage. Bei jener Frage fiel mir sogleich der Augenblick ein, als ich im Internet nach dem Text eines Liedes suchte und dabei jene pornografischen Bilder betrachtete, die sich partout nicht schließen ließen, sondern sich im Gegenteil immer weiter vermehrten. So sehr ich es auch nicht wollte, dachte ich an jene blutjungen und schönen Mädchen, die Verkehr mit Tieren hatten, und ich schämte mich furchtbar, und mir wurde übel. Sowohl um ihretwillen – denn sie tun so etwas ja auch noch –, als auch um meinetwillen, warum meine Augen dies gesehen hatten. Es kann passieren, der Mensch sieht, aber sich von diesen Bildern zu befreien, die unseren Verstand verderben und beschmutzen, geschieht auch nicht mit einem Schlag. Immer wieder kommen sie einem in den Sinn. Schon als Kind war mir übel geworden von den Dingen, die ich sah, und die waren nicht einmal so schlimm; Jahre sind vergangen, ich bin alt geworden, und die Dinge, die ich sehe, machen mir wieder übel. Selbst wenn der Mensch für jemanden vom anderen Geschlecht das höchste Gefühl hegt, so verschwinden durch jene Bilder all diese Gefühle. Wenn das Fortschritt ist, dann sind wir in jeder Hinsicht, die den Magen umdreht, wirklich sehr fortgeschritten. Nun, das ist nur ein Beispiel. Eigentlich kommt die Seite, die uns in unserer Beziehung zu Gott bedrängt, dann zum Vorschein, wenn wir Dinge tun, die wir selbst nicht einmal offen vor jedermann tun könnten oder täten. Das heißt, die Grundlage unserer Bedrängnis liegt in unseren eigenen Taten. Im Internet-Beispiel fühlte ich mich wegen der Dinge, die ich sah, nicht etwa schuldig, aber kaum hatte ich mir die Frage gestellt, ob mich das Beisammensein mit Gott bedrängen würde, fielen mir sogleich diese Bilder ein, und deswegen war ich bedrängt. Wieder nicht wegen Gottes, sondern wegen der Dinge, die ich gesehen hatte, und weil ich hingesehen hatte, schämte ich mich auch ein wenig meiner selbst. Ich mühte mich, die Seiten zu schließen, aber während ich manche Bilder aufmerksam betrachtete! Dinge, die niemals hätten gesehen werden dürfen, haben sie in unserer Zeit bis ins Wohnzimmer gebracht. Nun, jeder tue, was er will, aber ich hoffe, dass wir als Menschheit niemals vergessen werden, was wir geworden sind und wie sehr wir in unseren eigenen Augen erniedrigt worden sind. Gott lässt ja gerade deshalb all diese Dinge zu.
… Und wenn ich dir alles vergebe, was du getan hast, sollst du dich erinnern und dich schämen und vor Scham deinen Mund nicht mehr auftun, und ich werde meinen Bund mit dir festigen, und du sollst erkennen, dass ich der HERR bin – so lautet das Wort des Herrn Jehova. Hesekiel 16:62 und ferner:
Darum spricht der Herr Jehova so: Siehe, meine Knechte werden essen, ihr aber werdet hungern; siehe, meine Knechte werden trinken, ihr aber werdet dürsten; siehe, meine Knechte werden sich freuen, ihr aber werdet euch schämen; siehe, meine Knechte werden aus Herzensfreude jubeln (Lieder singen), ihr aber werdet aus Herzensweh schreien und vor Geistesgebrochenheit heulen. Und ihr werdet euren Namen meinen Auserwählten zum Fluchschwur zurücklassen; und der Herr Jehova wird dich töten; und seine Knechte wird er mit einem anderen Namen rufen; sodass derjenige, der sich auf Erden segnet, sich mit dem wahren Gott segnen wird; und derjenige, der auf Erden schwört, wird bei dem wahren Gott schwören; denn die früheren Nöte sind vergessen, und weil sie vor meinen Augen verborgen sind. Jesaja 65:13-16
Da Gott gesagt hat, dass all diese Zustände sich so entwickeln werden, wird es auch so geschehen.
Kommen wir wieder auf das Gesehen-werden-überall oder auf die Bedrängnisse zurück, die wir in Gegenwart derer empfinden, mit denen wir zusammen sind und die wir lieben und ehren. Wenn die Sache Gott betrifft, ist es meiner Meinung nach wieder das Richtigste zu sagen: „All unsere Bedrängnisse, die damit zusammenhängen, dass Gott uns immer sieht, rühren von unseren eigenen Taten her, nicht von Gott.“ Wenn wir etwas Gutes tun, sind wir dafür, dass beinahe vor uns her die Posaune geblasen wird und dass jeder es hört und sieht; warum aber wollen wir, dass unsere bösen und krummen Taten verborgen bleiben, und sind nicht dafür, dass Gott alles sieht – das dürfte nicht schwer zu verstehen sein. Während wir bei den Hilfeleistungen, die wir zur Schau vor den Menschen erbringen, und bei den drei Groschen Almosen, die wir geben, wünschen, dass Gott und vor allem die Menschen uns sehen, versuchen wir bei unseren großen Verbrechen, die so schwer wiegen, dass sie anderen ans Leben gehen, sogar noch Ihn zu beschuldigen: „Warum sieht Gott alles?“! Sollten wir denn in Sachen Sehen die Entscheidungen darüber treffen, was Gott zu sehen hat? Auch wenn viele Menschen sich der Sache nicht mit dieser Logik nähern, geht das Verlangen in ihrem Inneren, das sie sich selbst nicht erklären können, in diese Richtung. Ich komme kurz zu folgendem Schluss: Unsere Taten entfernen uns entweder von Gott oder nähern uns Ihm an.
Auch wenn es nicht falsch ist, dass Menschen einander respektieren, so sollte man sich meiner Meinung nach, wenn in diesem Respekt eine bedrängende Situation liegt, dafür einsetzen, dass beide Seiten sie aus dem Weg räumen. Weder sollte derjenige, der des Respekts würdig ist, diesen zu seinem Vorteil und dazu benutzen, sein Gegenüber zu erdrücken und einzuschüchtern; noch sollte derjenige, der den Respekt erweisen soll, die Nachsicht, die Liebe und die Freiheit, die ihm sein Gegenüber gewährt, ausnutzen und missbrauchen. Meiner Meinung nach will Gott, dass das Leben der Menschen so ist, dass sie alles, was sie tun, auch vor jedermann ohne Scheu, ohne Furcht, ohne Bedrängnis auf natürliche Weise tun können. Aus diesen meinen Worten werden auch manche abwegigen Gedanken hervorgehen. Zum Beispiel muss der Mensch, ja jeder Mensch, auf die Toilette gehen, aber man kann nicht erwarten, dass er diese Verrichtung vor jedermann ohne Scheu ausführt, und das sollte auch nicht so sein. Ich kann selbst heute noch auf öffentlichen Toiletten nicht einmal am Pissoir mein Geschäft verrichten, wenn jemand neben mir steht. Wie sehr es auch drängt, ich habe Mühe. Wie wir aus Filmen sehen, verrichteten früher in der amerikanischen Armee die Soldaten ihr großes Geschäft nebeneinander, ohne jene Wände, die die Toiletten voneinander trennen. Auch in den Gefängnissen soll es so gewesen sein. Wäre ich es gewesen, hätte ich mich mit dieser Situation wohl sehr schwergetan. Wer weiß, was sie unter dem Namen der Sicherheit erreichen wollten, dass sie wieder eine solche Methode wählten. Von den Beziehungen zwischen Ehemann und Ehefrau, vom Wunsch zweier Liebender, allein zu sein, bis dahin, dass der Mensch manchmal sogar beim Essen nicht allein oder ganz offen inmitten aller sein möchte. Das sind die natürlichen Gefühle der Menschen, und wie ich sagte, es muss auch so sein. Mit den Worten „Wir sollten alles, was wir tun, auch vor jedermann ohne Scheu tun“ meinte ich eben nicht solche Dinge. Wenn ich sage, dass alles, was der Mensch tut, sogar die Dinge, die er im Verborgenen tut, so meinte ich, dass er niemals Dinge tun sollte, deren man sich schämen muss, die hässlich, die in Gottes Augen falsch sind, das heißt, die wir Sünde nennen. Das ist ja auch der Zweck des Glaubens daran, dass Gott uns immer sieht. Wenn es Dinge gibt, die uns bedrängen, dann sollten wir uns bemühen, sie sein zu lassen. Weder die Beziehung zwischen Ehemann und Ehefrau, noch unsere Erleichterung auf der Toilette, noch der Wunsch, manchmal allein zu essen, oder mit unseren Freunden zu scherzen, zu spielen und zu lachen, sind in Gottes Augen böse und falsch, geschweige denn eine Sünde. Der, der uns erschaffen hat, hat uns ohnehin so erschaffen. Wir müssen unseren Verstand von manchen Dingen reinigen. So wie man dies einen gesunden Verstand nennt, so hängt es auch von den richtigen Erkenntnissen, die wir erhalten, ab, dass wir einen gesunden Glauben besitzen.
Gibt es nicht auch eine wahre Seite daran, Respekt und das Gefühl der Bedrängnis zu verbinden? Und ob es die gibt, und zwar himmelweit. Der Respekt ist auch eines jener heimtückischen Gefühle, die die Menschen benutzen, um einander zu erdrücken, auszubeuten, zu gebrauchen, Vorteile zu erlangen und manchmal sogar zu vernichten. Wann immer ich daran denke, welcher Respekt uns in der Schule beigebracht wurde und wie dieser von uns eingefordert wurde, gedenke ich damals und noch heute mit Hass daran. Unsere schmutzigsten Lehrer waren diejenigen, die am meisten forderten, dass man ihnen Respekt erweise. Als ich im Internat des Haydarpaşa-Gymnasiums lebte, habe ich mit angesehen, wie ein Lehrer namens Ziya Bey einen Schüler, der mit seinem Freund durch jene riesigen Korridore ging, im Vorbeigehen packte und ihn plötzlich schlug, bis dessen Mund und Nase brachen. Danach ließ er jenes Kind, das blutüberströmt am Boden wie ein geköpftes Huhn schrie, einfach liegen und ging weiter, ohne sich auch nur ein einziges Mal umzudrehen. Wir alle glaubten, hinter dem Vorfall stecke etwas Großes. Dabei kannte das Kind weder jenen Lehrer, noch hatte jener bei ihm Unterricht. Seine ganze Schuld bestand darin, warum er, als er ihn sah, sich nicht die Jacke zugeknöpft hatte. Selbst das ermittelten wir nur durch Mutmaßungen. Jener Lehrer namens Ziya Bey ließ sich nicht einmal herab, dem Kind seine Schuld zu nennen, falls es überhaupt eine gab. Dies war nur einer der Hunderten von Eindrücken, die ich erlebte. Während man sieht, dass diejenigen, die am meisten des Respekts würdig sind, sich zutiefst schämen, so etwas überhaupt zu fordern, und sich nicht einmal dazu herablassen, ist es eine Tatsache, dass die Menschen, die des Respekts überhaupt nicht würdig sind, ihren Mitmenschen jeden Schmutz antun, den sie können. Aus all diesen Gründen mag es sein, dass die Menschen, sobald jemand die sogenannte Sache des Respekts ins Spiel bringt, vor jener Person nur noch Todesangst haben und nicht einmal ihre bloße Anwesenheit ertragen können. Sobald von Respekt die Rede ist, steckt sogleich das Sich-Fürchten, das Eingeschüchtert-werden, stecken Drohungen dahinter, nicht Liebe. Diejenigen, die man fürchten muss – die erbarmungslosen, von Mitleid und Menschlichkeit weit entfernten Menschen –, haben sich stets bemüht, geachtet zu werden. Und dies sind sie im Allgemeinen dafür, es mit Gewalt zu erlangen. Das ist das Gefühl, das diese Welt uns unter dem Namen Respekt beigebracht hat. Aus irgendeinem Grund haben diese Typen nicht einen Respekt gesucht, der aus Liebe entspringt. Ohne sich zu bemühen, Liebe zu gewinnen, haben sie mit Gewalt, mit den Worten „Aber ihr werdet mich achten“, jeglichen Druck, den sie konnten, auf die Menschen ausgeübt, und sie tun es noch. Lasst uns dabei bloß nicht die Ausnahmen als allgemeine Regel auffassen. Auch an den Orten, wo den Schülern Freiheit und Nachsicht gewährt werden, binden jene Schüler ihren Lehrern buchstäblich sogar eine Blechbüchse an den Hintern und verbreiten es im Internet für die ganze Welt. Wieder gilt: Nimm es dem einen und gib es dem anderen.
Im Mittelalter soll das Lachen unter den Mönchen beinahe als todeswürdig gegolten haben. Früher soll es auch im Islam unmöglich gewesen sein, einen freundlich blickenden Geistlichen zu sehen. Dasselbe Problem erlebte auch Jesus unter den Juden, sodass er die folgenden Worte sprach:
„Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie verunstalten ihr Gesicht, um den Menschen zu zeigen, dass sie fasten. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Wenn ihr aber fastet, salbt euer Haupt mit Öl (Wohlgeruch, Parfüm) und wascht euer Gesicht, damit du nicht den Menschen als Fastender erscheinst, sondern deinem Vater, der im Verborgenen ist. Und dein Vater, der das im Verborgenen Getane sieht, wird dich belohnen. Matthäus 6:16-18
Als wir beim Militär waren, hatte man uns beigebracht: „Ein Soldat lacht nicht, indem er die Zähne zeigt, sondern lächelt höchstens.“ Je nach der Aufgabe, die der Soldat zu erfüllen hat, ist diese Lehre auch richtig. Aufgrund der verworrenen Erziehung und Kulturen, die wir erhalten haben, befinden wir uns als gesamte Menschheit in Sachen Respekt, Liebe und Verhalten beinahe in einem Zustand der Unentschlossenheit. Manchmal müssen wir sogar bei den einfachsten Themen lange und ausgiebig nachdenken, um zu sagen, was richtig oder was falsch ist. Auch wenn es uns von Zeit zu Zeit unmöglich ist, uns den so zahlreichen verworrenen Kulturen der Menschen anzupassen, ist es eigentlich eine lebenswichtige Notwendigkeit für jeden Menschen, herauszufinden, was der Wille des einen einzigen Gottes ist, und unser Bestes zu tun, um Ihn kennenzulernen. Zugleich ist es ein Weg, der uns von dem Druck der verworrenen und manchmal auch unsinnigen Sitten und Bräuche befreit und die Menschheit zu einem gesunden Glück führt. Denn das ewige Leben sollte für jeden „Glück“ bedeuten. Niemand will einen Weg des ewigen Lebens gehen, der ihn am Ende zu Leid und Not führt. Die Verheißung Gottes an die Menschheit aber lautet genau folgendermaßen:
… Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her sagen: „Siehe, das Zelt Gottes ist bei den Menschen. Gott wird bei ihnen wohnen. Sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. Der Tod wird nicht mehr sein. Weder Trauer noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein. Denn die früheren Dinge sind vergangen.“
Und der auf dem Thron saß, sprach: „Siehe, ich mache alles neu.“ Dann sagte er: „Schreibe dies auf! Denn diese Worte sind zuverlässig und wahr.“ Offenbarung 21:3-4
So genau lautet die Verheißung Gottes an uns auf dem Weg des Lebens. Ob bei meinem Kind oder bei meinem Freund – das Verständnis von Respekt in den Beispielen, die ich gegeben habe, sollte nicht auf einer so lächerlichen Liebe beruhen, die uns nicht einmal fünf Minuten in Gegenwart jener Personen aushalten lässt. Liebe sucht eigentlich stets das Beisammensein. Menschen, die lieben, empfinden Kummer über die Trennung. Menschen, die lieben, weinen manchmal sogar vor Freude über das Wiedersehen. Liebe ist auch nicht, unter einem Dach zusammenzuleben, das auf Vorteilen beruht. Da ich in Deutschland lebe und naturgemäß dort meine Eindrücke gesammelt habe: Um die wahre Liebe der Deutschen zueinander auszudrücken, wäre es leider richtiger, nicht null Grad, sondern minus so und so viel Grad zu sagen. Auch wenn es unter ihnen unsere unsinnigen Respektsbekundungen wie „Knöpf dir die Jacke zu, steh auf“ nicht zu geben scheint, wenden sie ihre Zwangsmittel mit ganz anderen Taktiken an. Da auch die Befugnisse und Rechte der Lehrer an ihren Schulen grenzenlos sind und sie, was auch immer geschieht, vor den Gesetzen stets Recht bekommen, ist es auch nicht umsonst, dass die Schüler außer sich geraten und manche eine Waffe in die Hand nehmen und jeden Lehrer, der ihnen in den Weg kommt, töten. Gib dem Menschen bloß nicht die kleinste Befugnis, sonst missbraucht auch dieser Mensch sie! Sei es beim Schüler, sei es beim Lehrer. Auch wenn die Ereignisse je nach Umständen, Farben und Vorlieben in verschiedener Gestalt zutage treten, ist es, da es Menschen sind, die unsere Welt füllen, ganz normal, dass wir einander ähnliche Seiten haben. In der Türkei ist es so, in Deutschland so, aber was die Liebe betrifft, ist es leider überall dasselbe.
Zum Thema Respekt fiel mir eine der Aufzeichnungen über Jesus Christus ein. Da die jüdischen Religionsführer Jesus nicht ausstehen konnten, schickten sie Männer aus, um ihn festzunehmen. Die Männer aber kehrten zurück, ohne Jesus festgenommen zu haben. Lasst uns den Grund und jene Worte an Ort und Stelle lesen.
Als die Beamten zurückkamen, fragten die Oberpriester und die Pharisäer (die jüdische Sekte jener Zeit): „Warum habt ihr ihn nicht hergebracht?“ Die Beamten antworteten: „Niemals hat ein Mensch so geredet wie dieser Mann.“ Johannes 7:45-46
Können Sie sich das vorstellen? Sogar seine eigenen Feinde, beeindruckt von der Rede Jesu, nahmen ihn nicht fest und widersetzten sich damit gewissermaßen ihren Vorgesetzten. Einer jener Vorgesetzten war zudem der Hohepriester. Und das Hohepriestertum ist, wie ich sagte, in Israel der höchste Rang, den Gott jener Person verliehen hat. Gott, der ihn zur Zeit Moses an Israel verlieh, sagt: „Ohne dass diese Person als Vermittler auftritt, nehme und beachte ich die Opfer in eurer Hand nicht.“ Stellen Sie sich das Recht und die Ehre vor, die Gott jener Person zuerkannte. In Israel musste jeder, der sich Gott nahen wollte, die Opfer, die er brachte, zunächst vor diesen Männern vorüberführen. Gewissermaßen mussten sie diese Sache billigen. Kurz gesagt, sollten die Priester die Vertretung des Zeltes Gottes ausüben. Auch wenn sie von Zeit zu Zeit keine Werke hervorbrachten, die dieses würdig waren, so hatten sie diesen Rang nicht von sich selbst aus erlangt, sondern ihn vielmehr von Gott empfangen. Das sollte aber nicht bedeuten, dass sie über den Glauben der Menschen Herrschaft hätten. (4. Mose 18:21; 5. Mose, das gesamte 12. Kapitel; 2. Korinther 1:24)
Obwohl es sich so verhielt, gehorchten diese Männer ihnen nicht. Und der Respekt, den sie Jesus Christus gegenüber empfanden, rührte nur daher, dass sie von jenem augenblicklichen Gespräch dort beeindruckt waren. Nun würde jemand sagen, sie wären von Anfang an mit ihm zusammen gewesen, hätten ihn gekannt und ihn deshalb geliebt – aber nein. Auch Jesus bedrohte sie weder, noch ließ er Feuer vom Himmel fallen und schüchterte sie ein, noch nötigte er sie mit irgendeiner anderen Macht. Trotz vieler Hindernisse war der Respekt, den jene Menschen Jesus gegenüber empfanden, echt. Ohne jeden Druck und Zwang empfanden sie Respekt. Und das noch dazu gegenüber jemandem in der Position des Feindes. Die Befugnis, die sie besaßen, sahen wir später. Diejenigen, die Jesus schlagen ließen, ihn in die Hände der Folterknechte gaben und danach Druck ausübten, dass er sterben solle, waren wieder diese Priester und deren Gemeinschaft. Ich versuche damit zu schildern, welch große Schwierigkeiten jene Männer auf sich nahmen, um Jesus Respekt zu erweisen. Jemandem, dem alle Respekt erweisen, Respekt zu empfinden und zu erweisen, ist leicht. Aber jemanden wirklich, mit von Herzen kommenden Gefühlen zu achten, und das noch dazu um den Preis, sich den Zorn seiner Vorgesetzten, jener Personen, die Herrschaft über einen ausüben, zuzuziehen, das ist sehr schwer. Wer könnte daran zweifeln, dass dieses gezeigte Gefühl nicht echt gewesen wäre? Sehen Sie, was Personen, die mit Jesus zusammengelebt haben, über ihn sagen:
Er tat keine Sünde, und kein trügerisches Wort kam aus seinem Mund. Als man ihn beschimpfte, erwiderte er die Beschimpfung nicht. Als er litt, drohte er niemandem; sondern übergab seine Sache dem, der gerecht richtet, Gott. 1. Petrus 2:23
Glauben Sie, dass jemand wie er Druck ausüben würde, damit die Menschen ihm Respekt erwiesen? Auch bei Moses und bei allen anderen Propheten war es nicht anders.
„… Und Moses war demütiger als alle Menschen auf der Erde“, so steht es geschrieben. (4. Mose 12:3)
Es gibt aus irgendeinem Grund keine einzige Aufzeichnung darüber, dass Menschen, die Gott dienten, irgendjemanden mit Gewalt, mit Drohung, mit Schlägen dazu zwangen: „Ihr müsst mir Respekt erweisen.“ Diese Eigenschaft haben nur diejenigen gezeigt, die sich von Gott entfernt haben, und sie haben ihn von den Menschen nötigenfalls auch mit Gewalt eingefordert. Gegenüber den wahren Knechten Gottes hingegen haben die Menschen eine völlig gegenteilige Haltung eingenommen. Meist haben sie sie verachtet, geschlagen und ihnen ins Gesicht gespuckt, sie gelyncht und mit Sägen zersägt, in Feueröfen geworfen, sie wurden von ihren nächsten Verwandten verflucht, und die Menschheit hat nicht davor zurückgeschreckt, ihnen jegliche Bosheit anzutun, die sie nur konnte. Jene aber haben der Liebe zu Gott große Wertschätzung entgegengebracht. Und sie wussten sehr gut, dass diese nicht mit Gewalt, mit Drohung, durch Einschüchterung, mit Schlägen zustande kommt. Welchen Wert hätte ohnehin ein Respekt ohne Liebe? Außerdem, wie lange währt ein solcher Respekt? Meiner Meinung nach null. Man respektiert jemanden wegen seiner liebenswerten Eigenschaften. Den Respekt, der um eines Ranges, eines Titels, einer Stellung willen erwiesen wird, hat die Person nicht selbst erworben. So sehr sie auch sagen mag: „Diesen Rang habe ich mir verdient, weil ich seiner würdig bin, hat man ihn mir verliehen“, so wird der erwiesene Respekt doch nur jenem Rang erwiesen. Solange sie sich nicht bemüht, ihn von jeder einzelnen Person, der sie gegenübersteht, zu erwerben, bleibt jener Respekt an jenem Rang haften und ist leer. Respekt und Liebe müssen eigentlich erworben werden. Auch wenn es furchtbar schwer erscheint, ist es erwerbbar. Ja, es wird nicht überall und bei jedermann möglich sein, aber der Mensch sollte dennoch sein Bestes tun. Im Allgemeinen werden die erlangten Ränge ohnehin nicht nach der Liebe verliehen, die den Menschen entgegengebracht wird. Auch wenn Präsidenten und Ministerpräsidenten vom Volk gewählt werden, tut das Volk, das sie wählt, dies eher nicht aus einem Gefühl der Liebe heraus, sondern indem es den materiellen Wohlstand, der ihm zuteilwerden soll, schätzt, oder weil es keinen anderen Ausweg hat. Denn auch die Versprechen, die die Politiker vor ihrer Machtübernahme geben, gehen im Allgemeinen nur in diese Richtung. Würden sie ohnehin auch noch über Liebe reden, würden sie auch dabei, wie beim Thema Wohlstand, eine Menge Lügen auftischen. Kurz gesagt, wenn wir es genau betrachten, liebt weder der Wähler wirklich den, den er wählt, noch der Gewählte den, der ihn gewählt hat. In dieser Sache haben beide Seiten dieselben Gefühle. Wenn Sie auf jene Menschen, die die Plätze füllen, schauen und denken: „Donnerwetter, sieh nur, wie sehr sie ihn lieben“, dann irren Sie sich ganz gewiss. Auch wenn unter ihnen einige verträumte Verliebte sind, die sich dort befinden, weil sie von der Farbe seines Hemdes oder der Form seines Haares beeindruckt sind, kommt die große Mehrheit, um aus Neugier eine Show, eine Machtdemonstration zu betrachten. Viele auch, ohne zu wissen, was sie tun. Jeder geht irgendwohin, und auch er geht ihnen hinterher.
Da das Thema meines Buches mit dem Sehen zu tun hat, muss ich unbedingt auch Folgendes feststellen: „Sehen ist eine Fähigkeit (Begabung).“ Denn das Wort „Fähigkeit“ wird im Wörterbuch folgendermaßen erklärt:
Fähigkeit: die dem Menschen von Geburt an gegebene Kraft, irgendetwas zu lernen, eine Arbeit auszuführen und zu vollenden oder sich einer Lage anzupassen (Synonym: Begabung).
Auch wenn es uns so vorkommt, als würden wir das Sehen mit unseren Augen naturgemäß, ja manchmal sogar gegen unseren Willen, tun, ist dies wirklich eine Fähigkeit. Und noch dazu eine Fähigkeit, die entwickelt werden muss. Es mag auch solche geben, die sagen: „Welche Fähigkeit könnte sich denn beim Sehen entwickeln?“ Diejenige, die mit dem Thema zusammenhängt, bei dem ich mehr verweilen möchte, ist unsere „Fähigkeit zu schauen“. Wieder liegen wir gar nicht falsch, wenn wir sagen, dass sowohl die Sehfähigkeit als auch die Fähigkeit zu schauen, beide, entwickelt werden. Unsere Augenmuskeln zu entwickeln oder sie an Faulheit zu gewöhnen, liegt wiederum in unserer Hand. Wenn wir sie nicht entwickeln, ist es infolgedessen durchaus nicht unwahrscheinlich, dass wir unweigerlich eine Brille brauchen. Aber ich möchte jetzt weniger beim Sehen als vielmehr bei der Entwicklung der Fähigkeit zu schauen ein wenig verweilen. Es ist wirklich ein sehr notwendiges, ja manchmal ein lebenswichtiges Thema. Die meisten Unfälle, die uns aus Unachtsamkeit zustoßen, hängen damit zusammen. In den Nachrichten nennt man dies kurz „Unachtsamkeit“ und geht darüber hinweg. Dabei ist es meist eine Angelegenheit, die eng mit dem Sehen und dem Schauen zusammenhängt. Durch die Erziehung, die wir erhalten, sorgen wir, ohne es überhaupt zu merken, auch für die Entwicklung dieser unserer Fähigkeit. Der Blickwinkel eines Kindes auf seine Umgebung wird sich aufgrund der Erziehung, die es erhält, fortwährend ändern. Wenn es auf demselben Weg die Dinge betrachtet, die es jeden Tag sieht, wird es nunmehr andere Bedeutungen aus ihnen ableiten. Wenn es zum Beispiel zum ersten Mal lesen lernt, wird es versuchen, die Bedeutung der Schilder, die es auf dem Weg sieht, zu entschlüsseln. Wenn es zum ersten Mal rechnen lernt, wird es aus den Zahlen, die es sieht, durch Addieren und Subtrahieren, wenn auch falsch, in seinem Kopf gewisse Ergebnisse erzielen. Nachdem es die Bedeutung jener Schriften, Zahlen und Farben, die seinem Auge zuvor bedeutungslos erschienen, aufgrund der erhaltenen Belehrung zusammenfügt, wird es sie nunmehr mit einem ganz anderen Blick betrachten. Dasselbe gilt auch für das Unterscheiden mit unseren Ohren und mit unserer Nase. Aber bleiben wir bei unserem Thema, dem Sehen. Sie alle haben wunderbare, sehr überragende Eigenschaften. Wie ich sagte, bin ich über keine von ihnen ein Fachmann. Aber indem ich allgemeine Kenntnisse mit Beispielen verwende, versuche ich, auch die Existenz von Wesen zu erklären, die wir mit unseren Augen nicht sehen können.
Auch der Grund, warum die Menschen Interesse an Kriminal- und Mordfilmen zeigen, rührt von der Sehfähigkeit her. Aus allem, was gewöhnlichen Menschen sehr selbstverständlich erscheint, sehen jene Detektive, Agenten etwas und leiten eine Bedeutung ab. Und so kann jener Detektiv den Mörder oder den Schuldigen, wer auch immer er ist, finden. Die interessanteste Seite dieser Filme, die wir stundenlang mit Vergnügen ansehen, ist die Sehfähigkeit jener Menschen. Das, was wir mit „Donnerwetter“ innerlich bewundern und würdigen, liegt manchmal darin, dass jener Detektiv etwas gesehen hat, das uns nicht einmal in den Sinn gekommen wäre, und damit den Mord aufgeklärt hat. Es gibt noch so viele Einzelheiten wie diese, die mit jedem Beruf zusammenhängen, dass man sie nicht aufzählen kann. Vom guten Automechaniker, der anhand der Form des fahrenden Autos den Defekt feststellt, bis dahin, dass er weiß, dass ein Auto, das für uns keinerlei Mangel aufweist, zuvor einen Unfall gehabt haben muss. Diese Kenntnisse eines Kochs, der, ohne auch nur zu kosten, allein durch das, was er sieht, die Richtigkeit seiner Gedanken über jene Speise bestätigt, sind die Seh- und folglich Schaufähigkeiten, die sie aufgrund ihres Berufs manchmal bewusst oder unbewusst, naturgemäß bei sich entwickelt haben. Die Indianer sollen sehr geschickt darin gewesen sein, die Spuren von Pferden oder von allem, was auf dem Boden geht, zu verfolgen. Zum Beispiel konnten sie die Bedeutung der Spuren so entschlüsseln, dass sie wussten, wie viele Reiter jenen Weg entlanggezogen waren, wie viele Personen auf den Pferden saßen, vom Reiter das Geschlecht jener Person und sogar, aus welchem Umfeld er stammen könnte, bis dahin, ob auf dem Pferd ein Kranker oder Verletzter saß oder nicht. Während ein guter Hirte jedes einzelne Schaf in der Herde bei seinem Namen ruft, sind für uns jene Hunderte von Schafen in der Herde alle gleich. Diese Fähigkeit, deren Beispiele ich aufgezählt habe, entwickelt sich durch die erhaltene Belehrung oder durch mit der Zeit von selbst erworbene Kenntnisse. Sei es bei kleinen Kindern oder bei erwachsenen Menschen, es gibt viele Methoden, um diese ihre Fähigkeit zu entwickeln. Um wieder ein ganz einfaches Beispiel aus unserer Zeit zu geben: etwa das Rätsel, in zwei gleichen Bildern in Zeitschriften und Zeitungen die Fehler zu finden. Auf irgendwelchen Seiten vieler Zeitschriften kann man Rätsel wie „Finde die sieben, nein, die zehn Bilder, die nicht ganz gleich sind“ antreffen. Manchmal werden solche Wettbewerbe auch mit einer Zeitbegrenzung durchgeführt. Wer in kurzer Zeit möglichst viele Fehler finden kann, über den sagt man: „Er ist jemand mit entwickelter Sehfähigkeit.“ Das ist auch der Zweck mancher Intelligenztests. Mit einer Menge jener Tests werden unsere Sehfähigkeit, unsere Aufmerksamkeit für die Dinge, die wir sehen, und was wir tun, indem wir diese grundlegend mit unserer Intelligenz, die wir besitzen, verbinden, bewertet.
Es gibt eine Redewendung, die wir stets hören: „Bleib beim Stiefel.“ Auch diese Redewendung ist wiederum indirekt aus der Sehfähigkeit entstanden.
Als ein Mann eine Gemäldeausstellung durchwandert, bleibt er lange und ausgiebig vor einem Bild stehen und schüttelt sinnlos den Kopf. Auch der Maler sieht diesen Mann in der Ausstellung und nähert sich ihm langsam. Er fragt auch: „Wie finden Sie das Bild?“ Der Besucher sagt über das Porträt: „Die Schnalle am Stiefel des Mannes ist fehlerhaft gemacht.“ Als der Maler fragt: „Woran haben Sie das erkannt?“, antwortet er: „Ich bin seit so und so vielen Jahren Schuhmacher, diese Schnalle sieht nicht so aus, sondern so.“ Da nimmt der Maler sogleich Farben und Pinsel und korrigiert die Schnalle neben dem Mann. Als der Schuhmacher, der dies sieht, die Hand am Kinn, nachdenklich und kritisch sagt: „Auch die Hose ist fehlerhaft“, antwortet der Maler: „Bleib beim Stiefel.“ Und so ist dieser Ausspruch zu einer Redewendung geworden, die betont, dass die Menschen ihre Grenzen kennen sollten. Ob es sich wirklich zugetragen hat oder nur eine Geschichte ist, weiß ich nicht. Wer es auch erfunden hat, die Bedeutung ist schön. Die Seite, die mit unserem Thema zusammenhängt, ist: Dass der Schuhmacher die fehlerhafte Schnalle am Stiefel sah und dies sogleich bemerkte, dazu war sein Wissen die Ursache. Auch der Maler hat Stiefel getragen und gewiss viele Stiefel gesehen, aber nicht mit dem Auge, mit dem jener Schuhmacher sah. Dass der Maler, nachdem er jenen Fehler korrigiert hat, das nächste Mal aufmerksamer sein wird, das ist ein anderes Thema. Mit dem Auge, mit dem jener Schuhmacher sah, wird unser Auge niemals schauen. Das heißt also, das Sehen hängt sehr eng mit der erhaltenen Erziehung, mit den Erfahrungen zusammen. Sehen wir denn nicht, wenn wir ohne Wissen sind? Wir sehen schon, aber das, was wir sehen, vermittelt uns keinerlei Bedeutung. Die Dinge, die ein Unwissender als „gelben Stein“ auffindet, werden dabei einen Juwelier sehr interessieren. Es gibt eine Menge solcher Witze, die in Form von Humor erzählt werden. Ich möchte wieder am meisten auf die Sehfähigkeit mit unseren geistigen Augen hinweisen.
Auch wenn es zu diesem Thema viele Ereignisse gibt, die sich zugetragen haben, werde ich diejenigen, die mir sogleich in den Sinn kommen, anhand von Beispielen schildern. Ein Ereignis zum Beispiel, das ich schildern werde, geschieht nach der Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten. Die Völker jenes Landes, die in den Gebieten lebten, die Gott Israel als Erbe geben würde, hatten mit ihrem sehr bösen und sittenlosen Leben den Zorn Gottes auf sich gezogen. Ein Volk namens Gibeon, das mutigste unter ihnen, kommt mit List zu Josua, den Gott nach Moses auserwählt und beauftragt hatte, und gibt sich so, als käme es aus einem sehr weit entfernten Land, und bittet darum, dass man einander im Namen Gottes das Wort gebe, um einen Friedensvertrag zwischen sich und Israel zu schließen. Denn Gott wollte nicht, dass Israel mit irgendeinem dieser Landvölker einen Friedensvertrag schloss. Die Lage war eher als ein Krieg zwischen feindlichen Völkern die, dass das Volk Israel gleichsam wie Vollstreckungsbeamte war, die das Urteil Gottes an jenen Menschen wegen ihrer Sünden vollstreckten. Zum Beispiel so, wie ein Richter das Todesurteil fällt und ein anderer diese Sache anstelle seiner vollstreckt. Da auch die Gibeoniter wussten, dass es so war, greifen sie zu einem solchen listigen Weg. (Josua, das gesamte 9. Kapitel) Das heißt also, diese Männer hatten gesehen, dass Gott mit den Israeliten war. In den Aufzeichnungen kommt dies ohnehin deutlich vor. Diejenigen unter Ihnen, die die Heilige Schrift kennen, werden sagen: „Nach jenen Ereignissen müsste man ja blind sein, um dies nicht zu sehen“, aber der, der nicht sah, sah eben nicht. Zum Beispiel vom ägyptischen König, dem Pharao, bis hin zu all den anderen Königen der Hethiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hewiter, sie hatten dies partout nicht sehen können. Was waren jene Dinge, die sie nicht sahen? Alle Wasser des Landes Ägypten und der Fluss verwandelten sich in Blut, feuriger Hagel fiel, drei Tage und drei Nächte lang herrschte im Land tiefe Finsternis, Frösche und Heuschrecken überfielen Ägypten, alle Erstgeborenen im Land außer den Israeliten starben, die Meere spalteten sich, und eine Menge weiterer wunderbarer Plagen und Ereignisse folgten einander. Dass all dies geschehen würde, sagte auch Moses im Namen Gottes zuvor. Doch der ägyptische König und die Herrscher in der Rolle jenes Weltbeherrschers, und viele weitere Könige und jene Landvölker, konnten, selbst wenn sie all dies sahen, keine solche Bedeutung daraus ableiten. Wenn es etwas Wahres gab, dann das, dass sie das Gold als „gelben Stein“ betrachteten. Sie sahen gewiss, aber wegen ihrer Sünden konnten sie das Gesehene nicht wahrnehmen, indem sie es mit gewissen Dingen verbanden. Die Gibeoniter aber sahen, mühten sich, wenn auch mit List, um ihr Leben zu retten, und retteten es auch. Denn sie fürchteten Gott. Gewissermaßen ließ dieses kostbare Gefühl in ihnen sogar die List, die sie begangen hatten, vergeben. Wie sehr sie auch Sünder gewesen sein mögen, das heißt also, diejenigen, die der Rettung würdig sind, verhalten sich dementsprechend.
Während sich diese Ereignisse in derselben Gegend zutrugen, konnten sich manchmal auch einzelne Personen dank ihres Glaubens an Gott selbst retten. Zum Beispiel, als zwei israelitische Kundschafter in der Stadt bemerkt werden, rettet eine Frau, die eine Hure war, diese, indem sie sie auf dem Dach ihres Hauses versteckt, und sagt:
„… Und ehe die Männer sich niederlegten, stieg die Frau zu ihnen auf das Dach; und sie sprach zu ihnen: ‚Ich weiß, dass der Herr euch das Land gegeben hat, und dass der Schrecken vor euch auf uns gefallen ist, und dass alle Bewohner des Landes vor euch verzagen. Denn wir haben gehört, wie der Herr die Wasser des Roten Meeres vor euch austrocknete, als ihr aus Ägypten zogt, und was ihr den beiden Königen der Amoriter jenseits des Jordan, Sihon und Og, getan habt, die ihr gänzlich vernichtet habt. Wir haben es gehört, und unser Herz verzagte, und in niemandem blieb mehr Mut vor euch; denn der Herr, euer Gott, er ist Gott oben in den Himmeln und unten auf der Erde.‘“ (Josua 2:8-11) So spricht sie und lässt sich von diesen Männern das Wort geben, um das Leben ihrer eigenen Hausgemeinschaft zu retten. Als jene ganze Stadt mit dem Schwert geschlagen und vernichtet wurde, rührten die Israeliten diese nicht an. Obwohl Furcht und Schrecken auf die Könige all jener umliegenden Völker gefallen waren, suchte der eine die Lösung darin, gegen das Volk Gottes, Israel, zu kämpfen; ein anderer aber wählte, wie die Hure namens Rahab, einen weisen Weg. Manchmal sieht das, was die einfachste und geringgeschätzte sogenannte Hure einer Gesellschaft sieht, weder König noch Vorgesetzter noch Beamter noch das einfache Volk. Auch dies kommt in den Aufzeichnungen der Heiligen Schrift vor, die wir das Buch Gottes nennen. Über diese Menschen lesen wir noch nach Tausenden von Jahren. Außerdem wird jene Frau die Urgroßmutter des Propheten David, der sich unter den kostbarsten Propheten Gottes einen Namen machen würde und der später geboren werden sollte. (Matthäus 1:5-6; Hebräer 11:31; Josua 2:1) Dass diese Frau später unter dem Volk Israel eine ehrbare Heimstatt und Familie hatte, lesen wir aus den weiter unten stehenden Aufzeichnungen. Dass sie ohnehin wieder Hurerei betreiben würde, war überhaupt nicht denkbar, denn in den Gesetzen, die Gott gegeben hat, war dies nicht erlaubt. (2. Mose 20:14; 3. Mose 19:29; 5. Mose 23:17) Es ist auch klar, dass jene Frau diese Sache zuvor gewiss aus zwingenden Umständen mit einem wahren Grund getan hatte. Denn die Aufzeichnungen deuten uns darauf hin, dass es so gewesen sein muss. Zum Beispiel geht diese Frau, nachdem sie den Vertrag mit den israelitischen Kundschaftern geschlossen hat, sogleich zu ihrer Hausgemeinschaft, zu ihren Eltern und Verwandten und versammelt sie bei sich. (Josua 6:22-24) Denn nach ihrem Vertrag würden die Israeliten dem Haus, an dessen Fenster sie eine rote Fadenschnur gebunden hatten, nichts antun. Jeder aber, der in der Stadt war, würde sterben. All jene Geschwister, Verwandten und Eltern vertrauen dem Wort dieser Frau und verlassen sich auf sie und versammeln sich in jenem Haus. Das heißt also, es war klar, dass sie eine Frau war, die zu ihrem Wort stand. Auch dies sollten wir nicht immer als ganz normal ansehen. In einem ähnlichen Ereignis sendet Gott, bevor er die Völker in den Städten Sodom und Gomorra vernichtet, seine zwei Engel, um Lot und seine Familie zu retten. Auch Lot, der den Ernst der Sache versteht, geht zunächst zu den Männern, die seine Schwiegersöhne werden sollten, das heißt, zu den jungen Männern, die mit seinen Töchtern verlobt waren. Jene aber nehmen diese Worte Lots nicht einmal ernst. Und das, obwohl Lot doch ein so aufrichtiger Mensch war. Und so kommen sie in der Zerstörung der Stadt um. (1. Mose 19:14)
Wenn wir Aufzeichnungen lesen, deren Ende wir kennen oder deren Ende wir gleich erfahren werden, so sollten wir das unvernünftige Verhalten jener Menschen nicht sinnlos wie ein Märchen betrachten. Wir lesen die 20-30 oder 50 Jahre, die in jenen Aufzeichnungen vorkommen, auf ein paar Seiten, und so kommt es uns eben vor. In jenen Aufzeichnungen wird sogar manchmal ein Zeitraum von 950 Jahren auf zwei Seiten behandelt. Diese sollten uns bloß nicht täuschen und uns sagen lassen: „Ich hätte niemals eine solche Unvernunft begangen.“ Obwohl wir in einer gleichen und sogar viel schlimmeren, ähnlichen Welt leben, betrachten wir als Menschheit jene Ereignisse vor unseren Augen in einem völlig gleichgültigen Zustand. Diejenigen, die sehen und verstehen, suchen sich mit dem Gedanken „Die Schlange, die mich nicht beißt, soll tausend Jahre leben“ eine Schale, in der sie sich verstecken können, und schweigen angesichts jener hässlichen Ereignisse. Wenn diejenigen, von denen wir sagen, dass sie am besten sehen, sich fürchten, schweigen und zuschauen, ohne etwas zu tun, was können wir dann von denen erwarten, die nicht sehen?
Auch wenn wir die Aufzeichnungen über Jesus Christus lesen, spielen sich ähnliche Ereignisse ab. Die Israeliten erwarteten seit Jahrhunderten einen Retter namens Messias. Sie besaßen sogar Prophezeiungen voller Einzelheiten darüber, wo er geboren werden würde. Erstaunlicherweise glauben nur 12 Personen, dass er der Messias ist. Einer von ihnen verrät ihn zudem und liefert ihn aus. Das heißt, insgesamt sind nur 11 Personen aktiv. Zwar kamen viele Menschen zu der Überzeugung, dass Jesus der Messias ist, aber nicht wie diese 11 Apostel. Wir lesen auch aus den Aufzeichnungen, dass viele Frauen Jesus mit allem, was sie hatten, dienten. (Markus 15:40-41; Lukas 8:1-3) Trotzdem verleugnete ihn beim letzten Ereignis sogar die Person, die gesagt hatte: „Du bist der Messias des lebendigen Gottes.“ Trotz solcher Störungen ist das, was ich meinen möchte, dass manche Menschen den Geist besitzen, die Wahrheiten sehen zu können. Diese Menschen sahen trotz ihrer Sünden, trotz ihrer Fehler dennoch. Und sie sahen noch dazu Dinge, die nicht jeder sah. Wieder, wenn wir die Stellen lesen, die das Leben Jesu behandeln, so erscheint es uns sehr selbstverständlich, dass wir verstehen, dass er der Messias oder zumindest ein Prophet Gottes ist. Dass aber die Menschen, die von Jesus und jenen Wundern beeindruckt waren, ihn verließen, dauert gar keine lange Zeit. So gleichgültig und feige die Menschen, die in jenen Aufzeichnungen vorkommen, waren, so sind auch wir. Das beweisen zumindest unsere Taten. Wir sagen, dass wir sehen, aber indem wir uns verhalten, als wären wir blind, häufen wir noch mehr Sünde auf uns. Wie Jesus sagte, hätten wir nur nie gesehen.
Auch Jesus sagte: „Zum Gericht bin ich in diese Welt gekommen, damit die Nichtsehenden sehen und die Sehenden blind werden.“ Diejenigen von den Pharisäern (eine Sekte), die bei ihm waren, hörten dies und sagten zu ihm: „Sind etwa auch wir blind?“ Jesus sagte zu ihnen: „Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde; nun aber sagt ihr: ‚Wir sehen‘; also bleibt eure Sünde bestehen.“ Johannes 9:39-41
Als Mohammed sagte, dass er ein Prophet sei, verfluchte ihn zunächst sein Onkel, und alle verließen ihn, sodass niemand mehr um ihn blieb. Er wurde sogar gezwungen, um seines Lebens willen von dort zu fliehen. Diese Aufzeichnungen, die im Koran nicht vorkommen, hatte man uns als Geschichtswissen gelehrt, aber sie waren wahr. Auch einige Aufzeichnungen des Korans sind in einer Weise geschrieben, die diese Gedanken bestätigt. Nach und nach beginnen die Menschen, sich auf Mohammeds Seite zu stellen. Es gibt sogar solche, die sagen: „Die unwissenden Araber waren ohnehin schon immer blind.“ Aber glauben Sie mir, dieses Sehen, von dem ich spreche, hat nichts mit Unwissenheit, mit Gelehrsamkeit zu tun.
Die Sättigung der Seele
Geistige Blindheit wird auch als Verfinsterung des Herzens beschrieben. In gewisser Hinsicht trifft das zu. Da man in der Dunkelheit nichts sehen kann, bedeutet die Verfinsterung der geistigen Augen, die hier symbolisch als unser Herz bezeichnet werden, also unseres Verständnisses, dass wir unsere Fähigkeit zu unterscheiden nun verloren haben. Selbst jemand, dessen buchstäbliche Augen sehr gut sehen, kann in der Dunkelheit nicht sehen und stößt hier und da an. Während die Verfinsterung des Herzens im Wörterbuch Schwarzseherei bedeutet, gibt sie zugleich an, dass unsere Augen im geistigen Sinne nicht mehr sehen können. Wo man danach anstößt, das zeigt die Zeit. Schauen Sie sich unsere Welt an; Sie werden ganz sicher sehen, wie die Menschen leben, welchen Dingen sie Wert beimessen, weshalb sie einander zerfleischen, worüber sie sich sorgen und wofür sie sich Tag für Tag abmühen. Die Dinge, die Sie in Ihrer Umgebung sehen und in den Nachrichten hören und die in Unglück und Leid enden, sind die Dinge, an die wir Menschen anstoßen. An manchen kommen wir nur zufällig vorbei, indem wir uns retten, nicht weil wir sie gesehen hätten. So wie das Ausbrennen des Gewissens bedeutet, dass das Gewissen im Unterscheiden zwischen Gut und Böse gefühllos wird, so bedeutet die Verfinsterung des Herzens, dass es die Ereignisse nicht mehr auswählen, ihre Bedeutung nicht mehr erfassen, sie nicht mehr sehen kann. Während es den Menschen furchtbare Not bereitet, wenn die Augen nicht sehen und blind sind, scheint die von mir erwähnte Verfinsterung des Herzens, das Ausgebranntsein des Gewissens, die geistige Blindheit die Menschen überhaupt nicht zu berühren. Auch ein Mensch, dessen Augen sehen, ist von dem, was er über Blinde und Blindheit hört, für seine eigene Person nicht so sehr berührt. Doch wenn es um seine eigene Blindheit geht, dann weckt das sein Interesse. Auch wenn wir von geistiger Blindheit und dem Zustand geistiger Dunkelheit hören, sind wir nicht sonderlich berührt. Dieses Thema weckt meistens überhaupt nicht unser Interesse. Dabei ist die Lage dringend, und wir müssen unbedingt etwas tun. Würden wir nicht alles tun, um im buchstäblichen Sinne nicht blind zu werden? Zumal ein Mensch, der sich in geistiger Blindheit befindet, jene Augen, wenn er will, wieder sehend machen kann. Und dies zu erreichen liegt sogar in seiner eigenen Hand.
Menschen, die mit ihren buchstäblichen Augen nicht sehen können, kommen zu Jesus Christus und flehen ihn an, ihnen die Augen zu öffnen. Und Jesus stellt ihnen manchmal eine Frage. Zum Beispiel sagt er: „Glaubt ihr, dass ich das tun kann?“ (Matthäus 9:27-28) Und sie antworten mit „Ja“. Verstehen wir dieses „Ja“ nicht als ein bloßes, dahingesagtes „Ja“. Denn wäre es so, so hätten sie Jesus nicht täuschen können. Diese Menschen glaubten ohne Zweifel, von Herzen kommend, dass Jesus von Gott gesandt war. Sie waren blind, doch sie glaubten, indem sie das, was sie über Jesus hörten, mit ihren geistigen Augen sahen. Und dieser Glaube verschaffte ihnen zudem buchstäblich sehende Augen. Ist das ein Unglück? Ganz gewiss nicht. Beide Arten des Sehens machen den Menschen glücklich. Auch wenn die Dinge, die wir sehen und empfinden, manchmal sehr hässlich sind, möchten wir diese Fähigkeit doch niemals verlieren. Das Leichte ist, blind zu sein, das Sehen aber ist schwer. Deshalb haben wir das Sehen auch als „eine Fähigkeit“ erklärt. Eine Fähigkeit ist eine Eigenschaft, die man sich erwerben muss. Auch wenn unsere Sinnesorgane wie Auge, Ohr, Nase, Haut und Gaumen uns von Gott als Geschenk, ohne dass wir sie erworben hätten, gegeben wurden, so lassen wir diese Dinge, die wir besitzen, entweder verkümmern, oder wir können sie zu größerer Feinheit und Empfindsamkeit weiterentwickeln. Nur gibt es keine feste Regel, dass diese automatisch stets auf die beste Weise und mit der größten Feinheit arbeiten würden. Wie gesagt, das hängt sehr von uns selbst ab. Wenn ich ein Beispiel vom Computer nehme, kann ich vielleicht leichter erklären, was ich meine.
Auch wenn in einem Computer, den man aus dem Geschäft kauft, gewisse Informationen und die Programme, die ihn zum Laufen bringen, enthalten sind, so ist das doch nur das Allgemeine. Sagen wir also, es ist wie das Auge, das Ohr, die Nase und die übrigen Sinnesorgane, die jeder Mensch von Geburt an von Natur aus besitzt. Was Sie danach mit diesem Computer tun, ist weitaus wichtiger. Was Sie dem Computer geben, das heißt einspeisen, das kann er Ihnen auch nur zurückgeben. Sie können nicht erwarten, dass er Ihnen etwas gibt, was gar nicht vorhanden ist. Damit liegt es in Ihrer Hand, diesen Ihren Computer entweder zu einer Stadtbibliothek, einer Musikfirma oder einem Fotostudio zu machen, ja ihn mit allen erdenklichen Dingen zu bereichern. Oder aber genau umgekehrt – was mir, als ich mit dem Umgang nicht vertraut war, selbst oft passiert ist – kann sich dieses Gerät mit jenen wertvollen Eigenschaften mühelos in einen nervtötenden Kasten verwandeln, der nicht weiß, was er tut, der weder mit Hand noch Arm noch mit Wort und Rede etwas anzufangen weiß. So wie unsere angeborenen Eigenschaften besitzt auch der Computer, wenn er aus der Produktion in den Verkauf gelangt, bereits bestimmte Eigenschaften. Entweder entwickeln und bereichern wir ihn, oder aber genau umgekehrt verschaffen wir dem Computer nachträglich selbst Eigenschaften, die einen bis zum Wahnsinn treiben. Das gilt nicht nur für den Computer, sondern in gewisser Hinsicht für alles. Sprüche wie „Was du säst, das erntest du“ wurden nicht umsonst gesagt.
Auch die geistige Entwicklung im Menschen, über die wir uns nie Gedanken machen und deren Bedeutung wir meistens nicht einmal kennen, ist sehr wichtig. Auch jene Seele, die entwickelt werden muss, sollte unbedingt sehen können und das Gesehene unterscheiden können. „Sieht sie denn nicht schon von Geburt an?“, werden Sie sagen. Ja, wie unsere Augen sieht auch sie. So wie die Bildung und Ausbildung, die wir für die Sehfähigkeit unserer buchstäblichen Augen erhalten, uns darin entweder weiterentwickelt oder manchmal verkümmern lässt, verhält es sich genauso auch mit unserer Seele. Was für einen, der nie Lesen und Schreiben gelernt hat, die Bücher und jegliche Schrift bedeuten, die er sieht, das ist auf ähnliche Weise die Sehfähigkeit unserer geistigen Augen, die keine Bildung erhalten haben und in Unwissenheit gelassen wurden. Die Menschheit, die sich dessen bewusst ist, hat auch für unsere geistige Entwicklung etwas getan. Wenn wir die Welt im Allgemeinen betrachten, kann man gar nicht anders, als aus dem, was sie getan haben, ein negatives Ergebnis zu ziehen. Es ist, als hätten sie sich nicht bemüht, um geistig zu entwickeln, sondern um verkümmern zu lassen und blind zu machen. Eigentlich wäre es sogar wirklichkeitsnäher, in diesem Satz statt des Wortes „als“ das Wort „besonders“ zu gebrauchen.
Die geistige Entwicklung der Menschheit und die Beantwortung ihrer Probleme haben zumeist religiöse Einrichtungen, Konfessionen, Organisationen, Psychologen und einige andere Institutionen übernommen. Die Größten unter ihnen, die im Vergleich zu keiner anderen konkurrenzlos sind, sind die Religionen und die an sie gebundenen Konfessionen. Da die Religionen von der Existenz dieser geistigen Augen der Menschen überzeugt sind, mühen sie sich angeblich, sie zu entwickeln. Doch um die Wahrheit zu sagen: Sie richten die Augen der Menschen nicht in die Richtung, in die diese schauen und sehen sollten, sondern in ganz andere Richtungen, und abgesehen davon, dass sie die Menschen, wie im Computerbeispiel, in den Wahnsinn treiben, sind sie sogar bereit, nötigenfalls auch die sehenden Augen auszustechen, um sie blind zu machen. Und glauben Sie ja nicht, dass sie selbst in dieser Sache sehend wären. Über jene Frommen sagt wiederum Jesus Christus zu diesem Thema schöne und für uns erhellende Worte. Da das ganze Thema sehr bedeutsam ist, werde ich nicht nur jenen einen Satz, sondern alle Verse aufschreiben. Denn wenn ich nur die Fundstelle des Verses angebe, wird es sinnlos sein. Und ich vermute, dass sich für gewöhnlich niemand die Mühe machen wird, jene Stelle aufzuschlagen und zu lesen. Dass man ein Buch weglegt und ein anderes aufschlägt, unterlässt man aus Faulheit. Dabei ist es eine der Dinge, die ein guter Forscher unbedingt tun muss. Kommen wir dazu, was Jesus über jene Frommen zu diesem Thema sagt.
Zu dieser Zeit kamen einige Pharisäer (eine damalige jüdische Sekte) und Schriftgelehrte aus Jerusalem zu Jesus und fragten ihn Folgendes: „Warum handeln deine Jünger gegen die Überlieferung unserer Vorväter? Denn sie waschen sich vor dem Essen nicht die Hände.“
Jesus gab ihnen zur Antwort: „Und warum handelt ihr um eurer Überlieferung willen gegen das Gebot Gottes? Gott hat nämlich gesagt: ‚Ehre deinen Vater und deine Mutter' und ‚Wer über seinen Vater oder seine Mutter schlecht redet, soll unbedingt mit dem Tod bestraft werden.' Ihr aber sagt: ‚Wer immer zu seinem Vater oder seiner Mutter sagt: Alles, womit ich dir hätte nützen können, ist eine Gott gewidmete Gabe, der braucht seinen Vater nicht mehr zu ehren.' So habt ihr das Wort Gottes um eurer Überlieferung willen ungültig gemacht.
Ihr Heuchler! Wie treffend hat Jesaja über euch prophezeit: ‚Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, doch ihr Herz ist weit von mir entfernt. Vergeblich beten sie mich an, denn was sie lehren, sind nur Menschengebote.'„ Jesus rief die Volksmenge zu sich und sagte zu ihnen: „Hört und begreift dies. Nicht was in den Mund hineinkommt, verunreinigt den Menschen; sondern was aus dem Mund herauskommt, das verunreinigt den Menschen.“ Da kamen seine Jünger zu ihm und sagten: „Weißt du, dass die Pharisäer sich ärgerten, als sie dieses Wort hörten?“
Jesus gab zur Antwort: „Jede Pflanze, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, wird mit der Wurzel ausgerissen werden. Lasst sie; sie sind blinde Blindenführer. Wenn nun ein Blinder einen Blinden führt, werden beide in eine Grube fallen.“ Petrus sagte: „Erkläre uns dieses Gleichnis.“ „Seid auch ihr noch immer ohne Verständnis?“, fragte Jesus. „Merkt ihr nicht, dass alles, was in den Mund hineinkommt, in den Magen gelangt und von dort in die Kloake abgeführt wird? Was aber aus dem Mund herauskommt, das entspringt dem Herzen, und das ist es, was den Menschen verunreinigt. Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, sexuelle Unmoral, Diebstahl, falsche Zeugnisse und Lästerungen. Das sind die Dinge, die den Menschen verunreinigen…“ Matthäus 15:1-20
Ist das Wort „Wenn ein Blinder einen Blinden führt, werden beide in eine Grube fallen“ nicht wirklich wahr? In diesem Beispiel sprach Jesus, indem er die buchstäblich Blinden verwendete, in Wahrheit von den geistig Blinden. Auch wenn unsere Augen sehen, liegt es doch wiederum in unserer Hand, sie blind zu machen. Denken wir dabei nicht unbedingt daran, uns absichtlich etwas ins Auge zu stoßen. Es ist mühelos möglich, dass wir durch Unwissenheit, manchmal auch aus Sturheit, durch die falschen Dinge, die wir tun, blind werden. Und es gibt auch Berufe, bei denen die Menschen in dieser Hinsicht vorsichtig sein müssen. Am einfachsten: Während man sich nicht vorstellen kann, mit bloßem Auge zu schweißen, gibt es noch immer sehr viele Menschen, die das tun. Neben vielen solcher Berufe sind auch die Menschen nicht in der Minderheit, die die Möglichkeiten, die sie in der Hand haben, nicht nutzen und sich gleichsam bewusst bemühen, ihre Augen verkümmern zu lassen. Wir bemerken sofort, wenn unser Auge nicht sieht. Bei den geistigen Augen aber ist es nicht so. So wie wir den Hunger unseres Körpers bemerken und, wenn wir ihn nicht stillen, fortwährend einen Appetit, einen Drang, ein Unbehagen empfinden, so ist das Bemerken unseres geistigen Hungers und das Tun von etwas, um ihn zu stillen, nicht so eilig und beharrlich wie bei unserem körperlichen Hunger. Und wenn wir uns dessen nicht bewusst sind, so gehen wir, selbst wenn wir uns unwohl fühlen – und die ganze Menschheit leidet in dieser Sache sehr –, indem wir den Grund an ganz anderen Orten suchen, nur größeren Schmerzen und größerem Unglück entgegen. Wir werden auch gezielt dazu gelenkt, dort zu suchen. Die Fernseher, Filme, Radios, die Bildung und Ausbildung, die wir in den Schulen erhalten, die geschriebenen Bücher, Zeitungen, Werbungen usw. – vielen Dank auch – strengen sich in dieser Sache über die Maßen an. Mit all dem haben wir eine leere Welt und leere Menschen hervorgebracht, die an leeren Dingen Gefallen finden. Als gesamte Menschheit gleichen wir dem Zustand, den Gott in den folgenden Worten über das Volk aussprach, das er einst erwählt hatte, bevor es vernichtet wurde:
All dies geschah den Israeliten, weil sie gegen Jehova, ihren Gott, gesündigt hatten, der sie aus dem Joch des Pharaos von Ägypten befreit und aus Ägypten herausgeführt hatte. Denn sie hatten andere Götter angebetet und waren nach den Bräuchen der Nationen gewandelt, die Jehova vor den Israeliten vertrieben hatte, sowie nach den Regeln, die die Könige Israels aufgestellt hatten. Sie hatten diese Dinge, die Jehova, ihr Gott, nicht billigte, insgeheim getan und überall, von den Wachttürmen bis zu den befestigten Städten, Anbetungsstätten errichtet. Auf jedem hohen Hügel und unter jedem üppig belaubten Baum stellten sie heilige Säulen und Aschera-Pfähle auf. An allen Anbetungsstätten ließen sie Rauchopfer aufsteigen, wie es die Nationen getan hatten, die Jehova vor ihnen vertrieben hatte. Mit ihren bösen Taten erzürnten sie Jehova. Obwohl Jehova gesagt hatte: „Das sollt ihr nicht tun“, beteten sie Götzen an. Jehova hatte das Volk Israel und Juda durch alle Propheten und Seher gewarnt und ihnen gesagt: „Kehrt um von diesen euren bösen Wegen und haltet meine Gebote und meine Regeln, indem ihr euch an das ganze heilige Gesetz haltet, das ich euren Vorvätern geboten und euch durch meine Diener, die Propheten, gesandt habe.“ Doch sie hörten nicht, sondern verhärteten sich wie ihre Vorväter, die Jehova, ihrem Gott, nicht vertrauten. Sie verachteten Gottes Regeln, seine Warnungen und den Bund, den er mit ihren Vorvätern geschlossen hatte, und liefen wertlosen Götzen nach und verloren so auch ihren eigenen Wert. (sie wandelten dem Nichtigen nach und wurden nichtige Menschen) Obwohl Jehova ihnen geboten hatte, nicht wie die Nationen um sie herum zu leben, lebten sie nach den Bräuchen der Nationen. Sie verließen alle Gebote Jehovas, ihres Gottes. Sie ließen sich zwei gegossene Kälber und einen Aschera-Pfahl zur Anbetung anfertigen. Sie beteten die Himmelskörper an. Sie dienten dem Baal. Sie opferten ihre Söhne und Töchter im Feuer. Sie trieben Wahrsagerei und Zauberei. Sie taten, was böse war in den Augen Jehovas, und erzürnten ihn, indem sie sich dem Bösen hingaben. Jehova wurde sehr zornig über die Israeliten und verstieß sie alle außer dem Stamm Juda von seinem Angesicht.
Auch die Judäer hielten sich nicht an die Gebote Jehovas, ihres Gottes. Sie lebten nach den Bräuchen, die die Israeliten angenommen hatten. Deshalb verwarf Jehova alle vom Geschlecht Israels. Er strafte sie, indem er sie in die Hand von Plünderern gab. Er verstieß sie alle von seinem Angesicht. 2. Könige 17:7-20
In der alten türkischen Übersetzung von 2. Könige, Vers 17:15, wurde:
„Sie verachteten Gottes Regeln, seine Warnungen und den Bund, den er mit ihren Vorvätern geschlossen hatte, und liefen wertlosen Götzen nach und verloren so auch ihren eigenen Wert“ wortwörtlich folgendermaßen übersetzt: „…Sie verachteten seine Gesetze und seinen Bund, den er mit ihren Vorvätern geschlossen hatte, und seine Warnungen, die er ihnen gegeben hatte; und sie wandelten dem Nichtigen nach und wurden nichtige Menschen…“
Auch in vielen fremdsprachigen Übersetzungen wurde dieser Ausdruck wortwörtlich „wurden nichtige Menschen" verwendet. Was ihnen widerfahren ist, lesen wir entweder als Geschichte, oder wir langweilen uns und messen ihm überhaupt keinen Wert bei. Nun, werden wir dadurch, dass wir vor diesen Erkenntnissen fliehen, Gottes Gedanken ändern können? Falls Sie dieses Buch auf Türkisch lesen, sehen Sie diese Worte ja nicht als ein Buch an, das nur für die Türken geschrieben wurde. Ich meine mit diesen Schriften die gesamte Menschheit.
Es gibt eine Not, doch wir können sie nicht begreifen. Die Menschheit, die überdrüssig, bedrückt und schwarzseherisch ist und, was sie auch tut, einfach nicht glücklich werden kann, findet am Ende, selbst wenn sie zu Alkohol, Zigaretten, Drogen und schamlos-perversem Sex greift, nicht, was sie erhofft. All das entspringt dem geistigen Hunger und dem Nichtstillen, oder dem Nichtstillenkönnen dieses Hungers. Die Menschheit sucht etwas und meint fortwährend, sie könne ihre Seele mit den Dingen befriedigen, die sie ihrem Körper gibt, doch vergeblich.
Auch wenn die Befriedigung unseres körperlichen Hungers leicht erscheint, machen wir auch in dieser Sache, wie in beinahe jeder Sache, sehr viele Fehler. Unsere körperlichen Störungen entspringen meist der falschen Ernährung. Selbst bei dem, was am einfachsten erscheint, machen wir furchtbare Fehler. Meistens wissen wir es entweder nicht – lehrt man einem in diesen Dingen ohnehin fast nichts –, oder wir machen uns nicht einmal, durch unsere eigene Bemühung, die Mühe des Wissens. Einer davon bin auch ich. Im ganzen Gymnasialleben erhielten wir nur eine Bildung mit so simplen Kenntnissen wie „In welchen Nahrungsmitteln ist Vitamin C enthalten?“. Dabei weiß ich nicht einmal, wie man eine Zwiebel pflanzt und sie ordentlich aufzieht. Nun, wie viele Gymnasial- und Hochschulabsolventen wissen das? Und ist das nach unserer Zeit deshalb eine sehr wertlose und leere Arbeit? Alles zu essen, was unser Herz begehrt, kommt uns vor, als täten wir uns damit Gutes und Richtiges. Wir kennen nicht einmal die Nahrungskombinationen, die für unsere körperliche Gesundheit notwendig, überflüssig oder sogar schädlich sein können. Dabei beginnt das Essen und das Genießen des Geschmacks der Speisen zuerst im Geist. Die Speisen, die sich in unserem Geist eingeprägt haben, begehren wir, weil wir sie gegessen haben und ihren Geschmack kennen. Etwas, das wir gar nicht kennen und nie gegessen haben, will unser Inneres, selbst wenn wir hungrig sind, meistens nicht. Ja, wir können sogar vor einer Speise Ekel empfinden, obwohl sie sehr nützlich ist. Auch wenn unser Inneres in den Kindheitsjahren manche Dinge, so hungrig wir auch sein mögen, nicht annimmt, so wird der Geschmack, der sich in unserem Geist einprägt, und das Wissen um den Nutzen jener Speisen eines Tages einen anderen Appetit in uns entwickeln. Während ich als Kind Fisch, und besonders Steinbutt, überhaupt nicht mochte, ist der Steinbutt nun vielleicht mein liebster Fisch geworden. Er ist so teuer, dass ich ihn nun auch nicht immer kaufen und essen kann. Sellerie-Gericht verabscheute ich. Weil es nützlich sein soll, habe ich es, wenn auch mit Zwang, immer wieder gegessen und liebe es nun sehr. Das heißt, unser Gehirn muss die Speise zuerst kennenlernen. Und das beginnt gewöhnlich zuerst innerhalb der Familie. Die Esskultur beginnt sich tatsächlich in der Familie, in der Kindheit, zu entwickeln. Dass jene armen Menschen, die nachträglich reich geworden sind, übergewichtig sind, kommt manchmal auch von den ganz neuen Nahrungsarten, die sie entdecken. Ohne das Thema zu sehr in die Länge zu ziehen, will ich zu dem kommen, was ich sagen möchte. So wie unsere gesamte körperliche, also physische Gesundheit und sogar unsere Schönheit sehr eng mit unserer Ernährung zusammenhängt, so hängt auch unsere geistige Gesundheit davon ab, wie wir unsere Seele ernähren. So sehr, dass bei einem Menschen, dessen seelische Gesundheit gestört ist, auch die körperlichen Beschwerden zunehmend anwachsen werden. Denn wenn diese nicht in Einklang miteinander sind, so wirken eines Tages ganz gewiss beide aufeinander ein.
Zum Beispiel kann jemand, der furchtbare Schmerzen in seinem Körper hat, nicht pfeifen und Lieder singen. Und wenn er es täte, hätte er keine Freude daran. Ebenso wird sich jemand, der sich vor körperlichem Unwohlsein krümmt, schwertun, geistige Dinge wahrzunehmen. Krebskranke leiden in ihren letzten Tagen sehr, wenn ihnen kein Morphium gegeben wird. Was man diesen Menschen auch immer über geistige Themen erzählen mag, ja selbst wenn es Dinge sind, die sie sich wünschen, sie können sich nicht ganz darauf konzentrieren, weil ihr Geist stets bei ihren Schmerzen ist. Genau umgekehrt verhält es sich auch mit jemandem, der körperlich gesund und stark ist, aber sich seelisch in Schmerzen befindet. Falls Sie die Heilige Schrift lesen wollen, oder falls Sie sie gelesen haben, werden Sie sogar sehen, dass viele seelisch bedrängte Menschen Gott und seine Propheten anflehten, ihnen zu helfen. Die seelischen Schmerzen dieser bedrängten Menschen, von denen vor allem im Evangelium die Rede ist, wurden auch von anderen geistigen Geschöpfen verursacht. (Matthäus 4:24; Matthäus 8:16; Matthäus 12:22; Lukas 6:32-34; Apostelgeschichte 19:12) Lesen wir diese Verse nicht, als wären sie ein Märchen. Jene Menschen waren keine Legende oder dergleichen, sondern wirklich. Wenn wir über Jesus Christus im Evangelium lesen, so kamen zwar viele Menschen zu ihm, um geheilt zu werden, doch wir sehen in den Aufzeichnungen nicht, dass alle Behinderten in ganz Israel kamen. Das heißt, manche glaubten nicht daran. Auch bei denen, die seelisch krank waren und geheilt wurden, ist die Lage nicht anders. Jesus machte damals nur die gesund, die sich ihrer Krankheit bewusst waren und glaubten, um geheilt zu werden. Ist die Lage heute etwa anders? Es gibt so viele Menschen, die krank sind und es nicht bemerken. Sowohl in körperlicher als auch in seelischer Hinsicht. Für etwas, das nicht einmal bemerkt wird, sucht man weder Hilfe noch ein Heilmittel. Wenn die Menschen seelisch keinerlei Mangel empfinden, dann werden sie auch kein Heilmittel suchen. Oder aber es gibt ganz gewiss einen Mangel, ja es gibt ihn, doch er sucht ihn auf ganz andere Weise und in ganz anderen Umgebungen. Das Schlimmste aber ist, ganz gleich ob körperlich oder seelisch, an einen falschen, unerfahrenen, schlechten Arzt zu geraten. Das Sprichwort „Ein halber Arzt bringt den Menschen um sein Leben, ein halber Geistlicher den Menschen um seinen Glauben“ trifft sehr zu.
Der Schöpfer der gesamten Menschheit ist der, der unsere Seele und wie wir sie sättigen und erziehen sollen, am besten kennt. Wie die fanatischen Frommen zu sagen: „Jedes seelische Unwohlsein müssen wir mit einem Frommen besprechen und nur von ihm Hilfe erwarten“, ist Unvernunft. Das Richtigste in allem weiß ganz gewiss Gott. Doch nicht jeder, der sagt, er glaube an Gott, ist auch Gottes Sprecher oder Vertreter. Eine andere Wahrheit ist, dass auch Menschen, die nicht an ihn glauben, in vielen Dingen über richtiges Wissen verfügen. Oder sagen wir es so: Alle Speisen, Getränke und die Sonne gehören Gott, doch er gibt sie sowohl den Guten als auch den Bösen. (Matthäus 5:45-46) Ja, jene, die wir als ungläubig und gottlos bezeichnen, denken manchmal vernünftiger und logischer als viele gläubige, fromme, ihrer Religion und Organisation ergebene Menschen und können viele Ereignisse weitaus menschlicher und klarer sehen und bewerten. (Lukas 16:8) Ich will über die Frömmigkeit der Menschen, die jene Religionen hervorgebracht haben, und darüber, wie sie beschaffen ist, kein Urteil fällen. Weniger dass sie auf einem falschen Weg gehen, sondern dass sie sich selbst als die einzige und alleinige Quelle der Wahrheit sehen und auch so darstellen, bezeichne ich als große Blindheit. Kein Mann Gottes ist selbstgefällig und erklärt und hat erklärt: „Ich bin der Richtigste, außer mir gibt es niemanden.“ Selbst Jesus Christus, an den die Christen als Sohn Gottes glauben (was nur unter geistigem Gesichtspunkt betrachtet richtig ist) und der wie der Adam am Anfang, der auch im Koran (Sure Al-i Imran (3):59) vorkommt, vollkommen war, hat eine solche Zuschreibung nicht angenommen, sondern die Ehre Gott gegeben. Im Evangelium findet sich folgendes Gespräch:
Als Jesus sich auf den Weg machte, kam einer herbeigelaufen. Er kniete vor ihm nieder und fragte ihn: „Guter Lehrer, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?“
Jesus sagte zu ihm: „Warum nennst du mich gut? Es gibt nur einen, der gut ist, und das ist Gott. Markus 10:17-18
Diese Menschen waren niemals von der selbstgefälligen Art. Auch ihre Demut war keine Schau oder Heuchelei, sondern im Gegenteil eine Wahrheit, die aus ihrem aufrichtigen Herzen kam. Und die Worte, die sie sagten, brachten die Wahrheiten zum Ausdruck.
Nun, wie soll ein Mensch, der sich all dessen bewusst ist, seinen geistigen Hunger stillen? Wo soll er die Speisehäuser, Restaurants und Märkte suchen, die ihn sättigen werden? Für einen unerfahrenen Menschen mag dies sehr schwer, ja sogar unmöglich erscheinen. Nur einige wenige Fragen können uns dabei behilflich sein. Zum Beispiel: „Hat der, der die ganze Erde und den ganzen Himmel erschaffen hat und der die Menschen und Tiere darin mit so vielerlei Nahrung sättigt, uns in geistiger Hinsicht dem Hunger und der Knappheit überlassen? Ist es sein Ziel, uns unglücklich zu machen, oder will er uns dazu bewegen, in einer glücklichen, friedvollen Welt zu leben?“ Wenn wir auf diese beiden einfachsten Fragen positive, auf unseren Nutzen ausgerichtete Antworten geben, dann heißt das, dass es für uns Hoffnung gibt. Denn selbst wenn wir nicht das Wissen haben, diese Frage zu beantworten, werden wir zumindest logisch anerkennen, dass Gott uns auch in geistigen Dingen ausreichend Nahrung bereitgestellt hat.
Zum Beispiel sind die Heilige Schrift und der Koran, die man in unserer Zeit auf die billigste und leichteste Weise erlangen kann, durch den Willen Gottes geschrieben und bis in unsere Zeit bewahrt worden. Wenn wir aus Punkt, Komma und belanglosen Druckfehlern sowie falsch ausgelegten Übersetzungen keine Frage von Leben und Tod machen, werden wir sehen, dass wir reichlich geistige Nahrung besitzen. Solche Abweichungen lässt meiner Meinung nach Gott gezielt zu, damit sie gleichsam eine Falle für die sind, die eine Verkehrtheit in ihrer Seele haben. Die Falle aber stellt nicht Gott; vielmehr entwickeln sie selbst die Herzenshaltung, die sie ins Verderben führt. (Al-i Imran (3):7; 2. Petrus 3:14-18) Ihrer Meinung nach haben „die Menschen das Wort Gottes verderbt und verändert". Wie ich auch im Buch „Die Religionsmafia und wir" geschrieben habe: Wenn wir dieses Wort zu glauben versuchen, machen wir Gott zum Lügner. Denn er sagt in allen heiligen Büchern deutlich, dass er sein Wort bewahren werde. (En'am (6):34 und Vers 115; Nisa (4):136; Psalm 12:6-7; 1. Petrus 1:24-25; Matthäus 24:35) Abweichungen wie Punkt, Komma, Zahl, Ort und Zeit, die in jenen Büchern vorkommen, entfernen uns nicht von Gott und dem Erkennen seiner Eigenschaften. Ob Koran oder Heilige Schrift, ich habe die, die sie kritisieren, mit großem Vergnügen gelesen. Es war nie der Fall, dass ich durch die Themen, die sie als „verändert" oder „gefälscht" bezeichneten, Gott falsch erkannt hätte. Manche Menschen können nicht einmal die einfachste Erkenntnis ertragen, die Wahrheit, dass „Gott die Zukunft stets sieht". Und das, obwohl sie sagen, sie glaubten an jene Bücher. Diese und ähnliche Erkenntnisse, die ihnen nicht gefallen, meinen sie mit falschen Auslegungen wie „dort ist nicht das gemeint, sondern dies" sich selbst und ihre Anhänger zu täuschen. Sei's drum, am Ende soll jeder glauben, wie er will. Sowohl das Richtige als auch das Falsche soll jeder auswählen können, wie er will. Da ich kein Gesetzgeber bin, will ich mich mit keinem Urteil dazu äußern, wo deren Grenzen beginnen oder enden sollten. Da die gesamte Menschheit für sich selbst Rechenschaft ablegen wird, ist jeder für seinen Glauben, für das, woran er glauben will, für seine richtigen oder falschen Auslegungen wiederum selbst verantwortlich. Mit dem Geist, den Gott gab, bringt der weise Salomo im Buch Prediger der Heiligen Schrift folgende Wahrheiten zum Ausdruck:
Das Ende der Sache ist dies: Alles ist gehört worden; fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das ist die ganze Pflicht des Menschen. Denn jedes Werk wird Gott ins Gericht bringen, samt jeder verborgenen Sache, ob gut oder böse. Prediger 12:13-14
So einfach ist das. Es gibt niemanden, der diesem Urteil entkommen oder sich davor retten könnte. Und da unser Richter Gott sein wird, wird niemand vor ihm Bestechung geben, ihn täuschen oder Betrug verüben können. Da all dies so sein wird, brauchen wir uns wegen unserer Aufrichtigkeit, unserer Lauterkeit, unserer Ehrlichkeit und, was das Wichtigste ist, wegen unserer Liebe nicht zu sorgen und zu fürchten. Unsere Fehler gibt es ohnehin und wird es geben. Doch was wir besonders wissentlich tun, nennt man nicht Fehler. In diesen Dingen müssen wir uns aufrichtig prüfen. Langatmige Ermahnungen darüber haben wir ohnehin alle überall auf der Welt von Geburt an erhalten, oder wir erhalten sie noch. Ich will nicht über diese Dinge sprechen, die wie ein Wirrwarr erscheinen, sondern über die Bedeutung des Sehens unserer Seele und darüber, wie wir sie ernähren sollen.
Wie wir unsere Seele ernähren, wird sowohl unsere buchstäblichen als auch unsere geistigen Augen in einem furchtbaren Maße beeinflussen. Von der Bedeutung, die wir aus den Dingen ziehen, die wir betrachten, angefangen bis hin zu den Dingen, die wir hören, lesen, vernehmen und sprechen; unser Liegen und Aufstehen, unser Essen und Trinken, unser Gang und, wenn ich übertreiben darf, sogar unser Aussehen wird davon beeinflusst. Ich bin kein Seelenkundler, kein Psychologe oder dergleichen, doch ich empfehle Ihnen, ganz gewiss zu glauben, dass es so ist. Neben den von mir aufgezählten Dingen wird in dieser Sache sogar unsere Gesundheit ihren Anteil haben. Ob sie sich in guter oder in schlechter Richtung auswirken werden, das wird von der Nahrung abhängen, die wir zu uns nehmen. Denn womit wir unsere Seele ernähren, ist sehr wichtig. Die menschliche Seele wird vom Musikhören angefangen bis zum Sonnenuntergang, zum Anblick von Berg, Wald und Meer beeinflusst und empfindet dabei ein Wohlbehagen, manchmal auch ein Unbehagen. Das hängt von den Dingen ab, die sie sieht, hört und wahrnimmt. Der Grund, weshalb ich bei der Sättigung der Seele fortwährend auf die Worte Gottes hinweise, ist der, dass ich sagen möchte: Wir als gesamte Menschheitswelt können sorglos aus jener Quelle sowohl essen als auch trinken. Eine interessante Sache bei uns als Menschheit ist auch, dass unsere Seele stets nach einem Glauben sucht. Wohin auf der Welt Sie auch gehen mögen, selbst der kleinste Stamm, der in den sogenannten unberührten Wäldern lebt, hat einen Glauben, den er verehrt und anbetet. Und das, obwohl ihnen niemand etwas beigebracht hat. So wie die Menschheit, wo auf der Welt sie auch sein mag, das Gefühl und das Bedürfnis des Hungers besitzt, um ihren Körper zu sättigen, ist ganz sicher klar, dass sie auch beim Glauben und der Suche nach einem Gott für sich dieselben Gefühle besitzt. Und daraus ergibt sich folgende Bedeutung: Wir besitzen von Geburt an dieses in unserer Natur liegende, in unserem Inneren befindliche Gefühl der Gottsuche. Wie es auch im Buch geschrieben steht:
Der Gott, der die Welt und alle Dinge darin erschaffen hat, wohnt, da er der Herr des Himmels und der Erde ist, nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind; und da er es ist, der allen Leben, Odem und alle Dinge gibt, wird ihm auch nicht von Menschenhänden gedient, als bedürfe er einer Sache; und er hat aus einem Blut jeden Menschen der Menschen gemacht, damit sie auf der ganzen Erde wohnen, indem er ihre bestimmten Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnstätten festsetzte; auf dass sie Gott suchten und ihn, wenn möglich, tastend (forschend) fänden; doch ist er nicht fern von einem jeden von uns; denn in ihm leben, bewegen wir uns und sind wir; wie auch einige eurer Dichter gesagt haben: ‚Denn wir sind auch seine Nachkommenschaft (sein Geschlecht).' Apostelgeschichte 17:24-28
Wenn man auf die Geschichte blickt, ist die Menschheit dazu übergegangen, dieses Bedürfnis auf verschiedene Weise zu stillen. Die Existenz vieler Religionen und der Glaube an mannigfaltige Götter rührt daher. Auch wenn die Menschen der sogenannten „modernen“ Weltländer sich mühen, diese Gefühle mit dem zu unterdrücken, was sie durch Vergnügen und Geld erlangen, so besitzen auch sie dasselbe Bedürfnis. Da es einen einzigen Gott gibt, der die gesamte Menschheit und alle Dinge erschaffen hat, muss er es sein, der, wie für unseren Körper, so auch für unsere Seele weiß und gibt, was die beste Nahrung für uns ist. Deshalb sage ich, wenn von geistiger Nahrung die Rede ist: „Mit der Weisheit in den Worten Gottes können wir unsere Seele entwickeln.“
Ob für unsere Seele oder für unseren Körper, ob die Nahrung, die wir zu uns nehmen, gut oder schlecht ist, erkennen wir manchmal erst nach langer Zeit. Übermäßig schlechte Dinge sind natürlich leicht zu erkennen. Während man eine sehr schlechte Speise schon am Geruch erkennt, wird sich unsere Seele auch dadurch, dass wir Menschen sehen, die sich in ihren Versammlungen mit Schwertern und Spießen durchbohren, weil sie angeblich Gott anbeten, nicht in positiver Weise entwickeln. Doch bei demselben Ereignis kann diese Situation für die, die im Zirkus Akrobatik betreiben wollen, nützlich sein. Deshalb sollten wir uns in den Umgebungen, in denen wir uns befinden, selbst fragen, was wir suchen, und das, ohne uns selbst zu täuschen. Wenn ich mir die Menschen in vielen religiösen Kreisen ansehe, sage ich: An jenen Orten, an denen sie sich versammeln, unter Tausenden einen einzigen aufrichtigen Menschen zu finden, der Gott wirklich sucht und liebt, ist glauben Sie mir manchmal unmöglich. Jeder von ihnen hat ganz andere, seien sie gut oder schlecht, richtig oder falsch, aber weit von Gott entfernte Erwartungen, Ziele und Gedanken. Ich habe ohnehin nicht die Absicht, eine Regel aufzustellen, dass es eine Menschengemeinschaft geben müsse, die 24 Stunden fortwährend an Gott denkt. Doch ich möchte sagen, dass wir zumindest in den Umgebungen, in denen wir uns befinden, eine dem Zweck entsprechende Gedanken- und Herzenshaltung haben sollten. An den Orten, an denen der Name Gottes erwähnt wird, möchte ich nicht meine Stunden, Tage, Monate und Jahre, ja mein ganzes Leben vergeblich verbringen. Meiner Meinung nach würde es einen Menschen in geistiger Hinsicht persönlich weitaus mehr entlasten, als Vogelscheuche auf den Feldern zu stehen, als vergeblich an jenen Orten zu sein. Zumindest belastet er dann seinen Körper nicht mit Formen wie unter dem Namen Gottesdienst sich hinzuwerfen und aufzustehen, Hymnen zu singen und zu beten. Kurz gesagt, was wir auch suchen und wo wir es auch suchen, ob es ein richtiger oder falscher Ort ist, das werden wir durch bloßes Betrachten von außen oder durch bloßes Hineingehen ohnehin nicht sofort erkennen. Während wir uns einer Sache hingeben, müssen wir eine im vollen Sinne von Herzen kommende Forschung betreiben. Wir können es auch mit halbem Herzen, um des Redens willen, aus Faulheit tun. Dann aber wird das Erkennen, was was ist, diesmal sehr lange dauern. Ja, manchmal können wir, ohne zu begreifen und ohne begreifen zu wollen, mit einem völlig leeren Glauben, den wir besitzen, ein Leben lang leben und auch sterben. Als Menschen besitzen wir nicht wie einst eine Lebensspanne von 7-8, ja 9 Jahrhunderten. Wie eine Blume tauchen wir für einen Augenblick auf und verwelken sofort. Dass unser Körper in den Bankrott geht, ist manchmal eine Sache eines Augenblicks. Jungen Menschen kommt dieses Wort sehr sinnlos vor, doch in Wahrheit ist es so. Denn auch mir kam es, als ich jung war, so vor.
Als ich zum Beispiel mit den Zeugen Jehovas zusammen war, konnte ich mit den Kenntnissen und Eindrücken, die ich in drei Monaten erlangt hatte, in gewissen Themen sowohl kenntnisreicher sein als auch die Ereignisse klarer und deutlicher sehen als ein Ältester (im Sinne eines als geistiger Leiter Beauftragten), der dort vierzig Jahre gewesen war. „In den eigenen Augen sieht sich jeder so“, werden Sie sagen. Es sind mehr als zwanzig Jahre vergangen, und ich sehe, dass jene Menschen trotz all der körperlichen Mühe, die sie aufgewendet haben, im Geist, im Wissen und in der Sehfähigkeit noch immer ein Kind in der Wiege sind. Und das schreibt nicht nur ich, sondern auch Raymond Franz, der 63 Jahre unter ihnen gelebt, 40 Jahre aktiv gearbeitet und bis zur sogenannten höchsten Ebene, der leitenden Körperschaft, aufgestiegen ist, in seinen Büchern. Wie viele andere, die jene Wege gegangen und sich des Fehlers bewusst geworden sind. Nun, wenn Sie fragen: „Wie ist es mit den anderen Religionen?“, vielleicht noch schlimmer. Ganz zu schweigen davon, dass die Zeugen Jehovas im Wissen Kinder sind, die anderer Religionen sind im Wissen beinahe noch nicht einmal geboren.
Daneben sehen es manche gezielt als ausreichend an, in Religionsdingen nur ein sehr geringes Wissen zu besitzen. Ihrer Meinung nach liegt der Unterschied zwischen einem sehr ausgehungerten, mageren Menschen und einem, der durch übermäßiges Essen von Junkfood und vielen falschen Dingen zu einem Fettsack geworden ist, nur in den Zahlen auf der Waage. Eigentlich ist bei beiden das Leben in gesundheitlicher Hinsicht in Gefahr – mit solchen demagogischen Beispielen fliehen sie vor zu viel Wissen.
Das Thema, das ich darlegen will, ist, dass die Menschen bei ihrer Suche nach der Wahrheit diese Sache mit ganzem Herzen tun müssen. Was geschieht, wenn wir es nicht tun? Wie gesagt, die Sache zieht sich nur in die Länge. Wir können uns weder dessen, was wir tun, noch des Weges, den wir gehen, im wahren Sinne bewusst werden. Es bedarf dann, dass einer uns packt und aufrüttelt. Selbst wenn wir aufgerüttelt werden und uns die Augen für gewisse Wahrheiten geöffnet werden, so wechseln wir, wenn wir mit derselben Haltung fortfahren, höchstens vielleicht den Ort. Das heißt, so wie aus der Soundso-Partei auszutreten und in die Soundso-Partei überzuwechseln. Oder von der Soundso-Religion oder -Konfession zu einer anderen Religion oder Konfession überzuwechseln, ist dasselbe. Auf dieses Thema hat auch Charles Taze Russell hingewiesen, der vor Jahren das Zeugen-Jehovas-Wesen begründet und dies erkannt und begriffen und in seinem Buch geschrieben hat. Wenn wir uns selbst zu täuschen versuchen, indem wir sagen: „Wir sättigen unsere Seele“, während wir sie in Wahrheit hungern lassen, so wird nicht nur unsere Zeit, die wir nie zurückholen können, unsere schönsten Jugendjahre und unsere Energie vergeblich vergehen, sondern wir können mit einer Seele, die mit völlig leeren oder als Müll zu bezeichnenden Dingen angefüllt ist, in Depression verfallen und sogar in den Selbstmord getrieben werden. Ich sage das nicht in dem Sinne, dass wir unbedingt von ihnen fernbleiben müssen. Doch ich sage, dass wir, bevor wir uns ihnen hingeben, fortwährend, ohne Überdruss, eine sehr gute Forschung betreiben müssen. Dann werden wir die Jahre, die wir verbracht haben, weder bereuen noch unsere Zeit als vergeudet ansehen. Auch ich habe etwa zwanzig Jahre damit verbracht, Gott bei den Zeugen Jehovas und in anderen Religionen zu erforschen. Doch mein Ziel war stets, nicht dem Menschen, sondern Gott zu dienen. Deshalb habe ich mich keinem von ihnen auch nur einen Augenblick unterworfen. Deshalb sehe ich auch die Zeit, die ich mit ihnen verbracht habe, nicht als Reue, sondern als: „Gut, dass ich hingegangen bin und gelernt habe, vielleicht bin ich auch anderen von Nutzen.“ Wäre ich nie unter sie gegangen, hätte ich vielleicht überhaupt nichts gelernt und jene Menschen auch nicht verstanden. Ich will nicht sagen, dass ich von ihnen richtiges Wissen gelernt habe, doch ich will sagen, dass ich mich selbst weiterentwickelt habe, indem ich das, was sie lehrten, erforschte, ob es wohl richtig oder falsch sei. Ich hätte auch bloß zu Hause sitzend forschen können, doch jene gelehrten Dinge wären mir, wenn ich allein an meinem Platz gesessen hätte, nicht in den Sinn gekommen, sodass ich sie hätte erforschen können.
Nehmen wir zum Beispiel an, Sie gehen in ein Restaurant, um Ihren Hunger zu stillen. Sie bestellen Speisen, aber ohne sie zu essen, vertreiben Sie sich so oder so die Zeit. So wie Sie für Speisen, die Sie nicht einmal gekostet haben, bezahlen, so gehen Sie auch mit einem hungrigen Körper von dort wieder fort. Auf diese Weise bleiben Sie nicht nur hungrig, sondern es ist Ihnen sogar unmöglich zu wissen, ob jenes Restaurant gut oder schlecht ist. Nehmen wir an, Sie verspüren Hunger und gehen jedes Mal in dasselbe Restaurant und verlassen es auf dieselbe Weise. Beim körperlichen Hunger würde so etwas vielleicht niemand tun. Doch bei der Sättigung unserer Seele sind wir beinahe als gesamte Menschheit genau wie in dem Beispiel, das ich hier aufgeschrieben habe. Mit dem hier gegebenen Beispiel will ich das Restaurant mit den Orten vergleichen, an denen wir religiöse Bildung erhalten. Im Restaurant soll uns jene Atmosphäre um uns herum – die Essensgerüche, die eilenden Kellner, das Geräusch von Tellern und Geschirr, die an den Tischen Sitzenden und so weiter – nicht darüber täuschen, dass dies ein Ort ist, an den man gekommen ist, um satt zu werden. Da die Stillung unseres geistigen Hungers im geistigen Sinne geschieht, kann an jenen Orten auch niemand sehen, wer was isst oder wie satt er durch das Essen wird. Er kann nur eine Vermutung anstellen, und diese Vermutungen sind meistens falsch. Zudem kann, selbst wenn wir meinen, wir seien durch das buchstäblich Gegessene satt geworden, der Nährwert der Speisen in jenem Restaurant auch null sein. Das nennt man auch verborgenen Hunger. Dass Sie wie Sie mit völlig leerem Magen in jenes Restaurant hineingehen und jenes Restaurant wieder entweder mit völlig leerem Magen oder vom Essen aufgebläht, aber mit null Nahrung verlassen, ist keine Sache, die nicht vorkommen könnte. Täuschen wir uns auch nicht, indem wir regelmäßig an jenen Orten anwesend sind. Wenn wir auf die Religionen der Erde und die Menschen blicken, die sie geistig ernähren, so können wir, wie geistig entwickelt deren Seelen sind, mit dem Körper jenes sudanesischen Kindes aus Afrika vergleichen, das wir auf dem nachfolgenden Bild sehen. Der Unterschied zwischen dem körperlichen Hunger, den jenes Kind leidet, und der Sättigung unserer Seele durch die Religionen der Erde besteht darin, dass das eine mit buchstäblichen Augen gesehen wird, das andere aber von der Art ist, die, wenn wir wollen, mit geistigen Augen gesehen wird. Mein eigener Gedanke aber ist nicht einmal so optimistisch wie das, was ich in diesem Vergleich verwendet habe. Meiner Meinung nach besitzen wir eine geistig gestorbene Weltmenschheit. Mit unseren wenigen, die im Todeskampf liegen, eine Verallgemeinerung zu machen, wäre wirklichkeitsfremd.
Ich sagte: „Um unsere Seele zu sättigen, können wir uns ohne zu zögern aus den Büchern nähren, die Gott hat aufschreiben lassen“, und danach sagte ich, wie sehr uns die Religionen hungern lassen. Das ist ohnehin das Thema, das ich darlegen will. Wir verwechseln zwei Dinge. Wenn von Religion die Rede ist, kommt uns sofort Gott in den Sinn. Bravo ihnen, dass sie es geschafft haben, dies den Menschen in die Köpfe zu setzen. Zum Beispiel kommt uns bei dem Wort Bank sofort Geld in den Sinn. Oder wie uns bei dem Wort Restaurant die Speisen in den Sinn kommen. Diese Assoziationen haben uns jene Orte gegeben. Und dass uns bei dem Wort Religion in unserem Geist Gott in den Sinn kommt, dürfte nicht falsch sein. Was wir nicht vergessen dürfen, ist, dass es weder für jene Bank noch für jenes Restaurant noch für irgendeine Religion eine Regel gibt, dass sie unbedingt automatisch dem Zweck entsprechend, richtig, gesund und auf befriedigende Weise zu unserem Nutzen arbeiten würden.
Nun, wer wird entscheiden, was gut oder böse ist?
Ganz gewiss liegt die Entscheidung am Ende bei uns.
Nun, woher werden wir das Richtige davon wissen? Wollen wir nicht alle die richtigste Entscheidung treffen?
Uns selbst geistig aufzuziehen und sie wie ein Kind zu pflegen und großzuziehen, ist am Ende auch unsere Aufgabe. Unsere Seele ist eine Sache, die von uns abhängt; welche Gestalt wir ihr auch geben, oder welche Gestalt man ihr auch geben mag, das müssen zuerst wir wollen oder zulassen. Zu entscheiden, was richtig oder falsch ist, geschieht dadurch, dass wir einen Maßstab besitzen. Wen, was, welche Standards nehmen wir in unserem Leben als Maßstab, oder sollten wir nehmen? Kommt, lasst uns das Thema hierüber ein wenig ausweiten.
Beginnen wir mit einem einfachen Beispiel. Um die Länge eines Tisches zu schätzen, oder damit ein Mensch, der keine Längenmaßeinheit kennt, weiß, ob dieser Tisch an einen gewünschten Ort passt oder nicht, muss er eine Maßeinheit besitzen. Wir können die Breite und Länge jenes Tisches sowohl mit einer Schnur als auch mit einem Meter messen. Wenn wir den Meter nehmen, gilt das Maß, das wir besitzen, überall und für alles, während das Maß, mit dem wir mit einer Schnur messen, nur für jene eine Sache gelten wird. Nun ja, was kann ich denn sonst mit dem Tisch messen, den ich mit einer Schnur gemessen habe? Auch die Maßeinheit namens Meter wurde letztlich von Menschen erfunden. Wichtig ist nicht, dass ein Meter hundert Zentimeter oder 140 Zentimeter ist; wichtig ist, dass ein Meter überall gleich ist. Die Zahlen bei den Maßeinheiten werden sich stets ändern. Wir Menschen haben einen Meter hundert Zentimeter genannt. Wir hätten ihn am Anfang auch 120 oder 240 nennen können. Tatsächlich ändern sich diese Einheiten in vielen Ländern. Man sagt nicht Meter, Kilometer, sondern Meile. Man sagt nicht Liter, sondern Gallone. Auch deren Mengen ändern sich. Aber sie sind überall gleich. Wenn Gallone gesagt wird, gibt es eine Tabelle, die zeigt, wie viele Liter das sind. Wie es auch, wenn Meile gesagt wird, eine Tabelle gibt, die zeigt, wie viele Meter das sind. Das heißt, die Namen, die Einheiten sollen uns nicht in die Irre führen. Wenn wir einen Maßstab besitzen, den jeder anerkennt, verstehen wir leichter, was wir meinen und was man uns sagen will.
Unsere Frage war, zu schätzen, wie lang ein Tisch ist. Ganz gewiss wird von jedem eine andere Stimme kommen, und die Zahlen, die jeder nennt, werden auch verschieden sein. Am Ende all dieser Schätzungen wird, wenn jener Tisch mit dem Meter gemessen wird, seine Länge ein für alle Mal feststehen. Wenn wir zum Beispiel mit dem Meter messen, müssen wir, ob wir wollen oder nicht, jene Zahl annehmen, so lang der Tisch auch ist. Wenn wir anfangen, über Gott zu sprechen, ist die Lage nicht sehr anders. Wenn wir an ein Wesen glauben, das der Schöpfer aller Dinge ist, muss uns auch einleuchten, dass dessen Name zwar Allah, Gott, Teo oder Elohi lautet, in verschiedenen Sprachen, aber dieselbe Bedeutung hat. Ebenso ist das, was wir als Maßstab anzunehmen haben, je nachdem welcher Religion wir angehören, die wir zu besitzen sagen, das heilige Buch jener Religion zu lesen und zu erforschen, das kann zumindest ein Anfang sein. Und wenn Gott der Schöpfer und Besitzer aller Dinge ist, müssten wir dann nicht die Dinge, die er uns als geistige Nahrung vorsetzt, ob wir wollen oder nicht, annehmen und zumindest kosten? Das, was er für unseren Körper gibt, essen wir jeden Tag und werden satt. Ob wir diese Speisen auf richtige oder falsche Weise gebrauchen, aber wir gebrauchen sie. Warum sollte die Lage bei den geistigen Speisen anders sein?
Damit sage ich Ihnen keineswegs, dass Sie unbedingt an Gott oder an die von ihm für heilig gehaltenen Bücher glauben sollen. Vorerst ist unser Ziel, die Antwort auf unsere Frage zu finden, indem wir Beispiele geben. Ist das Ziel nicht, irgendeinen Ort, einen Markt, einen Basar, ein Restaurant, ein Geschäft zu suchen, wo wir die geistigen Speisen essen können? Es ist uns möglich, den Hunger unseres Bauches in vielen verschiedenen Restaurants und Gaststätten zu stillen. Auf jedem Nahrungsmittelmarkt können wir kaufen, was unser Herz begehrt. Während wir auf den Straßen, den Gassen, von den Bussen angefangen bis in die Schiffe und Flugzeuge hinein über reichlich Vorräte verfügen, die dieses Bedürfnis stillen, warum erscheint uns in geistiger Hinsicht die ganze Welt geradezu wie eine Wüste?
Auch in dieser Sache kann ich die richtigsten Wahrheiten vielleicht besser darlegen, indem ich für meinen Teil etwas über die Erfahrungen schreibe, die ich gesammelt habe. Glauben Sie mir, unsere geistige Ernährung ist gar nicht so schwer. Ja, es ist eine Sache, die die Zeit und die Energie des Menschen in Anspruch nimmt, aber das ist bei allem so. Sitzen wir nicht vor dem schäbigsten Film stundenlang, ohne etwas zu verstehen? Wenn Sie versuchen, über sich selbst einen täglichen Bericht über den „Zeitverbrauch“ zu führen, werden Sie bemerken, mit wie vielen leeren Dingen Sie Ihre Zeit verbringen. So wie ich selbst weiß, dass für die etwas sorgfältig zubereitete körperliche Nahrung eines nur vierköpfigen Haushalts täglich mindestens 4 bis 6 Stunden in der Küche verbracht werden müssen, und das nur mit einer Küche, die voll mit vollelektronischen Geräten ist. Wenn Sie das Wasser vom Brunnen holen, das Gemüse vom Feld nehmen und das Getreide in der Mühle mahlen gehen, dann werden Sie diese vier Personen allein nur schwer satt bekommen. Vergessen wir nicht, dass die Menschheit tausende von Jahren unter diesen Bedingungen gelebt hat. Die Frauen unseres letzten Jahrhunderts stürzen sich nicht umsonst mit „Ich gehe arbeiten“ auf die Straßen. Denn die Arbeit zu Hause ist manchmal weitaus langweiliger und schwerer als die draußen. Zudem wird, so wie diese Arbeit kaum jemand würdigt, einem am Ende dafür auch keine Rente und kein Geld gegeben.
Auch die Propheten und gläubigen Menschen, die in jenen Schriften vorkommen, die wir Heilige Bücher nennen, fanden meistens auch diese von mir aufgezählten Dinge nicht. Sie begegneten entweder einer Hungersnot oder einem Feindeinfall. Die Bedingungen waren damals allein schon zum Sattwerden weitaus prekärer. Da das Thema auf die Zeit kam, schreibe ich deshalb darüber. Dieses Wort „Ich habe keine Zeit“ ist die größte Ausrede, die die Deutschen gebrauchen. Auch die anderen Menschen bringen, indem sie andere Dinge sagen, andere Ausreden vor. So wie Zeit die Bedingung ist, um den Körper zu sättigen, so ist Zeit auch die Bedingung, um die Seele zu sättigen. Der eine verbringt jene 4-6 Stunden, die ich nannte, damit, mit dem Geld, das er durch Arbeit draußen verdient, etwas Fertiges zu kaufen, der andere zu Hause in der Küche. Auch wenn solche Probleme abnehmen, je reicher man wird, so ist deren Zeit durch andere Sorgen und Programme noch knapper. Kurz gesagt, so wie wir die Zeit, die wir aufwenden, um unseren Körper zu sättigen, als zwingend anerkennen und dafür unbedingt Zeit einräumen, so sollte die Lage auch sein, um unsere Seele zu sättigen.
Wenn wir das Thema der Zeit für das Forschen und Lesen umgangen haben, so ist der nächste wichtigste Grund unser Verlangen, unser Begehren nach jener Sache. Das Begehren, das Verlangen ist manchmal ein vorrangiger Grund. Dass ein Mensch etwas begehrt, das er nicht kennt, nicht versteht, von dem er gar nichts weiß, ist natürlich auch nicht logisch. Das Verlangen in unserem Inneren beginnt zuerst in unserem Geist. Das, was wir ohnehin als unser Inneres bezeichnen, ist zuerst unser Geist, unser Gehirn. Mit gewissen Fragen begegnen wir jeden Tag. Warum werden wir geboren und warum sterben wir? Was ist der Sinn des Lebens? Was werden wir nach dem Tod sein? Wohin gehen die Toten? Mit diesen und ähnlichen Fragen ist jeder Mensch konfrontiert. Ob er will oder nicht, seine Umgebung und das, was er sieht, lehren es ihn ganz gewiss. Die Dinge, die er lernt, sind nicht unbedingt die Antwort auf die Frage. Der Mensch hat, indem er solche Fragen sich selbst stellte, sei es im Inneren, sei es indem er sie einem anderen von außen stellte, ganz gewiss auch eine Antwort darauf erwartet. Nun, die Antworten auf diese und ähnliche Dinge sind nur einige der Nahrungsmittel, die unsere Seele begehrt. Solange wir auf solche Fragen keine befriedigenden Antworten erhalten, ist der Hunger unserer Seele so, wie das buchstäbliche Nichtsattwerden unseres Körpers.
Zum Beispiel entstand in mir durch solche Fragen und Antworten das Verlangen zu forschen. Auch wenn die Menschen mir Dinge sagten wie „Was machst du?“ oder „Was soll das denn?“ oder „Bravo!“, so habe ich diese Forschung um keines von ihnen willen betrieben. Nur für mich selbst, ja ganz persönlich für mich selbst wollte ich die Antwort auf diese Fragen finden. Wie hätte ich ohnehin einem anderen etwas als „das ist richtig“ darlegen können, wovon ich, ich selbst, nicht überzeugt war? Dabei habe ich vor allem der Freude Bedeutung beigemessen. Ich wollte niemals mit finsterer Miene, wie unter Zwang, als würde ich Gott in Schuld setzen, oder mit dem Eindruck, als würde ich leiden, herangehen. Denn soweit ich aus dem, was ich las, deutlich verstand, ist Gott dafür, den Menschen, den er erschaffen hat, freudig zu sehen, und für den, der das, was er tut, mit Freude tut. Sind wir Menschen nicht auch so? Einen Menschen, der uns mit lächelndem Gesicht „Nein“ sagt, ziehen wir manchmal einem Menschen vor, der uns mit einer Miene, als würde er fluchen, als würde er sagen „Zur Hölle mit dir“, „Ja“ sagt. So wie uns Dinge, die unter Zwang, unwillig getan werden, nicht gefallen, sind sie auch bei Gott nicht wohlgefällig.
Daneben muss ich, da die Zeit gekommen ist, auch eine Wahrheit anmerken. Fragen zu stellen ist leicht, doch manchmal wollen wir die Antwort darauf entweder gar nicht wissen, oder wir fragen nur, um zu widersprechen. Während wir meinen, uns mit solchen hochmütigen Taktiken zu erhöhen, lassen wir, ohne es zu wissen und ohne es zu bemerken, unsere Seele hungern und beginnen, sie geradezu feindselig zu behandeln.
Zur Zeit Moses' in der Wüste sagt Gott, dass ein Anbetungszelt gemacht werden soll. Sehen wir uns aus der Quelle an, wie und mit welcher Herzenshaltung selbst das halsstarrige und unbelehrbare Volk jener Zeit als Antwort auf die Wünsche Gottes handelte und antwortete.
Und die ganze Gemeinde der Söhne Israels ging von Moses hinweg. Und jeder Mann, den sein Herz antrieb, kam herbei, und sie versammelten sich und brachten die Gabe für Jehova für das Werk des Zeltes der Zusammenkunft und für all seinen Dienst und für die heiligen Gewänder. Und die Männer samt den Frauen, alle, deren Herz willig war, kamen herbei. Ein jeder, der Jehova eine Goldgabe darbrachte, brachte Broschen und Ringe und Fingerringe und Armbänder, allerlei Geräte aus Gold… Für jedes Werk, das Jehova durch die Hand Moses' zu tun geboten hatte, brachten die Söhne Israels, jeder Mann und jede Frau, deren Herz sie willig machte zu bringen, Jehova eine freiwillige Gabe.
(2. Mose 35:20-22 und 29 Ferner 1. Mose 4:3-8; Jesaja 61:7; Offenbarung 21:4; 5. Mose 28:47-48)
Dass es in diesem Thema, Freude zu empfinden, um das „Geben“ geht, war ein Vers, den ich zufällig verwendet habe. Eigentlich erfordert es keineswegs, dass wir freudig sind, dass wir unbedingt materielle Dinge geben. Gott will nicht das Gold, das Silber, das Geld, das wir haben; er will uns. Diese gehören ohnehin Gott. Gold, Silber, Geld können wir nur den Menschen geben. Doch den freien Willen, den wir besitzen, gab unser Schöpfer nur uns und will, dass wir uns mit ihm ihm nähern. Jene Frommen, die einfach nicht begreifen können, dass wir Gott von Herzen, aus dem Herzen kommend, mit Freude dienen müssen, und die die Menschen mit Druck und Zwang niederdrücken, habe ich niemals verstanden und werde sie auch niemals verstehen. Sie wollen in Wahrheit, dass wir nicht Gott, sondern ihnen und ihren Zielen dienen.
Wenn der Mensch forscht, um sich geistig zu entwickeln, wendet er viel Mühe auf, um jene Freude in sich zu erlangen. Wenn Sie besiegt werden, dann sind Sie verloren. Jeder Anfang bedeutet Unerfahrenheit. Beim Erlangen von Wissen entwickelt sich im Menschen auch ein unerfahrenes Gewissen. Und genau in diesem Augenblick beginnt das Werk der religiösen Einrichtungen. Wenn Sie ihnen nachlaufen, gleichen Sie den Menschen, die ungeduldig sofort in das erste Restaurant gehen, das sich ihnen bietet, und ihren Bauch entweder mit magenverderbenden oder mit ganz und gar unerwünschten Dingen sättigen. Unter den Menschen werden am leichtesten Kinder getäuscht. Denn sie sind unerfahren und ohne Erfahrung. Auch wir werden, wenn wir geistig zu wachsen beginnen, ganz gewiss eine Kindheitsphase haben. Meinen Sie ja nicht, indem Sie auf Ihr körperliches Alter blicken, dass sich Ihr geistiges Alter im selben Verhältnis automatisch entwickelt hätte. In manchen Themen vielleicht ja, doch in den Themen, die zum wahren Leben führen, sind wir glauben Sie mir meistens nicht einmal so weit wie ein Baby. Wenn ich sage, dass wir in dieser Sache gar nicht geboren sind, sage ich vielleicht die Wahrheit. (Johannes 3:1-15) Das ist keine Schande. Schämen Sie sich ja nicht. Einige der größten Feinde in uns selbst beim Erlangen von Wissen und beim geistigen Wachsen sind Faulheit, Minderwertigkeitsgefühl, Scham, Stolz und Hochmut. Diese sind gleichsam vernichtend für die Nahrung der Seele und tragen die Eigenschaft einer Atombombe. Wie alt Sie auch sein mögen, scheuen Sie sich nicht zu hören und zu fragen, weil Sie ja nicht alles wissen können. Selbst wenn manche wegen Ihrer Fragen spöttisch lachen, wird jene Sache durch die richtigen Antworten, die Sie erhalten, nun für Sie eine Bedeutung haben. Es gibt auch keine Regel, dass diese Antworten unbedingt richtig sein oder Sie befriedigen werden. Doch diese Themen sollten Sie zum Forschen bewegen. Auch wenn etwas richtig und logisch erscheint, glauben Sie auch nicht alles auf der Stelle, ohne zu forschen. Eine winzige Bitterkeit, der Sie am wenigsten Wert beimessen und die Sie in sich verbergen, wird eines Tages wachsen und sich riesengroß entwickeln. Es kommt der Tag, an dem es Ihnen unmöglich wird, jenen Riesen zu besiegen. Wenn wir darauf achten, jedes für unwichtig gehaltene Übel zu vernichten, solange es klein ist, dann heißt das, dass wir nun eine reine und uns entlastende Seele besitzen. Wer will in seinem Körper Wurmlarven oder andere Parasiten nähren? So wie diese unseren Körper und unsere Gesundheit belasten, gibt es auch in uns eine Menge Parasiten in Form von schlechten und falschen Gefühlen, die unsere Seele belasten und die uns klein erscheinen und die wir am Anfang meinen unter Kontrolle zu haben. Gegen diese müssen wir einen entschiedenen Kampf führen. Und nachdem wir all dies getan haben, sehen Sie sich niemals als vollkommen rein an. Wenn Sie den Fehler machen und einer solchen Meinung verfallen, dann wissen Sie, dass Sie sich ganz gewiss in einem großen Irrtum befinden. Wie sehr Sie sich auch mühen, wie viel Wissen Sie auch erlangen, wie viel Gutes Sie auch tun, Sie werden sich niemals von allen Sünden reinigen und auch Ihre geistige Entwicklung nicht vollendet haben. Denn der Apostel Gottes bringt folgende Wahrheit zum Ausdruck:
Wenn wir sagen: „Wir haben keine Sünde“, so täuschen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden offen bekennen, so ist er treu und gerecht, um uns unsere Sünden zu vergeben und uns von aller Ungerechtigkeit zu reinigen. (Evangelium – 1. Johannes 1:8-9)
Wenn die Sünde die Aufmerksamkeit auf das Vorhandensein unserer Mängel lenkt, so sollten wir die geistige Entwicklung auch niemals beenden. Zumal, wenn die Menschheit das ewige Leben, das man Paradies nennt, von Gott als Erbe erhält, wird ihre geistige Entwicklung, selbst wenn sie sich aller Sünden entkleidet hat, fortdauern und muss auch fortdauern. Das heißt, unser Prozess des geistigen Wachstums ist endlos, das wollen wir nicht vergessen. Nicht in Worten, nicht auch nur wie ein Posieren mit dem äußeren Anschein, sondern von Herzen kommend, auf wahre Weise, lasst uns demütig sein. Das ist ein größter Faktor in dieser geistigen Entwicklung. Viele bewerten das im wahren Sinne demütig zu sein unter dem Gesichtspunkt, anderen Gutes zu tun, als wäre es nur zum Vorteil anderer. Eigentlich tut der Mensch, indem er demütig ist, sich selbst das größte Gute. Diese Eigenschaft entlastet sowohl Ihr Inneres, als auch lässt sie Sie im Geist rasch wachsen und entwickelt Sie. Wie gesagt sind die Dinge, die vor unserer Seele eine Mauer aus Erz aufziehen, ohnehin Dinge wie Hochmut, Neid, Missgunst, Stolz, Parteilichkeit, sich zu schämen, das Richtige zu tun, Menschenfurcht usw. Kommt, lasst uns nicht mit unseren eigenen Worten, sondern aus den Worten des Apostels des Herrn lesen und sehen, was für eine Persönlichkeit wir geistig besitzen sollten.
Tötet deshalb die irdischen Seiten der Welt eures inneren Wesens ab – die sexuelle Unmoral, die Unreinheit, die Leidenschaften, die bösen Begierden und die Habgier, die Götzendienst bedeutet. Um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Ungehorsamen. In der Vergangenheit, als ihr unter solchen Menschen lebtet, seid auch ihr auf diesen Wegen gewandelt. Aber jetzt legt auch dies alles ab, samt Zorn, Wut und Bosheit. Kein Schimpfwort oder unanständiges Wort komme aus eurem Mund. Belügt einander nicht. Denn ihr habt die alte Schöpfung samt ihren schlechten Gewohnheiten von euch abgelegt und die neue Schöpfung angezogen, die im Ebenbild ihres Schöpfers erneuert wird, um zu vollständiger Erkenntnis zu gelangen. (Evangelium – Kolosser 3:5-10)
Wenn wir die Eigenschaften besitzen, die Gott von uns will, wird auch das geistige Wachstum und das damit verbundene Entlastetsein von selbst kommen. Ein gutes Medikament, das ein Mensch, der mit Übelkeit krank ist, einnimmt, stoppt zwar die Übelkeit nicht auf der Stelle, doch die Wirkung des Medikaments wird mit der Zeit, ohne dass der Mensch es auch nur bemerkt, seinen Magen beruhigen. Indem wir den nach Gott erschaffenen neuen Menschen wie ein Kleid anziehen, werden wir uns rasch, ohne es auch nur zu bemerken, verändern. Unsere Umgebung wird das bemerken, doch erwarten Sie ja nicht, dass man Sie loben wird. Ganz im Gegenteil, je mehr Ihre Sympathie für die richtigen Dinge wächst, wenn Sie begonnen haben, ohne Gegenleistung zu lieben, wenn Sie die Wahrheiten verteidigen, wenn Sie ohne zu zögern mit Respekt bewusst über Ihren Glauben sprechen, werden sich die Menschen von Ihnen entfernen und Sie von Zeit zu Zeit auch hassen. Es ist unmöglich, auf die Menschen zu blicken und von diesem ihrem Hass nicht berührt zu werden. Wenn Sie in Verzagtheit verfallen und besiegt werden, dann sind Sie verloren. Fragen Sie sich selbst stets: „Ist es der Mensch oder Gott, den ich zufriedenstellen will?“
Wir waren mit Beispielen von Restaurants aufgebrochen. Wir hatten die Religionen, das Essen, um geistige Nahrung zu erhalten, mit dem Gehen in ein Restaurant verglichen. Erst mit dem Wissen, das Sie über Gott erhalten und anwenden werden, werden Sie jene Speise gekostet haben. Danach ist es Ihre Sache, ob Sie jene Dinge essen oder nicht.
Kostet und seht, wie gut Jehova ist; glücklich der Mann, der bei ihm Zuflucht sucht! (Zebur – Psalm 34:8)
Ob geistig oder körperlich, erwarten Sie von niemandem eine regelfixierte Liste beim Essen. Fügen Sie den Regeln, die Gott aufgestellt hat, weder etwas hinzu, noch nehmen Sie etwas weg. Manche Punkte, die ich Ihnen aufgeschrieben habe, waren nur dazu da, damit Sie Freude haben. Denn wenn Sie keine Freude haben, wenn das, was Sie tun, nicht auf Liebe beruht, dann werden Sie, was Sie auch getan haben, eines Tages fallen. Wenn Sie keine Lehre daraus ziehen, kann dieser Fall sogar so sein, dass man niemals wieder aufsteht. Es gibt ein Sprichwort: „Beginne wie ein Türke, ende wie ein Engländer.“ Auch wenn schnell zu laufen ein Faktor beim Näherkommen zum Ziel zu sein scheint, können wir auch der Gefahr begegnen, durch übermäßige Ermüdung unsere Energie und damit auch unsere Freude zu verlieren. Lasst uns zum Ziel laufen, aber in einem Tempo, das niemals anhält. Denn ein Ziel wird gesteckt, um bestimmte Dinge zu erlangen. Wenn unser Ziel ist, Gott zufriedenzustellen und daran Freude zu empfinden – wofür Gott den Menschen ja allein zu diesem Zweck erschaffen hat –, so ist auch dies endlos, ewig. Deshalb, wenn Sie nicht wissen, an Gott und seinen Eigenschaften Freude zu empfinden, so lernen Sie zuerst dies. Alle Religionen der Erde sind meiner Meinung nach nur solche, die uns diese Freude nehmen. Lassen Sie es nicht zu, dass sie zwischen Gott und Ihnen eine Mauer errichten. Gott sagt zu diesem Thema deutlich:
„Lasst ab vom Menschen, dessen Odem in seiner Nase ist: Denn was ist sein Wert?“, sagt er. (Tevrat – Jesaja 2:22)
Ob in dieser Sache oder in welcher Sache auch immer, die dem Willen Gottes entspricht, lasst uns mit von innen kommenden Gebeten persönlich ihn selbst um Hilfe bitten, dass er hilft. Unsere Bitten sollen auch mit Worten sein, die aus unserem Geist und unserem Herzen kommen. Lasst uns nicht mit Worten, deren Bedeutung wir nicht kennen, vor Gott vor ihm zu posieren versuchen. Zudem braucht Gott auch keine besonderen Körperhaltungen zum Beten. Keine der Gottesdienstformen, die uns beigebracht wurden, steht weder im Koran noch in den vier Büchern, die wir als Tevrat, Zebur, Evangelium kennen. Mit den Überlieferungen der Menschen wird Gott nicht gesucht und ihm nicht gedient. Wir sehen, in welchen Zustand uns die Überlieferungen der Menschen gebracht haben. Geistig haben sie uns in den Tod getrieben. Und körperlich atmen wir weltweit unseren letzten Atemzug. Gott gebietet und will von uns, dass wir alle Ketten der Knechtschaft zerbrechen, die uns hindern, uns Gott zu nähern. Und das wiederum, weil er uns liebt.
Ich, ich bin es, der euch tröstet; wer bist du, dass du dich fürchtest vor dem Menschen, der sterben wird, und vor dem Menschensohn, der wie Gras sein wird; und den Herrn vergisst, der die Himmel ausgespannt und die Grundfesten der Erde gelegt hat, der dich erschaffen hat; und den ganzen Tag ohne Unterlass zitterst vor dem Zorn des Bedrückers, wenn er sich anschickt zu vernichten? Und wo ist nun der Zorn des Bedrückers? (Tevrat – Jesaja 51:12-13)
Werdet aus Furcht und sinnloser Scham nicht Knechte der Menschen. Als Gott Jeremia in einem Alter, in dem man ihn noch ein Kind nennt, den Auftrag der Prophezeiung gab, sehen Sie, was er sagt:
„…Ich werde meine Urteile über sie aussprechen wegen all ihrer Bosheit, denn sie haben MICH verlassen… Erschrick nicht vor ihnen, sonst lasse ICH dich vor ihnen erschrecken… Sie werden gegen dich streiten; aber sie werden dir nichts anhaben können; denn ICH bin mit dir, um dich zu retten.“ So spricht der Herr. (Tevrat – Jeremia 1:16-17 und 19)
Wer meine Schriften liest, könnte denken, dass ich einen Hass gegen die Religionen habe. Die Dinge, die ich hasse, sind aber nicht die Religionen, sondern nur deren und unsere schlechten Eigenschaften. Obwohl ich mein Kind liebe, hasse ich auch dessen schlechte Eigenschaften. Doch das bedeutet niemals, dass ich mein Kind hasse. Ganz gewiss werde ich es am Ende auch annehmen, wie es ist, doch das wird trotzdem nicht bedeuten, dass ich die schlechten und falschen Eigenschaften an ihm liebe. Menschen meinen vielleicht mit großen und geschwollenen Worten wie „Ich habe dich mit allem geliebt, oder liebe dich" die Größe, die Kraft der Liebe. Doch niemals können wir die Eigenschaften der Menschen, die wir lieben und die wir für schlecht halten, lieben. Und das können wir ohnehin nicht tun, weil wir ihn lieben, und sollten es auch nicht tun. Wie könnte ich zu dem, was in meinen Augen schlecht ist, sagen: „Tu es doch"? Oder wenn ich das Schädliche an dem Menschen sehe, den ich liebe, wie könnte ich schweigen? Nur wollen wir nichts durcheinanderbringen, hier spreche ich von Liebe, nicht vom Herrschen. So wie man nicht sagen kann, dass Amerika das Volk im Irak liebt, so kann man auch nicht sagen, dass die religiösen Fanatiker, wenn sie Menschen bombardieren, dies „zum Guten" füreinander tun. Die Liebe bombardiert nicht, ganz im Gegenteil, sie lässt leben und erzieht. Sie hofft auf Rettung. In der Bombe und im Krieg gibt es Vorteil, Nutzen, Zorn, Groll, Rache. Sie sind mit der Liebe niemals vereinbar. Auch wenn bei begangenen Ungerechtigkeiten zu schweigen und Frieden zu zeigen manchmal wirklich unmöglich erscheint, sagt Gott: „MEIN ist die Rache, ICH werde vergelten" und wiederum:
Du sollst nicht Rache üben und keinen Groll hegen gegen die Söhne deines Volkes; du sollst deinen Nächsten (die Menschen) lieben wie dich selbst; ich bin JEHOVA. (3. Mose 19:18), womit er gebietet, von diesem Gefühl fernzubleiben. Verwechseln wir dabei wiederum nicht Selbstverteidigung mit Rache.
Da unser Thema das geistige Wachstum ist und wir, indem wir von Gott und seinen Worten etwas lernen, nicht rückwärts, sondern vorwärts gehen werden, lasst uns nicht, indem wir aus meinen Schriften falsche Bedeutungen ziehen, die Religionen wie Aussätzige ansehen. Ganz im Gegenteil, sie sind in der Bildung, die wir erhalten, und im Forschungsverlangen ein sehr großer Faktor. Ob Sie an einer Kirche oder einer Synagoge oder einer Moschee oder den Versammlungen der Zeugen Jehovas teilnehmen, es wird Sie nichts verlieren lassen. Verlust gibt es nur dann, wenn Sie sie zu Ihren Herren machen – was sehr heimtückisch geschieht –, wenn Sie sie zu einem Vermittler zwischen Gott und Ihnen machen, und wiederum wenn Sie glauben, dass Sie nur durch sie gerettet werden; genau dann verlieren Sie, und das heißt, dass Sie im Geist wie das sudanesische Kind in Afrika ernährt werden. Nun gut, die Lage jenes Kindes lag aus Gründen, die nicht in seiner Hand lagen, so – doch wir? Wenn wir aus eigenem Einverständnis und Verlangen zum Esel werden, was soll man uns da sagen? Wenn ich sagen kann, dass ich mich, wenn auch nur ein wenig, geistig entwickelt habe – was, wie gesagt, eine endlose Sache ist –, so habe ich das erlangt, indem ich in viele Religionen hineingegangen bin, aber nur mit der Hilfe Gottes. Dadurch, dass wir hingehen und ihnen zuhören, begehen wir keine Sünde oder dergleichen. Ja, sehen Sie, was Jesus Christus über sie sagt:
Danach sprach Jesus zu der Volksmenge und seinen Jüngern: „Die Schriftgelehrten und Pharisäer sitzen auf dem Stuhl des Moses. Deshalb tut und haltet alles, was sie euch sagen, aber tut nicht, was sie tun. Denn sie tun die Dinge, die sie sagen, selbst nicht. Sie binden schwere und schwer zu tragende Lasten zusammen und legen sie auf die Schultern der Menschen, doch sie selbst wollen nicht einmal den Finger rühren, um diese Lasten zu tragen. Alles, was sie tun, tun sie, um vor den Menschen gesehen zu werden. Zum Beispiel machen sie ihre Gebetskapseln breit und die Quasten ihrer Gewänder lang. Sie lieben es, bei Festmählern den Ehrenplatz und in den Synagogen die vordersten Sitze einzunehmen. Sie freuen sich, auf den Marktplätzen gegrüßt und von den Menschen ‚Rabbi' (mein Lehrer, mein Meister) genannt zu werden. Ihr aber lasst euch nicht ‚Rabbi' nennen. Denn ihr habt nur einen einzigen Lehrer, und ihr alle seid Brüder. Und nennt niemanden auf der Erde ‚Vater'. Denn ihr habt nur einen einzigen Vater, und das ist der himmlische Vater.
Lasst euch auch nicht ‚Führer' nennen. Denn ihr habt nur einen einzigen Führer, und das ist der Christus. Der Größte unter euch soll der Diener der anderen sein. Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Denn ihr verschließt das Tor des Königreiches der Himmel vor den Menschen; ihr selbst geht nicht hinein, und die hineingehen wollen, lasst ihr auch nicht hinein!
Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Denn ihr durchzieht Meere und Kontinente, um einen einzigen Menschen zu eurer Religion zu bekehren. Und wenn er bekehrt ist, macht ihr ihn doppelt so sehr zu einem Kind der Hölle wie euch selbst. Evangelium – Matthäus 23:1-15
Ich bestätige mit meinen Erfahrungen über die Religionen diese Worte Jesu vollständig, von Herzen kommend. Eigentlich sind nicht nur jene religiösen Führer schuldig, sondern indem wir sie zu Führern über uns machen, ist die Schuld eigentlich unsere. Und auf diese Weise verderben wir auch jene Menschen. Für jeden Menschen ist es eine große Falle, Führer zu sein. Deshalb ist es, wohin auch immer Sie hineingehen, nicht nötig, dass wir Menschen, Religionen, wunderbare Redner und die, die schöne Worte sagen, sofort auf unseren Rücken nehmen und ihnen zum Esel werden. Solange Sie sie nur wie einen älteren Bruder, eine ältere Schwester, einen Geschwister ansehen, kommen Sie auch geistig voran. Wenn Sie aber sagen: „Sie werden uns retten, ich werde durch sie ins Paradies gelangen“; dann geraten Sie, ganz zu schweigen vom geistigen Rückschritt, auch in einen sehr großen Zorn Gottes.
Jeder Restaurantbesitzer will, dass Sie sich stets von ihm ernähren. Dieser Wunsch jenes Restaurantbesitzers ist natürlich normal. Doch wer von uns tut das? Die Speisen aus verschiedenen Restaurants und der Geschmacksunterschied werden auch unseren Appetit mehr anregen, und wir werden Freude am Essen haben. Es liegt gewöhnlich in unserer Hand, die Dinge auszuwählen, die wir essen und trinken. Der Maßstab dafür, was nützlich und was schädlich ist, findet sich in den Büchern, die wir das Wort Gottes nennen und die wir in der Hand haben. Manchmal ist es bei Dingen, die sehr verworren und ausweglos erscheinen, weiser, statt sofort eine falsche Entscheidung zu treffen, zu warten und zu forschen. Wichtig ist, dass es davon abhängt, was wir aus dem Wissen, das wir erhalten, aus den Verhaltensweisen, die wir sehen, auswählen und was wir als Müll wegwerfen. Wenn wir nicht wissen, was wir als wertvoll und was wir als wertlos ansehen sollen, lasst uns unaufhörlich forschen und beten. Sehen Sie, womit Jesus Christus dieses Thema wiederum vergleicht.
Wiederum gleicht das Königreich der Himmel einem Netz, das ins Meer geworfen wurde und von jeder Art einsammelt; als es voll war, zogen sie es ans Ufer und setzten sich hin und legten die Guten in Gefäße, die Schlechten aber warfen sie hinaus. Matthäus 13:47
Dieser Grundsatz gilt für alles. Auch die Engel Gottes werden in den letzten Tagen die Bösen von den Guten nach diesem Grundsatz trennen. Warum sollten wir bei der Suche nach Gott und beim geistigen Voranschreiten, ob mit Religionen oder mit Religionslosen, ob in unserer Beziehung zur ganzen Welt, diesen Grundsatz nicht anwenden? Und es ist auch eine Ungerechtigkeit, wenn wir als Ursache für unseren geistigen Hunger und unsere Unterentwicklung nur die Religionen anführen. Von den Hollywood-Filmfirmen angefangen bis zu allen Fernsehkanälen, Radiostationen, Zeitungen und Zeitschriften, Büchern, den die Staaten regierenden Politikern und der Bildung, die wir in den Schulen erhalten, befinden wir uns weltweit ohnehin geistig in einem schändlichen Zustand. Zudem muss man auch folgende Wahrheit aussprechen. Die Polizei, die Gendarmerie, das Militär, der Arzt, der Lehrer, der Geistliche, der Präsident, der Ministerpräsident, der Papst, der Mufti, der Fromme, der Ungläubige – was auch immer sie sind, sei es drum. Die geistige Nahrung, die all diese Institutionen der Menschheit geben, ist wirklich tausendmal schlimmer als der Hunger Afrikas. Ja, auch wenn das vielleicht alles so ist, gibt es auch in ihnen ganz gewiss in einem gewissen Maße Weisheit, Verständnis, Wissen und die Dinge, die wir Nahrung der Seele nennen. Indem wir tun, wie Jesus sagte, können wir, wenn wir wollen, die über die ganze Welt verstreuten Werte sammeln und uns selbst entwickeln. Stets von anderen zu erwarten, ihre Blößen, ihre Schwächen, ihre mangelhaften Seiten zu sehen und zu kritisieren, baut meiner Meinung nach niemanden auf. Ja, es schützt den Menschen vielleicht vor Gefahr und öffnet ihm die Augen, aber es baut nicht auf. Deshalb können wir selbst, ganz persönlich wir, der Menschheit von Nutzen sein, indem wir etwas tun, lernen und lehren. Stets zu kritisieren und von anderen zu erwarten, ist leicht. Wenn wir als Erbauer etwas aufbauen, wird es auch unseren Lohn geben. Wenn diese Welt mit allem in einem Schmutz steckt, dann hatten ganz gewiss auch wir selbst als Mensch unseren Anteil an jenem Schmutz, das wollen wir auch nicht vergessen.
Auch wenn alle Religionen wie die Zeugen Jehovas behaupten, dass die Weisheit der ganzen Welt im Monopol eines einzigen Menschen oder einer Einrichtung, einer Organisation liege, ist es nichts als Wahnsinn, Selbstgefälligkeit und Betrug, diesen Unsinn anzunehmen. Was auch immer, warum verspüren wir ein so großes Bedürfnis, unbedingt das Mannschaftstrikot zu tragen, das zu einem bestimmten Ort gehört? Natürlich ist ihrer Meinung nach Ihre Freiheit ein „Verrat“. Da das Ziel ohnehin ist, uns zu Sklaven zu machen, warum sehen wir, wie beim Restaurantbesitzer, der glaubt, wir müssten stets bei ihm essen gehen, auch diese Anschuldigungen von ihnen nicht als natürlich an, sondern werden in dieser Sache in unserem Gewissen bedrängt? Da jede Religion sich als Vertreter Gottes darstellt, begegnen sie Ihrer Beziehung zu solchen verschiedenen Religionen bei Ihrer Forschung ohnehin mit großer Ablehnung und versuchen, in Ihnen ein Gewissen zu erzeugen, als würden Sie zu verschiedenen Göttern gehen. Ich sage ja, der heimtückische Gedanke, den sie als Bildung geben, ist: „Nur sie sind die Vertreter des einen Gottes, alle Übrigen sind Betrüger.“ Der wahre Betrüger aber ist jene Religion oder Konfession, die diese Behauptung aufstellt. Für mich sind sie zwar alle gleich, doch man muss anerkennen, dass es unter ihnen auch wenige wertvolle Personen gibt. Sehen Sie, was der Apostel Petrus im Evangelium im gesamten 2. Kapitel des 2. Petrus über diese falschen Frommen, die die Menschen in den Tod treiben, schreibt. Obwohl es etwas lang ist, bitte ich Sie, es aufmerksam zu lesen und darüber nachzudenken.
…Aber unter dem Volk Israel gab es falsche Propheten, so wie es auch unter euch solche geben wird, die falsche Lehren verbreiten. Diese werden heimlich zerstörerische Lehren unter euch einschleusen und sogar den Herrn verleugnen, der sie erkauft hat. Solche werden ein plötzliches Verderben über sich bringen. Und viele werden ihren Ausschweifungen folgen. Ihretwegen wird der Weg der Wahrheit geschmäht werden. Aus Habgier werden sie euch mit erdichteten Behauptungen ausbeuten. Das Urteil, das längst über sie gefällt ist, verzögert sich nicht. Und das Verderben, das sie erwartet, schlummert nicht. Gott verschonte die Engel nicht, die gesündigt hatten; er warf sie in die Hölle und legte sie in der Finsternis in Ketten. Dort werden sie bis zur Zeit ihres Gerichts festgehalten. Gott verschonte auch die alte Welt nicht. Aber als er die Sintflut über die Welt der Gottlosen sandte, bewahrte er Noah, der den Weg der Gerechtigkeit verkündete, und sieben weitere Personen. Er richtete die Städte Sodom und Gomorra, indem er sie in Brand steckte und zerstörte. Damit gab er ein Beispiel für das, was den Gottlosen widerfahren wird. Gott rettete Lot, den gerechten Mann, der unter der zügellosen (dem Vergnügen und dem Ausschweifen zugeneigten, leichtfertigen) Lebensweise der prinzipienlosen Menschen litt. Dieser gerechte Mann, der unter ihnen lebte, litt Tag für Tag in seinem gerechten Herzen Qual wegen der gesetzlosen Handlungen, die er sah und hörte. Man sieht, dass der Herr die, die auf seinem Weg wandeln, aus den Versuchungen, denen sie begegnen, zu retten weiß. Und er weiß auch, wie er die Ungerechten, besonders die, die den verdorbenen Begierden des natürlichen Selbst nachgehen und seine Autorität verachten, bestrafend bis zum Gerichtstag zurückhalten kann. Diese anmaßenden und eigenwilligen Personen fürchten sich nicht, erhabene Wesen zu schmähen. Dabei schmähen und richten selbst die Engel, obwohl sie an Kraft und Macht überlegen sind, diese Wesen nicht vor dem Herrn. Aber diese Personen, die über Dinge schmähen, die sie nicht verstehen, sind wie vernunftlose Tiere, die von Instinkten geleitet werden, geboren, um gefangen und geschlachtet zu werden. Und wie die Tiere werden auch sie ins Verderben geraten. Für die Ungerechtigkeit, die sie begangen haben, werden sie Schaden erleiden. Sie halten es für ein Vergnügen, sich am Tag den Lustbarkeiten hinzugeben. Sie sind ein Fleck und eine Schande. Wenn sie mit euch essen und trinken, ergötzen sie sich an ihren betrügerischen Wegen. Ihre Augen sind voll Ehebruch, sie werden der Sünde nicht satt. Sie verführen unbeständige Personen. Sie sind verfluchte Menschen, deren Herz an Habgier gewöhnt ist. Sie sind vom richtigen Weg abgekommen, indem sie ihn verließen und dem Weg Bileams, des Sohnes Beors, folgten, der den durch Ungerechtigkeit erlangten Gewinn liebte. Bileam wurde wegen der Sünde, die er beging, zurechtgewiesen. Der nicht sprechen könnende Esel, der mit Menschenzunge sprach, hinderte den Wahnsinn dieses Propheten. Diese Personen sind wie wasserlose Quellen, wie vom Sturm getriebene Wolken. Auf sie wartet die tiefe Finsternis. Denn mit leeren und geschwollenen Worten verführen sie die, die kaum den auf dem falschen Weg Wandelnden entronnen sind, mit den Leidenschaften des natürlichen Selbst und mit den Lüsten. Sie versprechen ihnen Freiheit, dabei sind sie selbst Sklaven der Verderbtheit. Denn wovon der Mensch besiegt wird, dessen Sklave wird er. Wenn die, die durch das Erkennen des Herrn und Retters Jesus Christus vom Unrat der Welt gerettet wurden, sich wieder in dieselben Dinge verstricken und besiegt werden, so wird ihr letzter Zustand schlimmer als der erste sein. Denn es wäre besser für sie gewesen, den Weg der Gerechtigkeit nie erkannt zu haben, als ihn zu erkennen und sich dann von dem heiligen Gebot, das ihnen anvertraut wurde, wieder abzuwenden. Folgender wahrer Spruch beschreibt ihren Zustand: „Der Hund kehrte zu seinem eigenen Erbrochenen zurück, und das Schwein wälzte sich nach dem Waschen wieder im Schlamm.“ (2. Petrus Kapitel 2)
Wenn von Religion und Frömmigkeit die Rede ist, kommen einem Gottesdienste und Pflichten in den Sinn. Auch wenn es keiner von uns offen sagt, wir bekommen davor eine Todesangst. Die Menschen sind nicht in der Minderheit, die sagen, sie fasteten, draußen aber heimlich essen und sich zu Hause dann mit einer Pose an den Tisch setzen, als würden sie abends mit ihren Kindern das Fasten brechen. Wir können sowohl die Lasten, die wir auf uns nehmen, nicht tragen, als auch erheben wir gegen das ständige Aufbürden von Lasten keine Stimme, und indem wir zu Wegen greifen, wie ich diesen ihren Druck durch Heuchelei täusche, werden wir vergeblich zu Betrügern. Meinen wir, wir stellten den Menschen etwas zur Schau? Und das alles, während es vor den Augen Gottes geschieht! So wie die Zeit, die ein Zeuge Jehovas, um am Monatsende seine Predigtstunden zu füllen, stundenlang unverschämt im Haus eines weichmütigen Menschen verbringt, wo er isst und trinkt. Denn seine Religion verlangt jeden Monat von ihm einen Bericht. Wie viele Stunden er von Tür zu Tür gegangen ist, muss er unbedingt aufschreiben. So sehr Sie ein von Freude erfüllter Mensch sein mögen, wenn Sie das jahrelang tun, bleibt vom Menschen nicht einmal der Buchstabe F von Freude übrig. Nicht nur bei Ihnen, bei niemandem bleibt es übrig. Ein pensioniertes Ehepaar, das zu einer katholischen Religionsgruppe gehört und das ich im Urlaub kennenlernte, strickte unter dem Namen Gottesdienst. Soweit ich auch daraus verstand, zeigen Mann und Frau ihren Glauben mit den Handarbeiten, die sie stricken! Auch wenn zu diesem Zweck ganz gewiss nichts dergleichen von ihnen verlangt wurde, hat sich das Verständnis bei jenen Menschen mit der Zeit sofort in eine solche Glaubenspflicht verwandelt. Der eine wirft sich mit leerem Herzen hin und steht auf, weil er angeblich fastet und das rituelle Gebet verrichtet, der andere sucht Orte, wo er seinen Bauch füllen kann, indem er von Tür zu Tür geht, weil er angeblich seine Stunden füllen will, wieder ein anderer strickt! All diese Menschen verrichten eine Pflicht. Was für eine Pflicht? Ihre religiöse Pflicht gegenüber Gott! Ach, diese Dinge, die Sie tun, braucht Gott so dringend! Machen Sie weiter. Dabei würden wir, wenn wir unsere Bindung an Gott mehr wie ein Vergnügen als eine Pflicht sähen, weitaus größere Erfolge erlangen und auch eine gute Beziehung zu ihm haben. Was auch immer getan wird, wenn wir versuchen, es stets mit dem Verständnis einer Pflicht zu tun, wird eines Tages an jener Sache auch unsere Freude ganz gewiss verlorengehen. Deshalb sollte jeder für sich selbst Entscheidungen treffen und seine Beziehung zu Gott selbst aufbauen. Unsere Umgebung kann uns, wenn wir wollen, ganz gewiss behilflich sein, aber nicht als Vermittler. Die Vermittlung eines anderen zwischen Vater und Kind entspringt der Scham, der Schuld. Gott aber, der unser geistiger Vater ist, sieht und weiß ohnehin alles, wozu braucht es einen Vermittler? Und kennt Gott jenen Vermittler etwa nicht? Wer weiß, ob er reiner oder sündiger ist als wir? Selbst wenn jene Person ein sehr reiner Prophet wäre, wird sie nur durch ihre gerechten Werke sich selbst retten, aber weder Sohn noch Tochter, niemanden kann sie retten, wie ich in meinem anderen Buch geschrieben habe. (Hesekiel 14:12-20) Wie der Apostel sagt:
„Brüder, werdet nicht Kinder im Verstand, sondern seid kleine Kinder in der Bosheit und im Verstand vollkommen.“ (1. Korinther 14:20)
Wenn wir uns unbedingt einen Vermittler suchen, um zur Rettung zu gelangen, so hat Gott auch den gegeben.
„…und in keinem anderen ist Rettung; denn es ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir gerettet werden könnten.“ (Apostelgeschichte 4:12)
Wenn irgendjemand, welche Religion, welcher Mensch oder selbst welcher Engel nach dieser obigen Erklärung Rettung verspricht, ist er ein Betrüger. Diese Vorliebe, Rettung zu versprechen, gibt es aus irgendeinem Grund vor allem in den christlichen Religionen. Während die Muslime in dieser Sache meistens nicht einmal wissen, was sie sagen, schreien die Christen trotz jener Erklärungen, die in dem Buch stehen, das sie in der Hand halten, den Menschen noch immer lauthals zu: „Der Weg zur Rettung führt nur durch uns.“ Und alle außer ihnen werden in der Hölle lichterloh brennen! Meinen Amerika, England und die anderen Christen etwa, dass sie Gott bei diesem Werk des Verbrennens dieser Menschen schon jetzt helfen? Nun, ist es leicht, Gottes Helfer zu sein! Zudem soll es bald auch kein Erdöl mehr geben. Damit auch in jenen Kesseln der Hölle kein Energieproblem entsteht, treffen wahrscheinlich Amerika und die anderen Länder schon jetzt Vorbereitungen! Nach den leidenschaftlichen Stimmen der Frommen bei den Wahlen und nachdem die Geistlichen den amerikanisch-irakischen Krieg unterstützt haben, habe ich diese Bedeutungen gezogen. Oder ist es etwa Hass, Groll, Geld, was sie das tun lässt? Nun, in wessen Namen sprechen die Frommen dann bei dieser Sache? Etwa im Namen Gottes, den sie vertreten?!!! Sehen Sie, das sind die geistig reichen christlichen Gemeinschaften. Wer will, soll hingehen und bei einem von diesen auf Rettung hoffen. Ihm eine gute Reise!
Nun frage ich Sie: Was brauchen wir noch, um die Wahrheiten zu sehen, zu verstehen, wahrzunehmen? Meiner Meinung nach liegt das Problem manchmal weder in unseren geistigen noch in unseren buchstäblichen Augen. Wie ich fortwährend sage, ist das eigentliche Problem, dass man, um zu sehen, zu verstehen, wahrzunehmen, wollen muss. Und für gewöhnlich sehen wir das, was wir wollen. Die Dinge, die wir nicht sehen und betrachten wollen, sehen wir natürlich auch nicht, nehmen wir nicht wahr, und wir empfinden über sie auch nichts. Ganz zu schweigen davon, diese zu sehen und wahrzunehmen, bemühen wir uns sogar, all diese von mir aufgezählten Gefühle verkümmern zu lassen. Denn man hat uns eingeschüchtert, uns erschreckt, und indem wir sagen: „Wir können ohnehin nichts ausrichten“, erlauben wir einer Handvoll Menschen, die gesamte Weltmenschheit zu beherrschen. Solange wir an der Krankheit des Beherrschtwerdens leiden und außerstande bleiben, uns selbst zu beherrschen, haben wir weder ein Recht zu sehen noch zu empfinden noch wahrzunehmen. Und das wollen wir als Menschheit selbst so. Deshalb versuchen Sie ja nicht, jenen Menschen etwa Feind zu werden, weil ich sage: „Wir haben uns eine Handvoll Menschen aufgebürdet und lassen uns von ihnen beherrschen.“ Wenn wir jene Handvoll Menschen loswerden, sind wir eine Menschheitswelt, die bereit ist, sich zwei Handvoll aufs Haupt zu krönen. Denn wir sehen nicht, dass es eine andere Art von Lösung geben könnte. Weil wir alle böse sind, geben wir auch keinem anderen Ausweg Raum. Bei einer winzigen Freiheit drehen wir als Menschheit geradezu durch. Wenn man uns keine Männer mit Knüppeln, Stöcken und Gewehrkolben aufsetzt, sind wir jeden Augenblick bereit, einander zu vernichten. Und meistens sind wir leider auch nicht besser als die, die uns beherrschen. Ich will mit dem, was ich schreibe, dies darlegen, damit wir uns vielleicht schämen.
Nun, was sollen wir tun? Ich sage sowohl, dass wir uns bemühen müssen, geistig zu sehen, als auch, indem ich von den Herrschern angefangen bis zu allen religiösen Einrichtungen, bis zu den Menschen, ja sage, dass jeder unzuverlässig, im Wenigen wie im Vielen böse und voller Verkehrtheiten ist – bringe ich unsere Lage damit nicht eigentlich in eine völlige Sackgasse? Was nützt in dieser Lage das Sehen? Was ändert sich durch Sehen, Wissen, Wahrnehmen? Es ist nicht umsonst, dass manche Menschen sagen: „Ich weiß es, aber ich will es nicht wissen.“ Denn die Menschheit verzagt, weil sie nichts ändern kann. Lesen Sie die Geschichte, und Sie werden dasselbe denken. Was hat die Menschheit nicht alles getan, und am Ende blieb es doch wieder derselbe Kessel, dasselbe Bad. Wenn wir nichts ändern können, hat das Sehen und das Wahrnehmen und Empfinden dann wirklich eine Bedeutung?
Wenn wir aber alle heiligen Schriften lesen, kommt der Mensch zu einem anderen, folgenden Schluss. Vor allem muss der Mensch zuerst sich selbst verändern. Ohne zu versuchen, irgendjemand anderen zu verändern, zuerst sich selbst. Sehen Sie, genau deshalb müssen wir sehen können, zuerst für uns selbst. Und das nach allen Seiten und aus einem möglichst weiten Blickwinkel betrachtend. Nicht die Welt, sondern zuerst uns selbst müssen wir mit der Rettung würdigen Werken durchdringen. Das Recht, andere zu verändern, gibt Gott ohnehin niemandem. Selbst seine Propheten, denen er die größte Bedeutung beimaß, hatten nicht dieses Ziel. Sie überließen die Freiheit, zwischen Gut und Böse zu wählen, stets den Menschen selbst. Nur indem sie sagten, welche Art von Folgen sie erwarten.
„Ich rufe heute Himmel und Erde gegen euch zu Zeugen an, dass ich dir Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt habe; darum wähle das Leben“, heißt es in 5. Mose 30:19.
Diese Worte, die diese Freiheit der Wahl zum Ausdruck bringen, hatte der Prophet Moses im Namen Gottes gesprochen. Wenn es ohnehin nicht so wäre, welche Bedeutung hätten dann das Überzeugen, der Glaube, das Forschen, das Ermuntern der Menschen zum Guten durch Gott? Auch das ist eine Sache, die jede Person selbst tun wird. Das heißt, lasst uns den Gedanken „Ich verändere andere“ aus unserem Kopf tilgen und verwerfen. Wir können anderen höchstens behilflich sein, sie warnen, mehr nicht. Und damit jeder sich selbst verändert, hat Gott auf Erden so viele hässliche Dinge zugelassen. Sonst hätte der freie Wille keinerlei Bedeutung. Wenn Gott dem freien Willen keinen Wert beimäße, hätte er ihn dann nicht gleichsam missachten und die gesamte Menschheit mit einem Schlag in Roboter verwandeln können, wie er wollte? Das tun nur wir Menschen. Wie schwer es ist, einen Menschen zu verändern, wissen auch wir. Und für die, die wir zu verändern versuchen, wenden wir Mühe nur auf, um sie zu melken, einen Vorteil zu erlangen; nicht ohne etwas zu erwarten, nicht allein um des Lebens jener Person willen.
So schmerzhaft es auch ist, so sehr wir auch nichts verändern können, lasst uns dennoch bemühen zu sehen. Um die Wahrheiten zu sehen, um aus dem, was wir sehen, Lehren zu ziehen, um glücklich zu sein, um zum Ziel laufen zu können, kurz gesagt, unser Schöpfer gab diese wertvolle Eigenschaft, von der ich fortwährend spreche, jedem, damit er sie mit Freude auslebe. Auch wenn es natürlich so aussieht, als kenne jeder ihren Wert, achten Gott und die Engel mehr darauf, wie wir die Dinge bewerten, die wir betrachten und sehen wollen. Wie selbst ein unerfahrener Dichter sagt: „Die Liebe liegt nicht darin, dass zwei Menschen einander in die Augen blicken, sondern dass zwei Menschen auf dasselbe Ziel blicken.“ Wohin wir blicken, was wir sehen, ist weniger wichtig als wozu wir blicken und was wir sehen wollen. Entwickeln wir mit diesen in uns eine Seele, die zur Rettung, zum Frieden führt, oder eine Seele, die zur Vernichtung, zur Bitterkeit führt?
Beim Erziehen unserer Seele gibt es so viele Faktoren, dass, wie viele Bücher man auch für diese Sache schriebe, es dennoch schwer ist zu sagen, dass alle Einzelheiten niedergeschrieben wurden. Das Wichtigste aber ist das Motiv der Person, das heißt ihre Herzenshaltung. Wir hatten von verschiedenen Blickwinkeln beim Sehen der Ereignisse gesprochen, und das ist auch bei dieser Herzenshaltung gleich. Auch wenn es viele Gründe gibt, die das, was zwei Menschen, die dieselben Dinge sehen, aus jenem Ereignis wahrnehmen, in furchtbar hohem Maße verschieden machen, so ist dies einer der wichtigsten Gründe. Es gibt das Betrachten einer Sache mit Hass, mit Liebe, mit dem Gefühl des Mitleids, mit einem negativen oder unparteiischen Auge, und viele Gefühle können ins Spiel kommen und jenes Ereignis in uns einen ganz anderen Eindruck erzeugen. Deshalb will Gott, dass die gesamte Menschheit ein Auge, eine Seele, ein Verständnis besitzt, das nur ihnen Nutzen bringt, mit dem Wissen, Gut und Böse zu unterscheiden, und auch eine ebensolche Herzenshaltung. Deshalb lasst uns die Bücher, die wir heilig nennen und die voll sind von Ereignissen, deren Niederschreibung er wollte, in dem geraumen Zeitraum, der mit den Aufträgen verging, die er so vielen Propheten gab, nehmen und lesen und sie unserem Geist und unserem Herzen gründlich einprägen. Das ist der wahre Gottesdienst. Das ist die Liebe zu Gott. Selbst Mitglieder von Religionen, die sagen, sie liebten Gott, sich aber, ganz zu schweigen davon, sich zu mühen, jene Bücher zu verstehen, in ihrem Leben nicht die Mühe gemacht haben, sie von Anfang bis Ende zu lesen, zeigen die Kühnheit, mit jenen Büchern die Menschen von Tür zu Tür zur Rettung zu rufen. Das schönste Beispiel sind die Zeugen Jehovas. Unter ihnen gibt es sehr wenige Menschen, die jenes Buch von Anfang bis Ende lesen. Und nicht nur sie besitzen einen so wissenslosen Glauben, der ohne mit der Wimper zu zucken sogar in den Tod ginge. Und wenn diese die fleißigste Religion unter ihnen sind – und das sind sie –, so denken Sie sich die anderen Religionen selbst. Nicht wenige sind auch die Menschen, die auf einen Fingerwink ihrer religiösen Führer mit geschlossenen Augen töten gehen würden. Der Glaube dieser Menschen ist blind und beruht auf keinerlei wahrem Wissen. Deshalb sind ihre Augen geschlossen und sie sind bereit, alles zu tun. Wären ihre Augen geöffnet, hätten sie die Wahrheiten gesehen, würden jene Menschen dann noch auf diesen und jenen hören? Der Grund, weshalb man bei der Mühe, die man aufwendet, um zu wissen, zu lernen, zu verstehen, bei jenen Religionen auf große Hindernisse stößt, ist auch dieser. Doch für den Menschen, der die Wahrheit lernen und Gott lieben will, können diese dennoch keine Ausrede sein. Wegen all dem, sehen wir uns aus der Quelle an, was Gott sagt:
Mein Volk ist vernichtet worden aus Mangel an Erkenntnis; weil du die Erkenntnis verworfen hast, so werde auch ich dich verwerfen, dass du mir nicht Priester seist; weil du das Gesetz (die Gebote) deines Gottes vergessen hast, so werde auch ich deine Söhne vergessen. Je mehr sie sich mehrten, desto mehr sündigten sie gegen mich; ihre Ehre werde ich in Schande verwandeln. Sie nähren sich von der Sünde meines Volkes und begehren nach ihrem Frevel (ihren verdorbenen Taten). Und wie das Volk, so ist auch der Priester; und ich werde ihre Wege an ihnen heimsuchen und ihnen den Lohn ihrer Taten vergelten. Sie werden essen und nicht satt werden; sie werden Ehebruch treiben und sich nicht mehren; denn sie haben aufgehört, auf Jehova zu achten. Hosea 4:6-10
Wenn Gott diese Worte damals zu den Menschen sagte, die er „mein eigenes Volk“ nannte, was tut er dann erst mit denen, die außerhalb davon sind? Als Menschheit hassen wir die Erkenntnis. Ganz zu schweigen davon, sie zu berühren, wollen wir nicht einmal, dass Weisheit und Verständnis an uns vorbeigehen, um sie zu erlangen. Auch wenn wir uns über viele Dinge den Kopf zerbrechen, auch wenn wir uns über viele Dinge aufreiben, so führen uns diese nicht zum Leben, zu Gott, der das Versprechen ewigen Lebens gibt. Von seinen Worten langweilen wir uns zu Tode. Über sie zu sprechen versetzt uns geradezu in Depression. Als wäre Gott für uns nicht Rettung, Glück, Hoffnung, sondern ein Albtraum geworden. Und das verursachen unsere Werke und die Dinge, die wir durch unser Herz gehen lassen, aber nicht Gott. Die Mauer der Feindschaft aus Erz zwischen ihm und uns haben wir errichtet. So spät es auch ist, wir sind noch immer nicht ohne Hoffnung. Uns selbst in positiver Richtung zu verändern oder unser Ende wirklich einer furchtbaren Bitterkeit zu überlassen, ist wiederum eine Sache, die in unserer Hand liegt. Deshalb lasst uns die folgenden Worte Gottes gewichtig beachten:
Kehrt um, wenn ICH euch zurechtweise (züchtige); siehe, ICH werde meinen Geist über euch ausgießen; ICH werde euch meine Worte kundtun.
Weil ICH gerufen und ihr euch geweigert habt; weil ICH meine Hand ausgestreckt und niemand darauf geachtet hat; weil ihr all meinen Rat missachtet und meine Zurechtweisung (Zurechtbringung) nicht gewollt habt; werde auch ICH bei eurem Unglück lachen; wenn Furcht über euch kommt, wenn Furcht wie ein Sturm über euch kommt, wenn Not und Angst über euch kommen, werde ICH spotten (höhnen).
Dann werden sie MICH rufen, aber ICH werde nicht antworten; sie werden MICH früh suchen, aber sie werden MICH nicht finden. Denn sie hassten die Erkenntnis und wählten nicht die Furcht JEHOVAS, sie wollten MEINEN Rat nicht, verachteten all meine Zurechtweisung (mein Züchtigen); darum werden sie von der Frucht ihrer eigenen Wege essen und sich an ihren eigenen Ratschlägen sättigen. Die Abtrünnigkeit der unverständigen (törichten) Menschen wird sie töten, und die Sorglosigkeit der Unverständigen wird sie vernichten. Wer aber auf MICH hört, wird in Sicherheit wohnen und, ohne Furcht vor dem Bösen, Ruhe finden. Sprüche Salomos 1:23-33
Genau so sagt es Gott. Da er derjenige ist, der die Entwicklung unserer Seele am besten kennt, ist es, wenn wir noch immer die Erkenntnis hassen und seelenlos oder eine abscheuliche Seele besitzen wollen, die diese Welt in uns zu erzeugen versucht, eine Sache, die wir selbst wissen und entscheiden. Welchen Weg er wählen wird, muss jede Person selbst entscheiden.
Jehova ist barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und reich an Liebe.
Er klagt nicht ständig an und trägt seinen Zorn nicht auf ewig nach.
Er handelt nicht an uns nach unseren Sünden und vergilt uns nicht nach unseren Verfehlungen.
Denn so hoch die Himmel über der Erde sind, so groß ist seine Liebe zu denen, die ihn fürchten.
So fern der Osten vom Westen ist, so weit hat er unsere Auflehnungen von uns entfernt.
Wie ein Vater seinen Kindern gegenüber barmherzig ist, so ist Jehova barmherzig gegen die, die ihn fürchten. Denn er kennt unseren Stoff; er erinnert sich, dass wir Staub sind.
(Psalm 103:8-14)
Der Prophet David beschreibt auf diese Weise Gott und die Beziehung des Menschen zu ihm. Den Teil der Heiligen Schrift, der als das Buch der „Psalmen“ (mit Musikinstrumenten gesungene heilige Worte) bekannt ist, kennen die Muslime als „Zebur*“ (*Buch, Brief). Auch in den Koranübersetzungen wird von diesem Buch als „Zebur“ gesprochen. (Nisa (4):163; Isra (17):55) Auch wenn in der muslimischen Welt und allein aus der Erklärung des Korans der Eindruck entsteht, dass dieses Buch nur der Prophet David geschrieben habe, gibt es im Buch der Psalmen in Wahrheit auch die Offenbarungen, die andere wertvolle Personen von Gott erhielten. Die Namen dieser Personen stehen am Anfang jedes Psalms. Bei manchen Psalmen ist auch nicht genau bekannt, wer sie geschrieben hat. Unter den Namen, die mir so auf Anhieb in den Sinn kommen, gibt es außer dem Propheten David auch Namen wie den Propheten Moses, die Söhne Korachs, Asaf und Salomo.
Wenn Sie versuchen, dieses Buch wie einen Roman, wie eine Geschichte zu lesen, werden Sie sich sehr langweilen. Denn da es nachdenklich stimmende, aufklärende, ratgebende und sogar prophezeiende Themen auf poetische Weise behandelt, ist es, wenn Sie manchmal nach dem Lesen einer Strophe, manchmal eines kurzen Satzes sofort schnell weitergehen, schwierig, dass es Ihnen etwas einbringt. Zumindest ist das bei mir so. Wenn wir uns mühen, die Bedeutung jener Schriften zu erfassen, ist es voll von miteinander verbundenen Erkenntnissen, die unser Nachdenken, ja auch ein gutes Kennen der Heiligen Schriften erfordern. Vor allem müssen wir beim Lesen des Buches der Psalmen reichlich Zeit einräumen. Zum Beispiel drücken die Verse, die ich oben geschrieben habe, zwar mit sehr einfachen Worten Dinge aus, die jeder versteht, doch wenn wir ihre Bedeutung einzeln durchdenken, werden wir bemerken, dass von sehr erhabenen Eigenschaften die Rede ist, die in unserer Welt niemand einem anderen zeigt. Mit diesen Worten wird Gott vorgestellt. Im Buch der Psalmen können wir sehr viele Erkenntnisse über Gott finden. Diese Worte sind auch nicht wie die Werbeplakate, die die Politiker verwenden. Von den Eigenschaften des wahren Gottes ist die Rede. Und wenn wir ohnehin unseren Verstand einsetzen, werden wir auch anerkennen, dass Gott niemanden braucht. Das heißt, diese Worte wurden für keinen der Gründe geschrieben, wie um für Gott Stimmen zu sammeln, ihm Geld einzubringen, kommerziellen Vorteil zu verschaffen, ihn berühmt zu machen. Er hat solche Dinge gottseidank nicht nötig. Die Bedürftigen sind wir. Die im Mangel, die Hilflosen sind wiederum wir. Diese Worte, die aufrichtige, ganzherzige Menschen geschrieben haben, wurden auch geschrieben, um der Menschheit Gott vorzustellen und liebzumachen, um die Aufmerksamkeit auf die Existenz eines Wesens zu lenken, das uns in unseren Nöten und Schmerzen verstehen wird. Das Buch der Psalmen in der Heiligen Schrift ist der Ort, an dem solche Erkenntnisse dicht vorhanden sind.
Hätte eine Person, allein indem sie die obigen Verse kennt und ihnen glaubt, dann noch Not, da Gott sie in jedem Augenblick und stets sieht und sich um sie kümmert? Einen Menschen, der 24 Stunden seines ganzen Tages in diesem Glauben ist, habe ich nicht kennengelernt. In Worten, wenn man die Frage stellt, antwortet jeder: „Gott sieht natürlich immer.“ Doch während diese Erkenntnis in ihrem Geist manchmal für einige Minuten des Tages im wahren Sinne durchgeht, hat mancher Mensch, ganz zu schweigen von einigen Minuten des Tages, im Monat, im Jahr, ja auch nur ein einziges Mal in seinem Leben diese Wahrheit nicht mit ganzem Herzen angenommen.
Manche Religionen lehren sogar: „Gott streift nicht ständig wie ein Spitzel in unserem Nacken umher.“ Ihrer Meinung nach haben sie die Bedeutung herausgezogen, dass wir uns davon belästigt fühlten, dass Gott uns stets sieht. Das heißt, Gott sei ab und zu so höflich, uns allein zu lassen! Stellen Sie sich vor, wenn wir genau in jenem Augenblick in einer Not Gott rufen, wenn wir mit Gebet zu ihm schreien, woher werden wir wissen, wann Gottes Höflichkeitszeit beginnt und wann sie endet? Diese Lehre ist eine Lehre der Zeugen Jehovas. Ihrer Meinung nach sieht Gott nicht immer, ja, so wie das Interesse eines Gärtners am Unkraut gering ist, kümmert sich Gott überhaupt nicht um die bösen Menschen und schaut nicht einmal auf sie. Ja, an einer Stelle sagen sie wörtlich Folgendes:
„…Er gebraucht jene Fähigkeit, die Zukunft zu kennen, nicht, um sich in die Angelegenheiten seiner Geschöpfe einzumischen. Er ist kein misstrauischer, argwöhnischer Gott, der ständig in den Gedanken, Absichten und Herzen seiner Geschöpfe nach Fehlern suchen und ihnen Schwierigkeiten bereiten will.“ (Deutscher Wachtturm Nr. 53/S. 468 Absatz 13)
Nach dieser Religion wird Gottes ständige und die Zukunft betreffende Sehfähigkeit gleichsam als etwas Schlechtes dargestellt. Und es wird so dargestellt, dass, wenn er immer sieht, gleichsam ein Bild erweckt wird, als würde Gott in seinen Geschöpfen nur nach Bosheit suchen. Das heißt, wenn er sieht, so werden sie sagen, weil er in uns Bosheit sehen würde, sieht er deshalb aus seiner Liebe zu uns nicht immer. Und auf diese Weise meinen sie, Gott zu loben! So wie die Muslime meinen, Gott zu schützen, indem sie sagen: „Jesus wurde nie getötet.“ Von Gott stets gesehen zu werden, ist eigentlich ein Thema, von dem sich die meisten Menschen belästigt fühlen. Ganz gewiss haben auch die Zeugen das verstanden, sodass sie ihre Anhänger und sich selbst nicht belasten wollen. Ich aber kann diese Gefühle einfach nicht verstehen. Ich verstehe sie zwar, aber ich kann das, was ich verstanden habe, nicht mit Logik in Einklang bringen. Warum fühlt sich der Mensch von Gott belästigt?
Wenn wir zum ersten Menschenpaar zurückkehren, so fühlten auch sie sich nach einem Ereignis plötzlich von Gott belästigt, fürchteten sich und verbargen sich. Erinnern Sie sich an dieses erste Menschenpaar und jenes Ereignis? Adam-Eva und die verbotene Frucht. Dieses Paar hatte vor jenem Ereignis überhaupt kein solches Problem. Die Heilige Schrift und der Koran schreiben, dass es in ihnen weder von Furcht noch von Verbergen noch von Scham, diesen dem Menschen Not bereitenden Gefühlen, auch nur eine Spur gab. Genauer gesagt, wir stoßen auf keine Schrift, die zeigt, dass sie solche Gefühle besaßen, und das überhaupt nicht. Sobald sie eine Sünde begehen, geraten plötzlich beide in bedrängende, seltsame Gefühle. Und das, obwohl sie Gott noch nicht einmal richtig kannten, ist die Lage so. Das heißt, sie wussten noch nicht einmal, dass Gott jeden Augenblick jeden Ort sieht. Sonst hätten sie sich, wie ich auch in den vergangenen Themen sagte, nicht verborgen. (1. Mose 3:8) Ich komme nach diesen Wahrheiten zu folgendem Schluss. Wie ich auch bei der Liebe zwischen Vater und Sohn erwähnte, sind wir nicht dafür, dass Gott uns stets sieht, wegen der Dinge, von denen wir nicht wollen, dass sie gesehen werden, und von denen wir uns belästigt fühlen. Und das sind für gewöhnlich Dinge, die Gott nicht gefallen. Dabei wollen wir, wenn wir das Tausendstel der Dinge tun, die ihm gefallen, geradezu vor uns die Trompete blasen und sagen: „Seht her, schaut, was ich getan habe." Das heißt, wir sind dafür, dass Gott beim Sehen nicht dann schaut, wann er will, sondern wann wir wollen. Wir bemühen uns geradezu, dass Gott wie eine ferngesteuerte Kamera sei. Wenn wir posieren, schalten wir sie ein und werfen ringsum künstlerische Bilder aus, dann schalten wir die Kamera schwupp wieder aus und hindern Gott am Sehen. Wenn ich manchmal über uns Menschen nachdenke, frage ich mich selbst: „Sind wir Menschen oder sind wir Gänse?" Den Namen der Religion, die diese Dinge, die ich schreibe, allen Ernstes glaubt, die angeblich diszipliniertesten, anspruchsvollsten, habe ich soeben genannt. Und sie lernen, lehren und glauben zudem: „Außer uns wird niemand auf der Welt gerettet werden." Ob Sie wohl verstanden haben, warum ich diese Dinge einfach nicht mit Logik in Einklang bringen kann? Auf die Beweise dazu und dergleichen will ich nicht eingehen, denn genug Beweise über sie hatte ich ohnehin schon in meinem Buch „Die Religionsmafia und wir" geschrieben.
Dabei ist eines der Gefühle, das mich am meisten entlastet, dass der Mensch Gott in jedem Augenblick und an jedem Ort finden kann. Sonst, wie könnten wir ihm vertrauen? Wie könnten wir an seine Kraft glauben? Wie könnte er die Existenz der zahllosen mit Verstand begabten Geschöpfe, ob im Himmel oder auf Erden, erhalten? Ja, wir sehen in dieser Welt, die wir zur Hölle gemacht haben, alles gleichsam als vom Zufall abhängig. Dass jene, die in Todesnot sind und Gott rufen, die Schreie der massenhaft niedergemetzelten, verbrannten Menschen, die sich in Schmerzen in Krankenhäusern, auf Schlachtfeldern Krümmenden, die vor Hunger kaum atmenden Menschen sehen und fragen: „Sieht Gott wirklich?“, das verstehe ich, indem ich sage, dass sie aus Unwissenheit, aus Schmerz nicht wissen, was sie sagen. Wegen unserer Unwissenheit wird Gott ja nicht blind werden. Etwas nicht zu wissen ist eine Wahrheit, doch die Existenz jener Sache ist eine andere Wahrheit. Wird Gott etwa sagen: „Gut, dieser mein Diener weiß nicht, dass ich ihn sehe, dann will auch ich ihn nicht sehen“?! Ist so ein Unsinn eine Sache, die vorkommen könnte?
Sollten wir uns nicht über diese Eigenschaft Gottes freuen, die manchen ein Unbehagen bereitet? Viele Male habe ich, wenn ich mit Gott sprach und zu ihm betete, diese seine Eigenschaft gepriesen. Stellen Sie sich vor, welche Schwierigkeiten wir durchmachen, um selbst den einfachsten Staatsbeamten zu sehen, und meistens sehen wir ihn vielleicht nicht, können ihm unser Anliegen nicht darlegen. Die, die wir an die Spitze gebracht haben, haben überhaupt keine Zeit für die Menschen. Rufen Sie bei einer Not einmal jemanden an und sehen Sie, ob er Ihnen zuhört. Ich sage nicht, er soll eine Lösung bringen, ich sage, er soll zumindest zuhören. Nicht einmal den werden Sie finden. So etwas zu tun, davor bekommen jene an der Spitze eine Todesangst. Und wenn er es täte, was geschieht danach? Würden danach nicht auch die anderen wie ein Heuschreckenschwarm herbeiströmen? Es sind Menschen, wie sollten sie für jeden Einzelnen Zeit finden? Und meistens ist diese Lage auch verständlich. Und Sie setzen sich mit Ihrer Not, Ihrem Kummer, Ihrem Schmerz auf Ihren Hintern, und das, indem Sie ihnen recht geben. Gott aber, ist er etwa so? In jedem Augenblick, ob Sie in Ihrem eigenen Haus sind oder auf Reisen, ob am Arbeitsplatz oder hunderte Meter tief unter der Erde. Oder ob Sie im Himmel oder auf dem Meeresgrund sind, er sieht und hört Sie stets. Ohne dass Sie eine besondere Kleidung anlegen müssten, ohne auf den Zustand Ihres Haares und Kopfes zu achten, in welchem Zustand Sie auch sind, in genau diesem Zustand, ohne dergleichen einen Termin zu nehmen, hört und sieht er Sie jeden Augenblick. Und wir können mit ihm, wann immer wir wollen, jeden Augenblick sprechen. Ob bei Nacht oder bei Tag, ob in der glühenden Sonne oder in der eisigen Kälte, können wir sprechen, beten, unsere Not, unsere Freude, unsere Dankbarkeitsgefühle, unsere Gedanken mit ihm teilen. Niemals sagt er: „Ich habe keine Zeit, geh heute, komm morgen“ oder „Warte in der Reihe, sei still, sprich nicht.“ Ja, selbst Anschuldigungen wie „Du hast zu viel geschwatzt, zieh die Rede nicht unnötig in die Länge, du bist sehr unwissend und dazu auch noch heuchlerisch“, hört er, ohne sie uns, selbst wenn sie richtig sind, ins Gesicht zu werfen. Er lässt es nur unser Gewissen sagen. Wenn auch wir hören wollen. So unvernünftig wir auch reden, ohne uns zu schelten hört er uns. Sagen Sie mir doch, wer tut diese Dinge, die ich aufgezählt habe? Wir sprechen nicht von einem Menschen, auch nicht von einem Engel; wir sprechen vom Besitzer des ganzen Universums, von der höchsten Autorität. Er selbst ist der Besitzer des Universums und aller Dinge. Beweisen all diese Dinge Gottes Hass oder seine Liebe zu uns? Wem hören Menschen, den sie hassen, freiwillig zu? Was wir alles unter Zwang tun, das meine ich nicht. Ich will Gott auch nicht mit dem Menschen, dem Engel oder irgendetwas anderem vergleichen. Doch ich schreibe, damit wir uns schämen. Während wir einen so wertvollen Gott besitzen, fliehen wir vor ihm in alle Winkel. Wir ertragen es nicht einmal, dass er sieht und hört. Und ich habe in einer amerikanischen Fernsehsendung bei einer Umfrage eine Frau gesehen, die sagte: „Er weiß auch die Dinge, die durch unseren Geist, durch unser Herz gehen!“ und weiter fortfuhr: „Ich glaube an diesen Gott nicht, und wenn ich sterbe.“ Wenn von Gott die Rede ist, geraten wir in furchtbare Nöte. Wir schlagen unseren Kopf an jeden Stein, aber wir wollen nichts wissen, was zu ihm gehört. Und die, die behaupten, seine Vertreter auf Erden zu sein, wenden ebenso viel Mühe auf, um uns gegen ihn kalt zu machen. Mit ihren unsinnigen Lehren, ihren Drohungen, ihrem Druck, ihrer Heuchelei, ihren Kriegen haben sie die Menschheit in die Zange genommen. Begriffe wie Gott, Wahrheiten, Aufrichtigkeit, Lauterkeit, freier Wille, Liebe haben auf Erden so viele Feinde. In diesen Zustand hat die Welt nicht andere, sondern wir gebracht. Selbst wenn wir die geistigen Geschöpfe, die man Satan und Dämonen nennt, mitzählen, haben wir sie dennoch in diesen Zustand gebracht. Sie haben nur gesagt, und wir haben es mit Freude getan. So sehr Gott die Menschheit seit vergangenen Zeiten auch gewarnt hat, wir haben dennoch das Gegenteil getan. Den Gott, der der Menschheit seit tausenden von Jahren stets seine Hand reicht, haben wir zurückgestoßen. Auch wenn wir tausendmal gesündigt haben, hat er vielleicht nur einmal gestraft. Er schwieg, und wir wurden noch rasender. Auch wenn er durch seine Propheten im Voraus warnte: „Tut es nicht, lasst es“, haben wir es erst recht umso mehr getan. Mit Betrug traten wir vor ihn, mit Heuchelei, mit dem Blut der unschuldigen Menschen, das wir vergossen und an unseren Händen hatten, beteten wir zu ihm. Nur uns selbst sahen wir als heilig und alle anderen als unrein. Und wenn unsere Wünsche und Begierden nicht erfüllt wurden, bedrohten wir ihn. Unsere Zunge streckten wir so weit aus, dass wir sie bis zu den Himmeln erhoben. Er aber schwieg wieder stets, hatte Geduld. Wir wurden diesmal noch mehr rasend. Wir zogen ihn zur Rechenschaft und fragten, warum er schweigt. Wir verfluchten ihn, warum er sich nicht einmischt. Während wir unsere bösen und von Grausamkeit erfüllten Schmutztaten begingen, ließen wir uns auch noch lachend, mit Spott, fotografieren. Und wir verspotteten ihn selbst, indem wir sagten: „Wo ist Gott, schau, er tut nichts.“
Manchmal konnten wir ihn auch einfach nicht teilen. Wir sagten, meine Religion ist die richtigste, deine aber ist falsch. Deshalb vergossen wir auch strömend Menschenblut. Wir bissen, zerfleischten, fraßen einander auf. Indem wir sagten „Wir werden ins Paradies gehen“, meinten wir mit dem, was wir anderen raubten, mit dem, was wir durch Diebstahl stahlen, ihm Almosen, Bestechung zu geben. Wir hielten ihn für einen Räuber wie uns selbst. Und die Orte, an denen wir uns versammelten und die wir mit seinem Namen benannten, machten wir einer Räuberhöhle gleich.
„…und um all diese Gräueltaten zu tun, kommt ihr her und steht vor mir in diesem Haus, das mit meinem Namen genannt ist, und sagt: ‚Wir sind gerettet', nicht wahr? Ist dieses Haus, das mit meinem Namen genannt ist, in euren Augen zu einer Räuberhöhle geworden? Siehe, ICH, auch ICH habe es gesehen“, spricht Jehova. Jeremia 7:10
Obwohl Gott all diese Warnungen den Generationen vor uns aussprach, haben wir keine Lehre gezogen und uns nicht geschämt, unser Gesicht ist nicht rot geworden, und wir als gesamte Menschheit sind von unseren bösen Werken nicht umgekehrt. Je mehr wir uns ereiferten, umso mehr ereiferten wir uns, sodass wir unsere Frauen, unsere Töchter zur Prostitution ermunterten. Wenn sie ihren Hintern entblößten, behandelten wir sie gut, wenn sie sich auf unseren Schoß setzten, gaben wir ihnen Arbeit. Wir boten das Hundertfache des Geldes, das sie mit Ehre, mit Mühe verdiente, auf einmal an und sagten: „Sei nur eine Prostituierte.“ Und sie taten es mit Freude. Väter führten mit eigenen Händen ihre Töchter hin und ließen sie über sie: „Meine Tochter ist Künstlerin“ vor ihren eigenen Augen offen in Pornofilmen spielen. Neben dem Regisseur betrachtete der Vater seine Tochter, gab ihr Ermunterungen darüber, was sie tun sollte. Diese schämten sich vor den Gerichten nicht mit einer goldenen Kette um den Hals, mit einem goldenen Armband am Handgelenk, ganz im Gegenteil, sowohl die Tochter als auch der Vater verfluchten die, die sie mit Scham ansahen. Auch die Gesetze ergriffen ihre Partei. Sie beteten das Geld, das Werk ihrer eigenen Hände, als Gott an. Indem sie sagten: „Gott kann ich dich nicht nennen, denn das bist du nicht, aber du wirkst wie er“, erhöhten sie das Geld so sehr, dass sie über es sogar solche Sprichwörter erfanden.
Meinen Sie nicht, dass auch Gottes Schweigen ewig ist. Indem wir uns selbst blind machten, meinten wir, dass auch er nicht sieht. Indem wir uns selbst taub machten, meinten wir, dass auch er nicht hört. Seinen Namen gebrauchten wir gegeneinander nur in unserem Zorn, und auch das nur, um zu fluchen. Wieder in unserem Zorn lästerten wir mit seinem Namen. In den Augenblicken, in denen wir meinten uns zu freuen, bekamen wir eine Todesangst, dass er sich uns auch nur nähert, wir flohen vor ihm in alle Winkel. An ihn zu glauben, machten wir zu einer Frage des Stolzes.
Jeder von uns erschuf einen aus seinem Kopf erdachten Gott und rühmte sich seiner, war stolz auf ihn, schnitt denen die Zunge ab, die ihn schmähten. Millionen riefen wir für diese Sache zum Gemetzel. Wir versuchten glaubhaft zu machen: Je mehr du niedermetzelst, desto größer wird dein Grundstück im Paradies. Vor Stolz, vor Hochmut wurden wir so rasend, dass wir jede Art von Abscheulichkeit, die wir begingen, schamlos auch noch sagten, wir täten sie, um ihn zu erfreuen. Ohne Rücksicht auf Kind, Frau, Mann, Greis oder Kranken sprachen wir, bevor wir sie niedermetzelten, mit den Büchern Gottes für die Soldaten Segensgebete. Die Werke der Besten unter uns waren so, wie es der Prophet Jesaja auch schrieb:
Denn wir alle sind wie ein Unreiner geworden, und alle unsere gerechten Werke sind wie ein beschmutztes Kleid; und wir alle welken dahin wie ein Blatt; und unsere verdorbenen Werke (unsere Frevel) tragen uns davon wie der Wind. Jesaja 64:6
Wir haben die Welt in einen Zustand gebracht, in dem keiner von uns dem anderen noch Vertrauen entgegenbringt. In den Gerichten fällten wir krumme Urteile, nahmen Bestechung und ergriffen Partei. Den Unschuldigen erklärten wir für schuldig, den Schuldigen für unschuldig. Von dem, mit dem wir zusammen im selben Bett lagen, angefangen bis zu denen, die wir geboren und großgezogen haben, die wir unser Leben, unser Blut nannten, teilten wir allein um Vorteils und Nutzens willen dasselbe Dach. Der Gebende gab um seines Stolzes und Hochmuts willen, der Nehmende nahm, weil er an seinen Nutzen dachte, Liebe aber gab es in keinem von ihnen.
Die Prophezeiungen, die lauten: „Sogar eure Eltern, eure Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch verraten und einige von euch töten lassen. Wegen meines Namens werden euch alle hassen“ (Lukas 21:16-17), werden in den letzten Tagen ganz gewiss ihren Höhepunkt erreichen und in Erfüllung gehen.
All dies sind wachsende Dinge, die die Früchte dessen sind, was wir gesät haben. Als ich diese Verse zum ersten Mal las, war ich verblüfft und sagte: „So etwas kann es doch nicht geben!“ Während wir all dies tun, sagen wir auch: „Es gibt keinen Gott, er sieht nicht.“ Ein Volk, das einst genau diese Worte sagte und nicht so böse wie wir heute war, sondern besser als wir, sehen Sie, was Gott zu ihnen sagte:
… „Der Herr hat das Land verlassen, und der Herr sieht nicht“, sagen sie. Auch ich werde mein Auge nicht schonen und mich nicht erbarmen und ihre Wege auf ihr eigenes Haupt bringen. Hesekiel 9:9b-10
Wenn Sie lesen, welche Dinge jenes Volk, zu dem Gott diese Worte sagte, tat, um Gott zu erzürnen (lesen Sie die Kapitel 8 und 9 in dem Buch, das der Prophet Hesekiel schrieb, das genügt), so bleiben sie neben uns wie reine Engel. Wenn wir auf die Werke unserer heutigen Welt blicken und die damaligen Menschen mit uns selbst vergleichen, sagen wir verblüfft: „Deswegen hat sich Gott so über sie erzürnt?“ Stellen Sie sich vor, was Gott nun uns gegenüber empfindet. Werden wir erst dann, wenn Gott, den wir blind gemacht und mit den Radiokanälen verglichen haben, indem wir sagten „Manchmal sieht er, manchmal sieht er nicht“, jedem von uns nach seinen Werken vergilt, verstehen, dass er gesehen hat? Wird dieses Verständnis uns dann noch retten?
Und die eigentliche Sache hängt auch nicht vom Glauben ab, ob Gott uns stets sieht oder nicht. Satan und seine Dämonen sind ohnehin in diesem Bewusstsein. Deshalb steht auch:
„Du glaubst, dass Gott einer ist; du tust recht daran, auch die Dämonen glauben es und zittern“ (Jakobus 2:19) in der Schrift nicht umsonst geschrieben.
Sie kennen sowohl die Existenz Gottes als auch seine Eigenschaften sehr gut. All dieses Wissen aber macht sie vor Gott nicht gut und wohlgefällig und verändert sie nicht. Es gibt auch keine Regel, dass auch wir uns verändern werden, wenn wir es wissen. Weniger das Wissen, sondern wie sehr wir das, was wir wissen, lieben und anwenden, ist wichtig. Ich glaubte fest, dass jeder, der Gott kennt, ihn auch lieben würde, doch leider habe ich aus den Erkenntnissen und Erfahrungen, die ich sammelte, gesehen, dass ich mich sehr geirrt habe. Ich achtete auf die Menschen, die meinen, viele Dinge für ihre Religion zu tun. Weil er in die Moschee, in die Kirche geht, weil er fastet und Weihnachten feiert, weil er bei den Gottesdiensten stets in den vordersten Reihen anwesend ist, weil er, wenn er in einer Religion ist, die von Tür zu Tür predigt, das Ziel hat, im Monat die meisten Stunden zu machen, weil er beim Steinigen des Teufels in der Panik zu Tode kam, und mit wie vielen Opfern er sich auch zeigen konnte, all das tat er stets auch, um jemanden in Dankesschuld zu setzen und einen Vorteil zu erlangen. Wenn ein Zeuge manchmal von Tür zu Tür predigt und die Stunden füllt, um jeden Monat das Etikett des Pioniers zu haben, so tut er das, wenn er jung ist, um zu heiraten, einen Partner zu finden, oder weil er von seiner Gemeinde Ansehen oder etwas Materielles erwartet, oder wenn seine Eltern Geld haben, um es von ihnen zu bekommen. Auch seine Eltern geben ihm diese Ermunterungen nur, damit sie sich in ihrer Umgebung rühmen können. Meinen Sie ja nicht, dass die Personen, von denen ich spreche, nur jung oder Kinder oder dergleichen sind, manchmal sind es Erwachsene über 40. Sie gleichen den Muslimen in Deutschland, die den Gebetsteppich auf dem Parkplatz ausbreiten und, sich umschauend, das rituelle Gebet verrichten. Sehen Sie, was Gott zu Mohammed über dieses Thema sagt:
Sie wollen dich damit, dass sie Muslime geworden sind (oder geglaubt haben), in Dankesschuld setzen. Sag ihnen: „Meint nicht, dass ihr mich damit, dass ihr Muslime geworden seid, in Dankesschuld setzt. Vielmehr steht ihr, wenn ihr in eurem Glauben aufrichtig seid, ihm gegenüber in Dankesschuld dafür, dass Gott euch auf den rechten Weg geleitet hat.“ Hucurat (49):17
Aus irgendeinem Grund erwarten wir immer von anderen, dass sie unseren Kummer und die Dinge, die uns bekümmern, verstehen, ach, und von Gott. Ich will nicht sagen, dass Gott des Trostes bedarf. Auf dem Weg, den wir gehen, erwartet uns eine Vernichtung, und das wird Gott nicht mit Freude, sondern mit Kummer tun. Wir alle, als gesamte Menschheit, hätten längst bereuen und von unseren Gräueltaten umkehren müssen. Doch wir gehen mit einer solchen Geschwindigkeit, dass nur ein von den Himmeln kommendes Ende all diese unsere Gräuel- und hässlichen und abscheulichen Werke wird bremsen können. (Offenbarung 6:10; 9:20-21; 16:21)
„…Wer gegen mich sündigt, tut Unrecht (Gewalt) an seiner eigenen Seele;
Alle, die mich hassen, lieben den Tod.„ (Sprüche Salomos 8:36)
Ach, könnten doch unsere Augen sehen, ach, könnte doch unser Herz verstehen, ach, würden wir doch unterscheiden und bereuen und von all unseren Bosheiten umkehren. Vielleicht, ja vielleicht, würde Jehova uns gnädig sein und von seinem glühenden Zorn ablassen.
Bleiben Sie gesund.
Ihsan Kiper Deutschland, Mittwoch, 12. Oktober 2005
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